Die demographische Entwicklung in Deutschland bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den deutschen Pflegesektor: Der Wandel des Krankheitsspektrums mit steigender Anzahl chronisch kranker, alter und hochbetagter Menschen, die zunehmend komplexere Probleme durch Pflegebedürftigkeit und deren Begleitumstände mit sich bringen, verlangen neue Bewältigungsstrategien von allen an der Pflege beteiligten Personen. Zudem befindet sich die Pflege in Zeiten, in denen der Gesetzgeber Vorgaben zwecks ökonomischem Arbeiten (bedenke man § 12 SGB V und §29 SGBXI „Wirtschaftlichkeitsgebot“) vorschreibt und die Pflegepersonen selbst die Behandlungszwecke und -ziele ihrer Patienten stetig mehr unter Berücksichtigung der steigenden Qualitätssicherungsanforderungen (§80 SGB XI) begründen und rechtfertigen müssen.
Demnach ergibt sich die Frage, wie trotz der genannten Probleme und Anforderungen eine bestmögliche Behandlung und Therapie für den geriatrischen Patienten erreicht werden kann. Eine diesbezügliche Methode impliziert das geriatrische Assessement, welches in der vorliegenden Arbeit erläutert werden soll. Das primäre Ziel dieser Arbeit besteht darin, das Konzept des deutschen geriatrischen Assessment transparent darzustellen, einige diesbezügliche Verfahren zu präsentieren und ggf. die Konzeption hinsichtlich der Struktur und Umsetzung kritisch zu durchleuchten. Zur Erreichung dieses Zieles werden in entsprechenden Textpassagen erlangte Kenntnisse bzgl. des Moduls „Assessment and Decision Making in Nursing“ integriert, welches meinerseits im Rahmen eines absolvierten Auslandssemesters an der Napier University Edinburgh/Schottland im Jahre 2005 besucht wurde. Somit besteht das sekundäre Ziel dieser Arbeit darin, durch die Integration der Auslandserfahrungen evtl. neuartige Impulse anzuregen.
So soll das zweite Kapitel der vorliegenden Arbeit Grundüberlegungen im Kontext zum geriatrischen Assessment zwecks eines besseren Verständnisses der Thematik widerspiegeln. Hier werden die Aspekte der demographischen Entwicklung, einige Probleme bei der Diagnosestellung eines alten Menschen, definitorische Ansätze von Pflegebedürftigkeit bzw. was führt hauptsächlich zu Pflegeabhängigkeit kurz vorgestellt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. GRUNDÜBERLEGUNGEN ZUM GERIATRISCHEM ASSESSMENT
2.1 DEMOGRAPHISCHE ENTWICKLUNG IN DEUTSCHLAND
2.2 PROBLEMAUFRISS IM KONTEXT ZUR DIAGNOSTIK
2.4 WAS FÜHRT ZUR PFLEGEABHÄNGIGKEIT?
3. GERIATRISCHES ASSESSMENT- KONZEPTION UND RICHTLINIEN
3.3 ZU BEDENKENDE ANWENDUNGSRICHTLINIEN
3.4 METHODIK UND ABLAUF
3.5 BEWERTUNGSKRITERIEN VON ASSESSMENT- INSTRUMENTEN
4. VORSTELLUNG EINZELNER ASSESSMENT- INSTRUMENTE
4.1 BASIS- ASSESSEMENTS
4.2 FALLBEISPIEL: SCHMERZERFASSUNG BEI DEMENZ
5. KRITISCHE BETRACHTUNG DES GERIATRISCHEN ASSESSMENT
5.1 VORTEILE UND NUTZEN
FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das Konzept des deutschen geriatrischen Assessments transparent darzustellen, ausgewählte Verfahren zu präsentieren und deren Anwendung sowie Struktur kritisch zu beleuchten, um Impulse für die pflegerische Praxis zu liefern.
- Demographische Veränderungen und deren Auswirkungen auf den Pflegebedarf.
- Konzeptionelle Grundlagen und Methoden des geriatrischen Assessments.
- Kriterien zur objektiven Bewertung von Assessment-Instrumenten.
- Spezifische Herausforderungen der Schmerzerfassung bei Demenz.
- Kritische Analyse der Implementierung in das deutsche Pflegewesen.
Auszug aus dem Buch
3.1. Definition und Zielsetzung
Das aus dem Englisch stammende Wort „Assessment“ bedeutet soviel wie „Feststellung, Bewertung und Einschätzung“ (Pons Wörterbuch, 2003). Seinen Ursprung fand das geriatrische Assessment in Groß Britannien ca. 1930. Die Briten erkannten bereits damals die Notwendigkeit von methodischen Vorgehensweisen bzgl. geriatrischer Funktionsbeurteilungen, um Fehlversorgung zu vermeiden. Seitdem wurden Assessment- Verfahren weiterentwickelt und wurden zum festen Bestandteil der Pflege (Steele 2005; Stich& Deuflard 2004).
Zusammenfassend in Bezug auf die gegenwärtige Fachliteratur lässt sich sagen, das geriatrische Assessment stellt ein diagnostischer Prozess in dokumentierter und standardisierter Form dar, mit dem die gesundheitliche Situation des geriatrischen Patienten/ Bewohners umfassend und multidimensional erfasst und bewertet wird; mit dem Ziel, weitere Interventionen zu planen (Therapieplan), durchzuführen und in ihrem Verlauf zu evaluieren. Von besonderer Bedeutung dieser Definition ist der Aspekt der Multidimensionalität, was in diesem Sinne die Erfassung von
physischen Funktionen (akut und chronische Krankheitsfolgen),
kognitiven Funktionen (z. B. Demenz, Schizophrenie),
emotionalen Funktionen (z. B. Depressionen),
ökonomische Funktionen (z.B. finanzielle Ressourcen, häusliche Umgebung),
sozialen Funktionen (z. B. Lebensqualität, familiäre bzw. soziale Kontakte)
beinhaltet (Bartholomeyczik et al., 2001; Halek, 2003; Luksch, undatiert; Pientka, 2000; Sommeregger, 2003). Anhand dieser Dimensionen ist zu erkennen, dass das geriatrische Assessment neben der gängigen medizinischen Diagnostik seinen primären Schwerpunkt auf eine quantifizierbare Funktionsdiagnostik legt, was nicht nur die Diagnostik der Organfunktionen umfasst, sondern eben vielmehr eine objektiv nachvollziehbare Erfassung bzw. Messung der Alltagsfunktionen, die anhand der ADL’s erfasst werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf den deutschen Pflegesektor und definiert das Ziel, das geriatrische Assessment transparent zu machen.
2. GRUNDÜBERLEGUNGEN ZUM GERIATRISCHEM ASSESSMENT: Dieses Kapitel erläutert die demographischen Aspekte sowie die diagnostischen Herausforderungen bei der Versorgung alter, oft multimorbider Menschen.
3. GERIATRISCHES ASSESSMENT- KONZEPTION UND RICHTLINIEN: Es werden die Definition, die Zielsetzung, der Ablauf sowie die notwendigen Qualitätskriterien für den Einsatz von Assessment-Instrumenten erörtert.
4. VORSTELLUNG EINZELNER ASSESSMENT- INSTRUMENTE: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über gängige Basis-Assessments und fokussiert speziell auf die Herausforderungen der Schmerzerfassung bei demenzkranken Patienten.
5. KRITISCHE BETRACHTUNG DES GERIATRISCHEN ASSESSMENT: Hier erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem Nutzen sowie den Defiziten bei der Implementierung dieser Instrumente in den deutschen Pflegealltag.
FAZIT: Das Fazit fasst die Problematik der Umsetzung zusammen und betont die Notwendigkeit für verbesserte Schulungskonzepte und eigenständige pflegewissenschaftliche Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Geriatrisches Assessment, Pflegebedürftigkeit, Multidimensionalität, Funktionsdiagnostik, ADL, Demenz, Schmerzerfassung, Pflegemanagement, Lebensqualität, Validität, Reliabilität, BESD, Pflegepraxis, Multimorbidität, Qualitätssicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das geriatrische Assessment als diagnostisches Instrument zur ganzheitlichen Erfassung und Planung der Versorgung pflegebedürftiger alter Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die demographische Entwicklung, die Konzeption und Anwendung von Assessment-Verfahren sowie die kritische Reflexion ihrer Implementierung im deutschen Pflegewesen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel besteht darin, das Konzept des geriatrischen Assessments transparent darzustellen, Verfahren vorzustellen und die methodische Konzeption kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Integration von Kenntnissen, die im Rahmen eines Auslandssemesters an der Napier University Edinburgh gewonnen wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, Anforderungen an die Anwendung, eine Vorstellung spezifischer Instrumente sowie eine kritische Analyse der Vor- und Nachteile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Geriatrisches Assessment, Funktionsdiagnostik, Pflegebedürftigkeit und Schmerzerfassung bei Demenz charakterisiert.
Warum ist die Schmerzerfassung bei Demenz besonders schwierig?
Aufgrund von Sprachstörungen und dem Verlust des begrifflichen Konzepts können demenzkranke Patienten Schmerzen kaum verbal artikulieren, was spezielle Fremdbeobachtungsskalen erforderlich macht.
Was ist die BESD nach Basler?
Die BESD (Beurteilung von Schmerz bei Demenz) ist ein Instrument zur Fremdbeobachtung von Schmerz bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen, basierend auf der amerikanischen PAINAD-Skala.
Warum gibt es Schwierigkeiten bei der Implementierung im deutschen Sektor?
Herausforderungen ergeben sich durch den hohen Zeitaufwand, fehlende Schulungskonzepte und die Tatsache, dass viele Instrumente aus dem englischsprachigen Raum übernommen wurden, ohne sie vollständig an deutsche Strukturen anzupassen.
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- Maike Bredehoeft (Autor), 2006, Geriatrisches Assessment im deutschen Pflegewesen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63100