Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - Social System and Social Structure

Die Säkularisation 1803 als Folge der Aufklärung - Auswirkungen auf Gesellschaft und katholischen Klerus

Title: Die Säkularisation 1803 als Folge der Aufklärung - Auswirkungen auf Gesellschaft und katholischen Klerus

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 32 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Thomas Eissing (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Am Beginn des 21. Jahrhunderts scheint es leicht, für Mitteleuropa eine Krise der katholischen Kirche zu prognostizieren. Die Zahl der Kirchenaustritte befindet sich auf hohem Niveau und auch diejenigen Bürger, welche sich offiziell zum katholischen Glauben bekennen, kommen im Mittel immer weniger den Forderungen des Glaubens nach.
Doch scheinen im Vergleich zu den Ereignissen um das Jahr 1803, welche hier Thema sein sollen, diese Schwierigkeiten recht gering. Man stelle sich die Reaktion der Öffentlichkeit vor, wenn heutzutage nicht nur augenscheinlich von heute auf morgen jahrhundertealte Bildungseinrichtungen geschlossen würden, sondern darüber hinaus die Bundesrepublik Deutschland ihrer Souveränität als unabhängigem europäischen Staat aufgrund fremder Anordnung beraubt und einem Nachbarstaat- zum Beispiel Polen- angegliedert würde. So ungefähr stellte sich das Szenario in der Folge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 in die heutige Zeit übertragen dar. Natürlich sind die Ausgangslagen nicht wirklich vergleichbar, aber aus der Sicht des heutigen Völkerrechts wurden souveräne Staaten aufgelöst und annektiert.
Wie es zu diesem Ereignis kam, ob es, nun über 200 Jahre zurückliegend, tatsächlich einen signifikanten Wandel einleitete und inwiefern es sich auf die gesellschaftliche Position des „Objektes“ der damaligen Geschehnisse auswirkte, soll Betrachtungsgegenstand der vorliegenden Arbeit sein.
Es wird im Folgenden zunächst einmal die Ausgangslage der Kirche im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (HRRDN) vor 1803 skizziert und anschließend die geistigen und gesellschaftlichen Entwicklungen aufgezeigt werden, die zu den Ereignissen um das Jahr 1803 führten. Letzterem vorweg soll eine Festlegung entscheidender Begriffe gehen, um dann zu beleuchten, welche Konsequenzen die auf den ersten Blick recht tief greifenden Umwälzungen jener Geschehnisse auf die Stellung der Geistlichkeit als eine der althergebrachten „Eliten“ (falls sie als eine solche bewertet werden kann) hatte.
Wichtig hierbei ist anzumerken, dass sich geschilderte Entwicklungen und Begebenheiten kaum in Gänze auf das gesamte Reich übertragen lassen, was allein schon dessen Zusammensetzung aus einer großen Zahl kleiner und Kleinst- Staaten geschuldet ist. Vielmehr soll versucht werden, breitere Strömungen aufzuzeigen, ohne dass der Anspruch erhoben wird, dass die dargestellten Abläufe in dieser Form in allen Teilen des Reiches stattfanden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Kirche im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation

II.1 Die Reichskirche

II.2 Die Einzelstaaten

II.3 Der Klerus

II.4 Die Situation in geistlichen Herrschaftsgebieten

III. Darlegung des Elitenbegriffs; Verortung des reichskirchlichen Klerus

III.1 Der Begriff „Elite“ und seine Unterformen

III.1.1 Funktionselite

III.1.2 Wertelite

III.1.3 Machtelite

III.2 Der Elitenstatus des Klerus

III.3 Die Gesellschaft im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation

IV. Die Auswirkungen der Aufklärung auf die Position der Kirche

IV.1 Der Begriff der Aufklärung

IV.2 Die Veränderung der Religiosität durch die Aufklärung

IV.3 Die Auswirkungen auf den Elitenstatus der Kirche

IV.3.1 Funktionselite

IV.3.2 Machtelite

IV.3.3 Wertelite

IV.3.4 Aufgeklärte Kirche

V. Reichsdeputationshauptschluss und Säkularisation 1803

V.1 Geschichtlicher Abriss zum Reichsdeputationshauptschluss

V.2 Der Begriff der Säkularisation und seine Unterformen

V.2.1 Allgemeine Definition

V.2.2 Herrschafts- und Vermögenssäkularisation

V.3 Motivation des Staates; Durchführung der Maßnahmen

V.4 Die Reaktion der Bevölkerung

V.5 Die politischen Auswirkungen

VI. Die gesellschaftlichen Folgen der Säkularisation

VI.1 Wirtschaftliche Auswirkungen auf die Bevölkerung

VI.2 Die seelsorgerische Versorgung

VI.3 Trennung zwischen Eliten- und Volksfrömmigkeit

VI.4 Das Bildungswesen

VI.5 Machtelite?

VI.6 Läuterung des Kirchenpersonals

VI.7 Verhältnis Kirche- Staat

VI.8 Die niederrangige Geistlichkeit

VII. Der Elitenstatus der Kirche nach 1803

VII.1 Machtelite? II

VII.2 Funktionselite?

VII.3 Wertelite?

VIII. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Wandel der gesellschaftlichen Rolle der katholischen Kirche im Heiligen Römischen Reich durch die Säkularisation von 1803. Dabei wird analysiert, inwieweit die Geistlichkeit vor und nach diesem Ereignis als Elite – unterteilt in Funktions-, Macht- und Wertelite – fungierte und wie sich diese Positionen unter dem Einfluss von Aufklärung und staatlicher Enteignung verschoben.

  • Elitenbegriffe (Funktions-, Macht- und Wertelite)
  • Stellung der Reichskirche vor 1803
  • Einfluss der Aufklärung auf Religiosität und Bildung
  • Reichsdeputationshauptschluss und Durchführung der Säkularisation
  • Soziale und gesellschaftliche Folgen für Klerus und Bevölkerung

Auszug aus dem Buch

II.1 Die Reichskirche

Spätestens seit dem 10. Jahrhundert, genauer seit Otto I. sich vom Papst in Rom zum römisch- deutschen Kaiser krönen ließ, waren Kaisertum und Kirche im HRRDN im System der „Reichskirche“ auf das Engste miteinander verflochten. Das Kaisertum wurde durch die Kirche als weltlicher Arm Gottes auf Erden legitimiert, was sich in unter anderem in rituellen Handlungen wie der Salbung des Kaiser- Aspiranten, wodurch dieser erst zum Kaiser wurde, während das Kaisertum die Lehr- und Glaubensautorität der Kirche schützte.

Zwar lässt sich nicht sagen, dass diese symbiotische Beziehung stets störungsfrei und ohne Reibungen verlief, dennoch war sie zumindest den Kaisern von so hohem Nutzen, dass sie der Kirche beziehungsweise deren Vertretern, also auch Klöstern und Bistümern, nicht nur seelsorgerisch weitgehend freie Hand ließen, sondern sie darüber hinaus auch mit unmittelbar weltlicher Gewalt in Form von Lehen, also „Ländereien zur Verwaltung“ ausstatteten. Die Tatsache, das die geistlichen Lehensnehmer (Bischof oder Abt eines Klosters) bedingt durch ihre zölibatäre Lebensweise zumindest offiziell keine Erben einsetzten konnten, sicherte dem Lehnsherren eine gewisse Kontrolle über die vergebenen Ländereien, da die weltlichen Vasallen oftmals dazu tendierten, einmal empfangene Lehensgaben automatisch weiterzuvererben oder gar in erblichen Eigenbesitz zu verwandeln, womit de facto kaum mehr Einflussmöglichkeiten für den Lehensherren (hier also den Kaiser) bestanden. Das Nicht- Bestehen einer direkten Blutsverwandtschaft zwischen vorherigem Lehensnehmer und dessen Nachfolger ließ eine einfache Erbfolge, wie sie bei weltlichen Vasallen natürlich schien, nicht ohne weiteres zu.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung umreißt die krisenhafte Ausgangslage der Kirche zu Beginn des 21. Jahrhunderts und stellt die Säkularisation von 1803 als historisches Vergleichsszenario zur Diskussion der gesellschaftlichen Position geistlicher Eliten vor.

II. Die Kirche im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation: Dieses Kapitel erläutert das symbiotische System der Reichskirche, in dem die Kirche sowohl spirituelle Autorität als auch weltliche Herrschaftsrechte ausübte, was sie zu einer einflussreichen Kraft machte.

III. Darlegung des Elitenbegriffs; Verortung des reichskirchlichen Klerus: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Elitebegriffe Funktions-, Macht- und Wertelite definiert und auf den Stand der Geistlichkeit vor 1803 angewendet.

IV. Die Auswirkungen der Aufklärung auf die Position der Kirche: Das Kapitel beschreibt, wie die Aufklärung durch Entmystifizierung und rationales Denken die religiöse Autorität untergrub und den Einfluss der Kirche in allen drei Eliten-Kategorien schwächte.

V. Reichsdeputationshauptschluss und Säkularisation 1803: Hier werden die historischen Hintergründe, die Motivation der staatlichen Akteure und die Durchführung der Säkularisationsmaßnahmen als administrative Verwaltungsakte dargelegt.

VI. Die gesellschaftlichen Folgen der Säkularisation: Dieser Abschnitt analysiert die tiefgreifenden sozialen Auswirkungen, darunter den Verlust von Bildungsinstitutionen, die Entfeudalisierung des Klerus und die Trennung von Eliten- und Volksfrömmigkeit.

VII. Der Elitenstatus der Kirche nach 1803: Eine differenzierte Bewertung, die zeigt, dass die Kirche zwar ihre politische Macht als Machtelite weitgehend verlor, aber in Bereichen der Seelsorge und lokaler Bildung weiterhin eine Rolle spielte.

VIII. Fazit: Das Fazit fasst die Säkularisation als Beschleuniger einer längerfristigen Entwicklung auf und betont die Divergenz der Folgen für verschiedene gesellschaftliche Schichten.

Schlüsselwörter

Säkularisation, Reichsdeputationshauptschluss, Reichskirche, Aufklärung, Elitenbegriff, Funktionselite, Machtelite, Wertelite, Klerus, Volksfrömmigkeit, Säkularisierung, Heiliges Römisches Reich, Gesellschaftswandel, Bildungswesen, Herrschaftslegitimation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht den Wandel der gesellschaftlichen Rolle der katholischen Kirche im Heiligen Römischen Reich infolge der Säkularisation von 1803 und analysiert, wie sich der Elitenstatus des Klerus durch diesen Prozess veränderte.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Mittelpunkt stehen die Begriffe der Elite (Funktions-, Macht- und Wertelite), die Struktur der Reichskirche vor 1803, der Einfluss der Aufklärung und die langfristigen sozialen Auswirkungen der Enteignung kirchlicher Güter.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den Elitenstatus der katholischen Geistlichkeit vor und nach der Säkularisation zu bestimmen und zu beurteilen, inwieweit das Ereignis von 1803 eine Zäsur oder einen Beschleuniger gesellschaftlicher Prozesse darstellte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretisch geleitete Analyse, indem sie soziologische Elite-Konzepte auf historische Entwicklungen anwendet und durch den Rückgriff auf zeitgenössische Quellen und neuere Forschungsliteratur fundiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der vor-säkularisierten Struktur der Kirche, den Einfluss der Aufklärung als Schwächungsfaktor sowie die Analyse der politischen und gesellschaftlichen Folgen der Säkularisationsmaßnahmen nach 1803.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wesentliche Begriffe sind Säkularisation, Aufklärung, Reichskirche, Funktionselite, Machtelite, Wertelite, Klerus, Volksfrömmigkeit und gesellschaftlicher Wandel.

Warum war der "Krummstab" als Herrschaftsform für die Bevölkerung oft vorteilhaft?

In geistlichen Herrschaftsgebieten galt der Spruch „Unterm Krummstab ist gut leben“, da die Bevölkerung dort häufig weniger tiefgreifenden hoheitlichen Eingriffen durch den Staat ausgesetzt war als in den weltlichen Fürstentümern.

Wie veränderte sich die Rolle der Kirche nach der Säkularisation offiziell?

Die Kirche wurde als politischer Akteur entmachtet, dem Staat untergeordnet und verlor durch die Vermögenssäkularisation massiv an politischer und finanzieller Basis, was zu einer "Entfeudalisierung" des Klerus führte.

Welche Auswirkung hatte die Säkularisation auf das Bildungswesen?

Die Schließung zahlreicher katholischer Universitäten und Gymnasien führte zu einer Verminderung des Bildungsangebots für den Klerus und langfristig zu einer Entfremdung zwischen Katholizismus und Wissenschaft.

Excerpt out of 32 pages  - scroll top

Details

Title
Die Säkularisation 1803 als Folge der Aufklärung - Auswirkungen auf Gesellschaft und katholischen Klerus
College
University of the Federal Armed Forces München  (Institut für Staatswissenschaften)
Course
Elitenwandel im 19. Jahrhundert
Grade
1,0
Author
Thomas Eissing (Author)
Publication Year
2004
Pages
32
Catalog Number
V63060
ISBN (eBook)
9783638561846
ISBN (Book)
9783656808763
Language
German
Tags
Säkularisation Folge Aufklärung Auswirkungen Gesellschaft Klerus Elitenwandel Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Eissing (Author), 2004, Die Säkularisation 1803 als Folge der Aufklärung - Auswirkungen auf Gesellschaft und katholischen Klerus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63060
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  32  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint