Die Klasse 3 der …Schule besuchen zurzeit 20 Kinder (zwölf Jungen und zehn Mädchen) aus zehn Ländern. Die Lerngruppe präsentiert sich insgesamt als eine lebhafte und unruhige Gruppe, die jedoch sehr begeisterungsfähig ist und dem Sportunterricht aufgeschlossen und motiviert gegenüber steht. Insgesamt zeigen die Kinder alle einen hohen Bewegungsdrang, der entwicklungspsychologisch für Kinder im frühen Schulkindalter charakteristisch ist. Kinder in diesem Alter verfügen außerdem über eine ausgeprägte motorische Lern- und Leistungsfähigkeit 1 , die sich auch bei den Kindern dieser Klasse sehr bemerkbar macht.
Die Kinder haben Schwierigkeiten, Arbeitsaufträge in ihrer inhaltlichen Weite zu erfassen, daher wird besonders darauf geachtet, dass Arbeitsaufträge kurz und präzise formuliert werden. Zusätzliche Informationen und Tipps werden in den Kleingruppen während der Arbeitsphasen erteilt. 18 Kinder wachsen zweisprachig auf, was sich in einigen Fällen in den eingeschränkten sprachlichen Fähigkeiten widerspiegelt. Die meisten Kinder können meine Arbeitsanweisungen jedoch problemlos verstehen. Es zeigt sich, dass einige Kinder der Klasse hierfür besondere visuelle Unterstützungen benötigen und dass sie sich häufig an anderen Kindern orientieren. Aus diesem Grund werden auch im Sportunterricht Visualisierungen und unterstützendes Bildmaterial eingesetzt.
Das Sozialverhalten in der Klasse hat sich insgesamt sehr verbessert. Zahlreiche Kooperationsübungen, -spiele und das Bilden von Expertenteams haben hierzu beigetragen. Dennoch kommt es während Gruppenarbeit häufig zu Konflikten, die nur mit Hilfe der Lehrkraft gelöst werden können. S. und S. haben ihre Kontakt- und Kooperationsfähigkeit wesentlich verbessert Hierzu hat das Reitprojekt einen großen Beitrag geleistet. Dennoch fällt es beiden Kindern noch schwer sich selbstständig einen Lernpartner zu suchen und Aufgaben gemeinsam mit Anderen Kindern zu lösen. Es gilt daher die beiden Kinder immer wieder in Gruppenarbeiten einzubinden und sie in der Kontaktaufnahme zu ihren MitschülerInnen zu unterstützen. In der Klasse befinden sich Jungen, die unter Wahrnehmungsschwächen leiden. Sie können oft dem Unterrichtsgeschehen nicht folgen und beginnen dann, ihre Klassenkameraden abzulenken oder gar Streitigkeiten auszulösen. Zwei dieser Jungen zeigen besondere Verhaltensauffälligkeiten: A. verfügt über einen hohen Drang sich zu bewegen und ist somit immer rege am Sportunterricht beteiligt. [...]
Gliederung
1. LERNGRUPPENBESCHREIBUNG
2. SACHANALYSE
3. STELLUNG DES THEMAS IN DER UNTERRICHTSEINHEIT
4. DIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN
5. METHODISCHE ÜBERLEGUNGEN
6. VERLAUFSSKIZZE
Zielsetzung und Themen der Unterrichtseinheit
Das primäre Ziel dieser Unterrichtseinheit ist die Entwicklung von Strategien zum Aufbau der dritten Ebene einer Menschenpyramide, wobei die Schülerinnen und Schüler ihre körperlichen und motorischen Fähigkeiten gezielt in die Gruppe einbringen sollen. Im Zentrum steht dabei die Förderung kooperativer Lernprozesse und sozialer Kompetenzen durch eine problemorientierte Aufgabenstellung im Rahmen der Partnerakrobatik.
- Entwicklung und Erprobung von Lösungsstrategien für den Pyramidenbau
- Schulung von Gleichgewicht, Körperspannung und Körperwahrnehmung
- Förderung der gegenseitigen Verantwortung und des Vertrauens
- Integration und Kooperation innerhalb der Klassengemeinschaft
- Sicherheitsbewusstes Handeln beim Erarbeiten akrobatischer Figuren
Auszug aus dem Buch
2. Sachanalyse
"Unter Akrobatik versteht man allgemein körperliche Bewegungen, die hohe koordinative und konditionelle Anforderungen an den Ausübenden stellen." Das Wort Akrobatik leitet sich aus dem griechischen Wort 'akrobates' ab und bedeutet 'der auf den Fußspitzen Gehende'. Ursprünglich war dies der Begriff für einen Seiltänzer.
Das zentrale Bewegungsproblem der Akrobatik besteht im Halten und Wiederherstellen des Gleichgewichts. Daher fällt die Akrobatik in den Bereich des Turnens und ist dem Balancieren zugeordnet. Zur Akrobatik zählen unterschiedliche Bereiche, wie beispielsweise die Hochseilakrobatik, die Akrobatik am Trapez und die Boden- bzw. Partnerakrobatik, die auch Equilibristik genannt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. LERNGRUPPENBESCHREIBUNG: Die Lerngruppe zeichnet sich durch einen hohen Bewegungsdrang, eine lebhafte Art und eine hohe Begeisterungsfähigkeit aus, wobei besondere Aufmerksamkeit auf visuelle Unterstützung und die Förderung des Sozialverhaltens gelegt wird.
2. SACHANALYSE: Dieses Kapitel definiert die Akrobatik als Teilbereich des Turnens, der hohe Anforderungen an Gleichgewicht, Kraft und Körperspannung stellt, und erläutert die Bedeutung der Partnerakrobatik als kooperative Disziplin.
3. STELLUNG DES THEMAS IN DER UNTERRICHTSEINHEIT: Es wird der didaktische Aufbau der gesamten Reihe beschrieben, der vom Aufbau grundlegender Vertrauens- und Sicherheitsaspekte bis hin zur komplexen Gestaltung von Gruppen- und Großgruppenpyramiden reicht.
4. DIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN: Die Wahl der Akrobatik begründet sich durch deren hohen Aufforderungscharakter, den Bezug zum Zirkusprojekt sowie das enorme Potenzial zur Förderung von körperlicher Selbstbeherrschung und sozialen Kompetenzen.
5. METHODISCHE ÜBERLEGUNGEN: Hier wird der Einsatz kooperativer Lernformen erläutert, wobei die Schülerinnen und Schüler durch problemorientierte Aufgabenstellungen dazu angeregt werden, eigenständig Lösungsstrategien für den Aufbau von Pyramiden zu entwickeln.
6. VERLAUFSSKIZZE: Diese Übersicht stellt den zeitlichen Ablauf der Sportstunde dar, unterteilt in Einstieg, Bewegungsphasen, Reflexionsmomente und Abschluss.
Schlüsselwörter
Partnerakrobatik, Menschenpyramiden, Gleichgewichtsfähigkeit, Kooperation, Körperspannung, Körperwahrnehmung, Grundschule, Bewegungsdrang, Soziale Kompetenzen, Problemorientiertes Lernen, Vertrauen, Statisches Gleichgewicht, Bewegungsabläufe, Sicherheitsregeln, Differenzierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption und methodischen Durchführung einer Sportstunde zum Thema Partnerakrobatik in einer dritten Grundschulklasse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Unterrichtsreihe?
Die zentralen Felder umfassen die Schulung motorischer Fähigkeiten wie Gleichgewicht und Kraft sowie die Förderung sozialer Interaktion und Kooperation innerhalb der Klassengemeinschaft.
Was ist das primäre Ziel der beschriebenen Unterrichtsstunde?
Das Ziel ist, dass die Kinder eigenständig Strategien entwickeln, um eine Menschenpyramide um eine dritte Ebene zu erweitern, wobei sie ihre körperlichen Fähigkeiten gewinnbringend in die Gruppe einbringen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird der Ansatz des kooperativen Lernens verfolgt, bei dem die Schülerinnen und Schüler durch problemorientierte, offene Aufgabenstellungen zum gemeinsamen Problemlösen angeregt werden.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Lerngruppenbeschreibung, eine fachwissenschaftliche Sachanalyse, didaktische sowie methodische Begründungen und eine detaillierte Verlaufsplanung der Sportstunde.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Charakterisierende Begriffe sind unter anderem Partnerakrobatik, Kooperation, Gleichgewichtsfähigkeit, Körperspannung und problemorientiertes Lernen.
Warum wurde gerade die Bankstellung als Basistechnik gewählt?
Die Bankstellung wurde gewählt, da sie in diesem Alter aufgrund der entwicklungspsychologisch stärker ausgeprägten Beinkraft gegenüber der Armkraft als sicherer und stabiler angesehen wird.
Welche Bedeutung haben die Jongliertücher für die Schülerinnen und Schüler?
Die Jongliertücher dienen als visuelle Markierung der Verbotszone, um die Kinder bei der Arbeit an der Pyramide nachhaltig daran zu erinnern, die empfindliche Wirbelsäule des Partners nicht zu belasten.
Wie wird das individuelle Feedback der Kinder am Ende der Stunde erfasst?
Das Feedback erfolgt durch die Wahl eines Smileys (lachend oder weinend) aus einer Kiste, wodurch die Lehrkraft ein unmittelbares Stimmungsbild über den Erfolg und die Atmosphäre der Stunde erhält.
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- Tanja Vorderstemann (Author), 2006, Unterrichtsstunde: Partnerakrobatik - Bankpyramiden mit drei Ebenen (3. Klasse), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62754