Unterrichtseinheit: Vom Sinn der Gebote: Das Doppelgebot der Liebe


Unterrichtsentwurf, 2001

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 KLASSE/LERNGRUPPE/SCHÜLERINNEN & SCHÜLER
1.1 Entwicklungspsychologische Situation
1.1.1 Stufentheorie nach Piaget
1.2 Soziokulturelle Bedingungen
1.3 Besonderheiten der Lerngruppe
1.4 Die Schule im Gemeinwesen

2 THEMA: DAS DOPPELGEBOT DER LIEBE
2.1 Sachliche Erörterung des Themas
2.1.1 Einführung
2.1.2 Der Text: Matthäus 22, 34-40
2.1.3 Alternativen in der biblischen Auslegung
2.1.4 Exegetisch-didaktische Entscheidung

3 DIDAKTISCH-METHODISCHE ANALYSE
3.1 Definition der Lehr- und Lernintention
3.2 Mögliche Methoden
3.3 Didaktische Struktur des Stundenentwurfs
3.4 Bezug zum Lehrplan
3.5 Beziehung zwischen Stunde und Einheit
3.5.1 Übersicht über die Einheit
3.5.2 Beziehung zur Einheit
3.6 Reflexion der Sozialformen und der Leitmedien
3.6.1 Sozialformen
3.6.2 Leitmedien

4 STUNDENVERLAUF UND ALTERNATIVEN
4.1 Stundenverlauf im Zeitschema
4.2 Alternativen

5 LITERATURVERZEICHNIS

6 MEDIENVERZEICHNIS

7 ABBILDUNGEN & TEXTE
7.1 Abbildung 1
7.2 Abbildung 2
7.3 Erzählung: „Das wichtigste Gebot“ (nach Matthäus 22)

1 Klasse / Lerngruppe / Schülerinnen & Schüler

1.1 Entwicklungspsychologische Situation

1.1.1 Stufentheorie nach Piaget

J. Piaget hat vier verschiedene Stufen der sogenannten ontogenetischen Abfolge entwickelt.[1] Diese unterscheiden sich durch höhere Komplexität, eine größere Differenzierung und einem höheren Organisationsgrad. Dabei geht er zunächst einmal davon aus, „dass die Entwicklung in Stufen verläuft und (...) zweitens (...), dass diese Stufen einer geordneten Sequenz aufeinander folgen“[2]. Hierbei handelt es sich faktisch um die sensomotorische Stufe im Lebensalter von 0 bis 2 Jahren, die präoperationale Stufe im Alter von 2 bis 7 Jahren, die konkret-operationale Stufe zwischen 7 und 11 Jahren und die formaloperative Stufe ab 12 Jahren. Nach Piaget gilt hier die Universalität, d.h. diese Abfolge findet sich bei allen Menschen wieder. Diese vier Stufen könnten nun noch in weitere Stadien unterteilt werden, für das Verständnis der Entwicklungspsychologie im Rahmen einer Lehrprobe sollte dies aber ausreichend sein.

Der Zeitraum zwischen dem 9. und 11. Lebensjahr ist also bestimmt durch konkret-operationales Denken. Mensch und Natur haben jetzt eine gewisse Eigengesetzlichkeit, Ursache- und Wirkungszusammenhänge werden deutlich wahrgenommen. Es wird zwischen Phantasie und Realität getrennt. Das Denken bleibt jedoch auf den Bereich der konkreten Anschauung und des Vorstellbaren beschränkt. Anschaulichkeit und Handlungsbezug sind aus diesem Grunde für den Unterricht von großer Bedeutung.

Gott behält seinen Platz jenseits des Vorstellbaren. Er gilt als Urheber der ganzen Welt. Einwirkungen auf das tägliche Leben oder die Natur werden jetzt noch als denkbar hingenommen. Allerdings stehen die Schüler der 5. & 6. Klasse in der Regel kurz davor, diese Phase, zumindest im Zusammenhang mit Gott, zu überschreiten. Der Grund hierfür ist sicher die Einwirkung unserer heutigen aufgeklärten Gesellschaft.[3]

Dementsprechend gilt nun laut Piaget für die Altersstufe der 5. & 6. Klasse, in der diese Lehrprobe gehalten wird, dass der junge Mensch zu verinnerlichtem Denken, sowie zur Reversibilität fähig ist und ebenso verschiedene Wahrnehmungsaspekte koordinieren und kompensieren kann. Für ihn ist das Denken der Kinder in diesem Alter beweglich und umkehrbar.

Der generelle Geltungsanspruch, die mangelnde empirische Überprüfbarkeit, sowie das implizierte biologische Entwicklungsmodell, „das nicht genügend Raum für die Berücksichtigung von Umwelteinflüssen lässt“[4] , lässt zu Recht allerdings auch immer wieder kritische Stimmen publik werden. Eine Person sollte nach der Theorie von Piaget durchweg in allen Leistungsbereichen gleichzeitig auf einer Entwicklungsstufe stehen.[5] ,,Man geht heute davon aus, dass die Entwicklung beim Menschen von einer Vielfalt wechselseitig abhängiger Faktoren gesteuert wird. “[6]

Des weiteren verneint Piaget, dass „(..) die Geschwindigkeit, mit der eine Person die Entwicklungsstufen durchläuft, durch Unterricht beschleunigt werden kann. (...) Diese Frage ist pädagogisch und bildungspolitisch sehr bedeutsam, denn es geht darum, ob und inwieweit die Denkfähigkeit durch Trainingsmaßnahmen gefördert werden kann! “ [7]

Unterricht, und insbesondere schulischer Unterricht, soll aber auch den Schülern hilfreich für den weiteren Fortgang ihrer Entwicklung sein und soll diese möglichst forcieren. In diesem Zusammenhang darf auf keinen Fall die Vorbildfunktion des Lehrers unterschätzt werden.

„Sechstklässler sind emotional stabiler als Fünftklässler, aber nach wie vor auf motivierende Leistungsrückmeldungen angewiesen. Sie nehmen Kritik eher an, sofern diese sachlich und konstruktiv geäußert wird. “[8]

1.2 Soziokulturelle Bedingungen

Die Gemeinde Ehrenkirchen liegt etwa 20 km südwestlich von der Stadt Freiburg im Breisgau entfernt und besteht aus mehreren Ortsteilen mit insgesamt 6.000 Einwohnern.. Sie zählt derzeit etwa 1.700 Gemeindeglieder. Ehrenkirchen ist eine Verwaltungsgemeinde, die mehrere Ortsteile umfasst. Diese Ortsteile wirken auf der einen Seite sehr dörflich und konventionell, dennoch ist der städtische Charakter durch die Nähe zu Freiburg erkennbar. Ursprünglich waren alle Ortsteile einmal rein katholisch. Eine erste Welle des Zuzugs gab es direkt nach dem Zweiten Weltkrieg in den Jahren 1949 bis 1953. Hier kamen hauptsächlich ganze Familienverbände aus Ostpreußen und Pommern in die einzelnen Ortschaften. Eine zweite Zuzugswelle gab es dann zum Ende der 60er bis zum Anfang der 70er Jahre. Diese Menschen sind vorwiegend in den Neubaugebieten zu finden, unter ihnen in erster Linie viele Beamte und Akademiker. In der Gemeinde Ehrenkirchen wohnen deutlich mehr Katholiken als Evangelische, so dass hier alle Ortsteile, zusammen mit der Gemeinde Bollschweil, in den Bereich der evangelischen Pfarrei in Kirchhofen fallen. Zusammen bilden sie die Kirchengemeinde Ehrenkirchen-Bollschweil. Das Ehepaar Ulrich und Dorothee Greder verwaltet das Pfarramt in Job-Sharing jeweils zur Hälfte, wobei Herr Greder zusätzlich einen Lehrauftrag zu 50 % an der Jengerschule in Kirchhofen sowie am Gymnasium in Staufen hat. Viele der berufstätigen Menschen pendeln Tag für Tag nach Freiburg, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Bei den Häusern und Wohnungen handelt es sich bis auf wenige Ausnahmen um Eigenheime.

1.3 Besonderheiten der Lerngruppe

Die Lerngruppe besteht aus den evangelischen Schülerinnen und Schülern der 5. und 6. Klasse; zwei Mädchen und acht Jungen, die alle deutscher Herkunft sind.

Die Entwicklung der Jugendlichen entspricht ihrem Alter, wobei bei allen bereits deutlich pubertäre Anzeichen zu beobachten sind. Dies wird auch durch Kleidung und Verhalten deutlich. Durch die geringe Größe der Gruppe, herrscht gewöhnlich auch ein sehr geringer Lärmpegel, der dem Unterrichtsgeschehen positiv entgegenkommt. Es kommt insgesamt selten vor, dass sich Schüler negativ über andere äußern, oder diese gar auslachen.

Die Mehrheit der Lerngruppe ist im Großen und Ganzen immer recht gut am Unterricht beteiligt. Zu erwähnen sind hier vor allem wieder einmal die Mädchen in der Gruppe, die beide regelmäßig durch differenziertes Wissen und hoher mündlicher als auch schriftlicher Beteiligung am Unterricht positiv auffallen. Einer der Schüler hat offensichtlich große Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten. Bei einem Gespräch mit ihm nach dem Unterricht stellte sich heraus, dass seine Leistungen auch in anderen Fächern meist nur ausreichend bis mangelhaft sind. Dieser eine Schüler ist grundsätzlich schwer zu motivieren, beschwert sich, manchmal in einer unverschämten Art und Weise, regelmäßig über Arbeitsaufträge, die an ihn und die anderen Schüler gestellt werden. Die gestellten Arbeitsaufträge führt er oft überhaupt nicht, und wenn, dann sehr mangelhaft aus.

Der Lerngruppe sind die gängigen biblischen Geschichten einigermaßen gut vertraut. Bei Gesprächsrunden sind die meisten bereit, Erfahrungen aus ihrem Alltag miteinzubringen.

1.4 Die Schule im Gemeinwesen

Die geringe Zahl der Evangelischen macht sich auch an der Zahl der evangelischen Schüler an der Jengerschule, einer Hauptschule mit Werkrealschule bemerkbar. Die gesamte Schule mit insgesamt etwa 120 Schülern wird nur von 17 Evangelischen besucht. Lerngruppen mit ausschließlich evangelischen Schülern sind hier nur schwer zu bilden, da diese an der Jengerschule eben stark unterrepräsentiert sind. Oft werden evangelische und katholische Schüler gemeinsam unterrichtet, vereinzelt sogar mit islamischen Schülern.. Der Ausländeranteil an der Schule ist aber gering, so dass es hier auch so gut wie keine kulturellen Probleme gibt. An der Schule unterrichten in der Regel 10 Lehrerinnen und Lehrer, „unterstützt“ von dem einen oder anderen Referendar.

2 Thema: Das Doppelgebot der Liebe

Bei diesem Thema handelt es sich um die Einheit GY 6.6.2.W des Lehrplans Evangelische Religionslehre für das Gymnasium, welches ich aber mit entsprechender Bearbeitung durchaus auch als angemessen für Real- und Hauptschulen halte.

2.1 Sachliche Erörterung des Themas

2.1.1 Einführung

Das sogenannte „Doppelgebot der Liebe“ findet sich als Jesuswort im Matthäusevangelium wieder. Jesus nimmt hier in einem Streitgespräch mit den Pharisäern zwei Worte aus den alttestamentlichen Büchern Leviticus und Deuteronomium auf und verbindet sie miteinander zum größten Gebot.

2.1.2 Der Text: Matthäus 22, 34-40

34Die Pharisaier aber, hörend, dass zum Schweigen er brachte die Saddukaier, kamen zusammen daselbst, 35und (es) fragte einer von ihnen, [ein Gesetzeskundiger], ihn versuchend: 36Lehrer, welches Gebot (ist) groß im Gesetz? 37Der aber sagte ihm: Du sollst lieben (den) Herrn, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Einsicht. 38 Das ist das große und erste Gebot. 39Ein zweites aber (ist) ihm gleich: Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst. 40An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. [9]

2.1.3 Alternativen in der biblischen Auslegung

Das Doppelgebot der Liebe setzt sich aus zwei alttestamentlichen Stellen zusammen, nämlich Dtn 6,5 und Lev 19,18. Matthäus hat offensichtlich Markus 12, 28-31 als Quelle gekannt und verwendet. Er setzt allerdings gegenüber dieser Parallelstelle eigene Akzente. Der Schriftgelehrte bei Markus muss nicht unbedingt zu den Pharisäern gehören. Der Schriftgelehrte, der dagegen bei Matthäus ausdrücklich den Pharisäern zugeordnet wird, will Jesus mit seiner Frage versuchen, d.h. dessen Gesetzeskenntnis und Gesetzestreue auf die Probe stellen. Matthäus erklärt das andere Gebot (Nächstenliebe) ausdrücklich als mit dem ersten (Gottesliebe) gleichrangig. Er fügt außerdem noch hinzu, dass „das ganze Gesetz und die Propheten“ an diesen beiden Geboten „hängen“. Demnach hängt auch die Gerechtigkeit als ganze an der Erfüllung dieses einen Gebotes. Es ist auch nicht nur so, dass sämtliche wesentlichen Einzelgebote, die alle beobachtet werden müssen, von diesem „kleinsten Schriftabschnitt“ abhängen und daraus abgeleitet werden können. Der Schriftgelehrte fragt sogar ausdrücklich nach einem „großen“ Gebot. Erst die Antwort Jesu macht vollständig deutlich, dass damit „das große erste“, also das „größte“ gemeint ist. Hinzu kommt, dass erst bei Matthäus vom „Gesetz“ die Rede ist und damit Jesus grundsätzlich von pharisäischer Gesetzesauslegung abhebt. Dennoch bleiben es zwei Gebote (V.40). Das zweite wird dem ersten „gleich“-gesetzt. Dies geschieht allerdings nicht in dem Sinne, dass es dieses ablösen oder dieses sich ins zweite gleichsam auflösen sollte. Es ist wohl eher davon auszugehen, dass die Ernstnahme des ersten sich erforderlich in der Ausübung des zweiten auswirken und bewähren muss. Beide Teile sind untrennbar eins.

Bei Matthäus wird der grundsätzliche Unterschied zwischen pharisäischer Gesetzestreue und dem Ruf Jesu zur Nächstenliebe besonders betont. Das Gesetz wird nicht in der Befolgung einzelner Gebote, sondern in einer das ganze Leben umfassenden Haltung und Tat der Nächstenliebe erfüllt

Der Theologe Ulrich Luz bezeichnet das Gespräch über das Doppelgebot der Liebe als einen grundlegenden Text. Er stellt zum Verständnis des Textes die für ihn wichtigsten Fragen und verbindet sie mit einigen wirkungsgeschichtlichen Hinweisen, die für ihn diese Fragen zum Teil erst verständlich machen:[10]

1. Was ist unter „Gott lieben“ zu verstehen? Wie kann man jemanden lieben, den man nicht greifen und sehen kann?
2. Wer ist „der Nächste“, und was heißt Nächsten-„liebe“? Bei der Deutung des Nächstenliebe-Gebotes erhebt sich noch eine besondere Frage: Was heißt „wie dich selbst“? In der heutigen Zeit, wo die Nächstenliebe im Namen einer im Christentum oft unterdrückten Selbstliebe kritisch hinterfragt wird, ist diese Frage besonders wichtig.
3. Wie verhalten sich die beiden höchsten Gebote der Gottesliebe und der Nächstenliebe zueinander? Geht es hier um zwei verschiedene Arten der Liebe, oder sind sie identisch?
4. Was bedeutet, dass an diesen beiden Geboten das ganze Gesetz und die Propheten „hängen“? Bedeuten die beiden Grundgebote ein kritisches Prinzip für die Auslegung der Torah?
5. Wie allgemein verbreitet ist das jesuanische Doppelgebot der Liebe? Umgekehrt: Wie neu ist es, vor allem im Vergleich mit dem damaligen jüdischen Denken?

Die darauf folgende Auslegung versucht diese Fragen im Auge zu behalten. Allerdings ist der Text gegenüber diesen Fragen sehr spröde, da er ja fast nur aus Bibelstellen besteht. Über das Verständnis der Gottesliebe lässt sich nur sagen, dass die kirchlich christliche Auslegung, bezogen auf die Erkenntnis Gottes und den Gehorsam gegenüber seinen Geboten, durchaus der jüdischen Tradition nach Dtn 6, 5 entspricht. Des weiteren meint „Nächstenliebe“ kein Gefühl, sondern ein solidarisches und gemeinschaftsbezogenes Verhalten.

In der Frage nach dem Zusammenhang von Gottes- und Nächstenliebe ist ein gemeinsames Fundament in der gesamten biblischen Tradition zu finden: Es ist klar, dass man Gott und den Nächsten nicht voneinander trennen kann, da man nicht Gott allein, aber dann nicht seinen Nächsten lieben kann. Ebenso wird aber die Liebe zu Gott von der Liebe zum Nächsten unterschieden. Die Beziehung zu Gott wird nicht einfach durch die Beziehung zu den Mitmenschen deutlich, sondern sie ist eher das Fundament dafür.

Ist nun das Doppelgebot der Liebe ein neues Grundprinzip für die Auslegung von Gesetz und Propheten? Elementar ist hier wohl die Unterscheidung von reformatorisch verstandenem Christentum und dem Judentum. Wie im Judentum bleiben auch im Matthäusevangelium die großen und kleinen Gebote nebeneinander stehen. Ebenso stellt das Doppelgebot der Liebe keinen „Kanon“ dar, aufgrund dessen bestimmte Gebote der Tora wegfallen konnten.

Neu ist allerdings, dass Dtn 6,5 und Lev 19, 18 nebeneinander stehen. Allerdings ist es durch jüdische Überlieferungen gewissermaßen vielfach vorbereitet. Neu ist vermutlich auch die Auslegung des „Nächsten“ von Lev 19, 18 auf alle Menschen. Dies ergab sich freilich aus dem Zusammenhang der Jesusüberlieferung. Nicht die Aufforderung zur Liebe gegenüber allen Menschen ist neu, aber teilweise ihre zentrale Stellung und ihre Radikalisierung von der Feindesliebe her.

2.1.4 Exegetisch-didaktische Entscheidung

Alle Fragen, die mit dem Doppelgebot der Liebe zusammenhängen sind durchaus modern, weil sie sich in unserer heutigen Erfahrungswelt wiederfinden. Zu der Frage, was es heißt „Gott zu lieben“, muss in unserer säkularisierten Welt etwas gesagt werden. Der Bibeltext setzt voraus, dass die Verwurzelung eines an der Gemeinschaft ausgerichteten ethischen Handelns, nämlich der Nächstenliebe, in der Beziehung zu Gott wieder Realität werden soll. Dies gilt genauso für die Frage der Selbstliebe in einer Gesellschaft, die einerseits durch Selbstverabsolutierung, andererseits durch Selbstnegierung gekennzeichnet ist, wobei das Christentum an beidem seinen Anteil hat. Hier muss ein neues Verständnis einer Selbstliebe vermittelt werden, die durch die Liebe Gottes ermöglicht wird und die gerade nicht zur Selbstverabsolutierung und zu einer neuen Innerlichkeit, sondern zu einer kräftigeren Nächstenliebe führt. Eine Unterrichtsstunde kann allerdings nur an einige verschüttete oder verdrängte Momente des Textes erinnern, die produktiv sein könnten. Es soll aber auch und zuerst an das erinnert werden, was für den biblischen Text selbst grundlegend war, nämlich an die Unterschiedenheit und unauflösbare Zusammengehörigkeit von Gottes- und Nächstenliebe. Vor allem kann hier im Religionsunterricht an das erinnert werden, was im Zeugnis der ganzen Bibel vor allen „großen“ Geboten das „erste“ ist, nämlich an die Liebe Gottes, die alle Liebe von Menschen, sei es zu

[...]


[1] Matthäus 22, 37-40 (Lutherbibel)

[2] vgl. Silbereisen/Montada (Hrsg.): Entwicklungspsychologie, S. 55, sowie Seminarunterlagen

[3] nach Seminarunterlagen

[4] vgl. Silbereisen/Montada (Hrsg.): Entwicklungspsychologie, S. 56

[5] Hetzer/Todt/Seiffge-Krenke Arbinger (Hrsg.): Angewandte Entwicklungspsyschologie des Kinder und Jugendalters, S. 122

[6] vgl. Silbereisen/Montada (Hrsg.): Entwicklungspsychologie, S. 47

[7] Hetzer/Todt/Seiffge-Krenke Arbinger (Hrsg.): Angewandte Entwicklungspsyschologie des Kinder und Jugendalters, S. 123f.

[8] Lehrplan Evangelische Religionslehre Hauptschule, S. 83

[9] Matthäus 22, 34-40 - Münchener Neues Testament

[10] EKK, Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus, 3. Teilband, S. 271-276

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Unterrichtseinheit: Vom Sinn der Gebote: Das Doppelgebot der Liebe
Hochschule
Evangelische Fachhochschule Freiburg  (Soziale Arbeit, Diakonie und Religion)
Veranstaltung
Schulpädagogik
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
23
Katalognummer
V6311
ISBN (eBook)
9783638139151
ISBN (Buch)
9783638697026
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtseinheit, Sinn, Gebote, Doppelgebot, Liebe, Schulpädagogik
Arbeit zitieren
Frank-Christian Raatz (Autor:in), 2001, Unterrichtseinheit: Vom Sinn der Gebote: Das Doppelgebot der Liebe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6311

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