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Die Konsolidierung der Demokratie in Ungarn

Title: Die Konsolidierung der Demokratie in Ungarn

Term Paper , 2001 , 21 Pages , Grade: sehr gut (1,3)

Autor:in: Andrea Friemann (Author)

Politics - Region: Eastern Europe
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Kann Ungarn als bereits konsolidiert gelten? Vor allem mit Blick auf das Trilemma der gleichzeitigen Transformation des politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systems, stellt sich diese Frage . Es gibt nur zwei idealtypische Lösungswege für das Problem der Gleichzeitigkeit: den gradualistischen Weg oder den "big bang" - eine rasche, radikale und riskante Transformation der Wirtschaft .
Die Transformation Ungarns wird sehr häufig in der Literatur beschrieben. Ein Grund ist die gut dokumentierte Entwicklung des Landes während der Transitionsjahre 1988 und 1989. Die Ungarn konnten sich auf bereits vorhandene Ansätze einer Marktwirtschaft - die sogenannte zweite Wirtschaft - berufen. Die folgenden Reformen waren demnach nicht so radikal oder sozialpolitisch riskant wie in anderen Transformationsländern. Es konnten rasche Fortschritte erzielt werden, die heute dazu führen, dass Ungarn als erster möglicher Beitrittskandidat der Europäischen Union im Rahmen der Osterweiterung gehandelt wird.
Aus den besonderen Gegebenheiten in Ungarn lässt sich schlussfolgern, dass die Konsolidierung eines Staates nicht losgelöst von dessen Kontext betrachtet werden kann. Im ersten Abschnitt werden die Besonderheiten Ungarns: die Liberalisierung seit 1968, die Verfassungsgebung und das Wahl- und Regierungssystem dargestellt. Diese bilden die Rahmenbedingungen für die anschließende Untersuchung der vier Ebenen der Konsolidierung nach Linz/Stepan (Linz, Stepan 1996). Ziel der Untersuchung ist, am konkreten Beispiel Ungarns Anhaltspunkte für eine erfolgreiche Konsolidierung zu finden. Dabei werden noch anstehende Probleme in einem eigenen Abschnitt betrachtet.

Das Augenmerk liegt auf der engen Verbindung zwischen den handelnden Akteuren und den Institutionen im weiteren Sinne, da der akteurstheoretische Ansatz die institutionellen Arrangements am fundiertesten zu erklären vermag. Den Akteuren wird durch die Besetzung von Schlüsselpositionen ein überlegener Einfluss auf das gesellschaftliche Geschehen unterstellt. In der Praxis sind daher die politischen Entscheidungen von den Kräftekonstellationen und Machtperspektiven der Akteure abhängig.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Kontextabhängigkeit der Konsolidierung

1.1. Liberalisierung seit 1968

1.2. Verfassungsgebung

1.3. Wahl- und Regierungssystem

2. Die Ebenen der Konsolidierung

2.1. Konsolidierung der Institutionen

2.1.1. Politische Institutionen

2.1.2. Verfassungsorgane

2.1.3. Aktuelle Probleme

2.2. Repräsentative Konsolidierung

2.3. Verhaltenskonsolidierung

2.4. Demokratiestützende Staatsbürgerkultur

2.4.1. Motor: Strukturwandel

2.4.2. Die Rolle der EU

2.4.3. Die Problematik der Roma

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Konsolidierungsprozess der ungarischen Demokratie nach der Systemtransformation. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Ungarn mit Blick auf seine Institutionen, politischen Akteure und das Verhalten der Staatsbürger bereits als konsolidierte Demokratie gelten kann, wobei insbesondere der akteurstheoretische Ansatz zur Anwendung kommt.

  • Kontextuelle Rahmenbedingungen der ungarischen Transformation (Liberalisierung und Verfassungsgebung)
  • Analyse der vier Ebenen der Konsolidierung nach Linz/Stepan
  • Die Rolle der Europäischen Union im Demokratisierungsprozess
  • Herausforderungen durch Korruption und die soziale Situation der Roma
  • Zivilgesellschaftliche Entwicklung und demokratische Einstellungsbildung

Auszug aus dem Buch

2.1.3. Aktuelle Probleme

Das Problem der Korruption ist in Ungarn weit verbreitet und dessen Bekämpfung wird regelmäßig von der Europäischen Union angemahnt. Die Regierung hat auf Veranlassung des Justizministeriums zahlreiche Maßnahmen eingeleitet. Beispielsweise tragen Polizisten ein Namensschild, damit sie leichter vom Bürger identifiziert werden können. Es wurde ein Telefonanschluss eingerichtet, über den Bürger einen Verdacht auf polizeiliche Korruption gebührenfrei melden können. Ein Diskussionspapier zum geplanten Verhaltenskodex wurde der breiten Öffentlichkeit vorgestellt, damit der künftige Verhaltenskodex von den gesellschaftlichen und Berufsgruppen unterstützt wird und somit auf einem möglichst umfangreichen Konsens basiert. Das Problem ist entwicklungsgeschichtlich bedingt. Nepotismus, Klientelismus, Protektion und Lobbyismus ist in allen Transformationsländern stark ausgeprägt. Ungarn bildet insoweit keine Ausnahme. Auf diesem Gebiet hinken die gewachsenen Normen und Gewohnheiten der Bevölkerung - Institutionen im weiteren Sinne - der demokratischen Entwicklung hinterher und bedürfen einer langfristigen Veränderung.

Im Bereich der Bekämpfung von Betrug und Geldwäsche hat Ungarn im Juli 2000 das Übereinkommen des Europarats über Geldwäsche sowie Ermittlung, Beschlagnahme und Einziehung von Erträgen aus Straftaten aus dem Jahr 1990 in Kraft gesetzt. Bereits im Februar 2000 schloss sich das Justizministerium einem Projekt des Interregional Criminal and Judicial Research Institute der Vereinten Nationen an, bei dem es um die wissenschaftliche Erforschung des Phänomens Korruption geht. Trotzdem wurde Ungarn im Juni 2001 von der OECD auf die Schwarze Liste der Geldwäsche-Länder gesetzt.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Problematik der Transformation und Vorstellung des akteurstheoretischen Untersuchungsansatzes.

1. Die Kontextabhängigkeit der Konsolidierung: Darstellung der historischen Entwicklung seit 1968, der Verfassungsrevision und der Etablierung des Wahl- und Regierungssystems.

2. Die Ebenen der Konsolidierung: Systematische Analyse der vier Ebenen der Demokratiekonsolidierung unter Berücksichtigung institutioneller und soziokultureller Faktoren.

2.1. Konsolidierung der Institutionen: Untersuchung der Funktionsweise von Parlament, Regierung und Verfassungsorganen sowie der Problematik von Korruption und Minderheitenschutz.

2.1.1. Politische Institutionen: Analyse der Konsolidierung von Staatsoberhaupt, Parlament und Regierung als normative Basis für weitere Konsolidierungsebenen.

2.1.2. Verfassungsorgane: Bewertung der Rolle des Verfassungsgerichts als Kontrollinstanz gegen Machtmissbrauch.

2.1.3. Aktuelle Probleme: Behandlung der Korruptionsproblematik, polizeilicher Misshandlungen und der schwierigen Lage der Roma.

2.2. Repräsentative Konsolidierung: Darstellung der Entwicklung des Parteiensystems und der zivilgesellschaftlichen Organisationen.

2.3. Verhaltenskonsolidierung: Untersuchung der Frage, ob antidemokratische Akteure die demokratische Ordnung gefährden können.

2.4. Demokratiestützende Staatsbürgerkultur: Analyse der Einstellungsbildung in der Bevölkerung und der Bedeutung des Generationenwechsels.

2.4.1. Motor: Strukturwandel: Diskussion über wirtschaftliche Reformen und deren Auswirkungen auf die Akzeptanz der Demokratie.

2.4.2. Die Rolle der EU: Einordnung der Unterstützungsprogramme und der Beitrittsperspektive als Antrieb für den Reformprozess.

2.4.3. Die Problematik der Roma: Analyse der strukturellen Benachteiligung der Roma als Herausforderung für die gesellschaftliche Integration.

Fazit: Zusammenfassende Bewertung der ungarischen Demokratie als stabiles, krisenresistentes System trotz verbleibender rechtsstaatlicher Defizite.

Schlüsselwörter

Demokratiekonsolidierung, Ungarn, Systemtransformation, Osteuropa, Politische Institutionen, Verfassungsgebung, Korruptionsbekämpfung, Roma-Problematik, EU-Osterweiterung, Zivilgesellschaft, Rechtsstaatlichkeit, Akteurstheorie, Strukturwandel, Wahlsystem.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der demokratischen Konsolidierung Ungarns nach der politischen Wende von 1989/90 und untersucht, inwieweit das Land heute als gefestigte Demokratie gelten kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder umfassen die institutionelle Verankerung der Demokratie, die Rolle der Zivilgesellschaft, wirtschaftliche Transformationsprozesse sowie die Integration von Minderheiten und die Bekämpfung von Korruption.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, unter Anwendung des akteurstheoretischen Ansatzes Anhaltspunkte für eine erfolgreiche Konsolidierung am Beispiel Ungarns zu identifizieren und die Rahmenbedingungen dieser Entwicklung zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt den akteurstheoretischen Ansatz, um die Wechselwirkungen zwischen politischen Akteuren, institutionellen Arrangements und gesellschaftlichen Prozessen fundiert zu erklären.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Kontextbedingungen, die vier Konsolidierungsebenen nach Linz/Stepan sowie spezifische Herausforderungen wie Korruption, die Rolle der EU und die soziale Lage der Roma.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Demokratiekonsolidierung, Systemtransformation, Ungarn, Institutionen, Zivilgesellschaft und Strukturwandel.

Welche Rolle spielt die Europäische Union für den ungarischen Transformationsprozess?

Die EU fungiert als wichtiger Antrieb durch Beitrittsperspektiven und Förderinstrumente wie PHARE oder ISPA, fordert aber gleichzeitig Verbesserungen bei der Korruptionsbekämpfung und der Menschenrechtslage ein.

Wie bewertet die Autorin die soziale Lage der Roma?

Die Lage der Roma wird als deutliches Defizit innerhalb der Konsolidierung eingestuft, wobei strukturelle Benachteiligung, Diskriminierung im Alltag und das Versagen des Schulsystems kritisch hervorgehoben werden.

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Details

Title
Die Konsolidierung der Demokratie in Ungarn
College
Free University of Berlin  (Osteuropa-Institut/FB Politik)
Grade
sehr gut (1,3)
Author
Andrea Friemann (Author)
Publication Year
2001
Pages
21
Catalog Number
V6290
ISBN (eBook)
9783638138956
ISBN (Book)
9783638786942
Language
German
Tags
Konsolidierung Demokratie Ungarn
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andrea Friemann (Author), 2001, Die Konsolidierung der Demokratie in Ungarn, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6290
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