Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem prognostischen Gehalt der Nachrichtenwerttheorie. Diese Theorie, die ihre Anfänge schon in den 20er Jahren hat und sich in den 50ern weitläufige Popularität verschafft hat, scheiterte lange an ihrer Nichthinterfragung. So versagt sie in allen Bereichen, die eine Theorie ausmacht: in der Erklärung und in der Prognose.
Nach einer Neuformulierung der Studie durch Schulz in den 70er Jahren und mehreren Studien in den 80er und 90er Jahren, wurde die Grundlage geschaffen, der Nachrichtenwerttheorie einen neuen Weg zu bahnen.
Wegweisend ist dann vor allem eine Studie von Kepplinger und Bastian aus dem Jahre 2000, die versucht haben, nicht unbedingt auf Erklärung zielend, sondern eher auf eine Explizierung der Theorie, den Umfang von Meldungen zu prognostizieren.
Diese Arbeit möchte nun zuerst durch einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung der Nachrichtenwerttheorie an die ihr innewohnende Problematik heranführen und die lange von ihren Vertretern angenommene raum-, zeit- und kontextunabhängige Gültigkeit in Frage stellen. Im folgenden soll dann ein Weg aufgezeigt werden, um einen Ausweg aus dieser Stagnation zu bahnen. Als Grundlage dient hierfür ein von Hans Matthias Kepplinger und Rouwen Bastian entwickeltes Analysesystem und eine Langzeituntersuchung der Deutschlandberichterstattung der Jahre 1951 bis 1995.
Zum Abschluss der Arbeit soll noch mal ein Ausblick gegeben werden auf neu eröffnete Möglichkeiten, die diese Theorie bietet.
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Rückblick und Paradigmenwechsel
2. Die Nachrichtenwert-Theorie Eine raum-, zeit-, kontextunabhängige Theorie?
3. Das 2-Komponentenmodell
4. Ein Analysemodell (Kepplinger, Bastian)
4.1 Die Ermittlung des Nachrichtenwertes
4.2 Grundlage der Untersuchung
4.3 Nachrichtenwert der Nachrichtenwerttheorie
4.3.1 Eine Langzeituntersuchung: 1951-1995
4.3.2 Verkürzung des Untersuchungszeitraumes: 1981-1995
4.4 Erstellung einer Prognose
5. Fazit und Ausblick
6. Anhang
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den prognostischen Gehalt der Nachrichtenwerttheorie, indem sie deren theoretische Grundlagen und die Möglichkeiten einer empirischen Überprüfung analysiert, um Wege aus der bisherigen Erklärungsschwäche der Theorie aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung und Paradigmenwechsel der Nachrichtenwertforschung
- Kritische Reflexion der Annahme einer zeit- und kontextunabhängigen Gültigkeit
- Einführung des 2-Komponentenmodells zur Trennung von Nachrichtenfaktoren und Nachrichtenwert
- Analysemodell nach Kepplinger und Bastian zur Vorhersage des Beitragsumfangs
Auszug aus dem Buch
Die Nachrichtenwert-Theorie Eine raum-, zeit-, kontextunabhängige Theorie?
Der große Erfolg der Nachrichtenwerttheorie liegt nach Kepplinger in der Tatsache begründet, dass „die Nachrichtenauswahl auf allgemeingültige und damit (fast) überall geltende, dauerhafte und damit frei vom Zeitgeist wirkende, stabile und damit situationsunabhängige greifende sowie überindividuelle und damit Professionalität dokumentierende Ursachen zurückgeht.“ Gerade dem Berufsstand Journalist kommt diese Theorie entgegen, die davon ausgeht, dass sich der Journalist an Kriterien orientiert und das journalistische Schaffen als autonome Tätigkeit betrachtet.
Doch kann die Nachrichtenwerttheorie diesem Anspruch gerecht werden? Ein entscheidender Aspekt bei dieser Fragestellung ist sicherlich der Zeitfaktor. Die Zeit und der damit verbundene Wandel der Selektionskriterien bleiben bei dieser Theorie bis dato völlig außen vor und werden nicht berücksichtigt. Doch das an der Unveränderbarkeit der Kriterien nicht festgehalten werden kann, zeigen verschiedene Studien der 80er und 90er Jahre. So weisen diese Studien klar daraufhin, dass die Nachrichtenauswahl durchaus einer Veränderung unterworfen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Problematik der Nachrichtenwerttheorie bezüglich ihrer mangelnden Prognosefähigkeit und führt in das Analysesystem von Kepplinger und Bastian ein.
1. Rückblick und Paradigmenwechsel: Dieses Kapitel zeichnet die theoretische Entwicklung von Lippmann über Lewin bis hin zu Galtung und Ruge nach und beleuchtet die Rolle der Journalisten bei der Nachrichtenselektion.
2. Die Nachrichtenwert-Theorie Eine raum-, zeit-, kontextunabhängige Theorie?: Hier wird der Anspruch der Theorie auf universelle Gültigkeit hinterfragt und anhand von Langzeitstudien als empirisch fragwürdig eingestuft.
3. Das 2-Komponentenmodell: Das Kapitel erläutert die notwendige Unterscheidung zwischen Nachrichtenfaktoren als Objektmerkmalen und Nachrichtenwerten als Selektionskriterien zur Verbesserung der theoretischen Erklärkraft.
4. Ein Analysemodell (Kepplinger, Bastian): Die Autoren präsentieren hier eine methodische Vorgehensweise, um durch Regressionsanalysen den Einfluss von Nachrichtenfaktoren auf den Umfang von Meldungen zu bestimmen.
4.1 Die Ermittlung des Nachrichtenwertes: Dieser Abschnitt erläutert das methodische Vorgehen, um den variablen Charakter des Nachrichtenwertes in Abhängigkeit von Zeit und Mediengattung zu erfassen.
4.2 Grundlage der Untersuchung: Hier wird das Datenmaterial der Deutschlandberichterstattung von 1951 bis 1995 detailliert beschrieben, welches als Basis der Untersuchung dient.
4.3 Nachrichtenwert der Nachrichtenwerttheorie: Dieses Kapitel wertet die statistischen Zusammenhänge zwischen Nachrichtenfaktoren und Berichterstattung aus.
4.3.1 Eine Langzeituntersuchung: 1951-1995: Die Analyse vergleicht drei Zeitperioden, um die zeitliche Variabilität der Nachrichtenfaktoren empirisch nachzuweisen.
4.3.2 Verkürzung des Untersuchungszeitraumes: 1981-1995: Hier wird der Untersuchungszeitraum verengt und nach geraden sowie ungeraden Jahren differenziert, um präzisere Ergebnisse zu erzielen.
4.4 Erstellung einer Prognose: Das Kapitel beschreibt den Versuch, mithilfe einer Regressionsgleichung und einem 2-Komponentenmodell den Umfang zukünftiger Beiträge vorherzusagen.
5. Fazit und Ausblick: Diese Zusammenfassung unterstreicht die Notwendigkeit, Nachrichtenwerte als eigenständige Variable zu behandeln, um die Theorie empirisch prüfbar zu machen.
6. Anhang: Dieser Teil enthält die ergänzenden Tabellen und Diagramme, auf die sich die Analyse bezieht.
Schlüsselwörter
Nachrichtenwerttheorie, Journalismusforschung, Nachrichtenfaktoren, Nachrichtenselektion, Kepplinger, Bastian, 2-Komponentenmodell, Medienwirklichkeit, Regressionsanalyse, Publikationswürdigkeit, Deutschlandberichterstattung, Prognosefähigkeit, Gatekeeperforschung, Selektionskriterien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den wissenschaftlichen Status der Nachrichtenwerttheorie, insbesondere deren Fähigkeit, die Auswahl und Aufmachung von Nachrichten in den Medien zu erklären und zu prognostizieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die historische Entwicklung der Theorie, die Kritik an ihrer vermeintlichen zeitlosen Gültigkeit sowie die methodische Weiterentwicklung durch das 2-Komponentenmodell von Kepplinger und Bastian.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie die Nachrichtenwerttheorie von einer rein beschreibenden Ex-post-facto-Betrachtung hin zu einer Theorie mit empirisch überprüfbaren Prognosen weiterentwickelt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer Sekundäranalyse von Langzeitdaten der Deutschlandberichterstattung (1951-1995) unter Anwendung multipler Regressionsanalysen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der methodischen Aufarbeitung der Nachrichtenfaktoren, der empirischen Prüfung ihrer zeitlichen Konstanz sowie der Erstellung eines Modells zur Prognose des Beitragsumfangs.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Nachrichtenfaktoren, Nachrichtenwert, Selektionsentscheidungen, 2-Komponentenmodell und empirische Prognosefähigkeit.
Welche besondere Bedeutung hat das 2-Komponentenmodell in diesem Dokument?
Das Modell ist entscheidend, da es erstmals explizit zwischen den Nachrichtenfaktoren als Merkmalen des Ereignisses und dem Nachrichtenwert als Selektionskriterium des Journalisten unterscheidet.
Warum ist die Unterscheidung zwischen geraden und ungeraden Jahren in der Untersuchung wichtig?
Diese Differenzierung dient dazu, Reihenfolgeeffekte zu vermeiden und zu prüfen, ob sich die Nachrichtenfaktoren unabhängig vom spezifischen Jahr stabil verhalten, was für die Prognosegenauigkeit essenziell ist.
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- Marina May (Author), 2002, Der prognostische Gehalt der Nachrichtenwerttheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6295