Vor einiger Zeit las man in einer deutschen Zeitung einen Artikel, in dem der Autor sich fragt, wie es kommt, dass der durchschnittliche niederländische Geschäftsmann, eigentlich ordentlich gekleidet, fast immer diese ungeputzten, wenig eleganten Schuhe trägt. Laut dem Verfasser hängt das mit der Körpergröße zusammen. Niederländische Männer werden inzwischen so groß, dass sie die Beziehung zu ihren Füßen verloren haben. Ich achte seitdem darauf und stelle fest, dass die Kombination aus ungepflegtem Schuhwerk und einem adretten Anzug tatsächlich ein auffälliges Erkennungszeichen niederländischer Männer ist. Achten Sie einmal selbst darauf.
Ich bin Deutsche, wohne in Deutschland und arbeite und wohne in den Niederlanden und in Deutschland. Viele Leute fragen mich nach den Unterschieden zwischen den Niederlanden und Deutschland und den Bewohnern beider Länder. Die Schuhe fallen mir dann immer zuerst ein. Aber es gibt natürlich noch mehr Dinge, die anders oder nur auf den ersten Blick gleich sind. Es ist sicher gut, wenn man darüber etwas weiß. Allerdings kann ich nicht genug betonen, dass es sich vor allem um persönliche Eindrücke handelt. Sie können daher immer auch dem Gegenteil begegnen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Falsche Freunde, foute vrienden
Even overleggen
Humor
Du
Drs.T.W.L.M.E. Fransen
Met mevrouw de Jong
Händeschütteln und “zoenen”
Zum Kaffee
Wir essen gleich
Komm ‘mal vorbei
Ein Blumenstrauß
“Overspannen” und der Kreislauf
Zum Wohle
Sprache
Aussprache
Literatur
Antideutsch
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die subtilen und oft humorvollen interkulturellen Unterschiede sowie die „Fettnäpfchen“ im täglichen Umgang zwischen Deutschen und Niederländern aufzuzeigen, um ein besseres gegenseitiges Verständnis im beruflichen und privaten Kontext zu fördern.
- Analyse linguistischer Stolperfallen („falsche Freunde“) und Übersetzungsirrtümer.
- Unterschiede in Arbeitskultur und Kommunikationsstilen (z.B. „Overleggen“).
- Kulturelle Divergenzen bei sozialen Ritualen, Höflichkeitsformen und Humor.
- Die Rolle von Sprache und Aussprache als Identitätsmerkmal und Hindernis.
- Historische Einflüsse auf die heutige Wahrnehmung des jeweils anderen Landes.
Auszug aus dem Buch
Even overleggen
Als Deutscher wird Ihnen bei ihren Gesprächen mit Niederländern wiederholt der Ausdruck „mal überlegen“ auffallen. Es ist möglich, dass Ihr Gesprächspartner meint, dass er noch Zeit benötigt, um darüber nachzudenken (overdenken = überlegen), aber wahrscheinlicher ist es, dass er das niederländische overleggen = beratschlagen meint. Sollte das der Fall sein, wird es eine Weile dauern, bevor Sie eine Reaktion bekommen.
Overleggen hat nämlich eine ganz andere Bedeutung als überlegen. Es gibt im Deutschen eigentlich keine Wortentsprechung hierfür. Overleggen ist das Besprechen eines Sachverhalts mit allen Beteiligten, bevor eine Entscheidung getroffen wird. In den Niederlanden wird alles erst overlegd.
Das gesamte Arbeitsleben beruht auf dem Einverständnis über gemeinsame Ziele, Zusammenarbeit ohne Gesichtsverlust und auf schier endlosen Verhandlungen darüber. Ständig finden Besprechungen statt... Es wird immer so lange verhandelt, bis eine gemeinsame oder zumindest für alle Beteiligten tragfähige Lösung gefunden ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Autorin reflektiert persönliche Beobachtungen über kulturelle Unterschiede zwischen Deutschen und Niederländern, beginnend bei trivialen Merkmalen wie Schuhwerk.
Falsche Freunde, foute vrienden: Erläuterung der sprachlichen Gefahr durch ähnlich klingende Wörter, die in beiden Sprachen völlig unterschiedliche Bedeutungen haben.
Even overleggen: Analyse der niederländischen Kultur des „Beratschlagens“ und der damit verbundenen pragmatischen, egalitären Arbeitsweise im Vergleich zu deutschen Hierarchien.
Humor: Untersuchung der Unterschiede in der Verwendung von Humor, Ironie und Selbstkritik sowie der Wahrnehmung von Fernsehen und Synchronisation.
Du: Darstellung der unterschiedlichen Sensibilität in der Anrede („Du“ vs. „Sie“) und des informelleren Umgangstons in den Niederlanden.
Drs.T.W.L.M.E. Fransen: Kontrastierung der verschiedenen Traditionen in Titulierung, Visitenkarten und förmlichem Schriftverkehr.
Met mevrouw de Jong: Erörterung der Sitten bei der Vorstellung und der Namensgebung, insbesondere bei verheirateten Frauen.
Händeschütteln und “zoenen”: Überblick über Begrüßungsrituale wie Händeschütteln und Küssen in den jeweiligen Ländern.
Zum Kaffee: Beschreibung der unterschiedlichen Bedeutung und Art des Kaffeetrinkens als soziales Ereignis.
Wir essen gleich: Vergleich der Essgewohnheiten und der sozialen Signalwirkung von Aussagen wie „Wir essen gleich“.
Komm ‘mal vorbei: Differenzierung zwischen der niederländischen Terminplanung und der deutschen Spontaneität bei Hausbesuchen.
Ein Blumenstrauß: Hinweise auf die korrekte Etikette bei Gastgeschenken und Blumenmitbringseln.
“Overspannen” und der Kreislauf: Vergleich länderspezifischer Beschwerden und deren unterschiedliche kulturelle Einordnung.
Zum Wohle: Analyse der Trinkkultur und des sozialen Phänomens des „Borrel“.
Sprache: Untersuchung der wechselseitigen Wahrnehmung der jeweiligen Sprachen als „fremd“ oder „verwandt“ sowie historische Vorurteile.
Aussprache: Analyse der phonetischen Unterschiede und der Schwierigkeiten beim Erlernen der jeweils anderen Sprache.
Literatur: Reflexion über die Rezeption niederländischer Literatur in Deutschland und die Qualität früherer Übersetzungen.
Antideutsch: Einordnung historischer antideutscher Ressentiments und deren Wandel in der heutigen Zeit.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kompetenz, Deutschland, Niederlande, Falsche Freunde, Kommunikation, Arbeitskultur, Sprache, Humor, Etikette, Fremdwahrnehmung, Identität, Soziale Normen, Sprachvergleich, Integration, Kulturunterschiede.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den kulturellen Unterschieden und sprachlichen Herausforderungen zwischen Deutschland und den Niederlanden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen Sprachvergleiche, Arbeitskultur, soziale Etikette, Humorverständnis und historische Vorurteile.
Was ist das Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, „Fettnäpfchen“ im zwischenmenschlichen Kontakt zu vermeiden und ein Verständnis für die unterschiedlichen Mentalitäten zu schaffen.
Welche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine deskriptive, auf persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen basierende essayistische Analyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Behandelt werden Themen von der Anrede über Essgewohnheiten bis hin zur sprachlichen Wahrnehmung der jeweiligen Nachbarn.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Interkulturalität, Kommunikation, Deutschland, Niederlande, Sprachvergleiche und soziale Gepflogenheiten.
Was bedeutet das Phänomen „Overleggen“?
Es beschreibt die niederländische Praxis, jeden Sachverhalt im Team zu besprechen, bevor eine Entscheidung getroffen wird.
Warum gibt es laut Autorin Missverständnisse beim Humor?
Die Autorin führt dies auf unterschiedliche Ansprüche an Ironie, Selbstspott und die historisch bedingte Ernsthaftigkeit bei deutschen Diskussionen zurück.
Wie unterscheiden sich die Begrüßungsrituale?
Während in beiden Ländern das Händeschütteln üblich ist, gibt es Unterschiede in der Intensität und den Anlässen sowie bei Küssen als Begrüßungsform.
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- Anika Erdmann (Author), 2005, Interkulturelle Fettnäpfchen: Deutschland - Niederlande, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62991