Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age

Die Quellen zur Königserhebung von Heinrich I. bei Johannes Fried

Title: Die Quellen zur Königserhebung von Heinrich I. bei Johannes Fried

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 29 Pages , Grade: 2,5

Autor:in: Denise Engel (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

In seinem Buch „Der Schleier der Erinnerung- Grundzüge einer historischen Memorik“ kritisiert Johannes Fried die traditionelle Quellenkritik, die sich kaum mit der Arbeitsweise des menschlichen Gedächtnisses befasst, obwohl die meisten ihrer Quellen auf Gedächtnisleistungen beruhen. Fried erläutert mit Hilfe der Ergebnisse der Kognitionswissenschaften die Arbeitsweise des menschlichen Gedächtnisses und zeigt dessen Unzuverlässigkeit und die wirksamen Verformungskräfte auf. Diese wirken sich seiner Meinung nach auch auf jede historische Überlieferung aus. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Erinnerung immer in der Gegenwart stattfindet, und daher auch von dieser geprägt wird, so dass sich das Erinnerte an die Anforderungen der aktuellen Situation anpasst. Von den Historikern fordert er, dass sie bei Quellen mehr auf die Umstände ihrer Entstehung achten sollten, statt ihrer Darstellung der Vergangenheit zu vertrauen. In seiner Argumentation stützt Fried sich besonders auf Beispiele aus der mündlichen Kultur des Mittelalters. In meiner Hausarbeit mit dem Titel „Die Quellen zur Königserhebung von Heinrich I. bei Johannes Fried“ beschäftige ich mich mit Johannes Frieds Interpretation der Quellenlage zur Königserhebung Heinrichs I.. Dabei beziehe ich mich sowohl auf seinen Aufsatz mit dem Titel „Die Königserhebung Heinrichs I.“ als auch auf das Kapitel in seinem Buch, in dem er sich mit der Darstellung der Nicht- Salbung Heinrichs I. in der ottonischen Überlieferung befasst. Dabei werde ich so vorgehen, dass ich zunächst im zweiten Kapitel Frieds These zusammenfasse und dann dem Leser einen Überblick über den historischen Kontext der Königserhebung gebe. Im vierten Kapitel gehe ich auf die Quellenlage zu den Ereignissen der Jahre 919/920 ein, um dann im fünften Kapitel Frieds Interpretation der Quellenlage und seine Kritik an der Deutung anderer Historiker wiederzugeben. Im sechsten Kapitel erläutere ich anhand des Beispiels verschiedener moderner Historiker deren Vorgehensweise und deren Umgang mit den Quellen der Ottonenzeit. Da die Erhebung Heinrichs I., des ersten Sachsen auf dem Thron des ostfränkischen Reiches, als wichtiger Schritt bei der Entstehung eines eigenständigen deutschen Reiches gilt, war sie immer ein wichtiges Thema für die deutsche Mittelalterforschung. Auch seine Nicht- Salbung ist immer wieder neu interpretiert worden. Die Literatur zu diesem Thema ist folglich sehr umfangreich.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Johannes Frieds Grundzüge einer historischen Memorik

2.1. Die Verformungsfaktoren des Gedächtnisses

2.2. Die Formen des Gedächtnisses

3. Die Königserhebung von Heinrich I.

4. Die Quellen zur Königserhebung von Heinrich I.

4.1. Die Sachsengeschichte des Widukind von Corvey

4.2. Adalberts Fortsetzung der Chronik Reginos

4.3. Liudprands von Cremona Werke

4.4. Die Quedlinburger Annalen

4.5. Gerhards Vita des heiligen Ulrich von Augsburg

5. Johannes Frieds Deutung der Überlieferung zur Erhebung Heinrichs I.

6. Die Deutung der Quellen zur Erhebung Heinrichs I. durch andere Historiker

7. Fazit

8. Literatur

9. Quellen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Johannes Frieds kritische Interpretation der Quellenlage zur Königserhebung von Heinrich I. im 10. Jahrhundert. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern Frieds Theorie der "historischen Memorik" und die Annahme einer unzuverlässigen, von gegenwärtigen Interessen geprägten Überlieferung eine Neubewertung der historischen Ereignisse von 919/920 erforderlich macht.

  • Grundlagen der historischen Memorik nach Johannes Fried
  • Quellenkritische Analyse der Berichte über den Herrschaftsbeginn Heinrichs I.
  • Untersuchung von Verformungsfaktoren im kollektiven und kulturellen Gedächtnis
  • Vergleich der Interpretationen von Fried mit anderen modernen Historikern
  • Die Rolle der "Nicht-Salbung" Heinrichs I. als Legitimationsdiskurs

Auszug aus dem Buch

4.1. Die Sachsengeschichte des Widukind von Corvey

Widukind von Corvey lebte als Mönch im Reichskloster Corvey an der Weser, in das er um 941/942 im Alter von etwa 15 Jahren eintrat und in dem er nach 973 starb. Er stammte aus dem sächsischen Hochadel, vermutlich war er ein Nachfahre des Sachsenherzogs Widukind und auch eine Verwandtschaft mit der Königin Mathilde, der Frau Heinrichs I., ist nicht unwahrscheinlich. Zunächst verfasste er einige hagiographische Werke, die jedoch verloren gingen. Um 967/ 968 schrieb er dann die Rerum Gestarum Saxonicarum libri III. Diese setzte er kurz nach dem Tod von Otto I. im Jahre 973 bis zu diesem Ereignis fort. Widukinds Sachsengeschichte gliedert sich in drei Bücher. Das erste Buch behandelt die Frühgeschichte der Sachsen und die Zeit Heinrichs I. Im zweiten und dritten Buch werden die Taten und Leistungen von Otto I. dargestellt. Dabei werden auch Ottos Auseinandersetzungen mit seinen Gegnern aus der königlichen Familie und dem Hochadel ausführlich geschildert.

Kaum ein anderes mittelalterliches Geschichtswerk wird von der modernen Forschung so stark beachtet und so kontrovers diskutiert wie Widukinds Sachsengeschichte. Dabei gilt Widukinds Schilderung bei den meisten Historikern als nicht sehr realitätsnah, die Unterscheidung von Fiktion und Realität in seiner Darstellung gilt als schwierig. Das lässt sich gut an Widukinds Schilderung des Mordversuches des Erzbischofes Hatto von Mainz an Heinrich zeigen. Widukinds Schilderung zufolge bereitete Hatto von Mainz im Auftrag von Konrad I. einen Mordanschlag gegen Heinrich vor und lud ihn dazu zu einem Gastmahl ein. Heinrich konnte dem Anschlag jedoch entgehen, da der Goldschmied, der für den Mordversuch eine Kette fertigen sollte, ihn warnte. An diesem Beispiel werden die anekdotischen Verformungen in Widukinds Geschichtswerk deutlich.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema und Erläuterung der methodischen Herangehensweise an Johannes Frieds Kritik der Quellenlage zur Königserhebung Heinrichs I.

2. Johannes Frieds Grundzüge einer historischen Memorik: Darlegung der kognitionswissenschaftlichen Grundlagen von Frieds Theorie zur Verformbarkeit des menschlichen Gedächtnisses.

3. Die Königserhebung von Heinrich I.: Überblick über die historischen Ereignisse des Herrschaftswechsels im Jahr 919 und die Schwierigkeit einer präzisen Rekonstruktion.

4. Die Quellen zur Königserhebung von Heinrich I.: Analyse der zentralen Historiographien des 10. und 11. Jahrhunderts, die den Machtwechsel von Konrad I. zu Heinrich I. schildern.

5. Johannes Frieds Deutung der Überlieferung zur Erhebung Heinrichs I.: Anwendung der Memorik-Theorie auf die Quellen zur Königserhebung und Kritik an deren Authentizität.

6. Die Deutung der Quellen zur Erhebung Heinrichs I. durch andere Historiker: Gegenüberstellung von Frieds Thesen mit den Ansichten anderer moderner Wissenschaftler wie Gerd Althoff.

7. Fazit: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Bewertung der methodischen Konsequenzen von Frieds Ansatz für die Mittelalterforschung.

8. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Fachliteratur.

9. Quellen: Auflistung der herangezogenen historischen Quellentexte.

Schlüsselwörter

Johannes Fried, historische Memorik, Königserhebung, Heinrich I., Quellenkritik, Mittelalterforschung, Gedächtniskritik, Ottonen, Widukind von Corvey, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Überlieferung, Legitimation, Kollektives Gedächtnis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht, wie Johannes Fried die traditionelle Quellenkritik durch seine "historische Memorik" herausfordert, insbesondere im Kontext der Erhebung Heinrichs I.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das menschliche Gedächtnis als Modulationsinstanz, die Zuverlässigkeit mittelalterlicher Historiographie und die politische Legitimation im 10. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, Frieds methodischen Entwurf einer neuen Quellenbewertung vorzustellen und dessen Auswirkungen auf die Geschichtswissenschaft kritisch zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein quellenkritischer Vergleich vorgenommen, bei dem Frieds theoretische Ansätze mit den Texten zeitgenössischer Chronisten und den Interpretationen moderner Historiker kontrastiert werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Quellenlage, insbesondere Werke wie die von Widukind von Corvey und die Quedlinburger Annalen, und diskutiert die "Nicht-Salbung" Heinrichs I.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Erinnerungskultur, Traditionsbildung, Mündlichkeit, Verformungsfaktoren und Legendenzugabe sind zentral für das Verständnis der Arbeit.

Wie bewertet Fried die Rolle der Quedlinburger Annalen?

Fried sieht in der Erwähnung der Salbung Heinrichs I. in den Quedlinburger Annalen einen Beleg für eine bewusste oder unbewusste Überschreibung älteren Wissens zugunsten aktueller politischer Ansprüche.

Inwiefern unterscheidet sich die Sichtweise von Gerd Althoff?

Während Fried die Quellen als weitgehend unbrauchbar für eine faktische Rekonstruktion ansieht, erkennt Althoff trotz der Verformungen einen historischen Kern, der auf eine tatsächliche Empfehlung Heinrichs durch Konrad I. hindeutet.

Excerpt out of 29 pages  - scroll top

Details

Title
Die Quellen zur Königserhebung von Heinrich I. bei Johannes Fried
College
RWTH Aachen University  (Historisches Institut)
Course
Hauptseminar
Grade
2,5
Author
Denise Engel (Author)
Publication Year
2006
Pages
29
Catalog Number
V62925
ISBN (eBook)
9783638560733
ISBN (Book)
9783656620778
Language
German
Tags
Quellen Königserhebung Heinrich Johannes Fried Hauptseminar Mittelalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Denise Engel (Author), 2006, Die Quellen zur Königserhebung von Heinrich I. bei Johannes Fried, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62925
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  29  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint