Europa wächst zusammen. In etwas mehr als 50 Jahren entwickelte sich aus dem Zusammenschluss von anfänglich sechs Staaten zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) eine bedeutende, starke und einflussreiche Gemeinschaft von zur Zeit 25 europäischen Ländern - die Europäische Union.
Ein Ende der Erweiterung der EU ist jedoch noch lange nicht abzusehen. Neben den sicheren Beitrittsländern, die in der folgenden Tabelle aufgeführt sind, wurde Mazedonien am 17. Dezember 2005 der Status eines Beitrittskandidaten verliehen, Beitrittsverhandlungen haben jedoch noch nicht stattgefunden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Haftung
3 Nationales versus europäisches Gesellschaftsrecht
3.1 Einleitung
3.2 Alte Rechtslage
3.3 „Überseering“ – Das Urteil und dessen Folgen
3.3.1 Sachverhalt
3.3.2 Entscheidung des EuGH und Begründung
3.4 „Inspire Art“ – Das Urteil und dessen Folgen
3.4.1 Sachverhalt
3.4.2 Entscheidung des EuGH und Begründung
3.5 Zusammenfassung
4 Grundlegende Merkmale von GmbH und Limited
4.1 Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung
4.1.1 Merkmale und Rechtsgrundlagen
4.1.2 Die Gründung der Gesellschaft
4.1.3 Organe und deren Aufgaben
4.1.4 Rechnungslegung und Besteuerung
4.2 Die Private Limited Company by Shares
4.2.1 Merkmale und Rechtsgrundlagen
4.2.2 Die Gründung der Gesellschaft
4.2.3 Organe und deren Aufgaben
4.2.4 Rechnungslegung und Besteuerung
4.3 Besonderheiten der Zweigniederlassung einer Limited in Deutschland
4.3.1 Die Gründung der Zweigniederlassung
4.3.2 Rechnungslegung und Besteuerung
5 Die Haftung von Geschäftsführer und Direktor im Vergleich
5.1 Die Haftung des Geschäftsführers einer GmbH nach § 69 AO
5.1.1 Tatbestandsmerkmale
5.1.2 Umfang der Haftung
5.1.3 Die Berechnung der Haftungssumme
5.1.4 Die Berechnung der Haftungssumme am praktischen Beispiel
5.1.5 Geltendmachung durch Haftungsbescheid
5.1.6 Exkurs: Die insolvenzrechtliche Anfechtung und ihre Folgen
5.1.7 Weitere Haftungsgefahren für den Geschäftsführer
5.2 Die Haftung des Directors einer Limited in Großbritannien
5.2.1 Steuerliche Haftung
5.2.2 Haftungstatbestände des Insolvency Act
5.2.3 Weitere Haftungsgefahren für den Direktor
5.3 Besonderheiten der Zweigniederlassung einer Limited in Deutschland
5.3.1 Anwendbarkeit deutscher Haftungsvorschriften
5.3.2 Anwendbarkeit englischer Haftungsvorschriften
6 Zusammenfassung der Ergebnisse
7 Schlussbetrachtung und Perspektiven
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die steuerliche Inanspruchnahme von GmbH-Geschäftsführern im Vergleich zu den Directors einer britischen Private Limited Company by Shares. Ziel ist es, das tatsächliche private Haftungsrisiko bei beiden Gesellschaftsformen zu bewerten, um Existenzgründern und deren Beratern eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Rechtsformwahl zu bieten.
- Haftung des Geschäftsführers nach § 69 AO
- Einfluss der EuGH-Rechtsprechung (Überseering, Inspire Art)
- Vergleichende Analyse der Haftungssituation in Deutschland und Großbritannien
- Besonderheiten bei Zweigniederlassungen in Deutschland
- Insolvenzrechtliche Anfechtung und ihre Folgen für die Haftung
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Sachverhalt
Der Name des Urteils ist auf die betroffene Gesellschaft niederländischen Rechts, die Überseering BV, zurückzuführen. Diese erwarb in Deutschland ein Grundstück, an dem durch eine deutsche GmbH Bauarbeiten durchgeführt wurden. Dieselben waren jedoch mangelhaft, sodass die Überseering BV Schadenersatzansprüche geltend machen wollte. Die Klage wurde vom zuständigen Landgericht aufgrund der Anwendung der Sitztheorie als unzulässig abgewiesen. Zur Begründung führte das Gericht an, die Überseering BV sei als niederländische Gesellschaft in der BRD nicht rechts-, partei- und klagefähig. Das Oberlandesgericht vertrat die gleiche Meinung und versagte die Berufung, sodass die Überseering BV beim BGH Revision einlegte.
Dieser vertrat bis dahin ebenfalls die Sitztheorie, die „die Frage der Rechtsfähigkeit einer Gesellschaft nach dem Recht des Ortes“ beurteilt, „an welchem der Verwaltungssitz der Gesellschaft liegt“. Dies gelte auch für Gesellschaften, deren Gründung im Ausland stattgefunden hat, der Verwaltungssitz dann aber nach Deutschland verlegt wurde. Nach dieser Aussage wäre die Überseering BV in der BRD nicht nach § 50 Abs. 1 ZPO klagefähig; die Revision wäre somit unzulässig und müsste deshalb abgelehnt werden. Jedoch befürchtete der BGH mit einer solchen Entscheidung gegen die Artikel 43 EGV – Beschränkung der Niederlassungsfreiheit von Staatsangehörigen eines EU-Mitgliedstaates sind verboten UND Artikel 48 EGV – erweitert den Kreis der natürlichen Personen auf Gesellschaften und damit gegen die Niederlassungsfreiheit zu verstoßen, da schon länger Zweifel an der Vereinbarkeit der Sitztheorie mit europäischem Recht bestehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema der Internationalisierung des Gesellschaftsrechts und die wachsende Bedeutung der Limited als Alternative zur GmbH.
2 Die Haftung: Erläuterung der begrifflichen und steuerlichen Grundlagen der Haftung, insbesondere der Unterscheidung zwischen Haftung und Schuld im deutschen Recht.
3 Nationales versus europäisches Gesellschaftsrecht: Darstellung des Wandels von der Sitztheorie zur Gründungstheorie durch richtungsweisende EuGH-Urteile wie Überseering und Inspire Art.
4 Grundlegende Merkmale von GmbH und Limited: Vergleich der Struktur, Gründung, Organe und Besteuerung der deutschen GmbH und der britischen Limited sowie deren Zweigniederlassungen.
5 Die Haftung von Geschäftsführer und Direktor im Vergleich: Detaillierte Analyse der persönlichen Haftungstatbestände des Geschäftsführers nach § 69 AO sowie der Haftungsrisiken für Directors nach englischem Recht.
6 Zusammenfassung der Ergebnisse: Synthese der Haftungsrisiken für die unterschiedlichen Vertreterpositionen unter Berücksichtigung deutscher und englischer Vorschriften.
7 Schlussbetrachtung und Perspektiven: Fazit zur Entscheidungsgrundlage für Existenzgründer und Ausblick auf die bevorstehende Reform des GmbH-Gesetzes.
Schlüsselwörter
GmbH, Private Limited Company, Geschäftsführerhaftung, § 69 AO, Niederlassungsfreiheit, Sitztheorie, Gründungstheorie, Haftungsbescheid, anteilige Tilgung, Lohnsteuerhaftung, Wrongful Trading, Insolvenzverschleppung, EU-Recht, Gesellschaftsrecht, steuerliche Inanspruchnahme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit vergleicht die steuerliche Inanspruchnahme von GmbH-Geschäftsführern und Directors einer Limited, um die Risiken einer persönlichen Haftung beider Rechtsformen aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Haftungsnormen des deutschen Steuerrechts (§ 69 AO), die Auswirkungen der EuGH-Rechtsprechung auf das Gesellschaftsrecht sowie die Haftungsgefahren bei einer Limited mit Zweigniederlassung in Deutschland.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Ziel ist es, zu klären, ob die Limited tatsächlich ein geringeres Haftungsrisiko bietet als die GmbH und ob sie eine echte Alternative darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse aktueller Gesetzeslagen, BFH-Rechtsprechung, EuGH-Urteilen und Fachliteratur zur steuerlichen Haftung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erläutert ausführlich die Tatbestandsmerkmale der Geschäftsführerhaftung, die Berechnung von Haftungssummen anhand von Praxisbeispielen sowie die Haftungsbesonderheiten für Directors im englischen Recht.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
GmbH, Limited, Geschäftsführerhaftung, § 69 AO, Niederlassungsfreiheit, steuerliche Inanspruchnahme.
Welche Rolle spielt die insolvenzrechtliche Anfechtung bei der Haftung?
Die Anfechtung durch den Insolvenzverwalter kann dazu führen, dass bereits geleistete Steuerzahlungen zurückgefordert werden, wodurch die persönliche Haftung des Geschäftsführers wieder auflebt.
Wie unterscheidet sich die Haftung bei Lohnsteuerzahlungen?
Da Lohnsteuer als Fremdgelder des Arbeitnehmers gilt, unterliegt sie verschärften Haftungsmaßstäben und darf nicht quotal, sondern muss in voller Höhe abgeführt werden.
- Quote paper
- Jana Erfurth (Author), 2006, Die steuerliche Inanspruchnahme des Geschäftsführers einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung und des Directors einer Privat Limited Company by Shares im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63118