Definition des Theodizee-Problems und Lösung bei Albrecht von Haller


Rezension / Literaturbericht, 2005
1 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Die Theodizee ist ein theologisches Problem, das der Frage nachgeht, wie die Allmacht und Allwissenheit Gottes mit der Existenz des Bösen in der Welt vereinbar ist. Das Theodizeeproblem besteht im Widerspruch zwischen zwei Aussagen: Auf der einen Seite steht die Annahme, dass Gott allgütig, allwissend und allmächtig sei, auf der anderen Seite steht die Erfahrung, dass es Leid und Übel in der Welt gibt. Darum können Lösungen des Problems nur darin zu suchen sein, eine der beiden Annahmen auf irgendeine Weise zu entkräften oder den Widerspruch für legitim zu erklären. Seit Gottfried Wilhelm Leibniz, der in seinem Essais de Théodicée sur la bonté de Dieu, la liberté de l'homme et l'origine du mal nachzuweisen versuchte, dass diese Welt die beste aller möglichen Welten sei und deshalb die Existenz des Bösen in der Welt nicht der Güte Gottes widerspreche, steht der Begriff Theodizee für Verfahren, „die Gott vor dem Gerichtshofe der Vernunft von der Urheberschaft des Negativen, Dysteleologischen, Bösen freisprechen wollen“[1].

Auch Albrecht von Haller geht in seinem Gedicht Über den Ursprung des Übels, wie der Titel bereits andeutet, einer Antwort auf die Frage nach, wie sich all das Übel in der Welt mit einem allmächtigen und vollkommenen Schöpfer verträgt. Haller unterteilt sein Lehrgedicht dabei in drei Bücher: Das erste Buch besitzt den Charakter einer Problemdarstellung, die der Autor zu skizzieren versucht, im zweiten Buch wird die Erschaffung der Welt geschildert, und erst im dritten Buch soll die eigentliche Lösung der Frage nach dem Ursprung des Übels gegeben werden[2].

Das Gedicht ist geprägt von dem Konflikt, in dem Naturwissenschaftler und Gläubiger stehen, beide vertreten in der Person des Autors. Der Zweifel, der daraus entsteht, was man auf der Welt an Schlechtem mit eigenen Augen zu sehen bekommt, nagt am Glauben. Haller beruft sich bei seinem Versuch eines Lösungsansatz darauf, dass die Welt trotz der scheinbaren Widersprüchlichkeit und Gespaltenheit gut und heil ist, da sie das Werk eines vernünftigen Gottes ist. Daraus folgt, dass auch der Mensch als Teil der Gott-Vernunft vernünftig ist. Trotzdem muss Haller letztendlich erkennen, dass er das Problem der Theodizee nicht (endgültig) beantworten und dem Leser die Antwort auf den Titel des Gedichtes nicht liefern kann. Vielmehr zweifelt er im driteen Buch am klaren Erkenntnisvermögen und spricht von der „Blindheit“[3] des Menschen. Ersichtlich wird seine scheinbar eintretende Machtlosigkeit auch an der plötzlichen Konfusion der Gedichtgliederung, denn der bis dorthin klar strukturierte Aufbau des Gedichts gerät durcheinander. Haller muss vor der von ihm entworfenen Frage im Titel kapitulieren, denn es gibt schlicht und einfach keine Lösung. Seine zuvor erbrachten Ansätze muss er letztlich mit der Aufforderung und dem Rat an den Leser begraben, einfach an die Schöpfung zu glauben[4].

[...]


[1] Carl-Friedrich Geyer: Das Theodizeeproblem – ein historischer und systematischer Überblick. In: Theodizee –

Gott vor Gericht? hg. von Willi Oelmüller, München 1990, S.14.

[2] Vgl. Eduard Stäuble: Albrecht von Haller „Über den Ursprung des Übels“. In: Zürcher Beiträge zur deutschen

Literatur- und Geistesgeschichte, hg. von Emil Staiger, Bd. 3 (1953).

[3] Albrecht von Haller: Über den Ursprung des Übels (1734). Aus: Ders.: Die Alpen und andere Gedichte,

Stuttgart 1965, S. 73, V. 184.

[4] Vgl. Ebenda, S. 74, V. 219ff.

Ende der Leseprobe aus 1 Seiten

Details

Titel
Definition des Theodizee-Problems und Lösung bei Albrecht von Haller
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)
Note
2.0
Autor
Jahr
2005
Seiten
1
Katalognummer
V62962
ISBN (eBook)
9783638561037
Dateigröße
355 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Definition, Theodizee-Problems, Lösung, Albrecht, Haller, Theodizee, Albrecht von Haller
Arbeit zitieren
Martin Walter (Autor), 2005, Definition des Theodizee-Problems und Lösung bei Albrecht von Haller, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62962

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