Charles Fourier und die französischen Frühsozialisten


Hausarbeit, 2004

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Kurze Biographie
2.2 Die Idee einer neuen Gesellschaftsordnung
2.3 Arbeit/ Kapital/ Handel
2.4 Ehe und Liebesakt
2.5 Kinder und Kindererziehung
2.6 Gott und die Schöpfungen
2.7 Kunst und Wissenschaften
2.8 Mahlzeiten
2.9 Glück

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Gesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts war geprägt von Klassenkämpfen. Gerade Frankreich wurde auch noch lange nach der Französischen Revolution (1789) von dem alten Wirtschaftssystem beherrscht. Verglichen mit England und Deutschland war Frankreich das eigentliche Land des Sozialismus (vgl. Droz 1974: S 106). Charles Fourier, einer der Utopisten dieser Zeit , prägte mit seiner Idee einer sozietären Ordnung, den Sozialismus. „Im Gegensatz zu anderen großen Sozialutopisten seiner Zeit, Robert Owen, und gegen die Traditionslinie der Utopie seit Thomas Morus trat Fourier indes nicht für die “fade Moral” der Gütergemeinschaft und des Egalitarismus ein, sondern proponierte einen “abgestuften Reichtum” im Hinblick auf Privateigentum und Unterschiede im Lebensstandard, […]“ (vgl.Waschkuhn, 2003: S.110). Sein Hauptwerk: Theorie der vier Bewegungen und der allgemeinen Bestimmungen, welches im Jahre 1808 herausgegeben wurde, stellt das Grundgerüst für meine Hausarbeit dar. In diesem Buch beschreibt er detailliert und ausführlich seine Vorstellung von der idealen sozietären Ordnung. Der Schwerpunkt der Hausarbeit liegt auf der folgenden Fragestellung:

Was versteht Fourier unter einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung, wie setzt sich diese zusammen und welche Aspekte sind ihm in diesem Zusammenhang wichtig?

Wie dem Inhaltsverzeichnis zu entnehmen ist, gehe ich in Anbetracht dieser Fragestellung auf die dort aufgeführten Themen genauer ein. Wichtig für das Verständnis dieser und zeitnaher Theorien ist die geschichtliche Einordnung in den Kontext.

Wie oben angeführt, ist das Ende des 18. Jahrhunderts mit vielen religiösen, politischen und sozialen Kämpfen gebrandmarkt. Nach den historischen Ereignissen der französischen Revolution 1789 tritt in Frankreich eine Periode des Stillstands ein. Die Gesellschaft ist gekennzeichnet von Klassenkämpfen und Armut und das Volk ist ganz und gar damit beschäftigt, seine Aufmerksamkeit und Interesse diesen Dingen zu widmen. Es scheint außer Stande, sich näher mit anderen Dingen zu beschäftigen. Auch die Kirche spielt zu dieser Zeit noch eine große Rolle in den Gesellschaften und deren Denkweisen.

Wie aus der Biographie von Charles Fourier zu sehen ist, nimmt die spätere Arbeiterbewegung, die aufgrund der erbärmlichen Zustände und Ausbeutung der Arbeiter zustande kam, ebenfalls enormen Einfluss auf die Entwicklung des Landes (vgl. Bebel, 1888: S.3). „Der utopische Sozialismus entfaltete sich in einer Übergangsphase, in der die industrielle Produktion nur langsam Fortschritte machte[…]“ (vgl. Droz, 1974: S. 109).

Zum ersten Mal wurde das Wort Sozialismus im Jahre 1831 in Journalen und Zeitungen verwendet (vgl. Droz, 1974: S. 108). „Nur sehr wenige Sozialisten dieser Zeit standen nicht unter dem Einfluss Saint-Simons oder Fouriers.“ (vgl. Droz, 1974: S 163). Saint-Simon und Charles Fourier sind Vertreter des utopischen Frühsozialismus in Frankreich, während Cabet, Auguste Blanqui und die Neo-Babouvisten dem Kommunismus zuzuordnen sind. Auch in anderen Ländern schrieben bekannte Autoren wie z.B. Robert Owen (England) ihre Utopien. Die Utopisten haben jedoch eines gemeinsam: sie berufen sich alle auf ihre eigene Utopie, in der sie keinerlei Abweichungen und Kritik zulassen und sich fanatisch ihrer eigenen Idee widmen.

2. Hauptteil

2.1 Kurze Biographie

Francois Marie Charles Fourier wurde am 07. April 1772 in Besancon (Frankreich) als Sohn eines Tuchhändlers in ein wohlhabendes Buergermilieu als 4. und jüngstes Kind geboren. Als sein Vater starb, hinterließ er der Familie ein großes Vermögen, wovon Charles 2/5 (ca. 80.000 Livres) erhielt (vgl. Bebel, 1888: S. 17-21 und vgl. Droz, 1974: S. 131-132). Von nun an lebte er in einem reinen Frauenhaushalt mit seiner Mutter und seinen erstgeborenen drei Schwestern. Diese persönlichen Erfahrungen prägten auch seine Denkweise und seine später aufgestellte Gesellschaftsordnung. „[…] der Hass auf die Institution der Familie bzw. auf die monogame Ehe, eine Abneigung gegen die gegen die Geschäftswelt und die Anziehungskraft der Frauenwelt auf ihn.- Familie und Handel wurden ihm zum Schicksal“ (vgl. Waschkuhn, 2003: S. 106). 1789 wurde er, nachdem er seine Gymnasialbildung erfolgreich abgeschlossen hatte, von seiner Familie aufgefordert, sich den geschäftlichen Dingen zuzuwenden. Nach 2 Jahren Protests beugte er sich dem Willen der Familie und wurde Handlungsreisender in Lyon, wo er im kaufmännischen Bereich eine Ausbildung machte, obwohl er nichts mehr verachtete als den Handel. Im Jahre 1793 wurde er durch Konventstruppen seines gesamten Vermögens beraubt. Bevor er nach Lyon ging, hatte er versucht, eine Stelle beim Militär zu bekommen, wurde aber wegen seiner bürgerlichen Abstammung abgelehnt. Nach seiner Lehre in Lyon besuchte er als Handlungsreisender große französische Städte wie Paris und Dijon aber auch Städte in Deutschland, Holland und Belgien. Bei diesen Aufenthalten stellte er auch wichtige Untersuchungen für sein späteres Hauptwerk an . Er studierte bei diesen Reisen genauestens die Bewohner, Gewerbe, Bauarten der Städte und Strassen, Bodenbeschaffenheiten, Aufbau der Bildungsstädte usw. 1808 erschien sein Hauptwerk „Theorie der vier Bewegungen und der allgemeinen Bestimmungen”. Nach diesem Band widmete er sich weiter seiner Idee einer neuen Gesellschaftsordnung. Nicht alle Werke erschienen noch zu seinen Lebzeiten. Sein erotisches Hauptwerk „Aus der neuen Liebeswelt” erschien z.B. erst 1967.

Ab 1930 konnte sich Charles, Dank der Unterstützung von Freunden, ganz der eigenen Arbeit widmen und seinen Posten als Handlungsreisender aufgeben (vgl. Adorno, 1966: S. 42, vgl. Bebel, 1888: S. 18-21, vgl. Waschkuhn, 2003 S. 106-107). In der Zeit vor seinem Tod wartete er täglich um 12 Uhr in seinem Haus auf einen Geldgeber, der ihm das erste Phalansterium finanzieren sollte, jedoch vergeblich. Am 10.10.1837 starb er in Paris (vgl. Waschkuhn, 2003: S. 108, vgl Adorno, 1966: S.42, vgl. http://www.net-lexikon.de/Charles-Fouriers.html). Seine Vorlieben galten der Geographie und Astronomie (welches in seinem Hauptwerk über Seiten genau ausgeführt wird), aber auch der Pflanzenwelt und der Musik (vgl. Bebel,1888: S.19-21). Alle diese Interessensschwerpunkte tauchen in unterschiedlichen Funktionen in seinen Werken wieder auf. Sein Hass galt den Sprachen (er fordert in seinem Hauptwerk eine einheitliche Sprache – natürlich Französisch), dem Handel, den Philosophen (auch hierüber sind lange Absätze in Hauptwerk gewidmet) und den nutzlosen Tieren (vgl.Bebel, 1888: S. 19-21).

2.2 Die Idee einer neuen Gesellschaftsordnung

„Fourier wirft in seinen Texten alle Moralbegriffe seiner Zeit über den Haufen[...]“ und legt sich mit vielen Zeitgenossen an (vgl. Waschkuhn, 2003: S. 108). Seine Idee baut auf dem Genossenschaftsprinzip auf, welches zum Ziel hat, die soziale und häusliche Lage seiner Mitglieder wesentlich zu verbessern. Dabei besteht seine Welt aus industriellen und landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, welche durch die menschlichen Leidenschaften und Triebe in Gang gehalten werden. Seine Genossenschaft nennt er Phalanx oder Phalanstere. Sie setzt sich aus 1600-1800 Personen aller Klassen, Generationen und Charaktere zusammen. Am Anfang soll es ca. 2300 Hektar umfassen (vgl. Adorno, 1966: S. 9-15, vgl. Waschkuhn, 2003: S. 108-110). Der Mensch hat die Leidenschaften als bewegendes Prinzip, welche der alleinige Motor der sozialen Bewegung sein soll. Dieser besteht aus 3 Prinzipien: “[…]

- den Trieben (passions) als actives und bewegendes Prinzip
- dem Körper als actives und bewegendes Prinzip und
- der Intelligenz, als neutrales und regulierendes Prinzip.“

(vgl. Bebel, 1888: S. 31-32).

Die Leidenschaften der Menschen steuern durch Ihre Anziehungskraft zu den verschiedenen Dingen die Motivation der Menschen zu bestimmten Handlungen. Dabei unterscheidet er zwischen fünf sensuellen Sinne (Geruch, Geschmack, Sehvermögen, Hoervermoegen, und den Tastsinn = fünf Sinne), vier Gruppenleidenschaften (Freundschaft, Ehrgeiz, Liebe und Familientrieb) und drei fast noch unbekannte soziale Leidenschaften (Streitlust, Veraenderungstrieb und Begeisterung) (vgl.Adorno, 1966: S. 124-129, vgl. Bebel, 1888: S. 34-36). Die Befriedigung menschlicher Triebe schafft die Harmonie des Menschen mit sich selbst und mit Gott. Nach Fourier gibt es keine schlechten Triebe. „Es sind nun vier Bewegungen, oder wie er später aufstellte, fünf, welche die ganze Welt in Tätigkeit setzen und sie den Bestimmungen entgegenführen.

1. Die normale Bewegung; Gesetze der Anziehung für die imponderablen (unwägbaren) Elemente, Elektrizität, Magnetismus, Gerüche.
2. Die tierische und instinktuelle Bewegung; Gesetze der Anziehung für die Triebe und Instinkte aller erschaffenen Wesen, wann und wo immer sie waren, sind und sein werden.
3. Die organische Bewegung: Gesetze der Anziehung für die Eigenschaften der Körper: Form, Farbe, Geschmack, Geruch u.
4. Die materielle Bewegung- bereits durch die Mathematiker (Newton) entdeckt – Gesetze der Anziehung der Gravitation der Weltkörper (Planeten Zisterne). […]
5. Die soziale Bewegung – der eigentliche Angelpunkt (…) des Ganzen – die Gesetze, welche die Ordnung und Aufeinanderfolge der verschiedenen sozialen Gestaltungen auf allen Weltkörpern regeln.[…] Die Bestimmung des Menschen ist das Glück, das in der Entwicklung aller seiner Anlagen, der Befriedigung aller seiner Triebe liegt.“ (vgl. Bebel, 1888: S. 32-33). Er sieht für den Zeitraum der Harmonie 14 neue Schöpfungen vor. Für die künftigen Schöpfungen wird es 549 neue Tierarten geben, davon werden 7/8 zähmbare Tiere sein (vgl. Adorno, 1966: S. 15-21). „Nach Art der Familienformen, denen jeweils ein bestimmtes Arbeitssystem zugeordnet sei, unterscheidet Fourier die vier Gesellschaftsordnungen der Wildheit, des Patriarchats, der Barbarei und der Zivilisation.“ (vgl. Adorno, 1966: S. 29). Alle diese Formen sind, am Zustand der Leidenschaften gemessen, verkehrt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Charles Fourier und die französischen Frühsozialisten
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Staats- und Gesellschaftsutopien
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V62783
ISBN (eBook)
9783638559720
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ausführliche Darstellung der Utopievorstellung von Charles Fourier
Schlagworte
Charles, Fourier, Frühsozialisten, Staats-, Gesellschaftsutopien
Arbeit zitieren
Rebecca Zimmers (Autor), 2004, Charles Fourier und die französischen Frühsozialisten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62783

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