Die Arbeit beschreibt das neue Online-Format Weblogs, mit dem die Hoffnung einer direkten Anteilnahme jedes Einzelnen am Öffentlichkeitssystem verbunden ist. Dabei bieten die normative und die systemtheoretische Öffentlichkeitstheorie die Hilfsmittel, mit denen sich verschiedene Teilaspekte dieses neuen Genres der computervermittelten Kommunikation betrachten lassen. Ausgehend von einer grundsätzlichen Beschreibung des recht komplexen Begriffs der Öffentlichkeit stellt die Arbeit beide Theorieansätze vor und operationalisiert wichtige Begrifflichkeiten, mit denen sich die Öffentlichkeit der Weblogs adäquat beschreiben lässt. Weblogs selbst werden aus diesem Grund eben-falls näher beschrieben und in die Online-Kommunikation eingeordnet. Nach der Ana-lyse, die sich entlang eines systemtheoretischen Rasters entwickelt, kann festgestellt werden, dass Weblogs durchaus das Potential für wichtige Impulse in Richtung politi-scher Öffentlichkeit besitzen, dass sie aber innerhalb der bestehenden Öffentlichkeits-Konstellation an der Dominanz bisheriger „Meinungsmacher“ nichts wesentliches ver-ändern können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Öffentlichkeit
2.1 Begriffsgeschichte
2.2 Modernes Verständnis
2.2.1 normativ
2.2.2 systemtheoretisch
2.3 Strukturen
2.3.1 Funktionen
2.3.2 Ebenen
2.4 Definitionen von Öffentlichkeit
2.5 Online-Öffentlichkeit
3 Weblogs
3.1 Das „neue“ Netz
3.2 Definition Weblogs
3.3 Entstehung Weblogs
3.4 Weblog Charakteristika
3.4.1 Oszillationsmedium
3.4.2 Technische Funktionen
3.4.3 Kommunikationsstil
3.5 Nutzungsmöglichkeiten von Weblogs
4 Weblog Öffentlichkeiten
4.1 Input – Herstellung von Transparenz
4.1.1 Offenheit und Gleichberechtigung der Teilnahme
4.1.2 Themen- und Meinungsfreiheit
4.2 Throughput – Validierungsleistungen von Weblogs
4.2.1 Verarbeitungsleistungen und Kontrollfunktionen
4.2.2 Das Thematisierungspotential von Weblogs
4.3 Output – Orientierungsleistungen von Weblogs
4.3.1 Weblogs als flexibles Format
4.3.2 Partizipierende Vermittlung
5 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht, inwiefern Weblogs als neues Medium der computervermittelten Kommunikation das Potential besitzen, als öffentliche Plattformen für politische Kommunikation zu dienen. Unter Anwendung öffentlichkeitstheoretischer Modelle (normativ nach Habermas und systemtheoretisch) wird analysiert, ob Weblogs die demokratischen Anforderungen an Offenheit, Diskursivität und Orientierungsleistungen erfüllen oder lediglich bestehende Machtstrukturen der Massenmedien widerspiegeln.
- Grundlagen der Öffentlichkeitstheorie und deren Anwendung auf digitale Formate
- Strukturelle Analyse der Weblog-Kommunikation anhand des Prozessmodells (Input, Throughput, Output)
- Untersuchung von Machtstrukturen und dem "Power-Law-Prinzip" in der Blogosphäre
- Bewertung der Rolle von Weblogs als Vermittler zwischen Individuen und Massenmedien
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Oszillationsmedium
Ein wichtiges Weblog-Merkmal ist der Link bzw. die erweiterte Nutzung dessen ursprünglichen Potentials. Für viele konventionelle Webpräsenzen (Websites) diente der Link meist der Navigation innerhalb der Seite. Weblogs nutzen nun gewissermaßen das „Netz als Netz“ und die persönliche Meinung, die anmerkende Notiz oder „Minierzählungen“ entfalten sich oft um einen Link herum, der auf andere Seiten im Netz verweist“ (vgl. Eigner 2003: 11). Der Hyperlink ist somit das zentrale Moment eines Weblogs, denn bisherige externe Verlinkungen waren nicht unbedingt essentiell für das Verständnis eines online gelesenen Textes. Die externen Hyperlinks von Webpages entsprachen damit primär z.B. einer Fußnote oder einem Verweis in konventionellen Schriftdokumenten. Im Weblog wird so „Hypertextualität […] völlig neu bestimmt“ und „der Link zu einem integralen Bestandteil des Textes“ (ebd.: 121). Das Verständnis des Textes klärt sich somit in den meisten Fällen erst dadurch auf, dass der Bezugstext gelesen wurde und Christian Eigner spricht sogar von der ersten Textform ohne Rand (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zum Thema Weblogs im Kontext der modernen Online-Kommunikation und Definition der wissenschaftlichen Forschungsfrage.
2 Öffentlichkeit: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Öffentlichkeitsbegriff, unterteilt in die normative Perspektive nach Habermas und die systemtheoretische Sichtweise.
3 Weblogs: Beschreibung der Entstehung, technischen Charakteristika und Nutzungsmöglichkeiten des Weblog-Formats im sogenannten "neuen Netz".
4 Weblog Öffentlichkeiten: Empirische und theoretische Analyse der Weblog-Kommunikation hinsichtlich ihrer Leistungen bei Input, Throughput und Output im Vergleich zu Massenmedien.
5 Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Erkenntnisse und kritische Bewertung der Ambivalenz von Weblogs als demokratisches Instrument.
Schlüsselwörter
Weblogs, Öffentlichkeit, politische Kommunikation, Öffentlichkeitstheorie, Jürgen Habermas, Systemtheorie, computervermittelte Kommunikation, Netzöffentlichkeit, Blogosphäre, Online-Journalismus, Partizipation, Meinungsbildung, Hypertextualität, Machtstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle von Weblogs als Medium politischer Kommunikation aus der Perspektive der Öffentlichkeitstheorie.
Welche wissenschaftlichen Theorieansätze werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die normative Öffentlichkeitstheorie nach Jürgen Habermas sowie auf systemtheoretische Ansätze, insbesondere von Niklas Luhmann und Jürgen Gerhards.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob sich mit den Begrifflichkeiten der Öffentlichkeitstheorie die Aspekte politischer Weblog-Kommunikation ausdifferenziert darstellen lassen.
Welche Methode wird für die Untersuchung gewählt?
Es wird ein deduktiver Ansatz ("Top-Down") verfolgt, der das Prozessmuster der Systemtheorie (Input, Throughput, Output) als analytische Folie für die Weblog-Kommunikation nutzt.
Was sind die wesentlichen thematischen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt die Teilnahmebedingungen (Input), die Validierungsleistungen durch Diskurs (Throughput) und die Orientierungsleistung für die Gesellschaft (Output) von Weblogs.
Welche Keywords beschreiben die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Weblogs, politische Kommunikation, Öffentlichkeitstheorie, Netzöffentlichkeit und Partizipation charakterisieren.
Welche Rolle spielen "Warblogs" im Kontext der Arbeit?
"Warblogs" dienen als Beispiel für die Thematisierungsfreiheit, da sie aufgrund ihrer Nähe zum Geschehen Themen aufgreifen können, die in traditionellen Medien zunächst vernachlässigt werden.
Was besagt das "Power-Law-Prinzip" in Bezug auf Weblogs?
Das Prinzip beschreibt die Konzentration von Aufmerksamkeit auf eine kleine Gruppe von populären "A-List-Weblogs", was eine stärkere demokratische Gleichheit in der Blogosphäre erschwert.
Wie bewertet der Autor den Beitrag von Weblogs zur politischen Öffentlichkeit?
Das Fazit fällt ambivalent aus: Weblogs können zwar Impulse setzen, sind jedoch stark von bestehenden Machtstrukturen der Massenmedien abhängig und erreichen nur einen kleinen Teil der Bevölkerung.
- Quote paper
- Karsten Linde (Author), 2006, Politische Kommunikation in Weblogs - Eine öffentlichkeitstheoretische Betrachtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63073