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Selbstmord in der Literatur um 1900 am Beispiel von Hermann Hesses 'Unterm Rad'

Title: Selbstmord in der Literatur um 1900 am Beispiel von Hermann Hesses 'Unterm Rad'

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 46 Pages , Grade: 1

Autor:in: Edith Mallek (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit – Selbstmord um 1900 – befasst sich mit dem Phänomen des Suizids unter gesellschaftlichem und psychoanalytischem Gesichtspunkt. Um das Phänomen der großen Selbstmordwelle unter Jugendlichen um die Jahrhundertwende richtig einschätzen zu können, ist es von großer Relevanz sich die Situation der Gesellschaft im Wilhelminischen Zeitalter zu verdeutlichen.
Das erste Kapitel soll einen Einblick in die gesellschaftlichen Strukturen mit Schwerpunkt auf die Familie und Schule geben. Das zweite Kapitel befasst sich mit dem Psychoanalytischen Verein und deren Auseinadersetzung mit dem Selbstmord im besonderem dem Schülerselbstmord. Hier soll eine kurze Erklärung der Entstehung des Psychoanalytischen Vereins gegeben werden sowie die tatsächlichen Selbstmordzahlen zu dieser Zeit, um einen möglichen Grund für das Zustandekommen des Selbstmordkongresses 1910 zu erörtern. Das dritte Kapitel befasst sich mit den Autoren Hermann Hesse, Hans Fallada und Johannes R. Becher. Die Autoren wurden deshalb ausgewählt, da in ihrer Lebensgeschichte ein Selbstmord in jungen Jahren verzeichnet wurde. Ziel dieser Ausführungen ist, die möglichen Parallelen in den ersten 20 Jahren der drei Autoren aufzuzeigen. Eine Erklärung, warum sie versuchten sich umzubringen, vermag diese Arbeit nicht zu geben. Es soll lediglich gezeigt werden, dass Parallelen in den Lebensläufen vorhanden sind, die möglicherweise den Selbstmord fokussiert haben können.
Das vierte und letzte Kapitel befasst sich näher mit dem Buch „Unterm Rad“ von Hermann Hesse. Es soll anhand von Textstellen gezeigt werden, wie Familie und Schule den Protagonisten beeinflusst haben. Da das Werk mit dem Tod endet, soll untersucht werden, ob die Theorien des Psychoanalytischen Vereins anwendbar und für diesen Fall Gültigkeit hat. In diesem Teil wird größtenteils auf die Entstehungsgeschichten, Inhaltsangaben und mögliche Parallelen zu dem Autor verzichtet, da darüber bereits genügend geschrieben wurde und vorausgesetzt wird, dass das Publikum, für welches diese Arbeit gedacht ist, über diese Informationen verfügt

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Schule und Familie um 1900

1.1 Die Familie im Wilhelminischen Zeitalter

1.2 Die Jugend um 1900

1.3 Schule und Schulkritik um 1900

2. Die Wiener Psychoanalytische Vereinigung und ihre Auseinandersetzung mit dem Thema Schülerselbstmord

2.1 Die Wiener Psychoanalytische Vereinigung und der Selbstmord

2.2. Die Ergebnisse des Selbstmordkongresses 1910

2.2.1 Dr. Rudolf Reitler und die objektlose Angst als Ursache für den Selbstmord

2.2.2. Dr. med. Isidor Sadger und das Motiv der unerfüllten Liebe als Ursache für den Selbstmord

2.2.3. Dr. Wilhelm Stekel und die Überschätzung der Affektivität als Ursache für den Selbstmord

2.2.4. Dr. med. Alfred Adler und die veranlagte Minderwertigkeit als Ursache für den Selbstmord

2.2.5. Dr. phil. Karl Molitor und die Gesellschaft als Ursache für den Selbstmord

3. Der Selbstmord um 1900 anhand von Realbeispielen: Hermann Hesse, Hans Fallada und Johannes R. Becher.

3.1. Die Eltern

3.2. Die ersten zehn Lebensjahre

3.3. Die schulische Situation

3.4. Die Flucht aus dem Alltag

3.5. Der Selbstmord

3.6. Der Versuch einer Erklärung

4. Hermann Hesses „Unterm Rad“

4.1 Die familiären Verhältnisse

4.2 Die Jugend in Hesses „Unterm Rad“

4.3. Die schulische Situation

4.4 Der Tod Hans Giebenraths

Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Hauptseminararbeit untersucht das Phänomen des Schülerselbstmords um 1900 unter gesellschaftlichen und psychoanalytischen Aspekten. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern familiärer Druck, das schulische Umfeld und individuelle psychische Belastungen bei Jugendlichen zu suizidalen Handlungen führten und wie diese Problematik in Hermann Hesses Roman „Unterm Rad“ reflektiert wird.

  • Gesellschaftliche Strukturen und Bildungsdruck im wilhelminischen Zeitalter.
  • Wissenschaftliche Analysen der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung zum Suizid.
  • Biografische Fallbeispiele (Hesse, Fallada, Becher) als Realbeispiele für den Leistungsdruck.
  • Literarische Analyse von Hermann Hesses „Unterm Rad“ in Bezug auf die soziokulturellen Bedingungen.

Auszug aus dem Buch

4.4.Der Tod Hans Giebenraths

Wie aus den vorhergehenden Ausführungen erkennbar ist, liegen die Wurzeln für die Thematik des Selbstmordes in der jugendlichen Lebensgeschichte von Hermann Hesse selbst. In der Erzählung „Unterm Rad“ tauchen ebenfalls die Gedanken an Suizid als Flucht aus der ausweglosen Situation auf. Auf Grund des Gesellschafts- und Schuldruckes befindet sich der Protagonist am Ende der Erzählung in einer Situation des inneren und äußeren Scheiterns. Durch seine psychische Labilität ist es Hans nicht länger möglich, die für ihn vorgesehene Schullaufbahn zu befolgen. Symptome wie Kopfschmerzen und Müdigkeit sind als geistige Überforderung und als Symbol seines Scheiterns zu deuten. Im Laufe der Erzählung verfällt Hans zusätzlich immer häufiger in Träumereien und Wahnvorstellungen, die seinen sensiblen psychischen Zustand noch deutlicher werden lassen.

Mit den Gedanken und der Sehnsucht an den eigenen Tod scheint Hans die letzte Möglichkeit geblieben zu sein das Leben zu ertragen. Mit Hilfe von Naturschilderungen bereitet Hesse den Leser schon frühzeitig auf den tragischen Tod des Protagonisten vor und spiegelt so das seelische Befinden von Hans. 91

„Seit die ersten verwirrenden Eindrücke sich gemildert hatten und seit er auch an den Selbstmord selber nicht mehr glaubte, war Hans aus den erregten und wechselreichen Angstzuständen in eine gleichmäßige Melancholie hinüber geraten, in der er langsam und wehrlos wie in einem weichen Schlammboden versank.

Nun lief er in den Herbstfeldern umher und erlag dem Einfluss der Jahreszeiten. Die Neige des Herbstes (...) das reife, müde sterben wollen der Vegetation trieb ihn, wie alle Kranken, in schwere, hoffnungslose Stimmungen und traurige Gedanken. Er fühlte den Wunsch, mit zu vergehen, mit einzuschlafen, mit zu sterben und litt darunter, dass seine Jugend dem widersprach und mit stiller Zähigkeit am Leben hing.“ 92

Zusammenfassung der Kapitel

1. Schule und Familie um 1900: Dieses Kapitel erläutert die gesellschaftliche Ausgangslage im wilhelminischen Zeitalter mit Fokus auf Erziehungsnormen und Schulkritik.

2. Die Wiener Psychoanalytische Vereinigung und ihre Auseinandersetzung mit dem Thema Schülerselbstmord: Es werden die psychoanalytischen Theorien von Reitler, Sadger, Stekel, Adler und Molitor zum Suizid von Schülern vorgestellt.

3. Der Selbstmord um 1900 anhand von Realbeispielen: Hermann Hesse, Hans Fallada und Johannes R. Becher.: Die Lebensläufe der drei Autoren dienen als Fallbeispiele für die negativen Auswirkungen elterlicher und schulischer Erziehung.

4. Hermann Hesses „Unterm Rad“: Die Untersuchung analysiert, wie Hesse seine eigenen Erfahrungen in seinem Roman verarbeitet und das Scheitern des Protagonisten Hans Giebenrath durch äußeren Druck darstellt.

Schlüsselwörter

Selbstmord, Schülerselbstmord, Wilhelminisches Zeitalter, Psychoanalyse, Hermann Hesse, Unterm Rad, Erziehung, Leistungsdruck, Adoleszenz, Schulkritik, Hans Giebenrath, Minderwertigkeitskomplex, Gesellschaftskritik, Suizidprävention.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Suizid unter Jugendlichen um 1900 und analysiert, wie gesellschaftlicher und schulischer Druck zu dieser Zeit als Auslöser wirkten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das wilhelminische Erziehungssystem, psychoanalytische Erklärungsmodelle zum Selbstmord und die literarische Verarbeitung dieser Problematik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Ursachen für die damalige Welle von Schülerselbstmorden aufzuzeigen und zu prüfen, ob die Theorien der zeitgenössischen Psychoanalytiker auf Romanfiguren wie Hans Giebenrath anwendbar sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine Kombination aus historisch-gesellschaftlicher Kontextanalyse, der Auswertung psychoanalytischer Fachdiskussionen von 1910 und einer literaturwissenschaftlichen Werkinterpretation.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der damaligen Erziehung, die Zusammenfassung des Selbstmordkongresses von 1910, eine biografische Untersuchung dreier betroffener Autoren und eine detaillierte Analyse von Hesses „Unterm Rad“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Selbstmord, Jugend, wilhelminische Gesellschaft, Psychoanalyse, Erziehungsdruck und Adoleszenz.

Inwiefern beeinflusste die Wiener Psychoanalytische Vereinigung den Diskurs?

Die Mitglieder dieser Vereinigung, darunter Adler und Stekel, leisteten Pionierarbeit, indem sie den Selbstmord nicht nur als moralisches Versagen, sondern als psychologische Reaktion auf tiefgreifende Erziehungstraumata und unterdrückte Sexualität deuteten.

Warum wählte die Autorin gerade Hesse, Fallada und Becher als Fallbeispiele?

Diese drei Autoren wurden ausgewählt, da sie alle eine schwere Kindheit durchliefen, die von schulischem Druck und familiärer Strenge geprägt war, und in ihrer Jugend selbst suizidale Krisen oder Versuche erlebten.

Welche Rolle spielt die Schule für den Suizid von Hans Giebenrath?

Die Schule wird als „Mühlrad“ dargestellt, das die Individualität und die kindliche Seele des Protagonisten zermahlt, wodurch er den Halt verliert und an den hohen Erwartungen scheitert.

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Details

Title
Selbstmord in der Literatur um 1900 am Beispiel von Hermann Hesses 'Unterm Rad'
College
Justus-Liebig-University Giessen
Grade
1
Author
Edith Mallek (Author)
Publication Year
2005
Pages
46
Catalog Number
V62673
ISBN (eBook)
9783638558761
ISBN (Book)
9783656789574
Language
German
Tags
Selbstmord Literatur Beispiel Hermann Hesses Unterm
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Edith Mallek (Author), 2005, Selbstmord in der Literatur um 1900 am Beispiel von Hermann Hesses 'Unterm Rad', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62673
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