"La Reine Coax" - ein Märchen?


Seminararbeit, 2006

22 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehung des Märchens
2. 1. Ursprung des Märchens
2. 2. Entstehung des Märchens
2. 3. Die Gattungsdefinition

3. Die Brüder Grimm
3. 1. Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
3. 2. Sammeltätigkeit

4. „La Reine Coax“ – conte oder Märchen?
4. 1. Wunderbares, Unheimliches und Fantastisches
4. 2. Conte und Märchen

5. Das Märchen: Volksmärchen und Kunstmärchen
5. 1. Das Volksmärchen
4. 1. 1. Definitionsmerkmale des Volksmärchens
4. 1. 2. „Der Froschkönig oder der Eiserne Heinrich“
5. 2. Das Kunstmärchen
4. 2. 1. Definitionsmerkmale des Kunstmärchens
4. 2. 2. „La Reine Coax“
5. 3. Gemeinsamkeiten von Volks- und Kunstmärchen

6. Schluss

7. Bibliographie
7. 1. Primärliteratur
7. 2. Sekundärliteratur

1. Einleitung

In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit der Frage beschäftigen, inwieweit der conte „La Reine Coax“ von George Sand Gemeinsamkeiten mit der literarischen Gattung des Märchens aufweist.

Weil die Gattung des Märchens sich grob gliedern lässt in Volksmärchen einerseits und Kunstmärchen einerseits, werde ich zwischen diesen beiden Genres unterscheiden und auf die Definitionsmerkmale der jeweiligen Gattungen hinweisen. Das Volksmärchen möchte ich anhand des Grimmschen Märchens „Der Froschkönig“ genauer erläutern, das Kunstmärchen zwar mittels spezifischer Merkmale beschreiben, jedoch kein typisches Beispiel heranziehen, sondern den conte „La Reine Coax“ auf seine Gemeinsamkeiten hin mit dem Kunstmärchen analysieren.

Zur ersten Orientierung gebe ich einen Überblick über die Entstehungsgeschichte der Gattung des Märchens und weiters behandle ich das Element des Fantastischen bzw. des Wunderbaren, was wesentliche Bestandteile des Märchens und des conte sind. Nach der Gegenüberstellung von „Der Froschkönig“ und „La Reine Coax“, weise ich auf einige gemeinsame Merkmale hin.

Zur Beschreibung der Wesensmerkmale des Volks- und des Kunstmärchens stütze ich mich auf die Unterscheidungskriterien von Stefan Neuhaus, der anhand einer Tabelle sämtliche wichtige Eigenschaften zusammengefasst hat.[1]

2. Entstehung des Märchens

2. 1. Ursprung des Märchens

Das Märchen, Geschichten von Königen und Prinzessinnen, von verwunschenen Gestalten, guten Feen und bösen Hexen. Was unterscheidet aber das Märchen von fantastischen Erzählungen und wovon lässt sich der Begriff Märchen ableiten?

Eine Definition des Begriffs Märchen nach Lüthi erklärt:

Die deutschen Wörter ‚Märchen’, ‚Märlein’ (mhd. maerlîn) sind Verkleinerungsformen zu ‚Mär’ (ahd. mâri f., mhd. maere f. und n., Kunde, Bericht, Erzählung, Gerücht), bezeichnen also ursprünglich eine kurze Erzählung. Wie andere Diminutive unterlagen sie früh einer Bedeutungsverschlechterung und wurden auf erfundene, auf unwahre Geschichten angewendet…[2]

Nach dieser Definition wäre jeder literarische Text auch als Märchen zu bestimmen, denn immerhin besteht „Literatur […] aus sprachlichen Zeichen, die keinen Referenten in der Realität haben, die ihre Leser umgibt.“ (Neuhaus, Märchen, S. 1) Weil aber der Begriff der Literatur und der des Märchens nicht synonym verwendet werden, muss noch genauer definiert werden, wodurch sich das Märchen als literarische Gattung auszeichnet.

2. 2. Entstehung des Märchen

Trotz den Forderungen der französischen Revolution nach einem modernen Konzept einer Nation, verbunden mit politischer Partizipation des Bürgertums um dessen Identifizierung mit der eigenen Nation zu fördern, wurde das Bürgertum zuerst von der napoleonischen Besetzung, dann durch die dem Wiener Kongreß 1815 folgende Restaurationspolitik aus der politschen Öffentlichkeit zurückgedrängt, was bedeutet, Identitätsbildung und Selbstverwirklichung spielte sich nur auf kulturellem Ebene in privatem Raum statt. (vgl. Neuhaus, Märchen, S. 5) Naturwissenschaftliche und technische Entwicklungen hatten der Bevölkerung sicheren Wohlstand beschert, zugleich aber die Religion als weltanschauliche Konzeption in Frage gestellt und damit eine Art Orientierungslosigkeit herbeigeführt. Zurückgezogen ins Privatleben, suchte die Bevölkerung nun nach neuer Geborgenheit. Neben dem rationalen Weltbild, wurde das Verlangen nach Mystischem und Transzendentalem laut. Da „das Märchen […] zwischen Realität und Transzendenz [steht] […] bietet [es] sich deshalb wie keine andere Gattung an, die divergierenden Bedürfnisse zu erfüllen. Es bietet Trost im Alltag und ist offen für jede Art von Glauben“. (Neuhaus, Märchen, S. 6)

Der Aspekt der Transzendenz ist nur einer von zwei wesentlichen Faktoren, die zur Entstehung des Märchens beigetragen haben. Vor allem im ungeeinten deutschsprachigen Raum spielte das Märchen als Bestandteil einer gemeinsamen Kultur und Geschichte eine wichtige Rolle. (vgl. Neuhaus, Märchen, S. 5)

2. 3. Die Gattungsdefinition

Im 18. Jahrhundert erst setzte sich der Sammelbegriff Märchen als Gattungsbezeichnung durch. Bei Neuhaus heißt es dazu: „Dabei wird vor allem an die französischen Feenmärchen angeschlossen, die conte de fée,“. (Neuhaus, Märchen, S. 2)

Mit Beginn der Romantik im 19. Jahrhundert erfuhr der Begriff des Märchens eine etwas exaktere Definition. Märchen, die vor allem mündlich tradiert worden waren, gewannen immer mehr an Bedeutung, was schließlich dazu führte, dass sich Interessenten fanden, wie zum Beispiel die Brüder Grimm, die sich daran machten, diese Geschichten zu sammeln und schriftlich festzuhalten. Das Märchenverständnis der damaligen Zeit umfasste neben dem, was wir heute als Volks- oder Zaubermärchen bezeichnen, und damit das „klassischen Märchen“ meinen, auch Sagen, Legenden, Schwänke und novellenartige Märchen.[3] Höchstens ansatzweise wurden grobe Gattungsunterscheidungen angesprochen, die das Märchen als eher poetisch und die Sage als eher historisch definieren wollten.

Die Bedeutung der Brüder Grimm darf dabei nicht unterschätzt werden, da sie mit ihrer Sammlung der Kinder- und Hausmärchen maßgeblich zu einer Kategorisierung der fantastischen und wunderbaren literarischen Texte beigetragen haben. Man könnte sogar so weit gehen „ein literarisches Gebilde dann als Märchen anzuerkennen, wenn es – allgemein ausgedrückt – mehr oder weniger übereinstimmt mit dem, was in den Grimmschen Kinder- und Hausmärchen zu finden ist.“[4]

3. Die Brüder Grimm

3. 1. Die Kinder- und Hausmärchen

Das Werk der Brüder Grimm Kinder- und Hausmärchen erschien im deutschen Sprachraum zuerst in zwei Bänden – Band I im Jahre 1812, Band II im Jahre 1815. Damit avancierte das Volksmärchen zu salonfähiger Literatur und man begann nach Grimmschen Vorbild auch in anderen Ländern Volksmärchen aufzuzeichnen und zu veröffentlichen. (Vgl. Lüthi, Märchen, S. 51)

3. 2. Sammeltätigkeit

Was die Sammeltätigkeit der Brüder Grimm betrifft, so gilt es, ein falsches, durchaus verbreitetes Bild ihrer Arbeit, zu revidieren. Die Vorstellung zweier junger Männern, die sich auf Wanderschaft begeben um jederzeit und überall den mündlich tradierten Erzählungen des Volkes zu lauschen und diese dann niederschreiben, beschreibt die durch und durch romantisierte Vorstellung der Entstehung der Kinder- und Hausmärchen. Tatsache ist, „dass von den 200 Märchen aus der KHM [Kinder- und Hausmärchen] insgesamt 63, also etwa ein Drittel, aus literarischen Vorlagen und nicht aus der mündlichen Erzähltradition stammen.“ (Lange, „Einf. in die Mforschung und Mdidaktik“, S. 16, Hervorhebung im Original) Das bedeutet, dass die Brüder Grimm sich auf bereits publizierte Literatur stützten. Hinzu kommt, dass die Lieferanten des Brüderpaares keine Märchenerzähler aus dem Volk waren, sondern vor allem gebildete Frauen aus der Bürgerschicht – wie beispielsweise die bekannte Autorin Annette von Droste-Hülshoff.

[...]


[1] Vgl. Stefan Neuhaus, Märchen (Tübingen und Basel: A. Francke, 2005), S. 9.

[2] Max Lüthi, Märchen (Stuttgart: J. B. Metzler 2004), S. 1.

[3] Vgl. Günter Lange, „Einführung in die Märchenforschung und Märchendidaktik“, in Märchen – Märchenforschung – Märchendidaktik, hrsg. Günter Lange (Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, 2004), S. 3-33 (S. 8).

[4] André Jolles, Einfache Formen. Legende, Sage, Mythe, Rätsel, Spruch, Kasus, Memorabile, Märchen, Witz ( Tübingen: Max Niemeyer Verlag 1972), S. 219.

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Details

Titel
"La Reine Coax" - ein Märchen?
Hochschule
Universität Wien  (Romanistik)
Veranstaltung
Literatur ProSeminar II George Sand
Note
1,00
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V62785
ISBN (eBook)
9783638559744
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reine, Coax, Märchen, Literatur, ProSeminar, George, Sand
Arbeit zitieren
Bettina Mahringer (Autor), 2006, "La Reine Coax" - ein Märchen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62785

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