Historisch gesehen ist die Entwicklung der Kostenrechnung eng verbunden mit der Geschichte der Buchhaltung. Von den Anfängen im 14. Jahrhundert bis hin zu der heutigen Form hat sich die Kostenrechnung immer stärker verfeinert, um den Aufgaben eines marktorientierten Kostenrechnungssystems gerecht zu werden. Ziel ist es, die Kostenrechnung als Kernelement des betriebwirtschaftlichen Rechnungswesens so zu gestalten, dass sie neben der Kontrollaufgabe einer zieladäquaten Planung und Steuerung der innerbetrieblichen Faktorkombinationsprozesse dient.
Dabei strebt die Kostenrechnung als Informationsgenerator für die Unternehmensführung immer stärker nach höherer Genauigkeit und besserer Vergleichbarkeit. In diesem Zusammenhang erlangt die Frage nach der Behandlung von Opportunitätskosten eine immer größere Bedeutung.
Die Literatur sieht in der Bestimmung der Opportunitätskosten mittlerweile eine Hauptaufgabe der Kostenrechnung an. Innerhalb der Kostenartenrechnung ist der Ansatz von Opportunitätskosten in Form von kalkulatorischen Kosten unerlässlich, um den Anforderungen einer rationalen Entscheidungsfindung zu genügen.
Die vorliegende Arbeit liefert einen expliziten Überblick über die Thematik der Opportunitätskosten im Bereich der Kostenartenrechnung. Zudem wird versucht, Bezug zu Anwendungen innerhalb der entscheidungsorientierten Kostenrechnung herauszuarbeiten und Vorteile aufzuzeigen. Folgende Fragen werden dabei insbesondere zu beantworten sein:
• Wie lassen sich Opportunitätskosten für die Kostenrechnung abgrenzen?
• In welchem Zusammenhang stehen Opportunitätskosten und die beiden Kostenbegriffe der Kostenrechnung?
• Welche kalkulatorischen Kosten fallen in der Kostenartenrechnung unter den Begriff der Opportunitätskosten und wie lassen sie sich bestimmen? Stellen dabei auch Anderskosten Opportunitätskosten dar?
• Wie lässt sich die Verwendung von Opportunitätskosten in Entscheidungssituationen rechtfertigen und wie lassen sich diese modellieren?
• Worin liegen die Gründe für die Verwendung von Opportunitätskosten in der Kostenrechnung?
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Opportunitätskosten in der Kostenrechnung – Begriffsklärung und Charakterisierung
2.1 Der Kostencharakter der Opportunitätskosten: der wertmäßige Kostenbegriff
2.2 Opportunitätskosten in der Kostenartenrechnung
3 Verwendung von Opportunitätskosten in der Kostenartenrechnung
3.1 Die Ermittlung der Opportunitätskosten als kalkulatorische Kosten
3.1.1 Kalkulatorische Kosten in Form von Zusatzkosten
3.1.2 Kalkulatorische Kosten in Form von Anderskosten
3.2 Verwendung von kalkulatorischen Kostenarten – eine kurze kritische Würdigung
4 Verwendung von Opportunitätskosten in der entscheidungsorientierten Kostenrechnung
4.1 Opportunitätskosten in der entscheidungsorientierten Kostenrechnung
4.2 Anwendung bei der gewinnoptimalen Engpasssteuerung
5 Thesenartige Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretische Fundierung und praktische Anwendung von Opportunitätskosten innerhalb der Kostenrechnung. Ziel ist es, die Notwendigkeit von Opportunitätskosten für eine rationale Unternehmensführung aufzuzeigen und die Einordnung dieser Kosten in die Kostenartenrechnung sowie in entscheidungsorientierte Modelle zu präzisieren.
- Kostencharakter und wertmäßiger Kostenbegriff
- Ermittlung kalkulatorischer Kosten (Zusatz- und Anderskosten)
- Kritische Analyse des Einsatzes kalkulatorischer Kostenarten
- Entscheidungsorientierte Kostenrechnung bei Engpasssituationen
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Kostencharakter der Opportunitätskosten: der wertmäßige Kostenbegriff
Im Hinblick auf den Kostencharakter der Opportunitätskosten stellt sich die grundlegende Frage, inwiefern das Konstrukt der Opportunitätskosten mit den beiden betriebswirtschaftlichen Kostenbegriffen zu vereinbaren ist. Im Allgemeinen werden in der Betriebswirtschaftslehre drei Merkmale als wesentliche Elemente des Kostenbegriffs genannt:
1. Mengenmäßiger Verbrauch von Gütern,
2. Sachzielbezogenheit des Güterverbrauchs und
3. Bewertung des sachzielbezogenen Güterverbrauchs.
Hinsichtlich des Ansatzes von Wertgrößen gibt es in der Kostenlehre zwei grundlegende Auffassungen: der wertmäßige und der pagatorische Kostenbegriff, die sich insbesondere im Hinblick auf die Bewertung des sachzielbezogenen Güterverbrauchs unterscheiden.
Während beim pagatorischen Kostenbegriff der Kostenwert generell dem Anschaffungswert entspricht und somit rein auszahlungsorientiert ist, liegt dem wertmäßigen Kostenbegriff die Forderung zu Grunde, dass der Kostenwert eine Lenkungsfunktion zu übernehmen hat. Die Bewertung des sachzielbezogenen Güterverbrauchs erfolgt über den „Preis, durch den im Hinblick auf die gewählte Zielvorstellung ein optimaler Gütereinsatz erreicht wird.“
Der Kostenwert beim wertmäßigen Kostenbegriff enthält die Elemente Grenzauszahlung und Grenzgewinn. Als Grenzauszahlung sind die Anschaffungsausgaben für die letzte eingesetzte Gütereinheit zu sehen. Der Grenzgewinn kennzeichnet den Beitrag des verbrauchten Wirtschaftsgutes zur Zielerreichung und ist bei allen unbegrenzt zur Verfügung stehenden Einsatzgütern gleich Null. Bei Vorliegen von Knappheitsrestriktionen lässt sich der Grenzgewinn als Opportunitätskosten interpretieren. Der Güterverbrauch von Opportunitätskosten ist in dem Verzehr von Nutzungsmöglichkeiten beschränkt vorhandener Produktionsfaktoren zu sehen.
In dieser Konsequenz ist festzustellen, dass beim pagatorischen Kostenbegriff Opportunitätskosten nicht angesetzt werden, da hier die Kosten grundsätzlich aus den Auszahlungen abgeleitet werden. Ein etwaiger Kostencharakter der Opportunitätskosten wird verneint. Vielmehr stellen Opportunitätskosten Bestandteile des unternehmerischen Gewinns dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der Kostenrechnung ein und begründet die Relevanz von Opportunitätskosten für die moderne Unternehmenssteuerung und Entscheidungsfindung.
2 Opportunitätskosten in der Kostenrechnung – Begriffsklärung und Charakterisierung: Dieses Kapitel erläutert den wertmäßigen Kostenbegriff als notwendige Voraussetzung für die Einbeziehung von Opportunitätskosten und grenzt diesen gegen den pagatorischen Kostenbegriff ab.
3 Verwendung von Opportunitätskosten in der Kostenartenrechnung: Hier wird die praktische Ermittlung von kalkulatorischen Kosten (Zusatz- und Anderskosten) dargestellt und eine kritische Würdigung ihrer Bedeutung für die Unternehmensrechnung vorgenommen.
4 Verwendung von Opportunitätskosten in der entscheidungsorientierten Kostenrechnung: Das Kapitel analysiert den Einsatz von Opportunitätskosten in konkreten Entscheidungssituationen, insbesondere bei der gewinnoptimalen Steuerung in Engpasssituationen.
5 Thesenartige Zusammenfassung: Die zentralen Erkenntnisse der Arbeit werden hier in prägnanten Leitsätzen zusammenfassend dargelegt.
Schlüsselwörter
Opportunitätskosten, Kostenrechnung, Kostenartenrechnung, wertmäßiger Kostenbegriff, kalkulatorische Kosten, Zusatzkosten, Anderskosten, kalkulatorischer Unternehmerlohn, kalkulatorische Zinsen, Engpasssteuerung, Deckungsbeitrag, Entscheidungsrechnung, Unternehmenssteuerung, Ressourcenallokation, Gewinnmaximierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen und die praktische Relevanz von Opportunitätskosten innerhalb der Kosten- und Erlösrechnung.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf dem wertmäßigen Kostenbegriff, der Klassifikation in Zusatz- und Anderskosten sowie der Anwendung in entscheidungsorientierten Modellen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Notwendigkeit von Opportunitätskosten zur Erfüllung von Planungs-, Steuerungs- und Kontrollaufgaben im Rechnungswesen wissenschaftlich zu untermauern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturgestützten Analyse, bei der verschiedene betriebswirtschaftliche Ansätze zum Kostenbegriff und zur Kostenrechnung kritisch gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Opportunitätskosten als kalkulatorische Kostenarten und deren konkrete Anwendung bei Engpässen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Opportunitätskosten, wertmäßiger Kostenbegriff, kalkulatorische Kosten und Engpasssteuerung gekennzeichnet.
Warum wird der wertmäßige Kostenbegriff als Voraussetzung genannt?
Da der pagatorische Kostenbegriff rein auszahlungsorientiert ist, lassen sich Opportunitätskosten nur im wertmäßigen Konzept abbilden, da hier der Kostenwert eine Lenkungsfunktion einnimmt.
Wie werden Anderskosten interpretiert?
Die Interpretation von Anderskosten als Opportunitätskosten wird im Text als schwieriger als bei Zusatzkosten eingestuft, ist aber über gedankliche Zusammenhänge wie das Prinzip der Kapitalerhaltung bei Abschreibungen begründbar.
Welche Rolle spielen Opportunitätskosten bei der Engpasssteuerung?
Sie dienen als entscheidungsrelevantes Kriterium, um bei knappen Ressourcen durch Vergleich von Deckungsbeitragsverlusten die gewinnoptimale Produktionsprogrammplanung vorzunehmen.
- Quote paper
- Michael Wohlatz (Author), 2006, Opportunitätskosten in der Kostenrechnung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63022