Freiraumgestaltung für dementiell erkrankte Bewohner in stationären Pflegeeinrichtungen


Diplomarbeit, 2006
91 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Alter
2.1 Altersdefinitionen
2.2 Bevölkerungsstruktur im Wandel – die demographische Entwicklung
2.3 Strukturwandel des Alters

3. Lebensort für alte Menschen: stationäre Altenhilfeeinrichtungen
3.1 Angebote der Altenhilfe
3.2 Die Bewohnerzusammensetzung innerhalb der stationären Altenhilfeeinrichtungen

4. Die Demenz
4.1. Medizinische Aspekte der Demenz
4.1.1 Begriff „Demenz“
4.1.2 Die sekundären Demenzen
4.1.3 Die primären Demenzen
4.1.3.1 Die Multi-Infarkt-Demenz
4.1.3.2 Die Alzheimer´sche Erkrankung
4.1.3.3 Weitere Ursachen primärer Demenz
4.1.4 Diagnose
4.2 Diagnose Demenz – Bedeutung für Betroffene und Angehörige
4.2.1 Der Zugang zur Erlebniswelt dementiell erkrankter Menschen
4.2.2 Folgen der gestörten Einprägung
4.2.3 Folgen des Gedächtnisabbaus
4.2.4 Belastungserleben von (pflegenden) Angehörigen
4.2.5 Stärkern der Demenz
4.3 Umzug ins Heim - Bedeutung und Probleme für Betroffene

5. Lebensumfeld Altenheim
5.1 Entwicklungen im stationären Altenhilfebereich
5.2 Integrative und segregative Betreuungskonzepte
5.3 Betreuungskonzepte:
5.3.1 Realitätsorientierungstherapie
5.3.2 Validation
5.3.3 Integrative Validation
5.3.4 Biographiearbeit
5.3.5 Selbst-Erhaltungs-Therapie
5.3.6 Milieutherapie
5.4 Viel Aufwand, noch mehr Nutzen – Vorteile spezialisierter Dementenbetreuung

6. Freiraumgestaltung für dementiell Erkrankte
6.1 Bedeutung von Natur für den Menschen
6.2 Derzeitiger Stellenwert von Freiräumen in stationären Altenhilfeeinrichtungen/Ursachen
6.2.1 Finanzielle Aspekte
6.2.2 Defizite im Planungsablauf
6.2.3 Mangelndes Bewusstsein über die Wirkungen
6.3 Hemmnisse der Freiraumnutzung
6.4 Gartenkonzepte
6.4.1 Szenarien Garten
6.4.2 Phasengarten
6.4.3 Sinnesgarten
6.4.4 Begegnung von Jung und Alt
6.5 Planung eines Gartens für dementiell Erkrankte
6.5.1 Innenraum-Außenraum
6.5.2 Gelände
6.5.3 Begrenzung
6.5.4 Besondere Orte im Freibereich
6.5.5. Wege
6.5.6 Bepflanzung
6.5.7 Wasser
6.5.8 Ausstattung
6.5.9 Tiere
6.7 Gärten - Chance für das Ehrenamt?
6.8 Der Garten des Altenpflegeheims „Seniorenpark Münsterland Gottfried von Kappenberg GmbH“
6.8.1 Zugang/Begrenzung
6.8.2 Besondere Orte
6.8.3 Wege
6.8.4 Pflanzen
6.8.5 Zusammenfassung
6.9 Die Rolle der Sozialen Arbeit in der Freiraumplanung

7. Schlussbemerkung

8. Literatur

1. Einleitung

„Freiraumgestaltung für dementiell erkrankte Bewohner stationärer Altenhilfeeinrichtungen“ – um die Idee dieser Arbeit zu erläutern, ist es notwendig etwas weiter auszuholen.

Seit meinem sechzehnten Lebensjahr arbeitete ich in verschiedenen Einrichtungen der Altenhilfe.

Über einen Aushilfsjob in einem Altenpflegeheim und dem anschließenden Zivildienst bei den Ambulanten Diensten Münster e.V. fand ich einen ersten Zugang zu dementiell erkrankten Menschen.

Das Praxissemester mit dem anschließenden Feldprojekt absolvierte ich in einem Altenpflegeheim des Alexianerkrankenhauses, dem Achatius Haus in Münster-Wolbeck.

Dort arbeitete ich in einer hausinternen Intensivbetreuung für dementiell erkrankte Bewohner.

Im Rahmen des Feldprojektes beschäftigte ich mich mit der Frage, wie die räumliche Gestaltung und die Ausstattung einer solchen Intensivbetreuung aussehen sollen.

Ich wurde auf die besonderen Bedürfnisse von dementiell erkrankten Bewohnern gegenüber den nicht Erkrankten aufmerksam.

Die Thematik beschäftigte mich auch nach Abschluss des Feldprojektes, der Gedanke meine Diplomarbeit in ähnlicher thematischer Richtung zu bearbeiten verfestigte sich.

Bei einer ersten Literaturrecherche in Richtung ´Wohnraumgestaltung für dementiell Erkrankte´ und ´Milieutherapie in Altenheimen´ stieß ich auf das Buch „Freiräume - Gärten für Menschen mit Demenz“ von Sybille Heeg und Katharina Bäuerle. Weitere Recherchen ergaben, dass zu diesem Thema nur sehr wenig deutschsprachige Literatur zu finden ist. In Gesprächen mit Sozialarbeitern, welche in Altenheimen arbeiten, wurde schnell klar, dass den Freiräumen auch in der Praxis, meist ein eher geringer Stellenwert beigemessen wird.

Viele Altenhilfeeinrichtungen bemühen sich ein spezielles Milieu für die Bewohner zu schaffen, neue Betreuungskonzepte werden in vielen Altenheimen umgesetzt.

Die Nutzung von Freiräumen, als Teil der Milieutherapie, scheint in den meisten Einrichtungen aber eher die Ausnahme zu sein.

Diese Tatsache weckte mein besonderes Interesse, das Thema war gefunden.

Wie bereits erwähnt gibt es zu diesem speziellen Thema noch nicht viel deutschsprachige Literatur. Ich möchte deshalb darauf hinweisen, dass ich in dieser Arbeit Literatur unterschiedlicherer Fachbereiche ^^berücksichtigt habe.

Die Auswahl geschah meist nach dem ´Schneeballprinzip´, da in den Literaturhinweise der einzelnen Artikel oder Fachbücher viele hilfreiche Literaturangaben zu finden waren.

Zur Vereinfachung der Schreibweise und des Leseflusses verzichte ich auf feminine Endungen (in/innen). In der männlichen Sprachform sehe ich weibliche

Personen integriert.

2. Das Alter

2.1 Altersdefinitionen

Da der Mensch nicht von einem bestimmten Stichtag an „alt“ ist, ist eine einfache Definition von „Alter“ und von „alten Menschen“ nicht möglich. Altern ist ein Prozess, der mit der Geburt beginnt und sich kontinuierlich bis zum Tode fortsetzt.

Verschiedene Punkte müssen für die Einschätzung und Bestimmung von Alter betrachtet werden.

Das kalendarische Alter benennt, wie alt ein Mensch nach Jahren ist. Doch sagt diese Altersangabe über die körperlichen und geistigen Fähigkeiten nur wenig aus. Mit dem Erreichen eines bestimmten kalendarischen Alters erwirbt ein Mensch bestimmte Rechte und Pflichten (z.B. Wahlrecht mit 18 Jahren). Dieses geschieht aber unabhängig davon, ob die geistigen, körperlichen und sozialen Fähigkeiten einer Person entsprechend entwickelt sind.

Das biologische Alter wird bestimmt durch individuelle körperliche Abbauprozesse. Die Biologie geht davon aus, dass die menschlichen Zellen im Zellkern eine genetisch festgelegte Lebensdauer haben. So entstehen optische Merkmale, die es möglich machen, jemanden aufgrund seiner äußeren Erscheinung als alt einzustufen [Dill; Koblinger, 2000, S.27]. Diese optischen Merkmale sind z.B. Veränderungen in den Pigmenten (Altersflecken, etc.), faltige Haut und eine gebeugte Haltung.

Für eine Einschätzung, ob jemand alt ist oder nicht, reichen das kalendarische und das biologische Alter allerdings nicht aus.

Die Vorstellungen vom Altsein sind an eine Reihe von Assoziationen geknüpft, welche weit über die bisher genannten Bestimmungsmerkmale von Alter hinausgehe[Dill; Koblinger, 2000, S.29].

Diese Assoziationen sind stark von gesellschaftlichen Wertvorstellungen geprägt, welche man schon von Kind an lernt. Dieses sog. soziale Alter bestimmt entscheidend unsere Erwartungen, Bewertungen und Verhaltensweisen gegenüber verschiedenen Lebensaltern.

So erwartet man von einem 10 Jährigen, dass er in die Schule geht, von einem 30 Jährigen, dass er einen Beruf ausübt und von einem 65 Jährigen, dass er in Rente geht.

Das soziale Alter bestimmt somit auch die Vorstellung, was ein alter Mensch ist.

Oben genannte Unterscheidungen von Alter machen deutlich, dass es kein festgelegtes Kriterium gibt, nach dem ein Mensch als „alt“ eingeschätzt werden kann. Die Definition des Alters ist eine gesellschaftliche Konstruktion.

Eine entscheidende Rolle spielt so vor allem das soziale Alter, in dem die soziale Bewertung dieser Lebensphase zum Ausdruck kommt [Dill; Koblinger, 2000, S.28.]

2.2 Bevölkerungsstruktur im Wandel – die demographische Entwicklung

Demografie – Bevölkerungswissenschaft, die sich mit der Aufzeichnung und Beschreibung der Bevölkerungsstruktur, zum Beispiel dem Altersaufbau, der Geschlechterverteilung, der Bevölkerungsentwicklung durch Geburten- und Sterberate sowie Wanderungsbewegungen befasset.

Betrachtet man die graphische Darstellung der Bevölkerungsstruktur in Deutschland nach Alter und Geschlecht im Jahre 1910, ergibt sich eine eindeutige Pyramide. Die Geschlechterverteilung ist nahezu ausgeglichen und entspricht einem Verhältnis von etwa 1:1.

Die Pyramide ist an der Basis breit, d.h. von vielen Kindern und Jugendlichen getragen, und spitzt sich gleichmäßig nach oben hin zu mit immer weniger Menschen in hohen Altersgruppen [Jasper, 2002, S.74].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland [Statistisches Bundesamt, 2003, S.32]

Für die heutige Situation und die künftige Entwicklung in Deutschland ist das Bild nicht mehr zutreffend. Die heutigen Zahlen und die für das Jahr 2060 vom statistischen Bundesamt prognostizierten Zahlen ergeben folgendes Bild:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland [Statistisches Bundesamt, 2003, S.32]

Veränderungen in der demographischen Struktur einer Gesellschaft werden von mindestens vier Faktoren beeinflusst:

- Vorhandene Altersstruktur
- Fertilitätsrate (Geburtenhäufigkeit)
- Mortalitätsrate (Sterberate)
- Migration (Wanderungsbewegungen)

Aus der vorhandenen Alterstruktur leitet sich die weitere Entwicklung der Bevölkerungsstruktur wesentlich ab. Eine besonders große Gruppe im zeugungsfähigen Alter kann aktiv zur künftigen Geburtenrate beitragen, was alten Menschen nur noch begrenzt möglich ist.

Für den Erhalt der derzeitigen Bevölkerung müssten auf jede Frau im Durchschnitt 2,1 Kinder kommen. Wird dieser Wert unterschritten, so sinkt die Bevölkerungszahl. Kamen im Jahre 1856 auf eine Frau durchschnittlich noch über fünf Kinder, so liegt die durchschnittliche Kinderzahl heute bei 1,4 Kindern pro Frau.

Bleiben die erreichten Verbesserungen des allgemeinen Lebensniveaus, der medizinischen Versorgung und der Altenhilfe weiter bestehen und bleiben beeinflussende Ereignisse wie Kriege oder Katastrophen aus, so wird die Sterberate in etwa gleich bleiben, oder eher noch geringer werden [Jasper, 2002, S74].

Migrationen können den Bevölkerungsrückgang durch Zuwanderung bremsen, durch Abwanderungen aber auch beschleunigen. Seit 1972 wäre die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland um zwei Millionen Menschen geschrumpft, wäre dies nicht durch Zuwanderungen von 2,4 Millionen ausgeglichen worden [Jasper, 2002, S.75].

Nach Modellrechnungen werden pro Jahr für Deutschland Zuwanderungen von mindestens 250.000 bis 500.000 Menschen benötigt, um die Bevölkerungszahl langfristig konstant zu halten [Schroeter; Prahl, 1999, S.27].

Wie man Abbildung 2 entnehmen kann, altert die deutsche Gesellschaft. Die absolute Zahl der älteren Menschen steigt ebenso wie der relative Anteil älterer Menschen bei zunehmender Hochaltrigkeit.

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland wird bis zum Jahre 2050 auf 78 Jahre für Männer und 85 Jahre für Frauen steigen [Jasper, 2002, S.87].

Es wird in den kommenden Jahren also eine immer größere Anzahl älterer Menschen geben, die insgesamt ein höheres Lebensalter erreichen als zuvor.

2.3 Strukturwandel des Alters

Merkmale des oben beschriebenen demographischen Wandels sind im Wesentlichen fünf Prozesse, die in der Altenforschung als Strukturwandel des Alters bezeichnet werden.

1) Verjüngung des Alters

Alte Menschen sind, gemessen an den Vorgängergenerationen, hinsichtlich ihrer Gesundheit, ihrer Leistungsfähigkeit und ihrer Kompetenz vitaler und „jünger“. Die Selbsteinschätzung alter Menschen hat sich entsprechend verändert. Weniger als ein Drittel der über

75-jährigen hält sich für alt [Jasper, 2002, S.79].

Gleichzeitig wird ein wachsender Teil der Bevölkerung durch Vorruhestand, Frühpensionierung und Berufsunfähigkeit noch vor dem Erreichen des Renteneintrittsalters aus dem Erwerbsleben verdrängt und damit künstlich alt gemacht [Schroeter; Prahl, 1999, S.21]. Damit findet nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv eine Verjüngung des Alters statt.

2) Entberuflichung des Alters

Die Erwerbstätigkeit älterer Menschen verringert sich immer weiter, der Ausstieg aus dem Berufsleben erfolgt immer früher. Schon die 40 bis 45 Jährigen werden auf dem Arbeitsmarkt zu den älteren Arbeitnehmern gezählt. Von allen Männern über 60 Jahren sind nur noch 34% ganz oder teilweise erwerbstätig, von den über 60-jährigen Frauen nur noch 15%. Nimmt man alle Erwerbstätigen als Bezugsgröße, so sind nur noch 1% älter als 65 Jahre, weitere 2,5% zwischen 60 und 65 Jahren und 7,5% zwischen 55 und 59 Jahren. Insgesamt sind also nur 11% aller Beschäftigten älter als 55 Jahre [Schroeter; Prahl, 1999, S.31].

Viele Menschen entscheiden sich freiwillig für das Ausscheiden aus dem Berufsleben. Die frei zu gestaltende Lebenszeit im Alter wird dadurch länger.

Dennoch ist dieser Schritt für eine wachsende Zahl von Menschen vom Arbeitsmarkt erzwungen (Vorruhestand, Frührente, Invalidität, Berufsunfähigkeit), also nicht freiwillig.

2) Feminisierung

Zwei Drittel der über 65-jährigen und drei Viertel der über 75-jährigen sind Frauen. Verwitwete Frauen machen heute den größten Teil der alten Menschen aus. In erster Linie ist diese Tatsache auf die höhere Lebenserwartung der Frauen zurückzuführen, desweiteren wirken sich die Folgen der beiden Weltkriege auf dieses Geschlechterverhältnis aus.

Diese Feminisierung des Alters wirkt sich auf die Frauen benachteiligend aus. Frauen haben, im Gegensatz zu den Männern, oft kürzere und schlechter bezahlte Berufskarrieren gemacht. Sie orientierten sich mehrheitlich stärker an ihrer Familie und schufen dadurch häufig Brüche in ihrer Erwerbsbiographie [Schroeter; Prahl, 1999, S.32]. Durch diese kurzen und oft schlechter bezahlten Tätigkeiten fällt die Rente meist niedrig aus, so dass Frauen weitaus stärker von Armut betroffen sind als Männer.

3) Singularisierung

Leben jüngere Menschen häufig freiwillig -für eine bestimmte Zeit- allein, so ist die Singularisierung im Alter eher die Folge von Verwitwung. Aufgrund der erhöhten Mobilität in unserer Gesellschaft nimmt auch die Wahrscheinlichkeit zu, dass Kinder und Enkelkinder nicht mehr in der Nähe leben. Ältere Menschen müssen infolgedessen mit einem schrumpfenden familiären Pflegereservoir rechnen (Dill; Koblinger, 2000, S.22]. Sie sind dadurch häufiger auf fremde Hilfe angewiesen und eher von Armut bedroht, als

Menschen, die mit ihrem Partner zusammenleben.

4) Hochaltrigkeit

Die steigende Lebenserwartung hat dazu geführt, dass der Anteil der Hochbetagten stetig anwächst. Mit zunehmendem Alter muss damit gerechnet werden, dass folgende Probleme einzeln oder gehäuft auftreten:

- Krankheit, zunehmend in Form von Multimorbidität
- Häufung dementieller Erkrankungen
- Zunehmende Hilfe- und Pflegeabhängigkeit
- Isolierung und Vereinsamung

[Jasper, 2002, S.83]

3. Lebensort für alte Menschen: stationäre Altenhilfeeinrichtungen

Die Bevölkerungsstruktur in Deutschland verändert sich, ebenso die Struktur des Alters. Immer mehr alte Menschen müssen versorgt werden. Die Altenhilfe reagiert auf diese Veränderungen mit verschiedenen Angeboten, welche im Folgenden beschrieben werden

3.1 Angebote der Altenhilfe

Die Veränderungen, die sich mit fortschreitendem Alter einstellen, sind sehr individuell.

Da Bedürfnisse und Einschränkungen im Alter sehr unterschiedlich sind, müssen hier entsprechend individuelle Lösungen gefunden werden.

Es gibt zahlreiche Angebote, welche die Altenhilfe für alte und älter werdende Menschen bereithält.

Die Angebote der Altenhilfe gliedern sich in vier Kategorien:

1) stationäre Einrichtungen z.B. Geriatrische Kliniken, Seniorenheime, Altenpflegeheime, Gerontopsychatrische Einrichtungen, etc.
2) teilstationäre Einrichtungen z.B. Tageskliniken, Altentagesstätten, etc.
3) ambulanter Bereich z.B. Gemeindepflege, Mobile Soziale Dienste, „Essen auf Rädern“, Betreutes Wohnen, etc.
4) offene Einrichtungen Altenbegegnungsstätten, Seniorentreffpunkte, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen, etc.

Senioren haben die Möglichkeit, aus dieser Vielzahl an Angeboten auszuwählen. Die Möglichkeiten des individuellen Umgangs mit dem Älterwerden sind also sehr vielseitig.

Es ist z.B. möglich, einen Teil des Tages oder einen Teil der anfallenden Aufgaben in andere Hände zu geben. Viele Menschen können so auch im höheren Lebensalter mit nur geringfügigen Veränderungen in ihrem gewohnten Lebensumfeld verbleiben [Jasper, 2002, S.152].

Da sich bei den meisten Menschen mit zunehmendem Alter Veränderungen und Einschränkungen einstellen, ist es wichtig, sich rechtzeitig mit seinen Wünschen für die eigene Wohnsituation im Alter auseinander zu setzten.

Wer sich frühzeitig mit möglichen Veränderungen beschäftigt und sich bewusst für eine Wohnform entscheidet, entgeht der Gefahr, eines Tages von Ereignissen –z.B eigener Krankheit- überrannt zu werden [Jasper, 2002, S.152].

3.2 Die Bewohnerzusammensetzung innerhalb der stationären Altenhilfeeinrichtungen

Im Dezember 2001 waren 2,04 Millionen Menschen in Deutschland, im Sinne des Pflegeversicherungsgesetztes, pflegebedürftig. Die Mehrheit (69%) waren Frauen. 81% der Pflegebedürftigen waren 65 Jahre und älter, 35% waren 85 Jahre und älter [Statistisches Bundesamt, 2003, S.3].

Mit zunehmendem Alter sind Menschen in der Regel eher von Pflegebedürftigkeit betroffen. Bedarf bei den 70 bis 75 Jährigen „nur“ jeder zwanzigste Pflege, so wurde für die 90 bis 95 Jährigen die höchste Pflegequote ermittelt: 61% aller Menschen dieser Altersgruppe sind pflegebedürftig [Statistisches Bundesamt, 2003, S.4].

Etwa 70% (ca. 1,44 Millionen) aller pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden zu Hause versorgt. Diese Versorgung erfolgt bei ca. einer Millionen Menschen ausschließlich durch Angehörige, weitere 435.000 Pflegebedürftige werden zum Teil oder vollständig durch ambulante Pflegedienste betreut.

30% (ca. 604.000) der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland leben in ca. 9200 stationären Altenhilfeeinrichtungen.

Der Einzug in ein Heim findet meist in einem relativ hohen Alter statt.

Bevölkerungsanteile im Heim – nach Altersgruppen:

60 – 70 Jahre = 1,2 %

70 – 75 Jahre = 1,5 %

75 – 80 Jahre = 3,6 %

80 – 85 Jahre = 8,3 %

85 – 90 Jahre = 15,0 %

über 90 Jahre = 22,0%

[Jasper, 2002, S.155]

Von den Menschen zwischen 60 und 80 Jahren lebt also nur ein sehr geringer Anteil in Heimen. Bei über 90 jährigen lebt allerdings schon mehr als ein Fünftel der Bevölkerung in dieser Altersgruppe in Heimen. Mit zunehmendem Lebensalter steigt also die Wahrscheinlichkeit für einen Umzug in eine stationäre Altenhilfeeinrichtung deutlich an.

Wer sich einmal für den Einzug in eine Einrichtung der stationären Altenhilfe entschieden hat, bleibt dort in der Regel bis zu seinem Lebensende wohnen.

Dennoch sollten Heime nicht ausschließlich als Orte der Pflege oder als Hospiz angesehen werden.

Eine Untersuchung der Verweildauer von Bewohnern in Einrichtungen der stationären Altenhilfe hat im Jahre 1994 einen Mittelwert von 54 Monaten ermittelt. So lebten:

- 9% unter sechs Monate
- 6% sechs bis unter 12 Monate
- 31% ein bis drei Jahre
- 15% sieben bis unter 15 Jahre
- 4% für 15 und mehr Jahre

im Heim [Jasper, 2002, S.155].

Für viele alte Menschen ist ein Heim also ein langfristiger Wohn- und Lebensort. Entsprechend hoch sollte der Anspruch innerhalb der Einrichtungen sein, ansprechenden Wohn- und Lebensraum für die Bewohner zu schaffen.

4. Die Demenz

Der Anteil der hochaltrigen Menschen in Altenheimen steigt stetig an, 22% der über 90-jährigen Menschen in Deutschland leben in einem Heim. Mit zunehmendem Alter häufen sich dementielle Erkrankungen.

4.1. Medizinische Aspekte der Demenz

4.1.1 Begriff „Demenz“

Bei der Demenz ist es wie bei vielen anderen Krankheiten auch: „die Demenz an sich“ gibt es nicht.

Der Begriff „Demenz“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie „Entgeistung“ oder „ohne Geist“ („de“ - hinweg und „mens“ - Gedanke/Geist).

Verwirrtheitszustände mit Einbußen bzw. weitgehendem Verlust höherer kognitiver Fähigkeiten, oft gepaart mit massivem Gedächtnisverlust, werden als Demenzen bezeichnet. Im Gegensatz zu einer geistigen Behinderung handelt es sich bei einer Demenz um eine sekundäre, erworbene kognitive Beeinträchtigung [Hülshoff, 2000, S.334].

Die Erkrankung an einer Demenz ist bei betroffenen Personen mit einer Abnahme von kognitiven Fähigkeiten verbunden, die sich im Alltag an abnehmenden Gedächtnisleistungen, Persönlichkeitsveränderungen oder auch durch zeitlich-räumliche Orientierungsverluste bemerkbar macht [Dettbarn-Reggentin; Reichenbach, 2006, S.1].

Der deutlichste Hinweis auf eine Demenz besteht also darin, dass die kognitiven Leistungen eines Menschen, von einem früheren Niveau aus betrachtet, gesunken sind.

Der Begriff „Demenz“ steht nicht für eine bestimmte Krankheit, sondern ist ein Name für eine Kombination von Beschwerden, die bei vielen Krankheiten vorkommen können [Krämer, 2000, S.37].

Warum die kognitiven Leistungen eines dementiell Erkrankten gesunken sind, kann also unterschiedliche Ursachen haben. Entsprechend unterscheidet man verschiedene Formen der Demenz

Wichtig ist, dass eine Demenz nicht voraussetzt, dass das ursächliche Leiden chronisch und nicht rückbildungsfähig ist. Einige Formen der Demenz sind behandel- und heilbar, andere Formen nicht.

4.1.2 Die sekundären Demenzen

Die Verwirrtheit ist sicherlich das Symptom, das den ersten Verdacht der Erkrankung an einer Demenz darstellt.

Doch die Verwirrtheit des Betroffenen kann viele unterschiedliche Ursachen haben.

Bei ca. 10 – 20% aller dementiell Erkrankten ist die Demenz die Folge einer behandelbaren oder sogar heilbaren Erkrankung. Wenn die ursächliche Erkrankung erkannt und behandelt wird, kann eine Demenz durchaus reversibel sein.

Diese reversiblen Formen der Demenz werden als sekundäre Demenzen bezeichnet.

„Unter dem Begriff der sekundären Demenzen versteht man die dementiellen Erkrankungen, bei denen nicht primär das Hirn erkrankt ist, sondern andere Organ- oder Organsystemerkrankungen, die zu einer chronischen Schädigung des Hirnstoffwechsels mit der Folge der Entwicklung eines Demenzsyndroms führen“ [Böger; Kanowski, 1995, S.333].

Beispiele für Krankheiten mit dementiellen Begleitsymptomen sind:

- Leber-, Herz- und Nierenerkrankungen
- Sauerstoffmangel
- Medikamentenmissbrauch
- Vitaminmangel
- Dehydration (Austrocknung)
- Anämie (Blutarmut)
- Unterzuckerung
- Depressionen

Wird die organische Erkrankung, die für das Demenzsyndrom verantwortlich ist, frühzeitig erkannt und behandelt, ist es möglich, die dementiellen Krankheitserscheinungen wesentlich zu verbessern oder gar ganz zum Verschwinden zu bringen.

4.1.3 Die primären Demenzen

Im Gegensatz zu den sekundären Demenzen, deren Ursache in organischen Erkrankungen liegt, ist bei den primären Demenzen das Hirn primärer Ort der Erkrankung.

Irreversibel zerstörte Areale im Gehirn haben eine Abnahme an kognitiven Fähigkeiten zur Folge.

Primäre Demenzen liegen bei ca. 80-90% der dementiell Erkrankten vor.

Das Risiko an einer primären Demenz zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Liegt die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung bei einem Alter von 65-69 Jahren noch bei 5%, so steigt sie mit dem Lebensalter auf bis zu 50% für Menschen über 90 Jahren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Altersabhängige Häufigkeit der Demenz [www.alzheimerinfo.de am 01.07.06]

Auch bei der primären Demenz müssen unterschiedliche ursächliche Erkrankungen betrachtet werden.

Neben einer Reihe sehr spezieller und relativ selten vorkommender Erkrankungen, kommen hier vor allem zwei Grundströmungen in Betracht:

zum einen die Multi-Infarkt-Demenz , zum anderen die sog. Alzheimer´sche Erkrankung [Hülshoff, 2000, S.334].

4.1.3.1 Die Multi-Infarkt-Demenz

War der Begriff der Multi-Infarkt-Demenz früher weit verbreitet, so ist er dem heute eher gebräuchlichen Begriff der D emenz vom v askulären T yp (DVT - diese Abkürzung wird im Folgenden verwendet) gewichen.

Bei der DVT handelt es sich um eine Vielzahl über das Gehirn verstreuter kleinerer Infarkte, also „Mini-Schlaganfällen“.

Die DVT äußert sich recht häufig mit dem akuten, relativ plötzlichen Auftreten intellektueller Leistungsstörungen oder einem plötzlich Auftretendem akuten Verwirrtheitszustand [Böger; Kanowski, 1995, S.336].

Der weitere Verlauf der Erkrankung ist dadurch charakterisiert, dass die Krankheit nicht kontinuierlich fortschreitet, sondern sich eher in sprunghaften Verschlechterungen entwickelt.

Neben den Phasen der Verschlechterung der Krankheit können längere Phasen der „Stabilität“ liegen, die Monate oder sogar Jahre andauern können und in denen die intellektuellen Leistungsverluste nicht zunehmen, sondern sich sogar vorübergehend bessern können [Böger; Kanowski, 1995, S.336].

Die sich mehrfach wiederholenden stufenförmigen Verschlechterungen mit Zunahme der dementiellen Symptomatik führen jedoch, insgesamt gesehen, zu einem fortschreitenden Zerfall der kognitiven Fähigkeiten.

Risikofaktoren für das Erkranken an der DVT sind u.A. Verengung der Halsschlagader, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Bluttfett- und Harnsäureerhöhung, Rauchen, Diabetes, Übergewicht, Alkoholmissbrauch, Dauerstress.

Etwa 20% der an Demenz erkrankten Menschen leiden an dieser Form der Demenz.

4.1.3.2 Die Alzheimer´sche Erkrankung

Auf Basis der heutigen Erkenntnis ist die Alzheimer´schen Erkrankung die häufigste dementielle Erkrankung. Etwa 60% der an Demenz erkrankten Personen leidet an der S enilen D emenz des A lzheimer T yps (SDAT – diese Abkürzung wird im Folgenden verwendet).

Die Zahl der in Deutschland an SDAT leidenden Menschen wird auf rund 800000 geschätzt. Man rechnet mit über 50000 Neuerkrankungen pro Jahr [Krämer, 2000, S.20]. Über die Zeichen der Krankheit wurde im Jahre 1906 erstmals von Alois Alzheimer berichtet. Er beschrieb, dass das Hirngewebe betroffener Patienten um ein Drittel schrumpft, und dass sich in den Gehirnen verstorbener Patienten harte Inseln, sog. senile Plaques, finden lassen. Bei diesen senilen Plaques handelt es sich um eine Mischung von Eiweißfragmenten, Resten abgestorbener Hirnzellen und zum Teil eingelagertem Aluminium.

Außerdem finden sich abgestorbene funktionsunfähige Hirnzellen sowie feine Proteinfädchen als Zeugen eines Zelluntergangs [Hülshoff, 2000, S.336].

Der Beginn der Erkrankung ist häufig schleichend. Anfänglich machen sich Störungen des Kurzzeitgedächtnisses bemerkbar, sowie schon sehr früh räumliche Orientierungsstörungen [Zaudig, 1995, S.111].

Die Störungen des Kurzzeitgedächtnisses lassen sich dadurch erklären, dass zu Beginn der Erkrankung vor allem die Strukturen des Limbischen Systems

vom Absterben betroffen sind. In der Großhirnrinde verarbeitete Eindrücke müssen in den Strukturen des Limbischen Systems bearbeitet werden, um schließlich in Zentren des Großhirns fest gespeichert zu werden [Hülshoff, 2000, S.336]. Störungen in diesem Regelkreissystem führen folglich zu Störungen des Kurzzeit- und mittelfristigen Gedächtnisses.

Der Verlauf der SDAT ist progredient, d.h. dass der Abbau der Gehirnstrukturen mit dem Krankheitsverlauf weiter ansteigt.

Die SDAT beginnt mit leichten Vergesslichkeiten des Betroffenen und endet schließlich in völliger Hilflosigkeit.

In der globalen Verschlechterungsskala (Global Deterioration Scale – DTS) nach REISBERG wird die SDAT in sieben Stufen unterteilt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Gesamtdauer der SDAT beträgt durchschnittlich, vom Krankheitsbeginn an gerechnet, acht bis zehn Jahre. Betroffene sterben nicht an der SDAT, sondern an Begleitsymptomatiken wie Lungenentzündungen oder Brüchen nach Stürzen, etc.

Sichere Erkenntnisse über Ursachen und Entstehung der SDAT existieren nicht. Es gibt jedoch Annahmen über einzelne Faktoren, die bei der Entstehung dieser Krankheit eine Rolle spielen könnten:

- Erbfaktoren: Das ApoE4-Gen auf Chromosom 19 ist für die familiäre Demenz vom Alzheimer Typ FDAT oder präsenile Demenz (vor dem 65. Lebensjahr) nachgewiesen.
- Alter: wenn die ß-Amyloidablagerung erheblich zunimmt, frühere Hirnschädigungen wie Hirnverletzungen bei Boxern oder Hirnentzündung, durchgemachte Durchblutungsstörungen bei hohem Blutdruck, frühere Schilddrüsenunterfunktion oder schwere Depression.
- Umweltgifte wie Blei, Arsen, Thallium, Quecksilber, Zinn, Aluminium oder organische Lösungsmittel
- Dauerbehandlung mit Schlaf-, Beruhigungsmitteln, Alkoholabusus
- Mangel an Schulbildung (weniger als 7 Schuljahre)

[Schwarzer, 2002, S.261]

Zur Vorbeugung gegen SDAT werden lebenslanges Lernen, Training von Gedächtnis, Bewegung und der Aktivitäten des täglichen Lebens und regelmäßige Entspannung ebenso empfohlen wie Anti-Oxidativa wie Vitamin C und E [Schwarzer, 2002, S.261].

4.1.3.3 Weitere Ursachen primärer Demenz

Neben den oben beschriebenen Hauptkrankheitsbildern gibt es weitere Ursachen für die primäre Demenz.

Etwa 15% der von primärer Demenz Betroffenen leiden unter einer Mischform aus SDAT und DVT. Die Gehirnmasse wird bei den Betroffenen sowohl progredient wie auch in Schüben zerstört.

Andere, prozentual nicht so auffällige Ursachen für die primäre Demenz sind:

- Tumore und andere neuronale Krankheiten
- Schädel-Hirn-Trauma
- Demenz bei chronischem Alkoholismus
- Morbus Parkinson
- Chorea Huntington
- Creutzfeldt-Jakob
- Demenz auf infektiöser Grundlage
- Pick

4.1.4 Diagnose

Auch heute noch wird eine Demenz häufig erst im mittleren Stadium diagnostiziert, da erst dann die Symptome so deutlich und der Leidensdruck beim Patienten oder auch bei den Angehörigen so groß ist, dass ein Arzt aufgesucht wird.

In einem individuellen Fall die Diagnose Demenz zu stellen, ist eine sehr schwierige Aufgabe.

Dabei wäre es wichtig, so früh wie möglich eine genaue Diagnose zu stellen, weil dadurch:

- sekundäre Demenzformen möglicherweise geheilt werden können.
- frühzeitig therapeutische Möglichkeiten in Anspruch genommen werden können, die Alltagskompetenz länger erhalten bleibt und die Lebensqualität verbessert werden kann.

Die Diagnostik ist in der Regel eine Ausschlussdiagnostik:

Zunächst gilt es zu überprüfen, ob es sich um einen normalen altersbedingten Leistungsverlust handelt, oder ob tatsächlich eine krankhafte Störung von Konzentration und Gedächtnis vorliegt.

Handelt es sich tatsächlich um eine krankhafte Störung, muss ausgeschlossen werden, dass es sich nicht um eine andere -eventuell behandelbare- Erkrankung handelt.

Erkrankungen von Herz, Leber, Nieren oder Lunge oder eine andere Krankheit des Gehirns (Parkinson, Schlaganfall, Hirntumor, Kopfverletzung) können eine dementielle Begleitsymptomatik verursachen. Auch Medikamente, Alkohol oder Drogen können entsprechende Symptome nach sich ziehen. Manchmal verbirgt sich hinter einer vermeintlichen Demenz auch ein anderes seelisches Krankheitsbild wie z. B. eine Depression.

Sind oben genannte Ursachen für die kognitiven Leistungsverluste ausgeschlossen, gibt es verschiedene Testverfahren und Beurteilungsskalen, mit denen das Vorhandensein des Demenz-Syndroms untersucht werden kann.

Bei den üblicherweise durchgeführten Tests handelt es sich um Wahrnehmungstests, um Fragebögen, in denen die Kranken Lösungen eintragen sollen, oder um einfache Leistungsüberprüfungen wie etwa das Ankreuzen oder Durchstreichen von Buchstaben und Zeichen in einer Liste [Krämer, 2000, S.156].

Problematisch an solchen Tests ist, dass die Leistung eines Patienten von dessen Intelligenz, Bildungsstand, Ausdrucks- und Funktionsfähigkeit abhängt. Folglich erzielen intelligente Personen mit hohen Bildungsstand und guter Ausdrucksfähigkeit bei einem leichten Demenz-Syndrom normale Ergebnisse. Andererseits können die Ergebnisse von Personen mit schlechteren Voraussetzungen ein Demenz-Syndrom andeuten, obwohl keines vorliegt.

Gesamt gesehen bleibt die Diagnose gerade zu Beginn einer dementiellen Erkrankung und bei nur leicht auftretenden Symptomen schwierig. Eine sichere Diagnose ist in den meisten Fällen erst dann möglich, wenn mehrere Merkmale der Krankheit beim Patienten festgestellt werden können.

4.2 Diagnose Demenz – Bedeutung für Betroffene und Angehörige

In Kapitel 3 ist die Demenz aus rein medizinischer Sicht betrachtet worden. Formen und Verläufe von Demenzerkrankungen, Risikofaktoren, Einteilung in Stadien und Diagnosestellung bei Demenz wurden beschrieben.

Doch bedeutet die Diagnose Demenz für Betroffene und Angehörige noch viel mehr als diese medizinischen Zahlen und Fakten.

Man stellt fest, dass man vergesslicher wird als früher. Man vergisst, wer am Tag zuvor zu Besuch war oder wohin man den Schlüssel gelegt hat.

Es folgt Frustration, Gereiztheit, evtl. Depression. Doch es gibt auch Augenblicke der Angst: Angst vor dem senilen Verfall, Angst dement zu werden [Buijssen, 2003, S.52].

Angehörige stellen sich die Frage, was in ihren erkrankten Eltern/Großeltern/etc. vorgeht. Was denken sie, was fühlen sie?

Alltägliche Fähigkeiten wie Orientierung für Zeit, Raum, Situation, etc. gehen verloren. Dieser Verlust hat weitreichende Konsequenzen, sowohl für Betroffene als auch für Angehörige.

In den folgenden Kapiteln sollen die Folgen einer dementiellen Erkrankung für die Betroffenen selbst und für deren Angehörige beschrieben werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 91 Seiten

Details

Titel
Freiraumgestaltung für dementiell erkrankte Bewohner in stationären Pflegeeinrichtungen
Hochschule
Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen - Abteilung Münster
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
91
Katalognummer
V63152
ISBN (eBook)
9783638562676
Dateigröße
1147 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Freiraumgestaltung, Bewohner, Pflegeeinrichtungen
Arbeit zitieren
Volker Potthoff (Autor), 2006, Freiraumgestaltung für dementiell erkrankte Bewohner in stationären Pflegeeinrichtungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63152

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