Der Titel meiner Arbeit lautet „Die Dienstbarkeit eines Christenmenschen“. Nun ist es
aber nicht möglich, dieses Thema darzustellen, ohne vorher geklärt zu haben, was
Luther eigentlich unter Freiheit selbst versteht. Denn die Dienstbarkeit ergibt sich erst
aus der Freiheit, wie sich am Ende der Darstellung zeigen wird.
Daher möchte ich der Argumentationsweise Luthers in seinem Traktat folgen und
zuerst auf die Freiheit eingehen, die sich aus dem Glauben eines Christenmenschen
ergibt und erst im zweiten Teil auf die Dienstbarkeit. An dieser Stelle wird dann das
Thema Liebe eine Rolle spielen. Aber dazu später im Text.
Mein Anliegen liegt darin, zu zeigen, dass ein Christenmensch kein geistliches,
theoretisches Wesen ist, sondern sich sein Glauben im Handeln an seinem Nächsten
erkennbar macht, ganz allein durch den Glauben an Gottes Sohn Jesus Christus.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Freiheit eines Christenmenschen
2.1. Der innere Mensch
2.2. Der Glaube als Erfüllung der Gebote
2.3. Der „fröhliche Wechsel“
2.4. Der Christ als König und Priester
3. Die Dienstbarkeit eines Christenmenschen
3.1. Der äußere Mensch
3.2. Der Dienst am Nächsten durch die Liebe
4. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ (1520) mit dem Ziel, die scheinbar widersprüchliche Doppelthese von der Freiheit und Dienstbarkeit des Christen aufzulösen und deren Einheit durch den Glauben an Jesus Christus aufzuzeigen.
- Die Dialektik von innerem und äußerem Menschen
- Die Bedeutung des „fröhlichen Wechsels“ in der Rechtfertigung
- Das geistliche Priestertum und Königtum des Christen
- Die Rolle der Liebe im Dienst am Nächsten
Auszug aus dem Buch
2.3. Der „fröhliche Wechsel“
Mit dem Glauben wird aber nun nicht nur die Seele mit dem Wort Gottes vereinigt, sondern sie vereinigt sich damit auch mit Christus selbst. Luther vergleicht diese Beziehung mit der eines Brautpaares. Der innere Mensch ist die Braut und Christus der Bräutigam, aus beiden wird ein Leib: „Denn wir sind Glieder seines Leibes“ (Eph 5,30). Das bedeutet, dass damit auch alle Dinge beiden gemeinsam werden, wie beispielsweise Glück und Unglück.
Das, was Christus hat, wird der gläubigen Seele zu eigen und umgekehrt:
„Die weyl Christus ist gott und mensch, wilcher noch nie gesundigt hatt, und seyne frumkeyt unübirwindlich, ewig und almechtig ist, ßo er denn der gleubigen seelen sund durch yhren braudtring, das ist der glaub, ym selbs eygen macht und nit anders thut, denn als hett er sie gethan.“
Damit werden die Sünden in Christus ersäuft, weil die Gerechtigkeit Christi allen Sünden zu stark ist. Das führt dazu, dass die Seele von ihren Sünden befreit wird und dafür die ewige Gerechtigkeit des Gottessohnes geschenkt bekommt. „Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus“ (1.Kor 15,57).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung bettet Luthers Schrift in den historischen Kontext des Streits mit dem Papsttum ein und führt in die zentrale Problemstellung der Doppelthese ein.
2. Die Freiheit eines Christenmenschen: Dieses Kapitel erläutert die Freiheit des inneren Menschen durch den Glauben, den „fröhlichen Wechsel“ mit Christus und die geistliche Würde des Christen als König und Priester.
3. Die Dienstbarkeit eines Christenmenschen: Hier wird dargelegt, wie sich die Freiheit des inneren Menschen im Handeln des äußeren Menschen äußert, insbesondere durch den Dienst der Liebe am Nächsten.
4. Zusammenfassung: Das Fazit führt die Argumentation zusammen und zeigt auf, wie durch den Glauben aus der Freiheit eine Dienstbarkeit erwächst, die den Menschen in Christus und den Nächsten einbindet.
Schlüsselwörter
Martin Luther, Von der Freiheit eines Christenmenschen, Glaube, Freiheit, Dienstbarkeit, Innerer Mensch, Äußerer Mensch, Fröhlicher Wechsel, Christus, Nächstenliebe, Rechtfertigung, Gesetz, Evangelium, Priestertum, Gottessohn.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Luthers Freiheitstraktat von 1520 und untersucht, wie der Christ gleichzeitig vollkommen frei und doch ein dienstbarer Knecht sein kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Unterscheidung zwischen dem inneren und äußeren Menschen, die Rolle des Glaubens als Erfüllung der Gebote und die daraus resultierende Nächstenliebe.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die scheinbare Widersprüchlichkeit von Luthers Doppelthese – der Christ sei „freier Herr“ und „dienstbarer Knecht“ zugleich – aufzulösen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematisch-theologische Analyse, die Luthers Primärtext unter Einbeziehung relevanter Forschungsliteratur interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Freiheitsbegründung durch den Glauben (Teil 2) und die praktische Umsetzung dieser Freiheit in den Dienst am Nächsten (Teil 3).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem die Rechtfertigung, der „fröhliche Wechsel“, die christologische Einheit und das Priestertum aller Gläubigen.
Wie unterscheidet Luther zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen?
Der innere Mensch ist durch den Glauben vor Gott frei und gerecht, während der äußere Mensch im Handeln gegenüber seinen Mitmenschen in der Welt steht.
Warum wird die Dienstbarkeit am Ende als leicht bezeichnet?
Da der Mensch durch den Glauben bereits in Gott verwurzelt ist und die Freiheit besitzt, muss er sich nicht mehr selbst durch Werke rechtfertigen, wodurch der Dienst am Nächsten aus freier Liebe geschieht.
- Quote paper
- Christine Hoppe (Author), 2005, Die Dienstbarkeit eines Christenmenschen in Dr. Martin Luthers Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen" (1520), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62728