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Die Leningrader Samizdatzeitschrift Casy - Initiativen der 70er und 80er Jahre zur Schaffung einer unabhängigen Kultur

Title: Die Leningrader Samizdatzeitschrift Casy - Initiativen der 70er und 80er Jahre zur Schaffung einer unabhängigen Kultur

Thesis (M.A.) , 2005 , 76 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Magistra Artium Katja Claus Andreasjan (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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In den letzten Jahren meines Studiums habe ich mich intensiv mit dem Phänomen Samizdat 1 in Osteuropa, insbesondere der Sowjetunion, beschäftigt. Unter dem Begriff Samizdat wird im Grunde genommen alles zusammen-gefasst, was als „inoffizielle“ kulturelle und politische Erscheinung in den ehemals sozialistischen Ländern Osteuropas seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts gelten kann. Hinter diesem weit ausgelegten Terminus verbergen sich allerdings sehr unterschiedliche Erscheinungen, die sowohl länder-spezifische als auch innerkulturelle Eigenarten aufweisen.

Die Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen zeigte in ihrer Ausstellung im Jahre 2000 in der Berliner Akademie der Künste und in den Folgejahren in Prag, Brüssel und Budapest 2 Exponate, die diese Vielfalt unterstreichen: Neben besonderen Erscheinungen wie der Gewerkschafts-bewegung Solidarnošč in Polen, der Charta 77 in der Tschechoslovakei, der Bürgerrechtsbewegung unter kirchlicher Obhut in der DDR oder der Lager-literatur in der Sowjetunion wurden hier aber auch Gemeinsamkeiten und Parallelen gesucht. Letztere fanden ihren Ausdruck beispielsweise auf der politischen Ebene in der Verteidigung von Menschenrechten, in Diskursen, die sich gegen die Lügenhaftigkeit der Regierungen wendeten, sowie auch in der Entstehung inoffizieller Künstlerszenen und Kulturzeitschriften. 3 Galt die Beschäftigung mit dem Samizdat bisher vor allem der Auseinandersetzung mit den repressiven Strukturen und Menschenrechtsverletzungen der sozia-listischen Systeme [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellen

2.1 Materialien der Konferenzen

2.2 Interviews

3. „Časy“ als Forum der kulturellen Bewegung

3.1 Idee und Konzeption von „Časy“

3.2 „Časy“ und die kulturelle Bewegung

4. Initiativen zur Schaffung einer unabhängigen Kultur

4.1 Die Konferenzen 1979 und das Symposium von 1985

4.2 Andrej-Belyj-Literaturprämie

4.2.1 Idee

4.2.2 Gestaltung der Prämie

4.2.3 Warum Andrej Belyj ?

4.2.4 Ausblick

4.3 Klub 81

4.3.1 Idee und Gründung des Klubs 81

4.3.2 Die Umsetzung

4.3.3 Die Publikation „Krug“

4.3.4 Problematik des Klubs 81

4.3.5 Schlussbetrachtung zum Klub 81

5. Diskurse der kulturellen Bewegung in Leningrad

5.1 Das Selbstverständnis der kulturellen Bewegung

5.1.1 Selbstbenennung

5.1.2 Parallelkultur

5.1.3 Teil einer gesamtrussischen Kultur

5.1.4 Teil der Weltkultur

5.2 Entwicklungsstufen der unabhängigen kulturellen Bewegung

5.2.1 Zwischen Ost und West

5.2.2 Laute und leise Gedichte

5.2.3 Konfrontation und Ausgleich

5.2.4 Zusammenfassung

6. Die kulturelle Bewegung im Schoß der russischen Kultur

6.1 „Begegnung“ als Vermittlerin von Kultur

6.2 Fremdverstehen des Samizdats

6.3 Die kulturelle Bewegung als Erscheinung der „Doppelten Existenz“ der russischen Kultur

7. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Leningrader kulturelle Bewegung der 1970er und 1980er Jahre mit dem Ziel, deren Selbstverständnis und die Initiativen zur Schaffung einer unabhängigen Kultursphäre im Kontext der russischen Kulturgeschichte zu analysieren.

  • Rolle der Samizdat-Zeitschrift "Časy" als Forum der Bewegung
  • Analyse zentraler Initiativen wie der Andrej-Belyj-Literaturprämie und des "Klub 81"
  • Diskurse zur Identität, Periodisierung und Einordnung der inoffiziellen Kunst
  • Wahrnehmungsverschiebung vom politischen Widerstand hin zur kulturellen "Doppelten Existenz"
  • Methodische Reflexion durch Zeitzeugeninterviews und Originaldokumente

Auszug aus dem Buch

4.3.1 Idee und Gründung des Klubs 81

Ivanov spricht von zwei unterschiedlichen Vorstellungen über die Aufgabe des Klubs 81. Die eine war die des KGB, der die Hoffnung hatte, mit der Gründung des Klubs die Aktivitäten der kulturellen Bewegung zu begrenzen und zu kontrollieren. Die andere war die der Bewegung, die sich vom Klub eine Erweiterung ihres Handlungsspielraumes erhoffte. Im Interview schilderte Boris Ivanov eines der ersten Treffen mit dem für den Klub zuständigen KGBler Andrej Andreev, bei dem er diesen wissen ließ: „Ich sage Ihnen gleich, damit sie wissen, auf was Sie sich einlassen. Wir sind nicht nur schwer zu erziehen, wir sind gar nicht zu erziehen.“

Bevor die Gespräche mit dem KGB über die Gründung des Klubs zustande kamen, gab es bereits eine Vorgeschichte. Aus dem Kreise der kulturellen Bewegung versuchte man einen öffentlichen Raum für die marginalisierte Bewegung zu schaffen, der für jeden offen war. Zunächst startete man eine Anfrage an die Stadtbibliothek, ob man den Raum zum Zwecke von Lesungen und anderen Veranstaltungen nutzen könne. Prinzipiell wurde eingewilligt diesen Raum zur Verfügung zu stellen, nur waren damit bestimmte bürokratische Unannehmlichkeiten verbunden. Die Problematik, so erzählte mir Boris Ivanov in unserem Gespräch, lag darin, dass jeder der an einer der Veranstaltungen teilnehmen wollte, hätte registriert werden müssen. Die Idee bestand aber gerade darin, dass an einer öffentlichen Veranstaltung jeder teilnehmen könnte ohne vorher bürokratische Bedingungen erfüllen zu müssen. Bei anderen Veranstaltungen war bereits das allgemeine Interesse an solchen öffentlichen Orten zu verzeichnen gewesen, wie zum Beispiel bei den Ausstellungen 1974 und 1975, die jeweils einen großen Anklang fanden.

Der KGB erfuhr selbstverständlich von diesen Versuchen und lud Boris Ivanov vor, um genauer zu erfahren, welches Ziel die Bewegung verfolgte. Man fragte ihn, wozu diese Aktion führen sollte. Ivanov erklärte, dass es notwendig sei, den jungen Dichtern und Künstlern einen freien Raum zu verschaffen, in dem sie ihre Werke präsentieren konnten, dass es unglaublich sei, dass es diesen Raum nicht schon lange gäbe. Der KGB sah darin eine Chance Zugriff auf die Bewegung zu bekommen und erklärte sich einverstanden, einen solchen Raum zur Verfügung zu stellen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des Leningrader Samizdat ein und erläutert den Fokus auf die kulturelle Bewegung der 70er/80er Jahre sowie die Zielsetzung der Arbeit.

2. Quellen: Das Kapitel beschreibt die verwendeten Dokumente der kulturellen Bewegung, insbesondere Konferenzmaterialien und geführte Interviews mit Akteuren der Szene.

3. „Časy“ als Forum der kulturellen Bewegung: Hier wird die Geschichte, das Konzept und die zentrale Rolle der Samizdat-Zeitschrift "Časy" als Medium der kulturellen Bewegung porträtiert.

4. Initiativen zur Schaffung einer unabhängigen Kultur: Dieses Kapitel behandelt die konkreten Aktivitäten, darunter Konferenzen, die Literaturprämie und die Gründung des Klub 81 als Institutionalisierungsversuch.

5. Diskurse der kulturellen Bewegung in Leningrad: Das Kapitel analysiert das Selbstverständnis der Bewegung, die Diskussionen über Generationenwechsel und die Verortung innerhalb der russischen Kultur.

6. Die kulturelle Bewegung im Schoß der russischen Kultur: Das Fazit fasst den Erkenntnisprozess zusammen und ordnet die Bewegung als "doppelte Existenz" in den Gesamtzusammenhang der russischen Kulturgeschichte ein.

7. Ausblick: Der abschließende Abschnitt reflektiert die Ergebnisse und weist auf die Notwendigkeit weiterer Forschung unter Einbeziehung staatlicher Archivmaterialien hin.

Schlüsselwörter

Samizdat, kulturelle Bewegung, Leningrad, Časy, Klub 81, Andrej-Belyj-Literaturprämie, inoffizielle Kultur, Parallelkultur, doppelte Existenz, Dissidenten, Literatur, russische Kultur, Nonkonformismus, KGB, Zeitzeugen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit untersucht die Leningrader kulturelle Bewegung der 1970er und 1980er Jahre und deren Bestrebungen, durch inoffizielle Publikationen und Organisationsformen eine unabhängige kulturelle Sphäre zu schaffen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit fokussiert auf die Rolle des Samizdat, insbesondere der Zeitschrift "Časy", sowie auf die Geschichte bedeutender Initiativen wie der Andrej-Belyj-Literaturprämie und des "Klub 81".

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, das Selbstverständnis der Akteure zu ergründen und die Bewegung nicht bloß als politischen Widerstand, sondern als tief in der russischen Kultur verwurzelte literarische Entwicklung zu verstehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine Kombination aus der Analyse zeitgenössischer Samizdat-Texte, Konferenzprotokolle sowie qualitativer Interviews mit Zeitzeugen und Akteuren der Bewegung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung konkreter organisatorischer Initiativen und eine diskursive Analyse der Selbstwahrnehmung, Generationenunterschiede und kulturellen Verortung der Szene.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Samizdat, kulturelle Bewegung, Leningrad, "Časy", Klub 81, "Doppelte Existenz" und inoffizielle Kultur.

Warum wird der "Klub 81" als umstrittenes Projekt beschrieben?

Er war umstritten, weil er eine Form der Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden wie dem KGB erforderte, was von Teilen der Szene als Verrat an der Autonomie, von anderen als notwendige Chance zur Öffentlichkeit gewertet wurde.

Welche Bedeutung hatte das Konzept der "Begegnung"?

Die "Begegnung" war für die Akteure das grundlegende Element der Kulturvermittlung, da in der direkten persönlichen Interaktion der kreative und geistige Austausch stattfand, den das offizielle System zu unterdrücken versuchte.

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Details

Title
Die Leningrader Samizdatzeitschrift Casy - Initiativen der 70er und 80er Jahre zur Schaffung einer unabhängigen Kultur
College
University of Bremen  (Forschungsstelle Osteuropa)
Grade
sehr gut
Author
Magistra Artium Katja Claus Andreasjan (Author)
Publication Year
2005
Pages
76
Catalog Number
V63184
ISBN (eBook)
9783638562928
ISBN (Book)
9783656813422
Language
German
Tags
Leningrader Samizdatzeitschrift Casy Initiativen Jahre Schaffung Kultur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magistra Artium Katja Claus Andreasjan (Author), 2005, Die Leningrader Samizdatzeitschrift Casy - Initiativen der 70er und 80er Jahre zur Schaffung einer unabhängigen Kultur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63184
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