Ästhetische Erziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung


Hausarbeit, 2005
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Befriffsbestimmung
2.1. Geistige Behinderung
2.2 Ästhetische Erziehung

3. Die Bedeutung der Wahrnehmung in der Ästhetische Erziehung

4. Einblick in die Geschichte der ästhetischen Erziehung
4.1 Die Idee einer ästhetischen Praxis in der Heilpädagogik nach Georgens und Deinhardt
4.2 Zur Praxis der heilpädagogischen-ästhetischen Erziehung nach Georgens und Deinhardt
4.3 Die Übertragung des Konzeptes von Georgens und Deinhardts in die heutige Zeit

5. Schwerpunkte ästhetischer Erziehung
5.1 Ästhetische Erziehung als Basale Pädagogik
5.2 Ästhetische Erziehung als pädagogische Kunsttherapie
5.3 Ästhetische Erziehung als Kunstpädagogik

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kunst ist eine elementare, natürliche Aktivität aller Kinder. Dies ist bei behinderten Kindern nicht anders. Jedes Kind – auch das behinderte Kind – ist mit einem kreativen potential ausgestattet, dessen Entwicklung früh in der Kindheit beginnt. Die kreativen Erfahrungen eines behinderten Kindes unterscheiden sich von den anderen (nicht-behinderten) Kindern – entsprechend der Art und dem Grad der Behinderung – lediglich in dem Ausmaß mentaler und / oder physischer Fähigkeiten zum Problemlösen.

Ich sehe Kunst in diesem Zusammenhang als „ästhetische Erziehung“ an. Ästhetische Erziehung entwickelt sich aus der Wahrnehmung von Objekten, Beziehungen, Kontrasten, Prozessen usw. Ästhetische Erziehung ermöglicht einen Ausdruck, der lebensnotwendig ist. Ästhetische Erziehung ist Kommunikation. Für behinderte Menschen, die oft gravierende Schwierigkeiten in der verbalen und schriftlichen Kommunikation haben, bietet ästhetische Erziehung eine wichtige Möglichkeit, ihre Gedanken und Gefühle, durch die verschiedensten Methoden, mitzuteilen.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der ästhetischen Erziehung in der Praxis der Heilpädagogik. Hierzu ist es zunächst notwendig, die Personengruppe der geistig behinderten Menschen näher zu umschreiben. Im Anschluss an diese Umschreibung werde ich den Begriff der ästhetischen Erziehung und den der Wahrnehmung, innerhalb der ästhetischen Erziehung, näher beschreiben, um im nächsten Schritt auf eine der historischen Wurzeln der ästhetischen Erziehung einzugehen. Im letzten Teil meiner Arbeit möchte ich drei verschiedene Schwerpunkte der ästhetischen Erziehung darstellen, um ihre jeweiligen Intentionen in der Praxis der Heilpädagogik darzustellen.

2.Befriffsbestimmung

2.1. Geistige Behinderung

Die Vielzahl der Definitionen, die versuchen den Begriff "geistige Behinderung" zu beschreiben und einzugrenzen, verdeutlichen die mit

diesem Begriff verbundenen Schwierigkeiten. Diese entstehen, da sich Behinderung nur im Vergleich zur Normalität beschreiben lässt. Aber was bedeutet Normalität, wo liegen die Grenzen zur Behinderung? Und wer ist überhaupt in der Lage, diese Grenzen zu beurteilen?

Für die folgende Arbeit möchte ich eine ganzheitliche Sichtweise zugrunde legen, die „geistige Behinderung als komplexes soziales Phänomen von sich wechselseitig bedingenden und verstärkenden Faktoren“[1] versteht. Vor diesem Hintergrund möchte ich „[…] geistige Behinderung als Etikett betrachten, das Menschen auferlegt wird, die angesichts spezifischer Beeinträchtigung aus kognitiver, motorischer, sensorischer, emotionaler, sozialer und aktionaler Ebene und darauf abgestimmter Bewältigungsstrategien einen entsprechenden ressourcen – orientierten Unterstützungsbedarf (neede support) zur Verwirklichung der Grundphänomene menschlichen Lebens benötigen, der von lebensweltbezogenen Maßnahmen (environmental changes) nicht losgelöst betrachtet werden darf.“[2]

2.2 Ästhetische Erziehung

Ästhetische Erziehung heißt „Ausrüstung und Übung des Menschen in der "Aisthesis" (altgriech.) - in der Wahrnehmung“[3]. Von ästhetischer Erziehung kann heute nur vor dem Hintergrund einer langen Entwicklung und Tradition gesprochen werden, die ihren Ursprung in der Kunstphilosophie hat. Erste Kunsttheorien basieren auf erkenntnistheoretischen Ableitungen und stellen den Versuch dar, die Kunst als das Schöne zu beschreiben. Als Beispiel für eine solche „Theorie des Schönen“ können Friedrichs Schillers Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen genannt werden. F. Schiller, der den Begriff der ästhetischen Erziehung 1795 prägte, sah in einer dritten Kraft – dem Spieltrieb – Wege, die Polarisierung zwischen Sinnlichkeit und Vernunft mithilfe der ästhetischen Erziehung produktiv zu überwinden. Zu Beginn der 70er-Jahre stand nicht mehr die kulturpessimistisch eingestellte musische Bildung im Mittelpunkt kulturbezogener Sozialarbeit. Man beachtete verstärkt die spezifischen Wahrnehmungsweisen der Mitglieder unterschiedlicher sozialer Schichten, Milieus und Gruppen, bezogen auf deren Umwelt. Die Tätigkeitsfelder der ästhetischen Erziehung sind seitdem nicht nur bildnerische, darstellerische und musikalische Aktivitäten, sondern sozialkommunikative Formen wie Aktionstheater, Spielmobil, Stadtteilaktionen sowie körper- und bewegungsbezogene Mitmach-Angebote. Unter dem Schlagwort "Lernen mit allen Sinnen" wurden ab Anfang der 80er Jahre die sinnlichen, lustbetonten Aspekte herausgestellt.

Eine allgemeingültige Definition ästhetischer Erziehung für die Arbeit mit geistig behinderten Menschen gibt es bis heute nicht. Aus diesem Grund möchte ich mich hierbei auf eine Aussage von G. Theunissen beziehen:

„Unter ästhetischer Erziehung verstehen wir das pädagogische Bemühen, mit einem (geistig)behinderten Menschen in Beziehung zu treten und ihn auf dem Hintergrund dieses zwischenmenschlichen Verhältnisses mittels ästhetischer Materialien und Prozessen zur Selbstverwirklichung in sozialen Bezogenheiten zu befähigen.“[4]

3. Die Bedeutung der Wahrnehmung in der Ästhetische Erziehung

Durch unsere Sinne machen wir sowohl Selbst-, als auch Welterfahrungen, die unsere Persönlichkeit prägen. Der Betätigung und Entfaltung aller Sinne – der niederen, sowie der höheren – kommt in der ästhetischen Erziehung eine besondere Bedeutung zu und ist somit fest in ihrem Programm verankert. Hierbei sei darauf hingewiesen, dass Wahrnehmung und Bewegung sehr eng miteinander verbunden sind und in einer ständigen Wechselwirkung miteinander stehen. „Wahrnehmungen werden erst über Bewegungen ausgelöst, und nur im Verbund mit vielfältigen Bewegungserfahrungen kann der Mensch etwas über sich selbst, über die Welt sowie über die Beziehung zwischen ihm und Umwelt in Erfahrung bringen.“[5]

Wahrnehmung ist ein sehr vielschichtiges Ereignis, welches motorische Tätigkeiten, Erkenntnisprozesse und auch Bewusstseinsprozesse mit einschließt. Folglich ist der Wahrnehmungsprozess so zu verstehen, dass der Mensch jedes Wahrnehmungsobjekt immer mit einer bestimmten Bedeutung aufnimmt und verinnerlicht.

Der Begriff des Ästhetischen kann somit als ganzheitliches Phänomen beschriebnen werden. Die ästhetische Erziehung vertritt ein pädagogisches Interesse in doppelter Hinsicht: Es kommt ihr nicht nur auf die „sog. Leib-Seele-Geist-Einheit des Menschen“ an, sondern auch auf die Verbindung der Individualsphäre mit der „sozialen, mitmenschlichen, natürlichen und kulturellen Umwelt“.[6]

Man darf die „Vollkommenheit sinnlicher Wahrnehmung“[7] jedoch nicht missverstehen und voraussetzten, dass jeder Mensch bedingungslos schöpferische ist, vielmehr sollte man sie als einen Aneignungs- und Entfaltungsprozess sehen.

Einen Aspekt, dem innerhalb der Ästhetischen Erziehung eine besondere Bedeutung zukommt, vertritt eine kunstpädagogische Intention, die Lernende darin befähigen will, auch kritisch an die Wirkung des Schönen heranzutreten.

Ebenso kommt dem Aspekt des basalen Charakters innerhalb der ästhetischen Erziehung eine besondere Bedeutung zu, da er „eine Perspektive sowohl für eine entwicklungsgemäße Förderung und Bildung als auch für eine pädagogisch-therapeutische Arbeit im ästhetischen Bereich“[8] – auch für den behinderten Menschen – bietet.

[...]


[1] Theunissen, Georg: Pädagogik bei geistiger Behinderung und Verhaltensauffälligkeiten, Klinkhard 2000

[2] ebd.

[3] Theunissen, Georg: Zur ästhetischen Erziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung: In Theunissen, G. (Hrsg.): Kunst, ästhetische Praxis und geistige Behinderung. Bad Heilbrunn, 1997

[4] Theunissen, Georg: Zur ästhetischen Erziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung: In Theunissen, G. (Hrsg.): Kunst, ästhetische Praxis und geistige Behinderung. Bad Heilbrunn, 1997

[5] Theunissen, Georg: Basale Anthropologie und ästhetische Erziehung. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 1997

[6] ebd.

[7] ebd.

[8] Theunissen, Georg: Zur ästhetischen Erziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung: In Theunissen, G. (Hrsg.): Kunst, ästhetische Praxis und geistige Behinderung. Bad Heilbrunn, 1997

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Ästhetische Erziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung
Hochschule
Katholische Hochschule NRW; ehem. Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Aachen
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V63132
ISBN (eBook)
9783638562485
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehung, Menschen, Behinderung
Arbeit zitieren
Dipl. Soz.Päd/Soz.Arb. Stephanie Nickel (Autor), 2005, Ästhetische Erziehung bei Menschen mit geistiger Behinderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63132

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