Schon im Vorbericht zu seinem Musikalischen Schauspiel Masagniello Furioso nennt Barthold Feind die beiden konträren Ansichten, die Adel und Volk in dem folgenden Stück, aber ebenso in der Realität, welcher der Stoff des Stückes ja entlehnt ist, vertreten. Einerseits spricht er in Bezug auf den Aufruhr, den der Fischer Masagniello in Neapel entfacht hat, von einer „grossen Aufwieglung und unerhörten Frevel“, stellt also die Sichtweise des Adels dar, andererseits werden nur einige Zeilen später die scheinbar berechtigten Gründe von Volkes Seite für diese Rebellion erklärt, nämlich weil „die Königl. Bedienten den Unterthanen schier das Blut abzapfen“.
Diese Erörterung der Ansichten beider Parteien zieht sich in der Folge durch das ganze Stück. Während Masagniello und Perrone bei ihren Auftritten die Misere des Volkes in den Vordergrund rücken lassen, zeigen sich in den Aussagen des Arcos die Vorzüge, die eine feste Konstitution mit klaren Machtverhältnissen besitzt. Feind bedient sich bei der Darstellung dieser Gegensätze hauptsächlich des Mittels der Arien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse der Sichtweisen von Adel und Volk
2.1 Darstellung der gegensätzlichen Positionen im Vorbericht
2.2 Die Rolle der Arien in der Argumentation
3. Kritik an den gesellschaftlichen Lagern
3.1 Kritik an der Unterdrückung durch den Adel
3.2 Gefahren der Anarchie aus Sicht der Obrigkeit
3.3 Der Wandel Masagniellos als Warnung
4. Fazit und Kompromissfindung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische und soziale Positionierung im musikalischen Schauspiel "Masagniello Furioso" von Barthold Feind und analysiert, ob das Werk einseitig Partei für den Adel oder das Volk ergreift.
- Die konträren Standpunkte von Adel und Volk im historischen Kontext.
- Die literarische Umsetzung sozialer Konflikte durch das Mittel der Arien.
- Die kritische Reflexion von Machtmissbrauch und Anarchie.
- Die Charakterisierung des Protagonisten Masagniello als ambivalente Figur.
- Die Bedeutung des finalen Kompromisses zwischen den sozialen Schichten.
Auszug aus dem Buch
Barthold Feind: Masagniello Furioso. Bezieht das Stück Stellung für Adel oder Volk?
Schon im Vorbericht zu seinem Musikalischen Schauspiel Masagniello Furioso nennt Barthold Feind die beiden konträren Ansichten, die Adel und Volk in dem folgenden Stück, aber ebenso in der Realität, welcher der Stoff des Stückes ja entlehnt ist, vertreten. Einerseits spricht er in Bezug auf den Aufruhr, den der Fischer Masagniello in Neapel entfacht hat, von einer „grossen Aufwieglung und unerhörten Frevel“, stellt also die Sichtweise des Adels dar, andererseits werden nur einige Zeilen später die scheinbar berechtigten Gründe von Volkes Seite für diese Rebellion erklärt, nämlich weil „die Königl. Bedienten den Unterthanen schier das Blut abzapfen“.
Diese Erörterung der Ansichten beider Parteien zieht sich in der Folge durch das ganze Stück. Während Masagniello und Perrone bei ihren Auftritten die Misere des Volkes in den Vordergrund rücken lassen, zeigen sich in den Aussagen des Arcos die Vorzüge, die eine feste Konstitution mit klaren Machtverhältnissen besitzt. Feind bedient sich bei der Darstellung dieser Gegensätze hauptsächlich des Mittels der Arien.
Aus der Sicht des Volkes wird vor allem die massive Unterdrückung und Ausbeutung hervorgehoben, durch die sich die Patrizier bereichern, explizit sind in dem Stück die hohen Obstzölle genannt, die den Untertanen das Leben erschweren. Dagegen warnen die Adelsvertreter hauptsächlich vor den Gefahren einer Anarchie, die entsteht, wenn jeder das tut was er denkt, und berufen sich auf die Gesetze und Gott. Deutlich zeigt das Stück in Person des Masagniello aber auch auf, wie leicht und gefährlich es ist, sich an gewonnener Macht zu berauschen, sein Verhalten wird immer blutrünstiger und gieriger, bis hin zur Darstellung seiner selbst als Helden und vermeintlichen König kurz vor seinem Tod.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der gegensätzlichen Sichtweisen im Werk "Masagniello Furioso" ein und stellt die zentrale Fragestellung der parteiischen Stellungnahme heraus.
2. Analyse der Sichtweisen von Adel und Volk: Hier werden die im Vorbericht und im Stück verwendeten Argumentationsmuster beider Parteien untersucht, wobei insbesondere die Funktion der Arien hervorgehoben wird.
3. Kritik an den gesellschaftlichen Lagern: Dieser Teil befasst sich mit der Darstellung von Unterdrückung und Anarchie sowie der kritischen Wandlung Masagniellos, die sowohl das Volk als auch den Adel in ein negatives Licht rückt.
4. Fazit und Kompromissfindung: Das Kapitel schließt mit der Beobachtung ab, dass das Stück keinen eindeutigen Sieger präsentiert, sondern einen sozialen Ausgleich durch gegenseitige Annäherung thematisiert.
Schlüsselwörter
Barthold Feind, Masagniello Furioso, Adel, Volk, Neapolitanische Fischer-Empörung, soziale Konflikte, Machtverhältnisse, Anarchie, Arien, Unterdrückung, politisches Theater, Klassenkonflikt, Kompromiss, Herrschaftskritik, Aristokratie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie das musikalische Schauspiel "Masagniello Furioso" von Barthold Feind die sozialen Spannungen zwischen dem Adel und dem aufständischen Volk darstellt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen soziale Gerechtigkeit, die Legitimität von Rebellion, die Gefahren der Machtausübung sowie das Spannungsfeld zwischen Anarchie und staatlicher Ordnung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob das Stück eine einseitige Parteinahme für den Adel oder das Volk vornimmt oder ob es eine distanzierte Kritik an beiden Lagern übt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Berücksichtigung des historischen Kontextes und der Vorworte des Autors durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die rhetorische Darstellung der Konflikte durch Arien, die Kritik an den Privilegien des Adels sowie die moralische Ambivalenz des Protagonisten Masagniello.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Machtverhältnisse, Rebellion, soziale Unterdrückung, politische Ambivalenz und der historische Kontext der neapolitanischen Fischer-Empörung.
Warum wird Masagniello als ambivalente Figur dargestellt?
Sein Weg vom Volksvertreter zum machtberauschten Möchtegern-König dient im Stück als warnendes Beispiel, wodurch er nicht als reiner Held, sondern als Argument gegen unkontrollierte Machtausübung fungiert.
Wie endet der Konflikt zwischen den sozialen Schichten in der Analyse?
Der Konflikt mündet in einen Kompromiss, bei dem der Adel Zugeständnisse bei den Abgaben macht und das Volk die Privilegien der Aristokratie akzeptiert, was den Frieden wiederherstellt.
Welche Rolle spielt der Begriff "Großmuth" im Text?
Er fungiert am Ende des Stückes zusammen mit dem Begriff "Güte" als Symbol für eine mögliche Annäherung und eine erstrebenswerte Form der Herrschaft beider Seiten.
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- Martin Walter (Author), 2005, Barthold Feind: Masagniello Furioso - Bezieht das Stück Stellung für Adel oder Volk?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62959