In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit der Frage beschäftigen, inwieweit der conte „La Reine Coax“ von George Sand Gemeinsamkeiten mit der literarischen Gattung des Märchens aufweist.
Weil die Gattung des Märchens sich grob gliedern lässt in Volksmärchen einerseits und Kunstmärchen einerseits, werde ich zwischen diesen beiden Genres unterscheiden und auf die Definitionsmerkmale der jeweiligen Gattungen hinweisen. Das Volksmärchen möchte ich anhand des Grimmschen Märchens „Der Froschkönig“ genauer erläutern, das Kunstmärchen zwar mittels spezifischer Merkmale beschreiben, jedoch kein typisches Beispiel heranziehen, sondern den conte „La Reine Coax“ auf seine Gemeinsamkeiten hin mit dem Kunstmärchen analysieren.
Zur ersten Orientierung gebe ich einen Überblick über die Entstehungsgeschichte der Gattung des Märchens und weiters behandle ich das Element des Fantastischen bzw. des Wunderbaren, was wesentliche Bestandteile des Märchens und des conte sind. Nach der Gegenüberstellung von „Der Froschkönig“ und „La Reine Coax“, weise ich auf einige gemeinsame Merkmale hin.
Zur Beschreibung der Wesensmerkmale des Volks- und des Kunstmärchens stütze ich mich auf die Unterscheidungskriterien von Stefan Neuhaus, der anhand einer Tabelle sämtliche wichtige Eigenschaften zusammengefasst hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung des Märchens
2.1. Ursprung des Märchens
2.2. Entstehung des Märchen
2.3. Die Gattungsdefinition
3. Die Brüder Grimm
3.1. Die Kinder- und Hausmärchen
3.2. Sammeltätigkeit
4. „La Reine Coax“ – conte oder Märchen?
4.1. Wunderbares, Unheimliches und Fantastisches
4.2. Conte und Märchen
5. Das Märchen: Volksmärchen und Kunstmärchen
5.1. Das Volksmärchen
5.1.1. Definitionsmerkmale des Volksmärchens
5.1.2. „Der Froschkönig oder der Eiserne Heinrich“
5.1.2.1. Die angeblich mündliche Tradierung
5.1.2.2. Ort und Zeit
5.1.2.3. Die einsträngige Handlung und die einfache Sprache
5.1.2.4. Stereotype Handlung und stereotype Schauplätze
5.1.2.5. Eindimensionale Charaktere
5.1.2.6. Keine Psychologisierung der Figuren
5.1.2.7. Das Happy End
5.1.2.8. Traditionelle Formeln
5.1.2.9. Das einfach Weltbild
5.2. Das Kunstmärchen
5.2. 1. Definitionsmerkmale des Kunstmärchens
5.2.2. „La Reine Coax“
5.2.2.1. Werk eines bestimmten Autors
5.2.2.2. Fixierung von Ort und Zeit
5.2.2.3. Künstlerische Sprache
5.2.2.4. Mehrsträngige Handlung
5.2.2.5. Originelle Handlung und Charakteristische Schauplätze
5.2.2.6. Mehrdimensionale Charaktere
5.2.2.7. Psychologisierung der Figuren
5.2.2.8. Kein eindeutiges Happy End
5.2.2.9. Keine Formeln
5.2. 2. 10. Komplexes Weltbild
5.3. Gemeinsamkeiten von Volks- und Kunstmärchen
5.3.1. Held muss Aufgabe lösen
5.3.2. Magische Requisiten
5.3.3. Tiere können sprechen
5.3.4. Verbindungen zum Mythos / Transzendenz
5.3.5. Symbolisches Verhandeln und Bewältigung alltäglicher Probleme
6. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gattungszugehörigkeit von George Sands conte „La Reine Coax“ und analysiert inwieweit das Werk Gemeinsamkeiten mit dem klassischen Märchen aufweist. Hierbei wird das Werk kontrastiv gegenüber dem Volksmärchen und dem Kunstmärchen eingeordnet, um die hybriden Erzählstrukturen des Textes zu verdeutlichen.
- Gattungsspezifische Abgrenzung zwischen Volks- und Kunstmärchen
- Analyse des Wunderbaren und des Fantastischen bei George Sand
- Gegenüberstellung von „Der Froschkönig“ und „La Reine Coax“
- Untersuchung von Mehrdimensionalität und Figurenpsychologie
- Bewältigung alltäglicher Problematiken in fiktiven Welten
Auszug aus dem Buch
5.2.2.3. Künstlerische Sprache
Das Kunstmärchen verlangt nach einer kunstvollen Sprache. Zu George Sands Sprache in contes d’une grand-mère, hat sich unter anderen Béatrice Didier geäußert: « George Sand se refuse à employer un langage pour enfants ; quand un mot est difficile, elle l’explique, mais ne le supprime pas. Elle veut donner l’exemple d’une littérature pour enfants qui soit de qualité. »
Die künstlerische Sprache zeichnet sich durch lange Sätze aus, die verschachtelt und – anders als im Volksmärchen – kompliziert gebaut sind. Thematisiert wird das Wunder der Natur, untermalt von wissenschaftlichen Erkenntnissen, die in den Kinder einerseits Neugierde wecken sollen, mehr über die Natur und ihr Wesen erfahren zu wollen, andererseits zur Hervorhebung der wunderbaren Beschaffenheit der Natur.
Die jeweils fachspezifischen Vokabeln, die George Sand wählt, um beispielsweise die Welt der Schmetterlinge oder die der Lebewesen in einer Sumpflandschaft zu schildern, tragen wesentlich zum Kriterium der kunstvoll gestalteten Sprache bei – so etwa heißt es zu Beginn des conte, als sich die Autorin der Beschreibung der Landschaft widmet: „Autour du château, il y avait de grandes douves ou fossés remplis de joncs, de nénuphars, de souchets et de mille autres plantes fort belles qui venaient toutes seules, et où vivaient une quantité de grenouilles, quelques-unes si vieilles et si grosses qu’on s’étonnait de leur belle taille et de leur voix forte.“ (Sand, Contes d’une grand-mère, S. 89)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der Märchenhaftigkeit des Werkes von George Sand und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.
2. Entstehung des Märchens: Historischer Überblick über die Gattungsentwicklung und Definition des Begriffs Märchen im Kontext literaturwissenschaftlicher Theorien.
3. Die Brüder Grimm: Darstellung der Bedeutung der Gebrüder Grimm für die Kategorisierung des Märchens und kritische Beleuchtung ihrer tatsächlichen Sammeltätigkeit.
4. „La Reine Coax“ – conte oder Märchen?: Theoretische Verortung des Werkes mittels Kriterien des Fantastischen nach Todorov sowie einer Definition der Gattung conte.
5. Das Märchen: Volksmärchen und Kunstmärchen: Detaillierte Analyse des Froschkönigs als Volksmärchen und Untersuchung von „La Reine Coax“ als Kunstmärchen anhand zahlreicher Strukturmerkmale sowie deren Gemeinsamkeiten.
6. Schluss: Synthese der Ergebnisse mit der Erkenntnis, dass das Werk nicht eindeutig zuordenbar ist, aber dennoch starke Bezüge zur klassischen Märchenwelt aufweist.
Schlüsselwörter
Märchen, George Sand, La Reine Coax, Kunstmärchen, Volksmärchen, Gattungsdefinition, Brüder Grimm, Der Froschkönig, Fantastisches, Wunderbares, Mehrdimensionalität, conte, literarische Gattung, Literaturwissenschaft, Erzählstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literaturwissenschaftlichen Einordnung von George Sands Werk „La Reine Coax“ und prüft, inwiefern dieses in das Genre des Märchens integriert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Volks- und Kunstmärchen, die historische Entstehung des Genres sowie die Analyse von erzähltechnischen Merkmalen in „La Reine Coax“.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, den conte „La Reine Coax“ anhand spezifischer Kriterien mit der Gattung des Kunstmärchens zu vergleichen und Gemeinsamkeiten zum klassischen Volksmärchen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine komparative Analyse durchgeführt, bei der ein bekanntes Volksmärchen (Der Froschkönig) als Vergleichsmaßstab dient, um die Merkmale des Kunstmärchens in Sands Werk zu spiegeln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition beider Märchensorten, die detaillierte Analyse der Kriterien bei „La Reine Coax“ und die Herausarbeitung der Gemeinsamkeiten, wie etwa die Heldenreise oder magische Elemente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Kunstmärchen, Gattungstheorie, Intertextualität, Wunderbares und spezifische erzählerische Formeln definiert.
Wie unterscheidet sich die Darstellung der Natur in „La Reine Coax“ von klassischen Märchen?
Im Gegensatz zum einfachen Volksmärchen nutzt George Sand eine kunstvolle Sprache und bindet wissenschaftliche Erkenntnisse über Flora und Fauna ein, um die Natur als wunderbar und schützenswert darzustellen.
Welche Rolle spielt die Hauptfigur Marguerite im Kontext der Selbstfindung?
Marguerite durchläuft im Werk eine Entwicklung von einem unbeholfenen Mädchen zu einer selbstbewussten jungen Frau, wobei ihre Selbsterkenntnis und ihr kritischer Blick auf soziale Konventionen den zentralen Konflikt bilden.
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- Bettina Mahringer (Author), 2006, "La Reine Coax" - ein Märchen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62785