Das niederländische Deutschlandbild nach 1990 - Clingendael-Rapport und seine Folgen für die bilateralen Beziehungen zwischen den Niederlanden und Deutschland


Hausarbeit, 2005

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Vorwort

1. Einführung

2. Angst, Unbehagen und Verunsicherung unter den Niederländern
2.1. Niederländische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutschlands
2.2. Niederländische Reaktionen auf rechtsextremische Vorfälle in Deutschland

3. Clingendael-Rapport
3.1. Allgemeine Informationen
3.2. Ergebnisse
3.3. Schlussfolgerungen

4. Die Notwendigkeit zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen
4.1. Politisch-geschichtliche Ebene
4.2. Institutionelle Ebene
4.3. Zwischenmenschliche Ebene

5. Resume

Bibliographie

Vorwort

Die bilateralen Beziehungen zwischen den Nachbarländern waren und sind als ein seriöses und legitimes Thema anerkannt. Alle sind sich heutzutage dessen bewusst, dass man gute Nachbarschaft pflegen muss.

Die Entwicklung der niederländisch-deutschen Kontakte sowie die Einstellung zueinander sahen zu bestimmten Zeitpunkten anders aus. Nicht immer war die gegenseitige Bewertung rosig, vor allem wenn man das niederländische Deutschlandbild unter die Lupe nimmt. Es wurde durch verschiedene Faktoren bestimmt.

Die Geschwindigkeit in der sich die Welt verändert ist atemberaubend. Auch die politische Landkarte Europas ist starken Veränderungen unterworfen. Man kann also feststellen, dass alles mit der Zeit ändert. Gilt das aber auch für die bilateralen Kontakte und Partnerschaft zwischen den Niederlanden und Deutschland? Oder sind die stereotypen Vorstellungen so stark, dass in dem Bereich der gegenseitigen Wahrnehmung alles konstant bleibt? Solche Fragen schienen mir besonders interessant zu sein.

Als Thema meiner Arbeit habe ich deswegen das Deutschlandbild nach dem Jahre 1990 gewählt. Gerade in den 90er Jahren ist viel geschehen. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands haben wir es mit einer neuen Epoche zu tun. Ich wollte das Phänomen dieser Zeit genauer untersuchen und die Frage beantworten, ob damalige Ereignisse einen Einfluss auf das Bild der Deutschen hatten. Wenn ja, dann in welchem Masse. Als Widerspiegelung der niederländischen Einstellung den Deutschen gegenüber habe ich mich für den Clingendael-Rapport entschieden. In den 90er Jahren gab es zwar reichlich verschiedene Umfragen, die dieser Entscheidung gewidmet waren, z.B.: Umfragen im Rahmen der Euroregionen, des niederländischen Tourismusbüros etc. Es gibt aber keinen Zweifel daran, dass der Clingendael-Rapport die stärksten Reaktionen auf verschienen Ebenen zur Folge hatte, sowie mit einem großen Echo in den Medien, unter den Politikern und den Bürgern ankam. Aus diesem Grunde schien mir die Wahl dieser Untersuchung eine gute Idee zu sein.

Es gibt jedoch noch ein anderer Aspekt, den ich für wichtig halte. Der Clingendael-rapport war eine Umfrage, die unter den Jugendlichen von fünfzehn bis neunzehn Jahren durchgeführt wurde. Dass die Vorstellung, welche die ältere Generation der Niederländer von den Deutschen haben, nicht immer die richtige ist, ist den beiden Seiten bekannt. In diesem Fall lässt sich, meiner Meinung nach, wenig ändern. Das größte Potential und eine Chance für die Normalisierung der bilateralen Kontakte und Einstellung stecken eben in den Jugendlichen. Deshalb ist es so wesentlich, diese Gruppe zu untersuchen und gewisse Schlussfolgerungen, anhand solcher Umfragen, zu ziehen.

Die Beziehungen zu Deutschland, das Verhältnis zwischen den Niederlanden und Deutschland, wurden in vielen Publikationen besprochen. Sowohl in den Niederlanden, als auch in Deutschland sind zahlreiche Materialien zu diesen Themen erschienen z.B.: „Van vijand tot bondgenoot“, „Zwei ungleiche Nachbarn“, „Nederland en Duitsland: elkaar kennen en begrijpen“, „Die Niederlande und Deutschland: Nachbarn in Europa“,Zimmer Frei. Nederland-Duitsland na 1945” etc. Ihre Lektüre und Analyse endete mit der Zusammenfassung der wichtigsten Informationen, Daten, sowie mit meiner persönlichen Überlegungen über das Deutschlandbild nach 1990. Im Mittelpunkt stand natürlich der Clingenael-Rapport selbst.

Diese Arbeit besteht aus fünf Hauptblöcken. Der erste Teil ist einer allgemeinen Einführung gewidmet. Hier versuche ich die gegenseitigen Beziehungen zwischen den Niederlanden und Deutschland kurz zusammenzufassen. Solche Begriffe wie Kriegstrauma und Calimero-Effekt wurden dort erläutert. Im zweiten Kapitel befasse ich mich mit dem Höhepunkt der Negativität, dem Phänomen anti-deutsch-sein unter den Niederländern, das Anfang der 90er Jahre zu beobachten war. Als mögliche Erklärung solch einer Situation nehme ich die Unzufriedenheit der Niederländer mit der Wiedervereinigung Deutschlands, sowie den starken Protest gegen rechtsextremische Vorfälle in Deutschland, an. Das dritte Kapitel berührt den Clingendael-Rapport, wo ich seine Zielsetzung und Ergebnisse beschreibe. Es gibt dort auch den Versuch, gewisse Schlussfolgerungen zu nennen, die aus seiner Analyse zu ziehen sind. Den Kern des vierten Kapitels bildet die Notwendigkeit zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen auf verschiedenen Ebenen (politische, institutionelle, zwischenmenschliche). Im letzten Hauptblock, nämlich im fünften Kapitel, versuche ich die ganze Arbeit zusammenzufassen, sowie einige Fragen zu beantworten, die meiner Ansicht nach, relevant sind, wie z.B.: ob die Publikation des Clingendael-Rapports zur Verbesserung der niederländisch-deutschen Kontakte beigetragen hat, was sich in der bilateralen Beziehungen geändert hat, ob es noch etwas zu machen ist etc. – solchen Problemen werden die letzten Seiten meiner Arbeit gewidmet. Darauf folgt eine Bibliographie, die allen Lesern eine Erleichterung sichern sollte, was den Zugang zu den Büchern anbelangt, die mir als Quelle und Grundlage der Erwägungen dienten.

Einige Karikaturen sollten dieser Arbeit einen dekorativen Charakter geben. In dieser Darstellungsform kommen bilaterale Beziehungen, nationale Stereotype und Klischees sehr oft zum Vorschein. Sie werden absichtlich überzeichnet und damit in Frage gestellt. Sie regen uns zur kritischen Selbstbetrachtung sowie zur Revision vieler Vorstellungen an.

Ich möchte dabei betonen, dass diese Arbeit nicht aus dem Blickpunkt eines Historikers geschrieben wird. Ich konzentriere mich mehr auf die soziologische Ebene. Im Mittelpunkt meiner Interessen befinden sich die zwischenmenschlichen Beziehungen. Eine geschichtliche Analyse habe ich mir nicht als Ziel gesetzt. Meine Untersuchung lässt sich eher auf solche Wissenschaften wie Soziologie, Soziopsychologie sowie Public Relations zurückführen.

1. Einführung

Die Verflechtung, Verbundenheit, alle gegenseitigen Kontakte von Nachbarländern

sind sehr oft intensiv, aber verlaufen auch manchmal unterschiedlich. Dies gilt auch für die Niederlande und Deutschland. Es handelt sich hier um eine Beziehung, die im Laufe der Zeit ihre Form durch Rivalität und Zusammenarbeit erhalten hat. Man muss sich dabei dessen bewusst sein, dass es nicht nur eine politisch-diplomatische Beziehung oder eine Beziehung des Geschäftsverkehrs sowie der Handelsströme ist. Von großer Bedeutung ist hier auch der persönliche Bereich, der die Einstellung den Nachbarn gegenüber determinieren kann. Eben der persönliche Faktor spielte und spielt immer noch eine wichtige Rolle in der Gestaltung des Deutschlandbildes unter den Niederländern.

Eine gefühlsmäßige Beziehung der Niederländer zu den Deutschen kann ohne Zweifel nicht als optimal bezeichnet werden. Sie scheint von einem mangelhaften Fachwissen und aufgrund subjektiver Vorurteile und Ressentiments bestimmt zu werden. Diese Vorurteile gehen von einer Generation auf die andere über. Dies ist wahrscheinlich das größte Problem, das die gegenseitigen Einstellungen durch Jahrhunderte hin determiniert hat.

Wenn man diese Erscheinung genauer analysieren möchte, muss man in erster Linie das Kriegstrauma[1] erwähnen. Es ist selbstverständlich, dass Besatzung und Repression im II. Weltkrieg das Verhältnis der Niederlande zu Deutschland stark belastet haben. Diese Erinnerungen waren und sind immer noch in der Mentalität des niederländischen öffentlichen Denkens zu spüren.

Das andere Element, das hier von großer Wichtigkeit ist, ist die ewige Angst vor

einem größeren und kräftigeren Nachbar, an den man sich immer anpassen muss, was man als den Kampf zwischen David und Goliath bezeichnen kann. Die Niederlande befinden sich in solch einer Situation und leiden unter dem so genannten Calimero-Effekt, was „sie sind groß und wir sind klein, das ist nicht ehrlich“[2] bedeutet.

Alle diese Faktoren: Kriegstrauma, Calimero-Effekt, stereotype Vorstellungen über die Deutschen, für die bestimmte, meistens negative, Charaktereigenschaften typisch sind (Arroganz, Dominanz), haben durch Jahrzehnte hin eine enorme Rolle bei der Herausbildung einer Einstellung der östlichen Nachbarn der Niederlande gegenüber gespielt.[3] Sie waren auch, oder sogar vor allem in den 90er Jahren spürbar, womit ich mich in dem nächsten Kapitel beschäftigen werde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fritz Behrendt, De Telegraaf, 1996.[4]

Diese Karikatur stellt das Problem eines kleinen Landes (die Niederlande) im Schatten seines größeren Nachbars (Deutschland) dar.

2. Angst, Unbehagen und Verunsicherung unter den Niederländern

Das niederländische Deutschlandbild war nie befriedigend positiv. Es hat sich aber in den 90er Jahren radikal verschlechtert.[5] Während die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und den Niederlanden schon seit langem ausgezeichnet seien, galt es in den Niederlanden, vor allem zu Beginn der 90er Jahre als "bon-ton", um antideutsch zu sein, was auch später Peter van Walsum - der damalige Botschafter der Niederlande in Deutschland in einem Interview mit der niederländischen Tageszeitung NRC-Handelsblad bestätigte.[6]

Warum ist aber damals zu einer so deutlich spürbaren Veränderung im niederländischen Verhältnis zu Deutschland gekommen? Außer den früher erwähnten Faktoren wie z.B.: dem Calimero-Effekt oder den stereotypen Vorstellungen, haben, meiner Meinung nach, eine solche Situation noch zwei Elemente hervorgerufen, nämlich die Wiedervereinigung Deutschlands und die ausländerfeindlichen Ausschreitungen u.a. in Rostock, Hoyerswerda und Mölln[7].

2.1. Niederländische Reaktionen auf die Wiedervereinigung Deutschlands

Die Widervereinigung Deutschlands war nicht nur für die Deutschen das wichtigste Ereignis ihrer jüngsten Geschichte. Es war auch für die europäischen Nachbarn ein nicht leicht zu verarbeitender Schock. Auch in den Niederlanden standen die Begriffe Integration, Verankerung und Einbettung Deutschlands im Mittelpunkt.

„Wir setzen (...) keine Fragezeichen hinter das Ob“ sagte Außenminister Hans van den Broek im Parlament, „wir haben höchstens Fragen bezüglich des Wie: Wie sollen die Grenzen garantiert werden? Wie wird die Einbindung des neuen Deutschlands in die europäische Gemeinschaft stattfinden? Wie wird ein Sicherheitsarrangement um das neue Deutschland herum aussehen?“.[8]

Die Niederlande haben sich mit dem geteilten Deutschland wohl und sicher gefühlt. Überdies hatte die Geschichte uns alle gelernt, dass ein souveräner deutscher Zentralstaat äußerst gefährlich sein konnte. Die europäischen Nachbarn, Partner und Verbündeten des geteilten Deutschlands waren auf sein Einswerden überhaupt nicht vorbereitet. Dies resultierte mit negativen Reaktionen auf diesen Prozess.

[...]


[1] Bläsing, Joachim F. E, Bosmans, Jac, Lademacher, Horst, Woyke, Wichard u.a .: Die Niederlande und Deutschland. Nachbarn in Europa., S. 138

[2] Rinooy Kan, A. H. G.: Ein starker Nachbar. Deutschland als wichtiger Partner der Niederlande., S. 13

[3] Jansen, Lútsen B.: Bekend en onbemind : het beeld van Duitsland en Duitsers onder jongeren van vijftien tot negentien jaar. S. 9

[4] In: Keim, Walther: Hallo Nachbar!... ...Dag buurvrouw! : Nederlands-Duitse betrekkingen in cartoons. S. 19

[5] Groenewold, Peter: Das niederländische Deutschlandbild im 19. und 20. Jahrhundert. In: Deutschland und die Niederlande: einander kennen und verstehen., S. 219

[6] Zimmer frei. S. 71.

[7] Groenewold, Peter: Das niederländische Deutschlandbild im 19. und 20. Jahrhundert. In: Deutschland und die Niederlande: einander kennen und verstehen., S. 219

[8] Von Graevenitz, H.: Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Niederlanden und die Auswirkungen der Entwicklung in Europa bis 1992. In: Die Niederlande und Deutschland. Nachbarn in Europa. S. 139

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Das niederländische Deutschlandbild nach 1990 - Clingendael-Rapport und seine Folgen für die bilateralen Beziehungen zwischen den Niederlanden und Deutschland
Hochschule
Hochschule Bremen
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
27
Katalognummer
V62993
ISBN (eBook)
9783638561327
ISBN (Buch)
9783638749770
Dateigröße
915 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutschlandbild, Clingendael-Rapport, Folgen, Beziehungen, Niederlanden, Deutschland
Arbeit zitieren
Anika Erdmann (Autor), 2005, Das niederländische Deutschlandbild nach 1990 - Clingendael-Rapport und seine Folgen für die bilateralen Beziehungen zwischen den Niederlanden und Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62993

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