Außenpolitik - Schweden und das Dritte Reich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

28 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Die Politik Schwedens um 1930

3. Schweden und Deutschland während und nach dem I. Weltkrieg

4. Die Zwischenkriegszeit 1933-
4.1. Als der Nationalsozialismus an die Macht kommt
4.2. Die Entwicklung der deutsch- schwedischen Beziehungen ab 1933
4.3. Wandel der nationalsozialistischen Außenpolitik in Zusammenhang mit Schweden
4.4 Vor dem Ausbruch des II. Weltkrieges
4.5. Die ersten Monate im zweiten Weltkrieg

5. Schlussbetrachtung

6. Bibliographie

7. Anhang

Außenpolitik – Schweden und das Dritte Reich

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit soll es im Folgenden um das deutsch- schwedische Verhältnis in der Zwischenkriegszeit (1933 bis 1939) gehen. Obwohl diese Eckdaten überwiegend von der deutschen Geschichte geprägt sind, wird sich diese Arbeit weitestgehend mit der schwedischen Perspektive beschäftigen.

Als Einführung in die Hausarbeit möchte ich kurz etwas weiter in die schwedische Geschichte eingehen, und zwar in Bezug auf ihre Außenpolitik:

Es ist nachweislich, dass Schweden seit 1523 keine militärische Besetzung über sich ergehen lassen musste und außerdem seit 1814 keine Kriege mehr in seinem Land stattfanden.[1] Während der Regierungszeiten der Könige Gustav II. Adolf (1611-1632) und Karl XII. (1697-1718) kam Schweden eine wichtige Bedeutung in der europäischen Großmachtpolitik zu. Dieses sollte jedoch bald durch Karl XIV. Johann (1818-1844)[2] resolut unterbunden werden. Karl Johann wurde als ehemaliger Marschall Bernadotte in Frankreich 1810 vom schwedischen Parlament zum Kronprinzen gewählt und nahm sich daraufhin zur Aufgabe die schwedische Außenpolitik radikal zu ändern und sie den in diesem Land zur Verfügung stehenden Ressourcen anzupassen.[3] Er beendete - damit verbunden - eine jahrhundertlange Feindschaft mit Russland und akzeptierte zumindest formell, dass Finnland, welches seit dem 12.Jahrhundert zum Königreich Schweden gehörte, vom russischen Zaren als Großfürstentum für sich beansprucht wurde. Somit wurde das Fundament für die kommende Neutralitätspolitik im Falle eines Krieges gelegt. Im 19. Jahrhundert lernte Schweden diese Politik, gegründet auf einem Balanceakt, auszuführen; zunächst zwischen Großbritannien und Russland und später insbesondere zwischen Deutschland und Russland. Im Zusammenhang mit der Ende des 19. Jahrhunderts einsetzenden Industrialisierung wandelte sich die traditionelle Wirtschaft Schwedens. Das bis dahin vorwiegend landwirtschaftlich geprägte Land richtete seine Industrie zunehmend auf den Export aus, so dass die Produkte schwedischer Erfinder mit großem Erfolg Einzug auf den Weltmärkten hielten. Schweden konnte mit der Zeit eine starke Volkswirtschaft aufbauen, wodurch die Grundlage für die Unabhängigkeit Schwedens in der Außenpolitik geschaffen werden konnte.

Wie schon zu Beginn erwähnt, wird es sich auf den nächsten Seiten jedoch hauptsächlich um die Zwischenkriegsjahre handeln und im Zusammenhang damit speziell das Verhältnis zwischen Schweden und dem Dritten Reich beleuchtet. Eine ganz besondere Rolle wird dabei die schwedische Presse spielen, durch die größtenteils immer wieder Konflikte zwischen Schweden und dem Dritten Reich entstanden.

2. Die Politik Schwedens um 1930

Bevor ich jedoch speziell auf die Beziehung der beiden Länder eingehe, ist es unerlässlich, etwas über die innenpolitisch- soziale Verfasstheit Schwedens zu erwähnen. Denn nur durch das Wissen über die Innenpolitik eines Landes kann man die Außenpolitik nachvollziehen.

Hauptsächlich waren es die Sozialdemokraten, die sich schon vor dem Ersten Weltkrieg zu einer planmäßigen – in die Richtung einer marxistischen – Wirtschaftsordnung bekannten, welche vor allem in Zusammenhang mit der steigenden Arbeitslosigkeit im fortschreitenden Industrialismus ihren Sinn finden sollte. Auf Grund dieser Arbeitslosenpolitik kam es dazu, dass Sozialdemokraten und Liberale zusammen die parlamentarische Regierungsform und Wahlrechtsänderungen durchsetzten. Mit den Spaltungen von Schwedens Sozialdemokratischer Partei 1917 und 1921 war mit der Etablierung der Kommunistischen Partei der reformistische Weg der Sozialdemokraten ausgestochen, was sich darin zeigte, dass die Partei nun für liberale Einflüsse und eine pragmatische Politik offen war.

1932 - im Zuge der Weltwirtschaftskrise - schaffte es die Sozialdemokratische Partei die Wahl überzeugend zu gewinnen. Der Grund dafür war hauptsächlich, dass es der Partei gelang, mit Hilfe eines überzeugenden Wahlmanifests mit einem handfesten Beschäftigungsprogramm den Arbeitslosen Hoffnung auf bessere Zeiten zu geben.[4]

Nachdem sich also nach den Reformen im Wahlrecht die Demokratie um 1920 in Schweden politisch vollständig durchgesetzt hatte, folgte nun also der politischen auch die ökonomische Demokratie. Es handelte sich hier um das angestrebte Gesellschaftsmodell eines egalitären Wohlfahrtsstaates. Jedoch gehen die Anfänge dieses Modells bis ins 19. Jahrhundert zurück, da es dort schon Bildungen verschiedener Volksgemeinschaften gab. Trotzdem liegt die „Wiege des schwedisches Modells“[5] in den 1930ern, da erst in diesen Jahren die notwendigen Bedingungen für die Umsetzung dieses Modells verfügbar waren; nämlich einerseits ein ausgereiftes Konzept für eine wohlfahrtsstaatliche Umgestaltung Schwedens und andererseits bestimmte politische und ökonomische Gegebenheiten zur Umsetzung dieses Konzepts.

Die SAP übernahm also bei der Reichstagswahl 1932 – mit Unterstützung der Bauernpartei (Bondeförbundet, BF) – die Regierungsverantwortung für Schweden, was im Nachhinein eine der folgenreichsten Wahlen in der politischen Geschichte Schwedens sein sollte. Bis auf eine dreimonatige Unterbrechung im Jahre 1936 blieben die Sozialdemokraten 44 Jahre in Folge an der Macht.

Im Vergleich zu Deutschland fehlten Schweden jegliche Erfahrungen von Weltkrieg, Niederlage und dem Versailler Friedensvertrag, was einen gravierenden Unterschied in Bezug auf die Situation der beiden Länder ausmachte. Auf Grund seiner wohlwollenden Neutralität gegenüber Deutschland im Ersten Weltkrieg ist es vom Weltkrieg wie auch von dessen Nachwirkungen verschont geblieben. Selbst die Weltwirtschaftskrise erreichte Schweden erst 1931, wodurch die schwedische Ökonomie nicht so drastisch betroffen war wie die in den anderen Länder.

Innenpolitisch waren in den 1930ern Persönlichkeiten aus der sozialdemokratischen Partei prägend für Schweden. Wichtig zu nennen sind hier Per Albin Hannson[6], Ernst Wigforss und Gustav Möller, die sich alle einen bleibenden Platz in der schwedischen Geschichtsschreibung gesichert haben. Vor allem Hannson, der das aus dem konservativen Lager stammende Schlagwort vom „Volksheim“ (folkhemmet) förderlich für die SAP einzusetzen wusste, wird heute als „Vater des Schwedischen Wohlfahrtsstaates“ angesehen. Bei ihm „ist das Volksheim eine durch politische Reformprogramme greifbare Nahutopie, die durch Wohlbefinden und Sicherheit bei Freiheit und Einvernehmen gekennzeichnet“ ist[7]. Gustav Möller, Sozialminister von 1933 bis 1947, war zuständig für die praktische Umsetzung des Wohlfahrtsstaates und Ernst Wigforss, Finanzminister von 1932 bis 1949 entwarf letztendlich zum größten Teil die ökonomisch- theoretischen Grundlagen für die sozialdemokratische Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Wie schon erwähnt, konnte sich die SAP in den 1930ern mit diesem sozialpolitischen Programm am glaubwürdigsten und kompetentesten gegen alle anderen Parteien durchsetzen. Gerade was die Verteidigung von Schwedens nationalen Interessen und auch die innenpolitische Situation betraf, hatten sie das best ausgearbeitete Konzept. Somit wurden die Wohlfahrtspolitik zur nationalen Politik und die soziale Sicherheit Teil der schwedischen nationalen Identität.

Es herrschte in der SAP weitgehende Einigkeit darüber, dass es nur möglich war, die innenpolitischen Reformen durchzusetzen, wenn außenpolitisch das Grundprinzip walte, dass Schweden in keinerlei militärischer Großmachtkonflikte verwickelt werden dürfe.

3. Schweden und Deutschland während und nach dem I. Weltkrieg

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges erklärte Schweden seine Neutralität.

Die Illusion von einer schwedisch- rumänischen Zusammenarbeit gegen Russland platzte und auch die schwedische Expedition nach Aland[8] und Finnland – eine mögliche Voraussetzung dafür, Schweden in einen Krieg hineinziehen zu können – war auf Grund der geringen Anzahl an Truppen nicht möglich.

Das waren wohl einige wenige Motive dafür, dass Deutschland die Hoffnung aufgab, Schweden wenigstens politisch anzuschließen. 1917 äußerte sich der deutsche Gesandte in Stockholm (Lucius von Stoedten), dass selbst der Reichskanzler 1916 „gar nicht ein Eingreifen Schwedens [wünschte]“[9], was jedoch nicht heißen soll, dass dieses Verständnis aus deutscher Sicht von Anfang an herrschte. 1914 nämlich wurde starkes Missfallen von deutscher Seite laut, was Schwedens allzu große Nachgiebigkeit gegenüber England betraf und auch 1915 waren die Deutschen unzufrieden, denn sie schafften es nicht, Schweden für ein Zusammengehen gegen Russland zu überzeugen.

Auf Grund der sinkenden Kriegskonjunktur jedoch und der immer schlechter werdenden Versorgungsmöglichkeiten (verursacht durch die Blockade der Alliierten[10]) entwickelte sich die Neutralität Schwedens immer positiver gegenüber Deutschland, was vom Reichstag 1916 auffallend gewürdigt wurde.[11]

Im Zusammenhang mit den politischen Ereignissen in Russland und den USA wurde im März 1917[12] die schwedische Regierung mit starker Linkskoalition neu gebildet, was jedoch nichts an der Abhängigkeit der deutschen Brennstoffzufuhr änderte. Deshalb kam es 1918 zu einem weiteren Abkommen, das die schwedische Lieferung von Eisenerz, Zellulose und Papier festsetzte.[13]

Auch die Aland- Frage wurde 1918 nochmals aufgegriffen: Schweden unterschrieb ein deutsch- schwedisches Protokoll, in dem es sich verpflichtete, den Westmächten keine Einmischung während oder nach dem Weltkrieg in die Aland- Angelegenheiten zu gestatten.

Trotz allem kam es sehr bald zu zahlreichen einschneidenden politischen Veränderungen, wodurch auch das Verhältnis zwischen Deutschland und Skandinavien stark betroffen sein sollte: 1918 erlitt Deutschland die militärische Niederlage im Ersten Weltkrieg, womit dieser beendet war. In dem folgenden Jahrzehnt nahmen daher die Berührungspunkte mit Deutschland in den skandinavischen Ländern ab. Außer humanitäre Hilfsmaßnahmen für unterernährte Kinder und gelegentlichen diplomatischen Unterstützungen bei Reparations- und Minderheitenfragen im Völkerbund[14] kam es nicht wirklich zu bedeutenden Kontaktaufnahmen zwischen Skandinavien und Deutschland.

Nachdem einige schwierige Jahre in Bezug auf das Verhältnis zwischen Schweden und Deutschland zurücklagen, sollten sich die wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder bald wieder ins Positive entwickeln. Das geschah hauptsächlich dadurch, dass mehrere deutsche Großunternehmen – wie zum Beispiel Krupp oder Junkers- Werke Dessau – in dieser Zeit beachtliche Aktienanteile an schwedischen Firmen (Bofors, AB Flygindustri)[15] kauften. Hierbei schien es sich mehr oder weniger um eine verdeckte militärische Zusammenarbeit zu handeln, die es Deutschland möglich machte, die im Versailler Vertrag festgelegten Beschränkungen zu umgehen. Doch Schweden erkannte sehr bald, dass durch diese Zusammenarbeit die Gefahr bestehen könnte, dass Deutschland versuchen würde Schweden auf ökonomischen Weg zu infiltrieren. Deshalb hob der Schwedische Reichstag das Gesetz von 1916, welches Ausländern den Besitz von knapp einem Fünftel der Aktien an schwedischen Unternehmen gestatte, 1936 wieder auf.

Ein grober Einschnitt in der sich positiv entwickelnden Beziehung geschah jedoch 1932 erneut. Der Grund dafür war, dass Deutschland den 1926 geschlossenen Handels- und Schifffahrtsvertrag – argumentierend mit dem Gefühl einer Benachteiligung – auflöste. Erst zwei Jahre später sollte ein neues Abkommen diese Kluft wieder schließen.

[...]


[1] Schwedische Außenpolitik, rg. vom Schwedischen Institut April 2005.

[2] gemeint ist die Regierungszeit

[3] Gerhardt/Hubatsch: Deutschland und Skandinavien, S. 295.

[4] Henningsen, Bernd: Deutschland, Schweden und die Ostsee- Region, S. 92.

[5] Huckstorf, Axel: Internationale Beziehungen 1933-1939: Schweden und das Dritte Reich, S. 26.

[6] siehe Anhang 1.

[7] Götz, Norbert: Ungleiche Geschwister, S. 224.

[8] Aland ist ein autonomes Gebiet in Europa, ähnlich verwaltet wie Südtirol, und liegt im hohen Norden. Es ist ein Inselreich aus über 6000 Inseln und Schären, in der Ostsee zwischen Schweden und Finnland gelegen. Durch die Jahrhunderte ein Spielball der Großmächte Schweden, Finnland und dem zaristischen Russland, genießt Aland seit 1922 die Selbstverwaltung.

[9] Bericht Lucius- Zimmermann 150, Ganz vertraulich, 8.2. 1917, Die deutschen Missionen im Auslande, im: Archiv des Auswärtigen Amtes, Bonn.

[10] Die „ Nordische Neutralitätspolitik“ war an ganz konkrete Voraussetzungen geknüpft, die auf der Grundlage der Haager Konvention von 1907 basierten. Im Falle des Seekriegsrechts sah es so aus, dass den Kriegsschiffen kriegführender Mächte zwar nur ein beschränkter Aufenthalt in den Territorial- und Binnengewässern der drei nordischen Staaten Norwegen, Dänemark und Schweden gewährt wurde, ihnen dafür aber der ungehinderte Durchmarsch durch den Kleinen und den Großen Belt sowie durch den Öresund (dänische und schwedische Hoheitsgewässer) gestattet wurde. Diese Neutralitätsregeln machten eine Blockade der Alliierten sehr einfach.

[11] Zwei Aufzeichnungen „Zur Verwertung im Reichshaushaltsausschuss“, Ende September 1916, Die Beziehungen zwischen Deutschland und Schweden, im: Archiv des Auswärtigen Amtes, Bonn.

[12] Am 6. April 1917 erklärten die USA dem Deutschen Reich den Krieg. Anlass war die Erklärung des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs durch das Reich, der auch viele zivile Opfer forderte. Vor dem Hintergrund der Kriegsbelastungen und aufgrund des starken Nahrungsmangels kam es am 8. März (23. Februar nach russischem Kalender) in St. Petersburg zu Massendemonstrationen, die sich zur Februarrevolution ausweiteten.

[13] Gerhardt/ Hubatsch: S.411.

[14] die nordischen Staaten gehörten dem Völkerbund seit 1920 und Deutschland seit 1926 an; gleichzeitig erhielt Deutschland einen Sitz im Völkerbundsrat, den es Schweden durch dessen Rücktritt zu verdanken hatte

[15] Gerhardt/Hubatsch: S. 419.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Außenpolitik - Schweden und das Dritte Reich
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Nordeuropa in der Zwischenkriegszeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
28
Katalognummer
V62732
ISBN (eBook)
9783638559263
ISBN (Buch)
9783638869485
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Außenpolitik, Schweden, Dritte, Reich, Nordeuropa, Zwischenkriegszeit
Arbeit zitieren
Anita Schwarzschulz (Autor), 2006, Außenpolitik - Schweden und das Dritte Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62732

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