Handlungsorientierter Mathematikunterricht


Seminararbeit, 2005

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Handlungsorientierter Unterricht – Was ist das?

3. Merkmale eines Handlungsorientierten Unterrichts

4. Argumente für einen Handlungsorientierten Unterricht
4.1 Das Leben in der Risikogesellschaft
4.2 Das Langeweile - Syndrom

5. Planung eines Handlungsorientierten Unterrichts

6. Bewertung und Zensuren im Handlungsorientierten Unterricht
6.1 Vor- und Nachteile einer Ziffernzensur
6.2 Möglichkeiten und Grenzen einer ziffernlosen Zensur

7. Vor- und Nachteile eines Handlungsorientierten Unterrichts
7.1 Vorteile
7.2 Nachteile

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Meine Hausarbeit hat den „Handlungsorientierten Mathematikunterricht“ zum Thema.

Beginnen werde ich mit einem kurzen Überblick über das historische Umfeld und werde dabei auf Johann Amos COMENIUS, Johann Heinrich PESTALOZZI, Jean Jacques ROUSSEAU und einige Vertreter der Reformpädagogik eingehen. Anschließend versuche ich, den Begriff des Handlungsorientierten Unterrichts zu klären.

Danach komme ich auf die sieben Merkmale des Handlungsorientierten Unterrichts zu sprechen, um von diesen ausgehend zu den Argumenten für einen Handlungsorientierten Unterricht zu gelangen.

Folgen wird das Thema „Planung eines Handlungsorientierten Unterrichts“.

Weiterhin thematisiere ich die Bewertung im Handlungsorientierten Unterricht und gehe dabei auf Pro und Kontra einer Ziffernzensur und Chancen und Grenzen einer ziffernlosen Zensur ein.

Abschließend folgt eine Betrachtung von Vor- und Nachteilen des Handlungsorientierten Unterrichts.

Das Thema „Handlungsorientierter Unterricht“ reizt mich, weil es für mich wichtig ist, in meiner angehenden Rolle als Lehrkraft über neuere didaktische Ansätze Bescheid zu wissen. Zudem bin ich überzeugt davon, dass es sich lohnt, Ansätze des Handlungsorientierten Unterrichts mit in meine zukünftige Schulpraxis zu übernehmen.

2. Handlungsorientierter Unterricht – Was ist das?

„Erzähle mir – und ich vergesse,

Zeige mir – und ich erinnere,

Lass es mich tun - und ich verstehe.“

(Konfuzius)

Die lange Tradition des Handlungsorientierten Unterrichts reicht von den Klassikern der Pädagogik wie Johann Amos COMENIUS, Johann Heinrich PESTALOZZI und Jean Jacques ROUSSEAU über die Industrieschulen des 18. Jahrhunderts bis zur Reformpädagogik zurück.

Zum ersten Mal verwendete Johann Amos COMENIUS den Begriff der Handlungsorientierung. Er war der Meinung, man müsse sich von einer elitären Bildung verabschieden. Menschen aller sozialen Schichten und Begabungen sollten mit allen Sinnen alles lernen dürfen.

Jean Jacques ROUSSEAU stützt sich später auf Comenius’ Prinzip des ganzheitlichen Lernens, wenn er vom ganzheitlichen Bildungsideal spricht.

Johann Heinrich PESTALOZZI plädierte für ein Lernen mit „Kopf, Herz und Hand“.

Bedeutende Vorläufer des Handlungsorientierten Unterrichts stammen auch aus der Reformpädagogik. Zu nennen sind hier Maria MONTESSORI, Célestin FREINET, Georg Michael KERSCHENSTEINER und Peter PETERSON.

Maria MONTESSORI hat das Konzept des ganzheitlichen und schüleraktiven Lernens entwickelt. Die Schüler/innen bekommen ein nach ihren Bedürfnissen ausgerichtetes Mobiliar und von ihr entwickelte Materialien.

Célestin FREINET hat die Freinet-Pädagogik entwickelt. Bedeutende Aspekte seines Konzepts sind: ein kooperatives Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler/innen, die Einbeziehung der Umwelt in den Unterricht, die Unterrichtsarbeit als Mittelpunkt und die demokratische Entscheidungsfindung in der Klasse.

Peter PETERSON hat den Jena-Plan entwickelt. Die Schüler/innen sind bei ihm an der Unterrichtsplanung beteiligt, geben sich gegenseitig Hilfe, er verknüpft Klasse-, Gruppen- und Einzelarbeit und fördert die Gemeinschaft.

Die lange Tradition des Handlungsorientierten Unterrichts macht deutlich, dass sich das bis heute diskutierte Konzept des Handlungsorientierten Unterrichts auf wichtige Vorläufer bezieht. Diese sind jedoch von sehr unterschiedlichen Idealen ausgegangen und zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen gekommen.

Handlungsorientierter Unterricht ist nach Hilbert MEYER ein Unterrichtskonzept, welches die Schülerhandlungen in den Mittelpunkt der Unterrichtsarbeit stellt. Öfters als bisher sollen die Lehrer gemeinsam mit den Schüler/innen etwas tun, das Hand und Fuß besitzt. Den Ausgangspunkt des Lernprozesses bilden die materiellen Tätigkeiten der Schüler/innen. Handlungsprodukte sollen als anschauliche Ergebnisse des Lern- und Arbeitsprozesses hergestellt werden.

Hilbert MEYER definiert Handlungsorientierten Unterricht als „ganzheitlicher und schüleraktiver Unterricht, in dem die zwischen dem Lehrer und den Schülern vereinbarten Handlungsprodukte die Organisation des Unterrichtsprozesses leiten, so dass Kopf- und Handarbeit der Schüler in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander gebracht werden können.“[1]

Das Welt- und Menschenbild des Handlungsorientierten Unterrichts lässt sich mit folgenden fünf Sätzen umschreiben:

1. Handlungsorientierter Unterricht setzt voraus, dass die Menschen zur Vernunft und
Freiheit, aber auch zur Selbstzerstörung befähigt sind.
2. Handlungsorientierter Unterricht sagt, dass das Lernen generell ganzheitlich, d.h.
mit allen Sinnen geschieht.
3. Handlungsorientierter Unterricht geht davon aus, dass Kinder und Jugendliche von Natur aus
neugierig sind, dass sie fragen und staunen können, dass sie ihre Umwelt erfahren und
experimentierend erproben wollen.
4. Handlungsorientierter Unterricht weiß, dass niemand, weder die Lehrer, noch die Schüler
perfekte Menschen sind, sondern durchaus auch Fehler machen und versagen, dass sie aber
aus Fehlern lernen können.
5. Handlungsorientierter Unterricht beachtet, dass ein nicht-entfremdetes Leben und

Lernen im Unterricht nur teilweise und widerspruchsvoll durchführbar ist.[2]

Nach Hilbert MEYER sollte der Unterricht möglichst oft zu Ergebnissen kommen, die man präsentieren, mit denen man spielen und weiterarbeiten kann, die jetzt und auch in der Zukunft noch für die Schüler/innen Gebrauchswert haben. Die Schüler/innen können durch Handeln und während des Handelns vieles lernen. Der Unterricht wird für die Schüler/innen und für die Lehrer wieder interessanter und offener, ab und zu auch risikoreicher als der gewohnte Alltagstrott, in dem die Schüler/innen wegen der völligen Vertrautheit der inszenierten Handlungsmuster meist schon vor Stundenbeginn wissen, was bis zum Stundenende passieren wird. Dieses Konzept nennt Hilbert MEYER „handlungsorientiert“.

Für Herbert GUDJONS ist der Handlungsorientierte Unterricht kein didaktisches Modell, sondern vielmehr eine Unterrichtsprinzip, das sich durch gewisse Eigenschaften auszeichnet, theoretisch begründet wird und in zahlreichen Unterrichtszusammenhängen verwirklicht wird.

3. Merkmale eines Handlungsorientierten Unterrichts

Handlungsorientierter Unterricht beinhaltet nach Werner JANK und Hilbert MEYER folgende sieben Merkmale, die es zu berücksichtigen gilt.

1. Handlungsorientierter Unterricht ist ganzheitlich mit folgenden Aspekten:

personaler Aspekt: Die Schüler/innen sollen ganzheitlich angesprochen werden, d.h. mit dem Kopf, dem Herzen, den Händen und weiteren Sinnen.

inhaltlicher Aspekt: Die Unterrichtsthemen werden nicht nach fachwissenschaftlichen Vorgaben ausgesucht, sondern aufgrund der Problematik, die sich aus den angestrebten Handlungsprodukten ergibt.

methodischer Aspekt: Die Methoden, die im Unterricht angewendet werden, müssen ganzheitlich sein. Solche Methoden wären z.B. Gruppen- und Partnerarbeit, Projektarbeit, Experimente, u.a.

2. Handlungsorientierter Unterricht ist schüleraktiv . Der Lehrer soll den Schüler/innen wenig vormachen und –sagen und sie viel allein erforschen, probieren, erschließen, planen und verwerfen lassen. Die Schüler/inne müssen selbst tätig sein, um selbständig zu werden.

3. Das Herstellen von Handlungsprodukten steht beim Handlungsorientierten Unterricht im Vordergrund. Die Schüler/innen können sich mit diesen identifizieren, sie können sie aber ebenso auswerten und kritisieren.

4. Handlungsorientierter Unterricht soll die Schüler/inneninteressen zum Ausgangspunkt des Unterrichts machen. Er ermöglicht den Schüler/innen Freiräume, in denen sie sich im handelnden Umgang mit dem neuen Thema ihrer subjektiven Interessen bewusst werden können.

5. Handlungsorientierter Unterricht beteiligt die Schüler/innen an der Planung, Durchführung und Auswertung des Unterrichts. Der Lehrer kann sich nicht mehr auf die Richtlinien und Schulbuchinhalte beschränken, sondern muss einen Diskurs mit seinen Schüler/innen starten.

6. Handlungsorientierter Unterricht führt zur Öffnung der Schule:

Öffnung nach innen: Der Lehrer und seine Schüler/innen gehen aufeinander zu, Lernwege werden vom Lehrer individuell gefördert, fächerübergreifender Unterricht wird ausgeweitet, das allgemeine Schulleben wird weiterentwickelt.

Öffnung nach außen: Die Schüler/innen verlassen die Schule, um auch in ihrer Umwelt alles erfahren zu können, was sie für ihr Handlungsprodukt wissen müssen. Experten und Eltern kommen in die Schulen, um dort Fragen zu beantworten und konstruktive Kritik an den Handlungsprodukten zu üben.

7. Handlungsorientierter Unterricht soll Kopf- und Handarbeit in ein ausgewogenes

Verhältnis bringen. Der ganze Lernprozess der Schüler/innen wird von einer dynamischen Wechselbeziehung zwischen Kopf- und Handarbeit begleitet.[3]

[...]


[1] www.wikipedia.org/wiki/Hilbert_Meyer

[2] Jank, Werner / Meyer, Hilbert: Didaktische Modelle. 7. Auflage, Berlin 20000. S.355

[3] ebd. S.355 ff.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Handlungsorientierter Mathematikunterricht
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V62917
ISBN (eBook)
9783638560672
ISBN (Buch)
9783640101573
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Handlungsorientierter, Mathematikunterricht
Arbeit zitieren
Helena Eckert (Autor), 2005, Handlungsorientierter Mathematikunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62917

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