Französisch in Benin


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
28 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Variation des Französischen im subsaharischen Afrika
2.1 Geschichte der französischen Sprache im subsaharischen Afrika
2.2 Aktuelle Situation des Französischen im subsaharischen Afrika
2.3 Was ist Variation?
2.4 Wie entstanden die Varietäten des Französischen in Afrika?
2.5 Französisch in Afrika als soziolinguistisches Arbeitsfeld

3. Benin: Portrait eines Landes
3.1 Geschichte: Von der Kolonisation bis zur Unabhängigkeit
3.2 Politische Situation: Von der Unabhängigkeit bis heute
3.3 Ethnien
3.4 Die Sprachen Benins
3.5 Die Sprachpolitik
3.5.1 Situation der französischen Sprache
3.5.2 Situation der Landessprachen

4. Variation des Französischen in Benin
4.1 Position Benins im frankophonen subsaharischen Afrika
4.2 Varietäten in Westafrika: Standardfranzösisch, français de la rue, français local, sabir franco-africain, Jugend- und Gangstersprache
4.2.1 Suzanne Lafage: Die zwei Ebenen des gesprochenen Französisch
4.2.2 Laurent Duponchel: Drei Varietäten des gesprochenen Französischen
4.3 Phonetische und phonologische Merkmale
4.4 Morphosyntaktische Merkmale
4.5 Lexikalisch-semantische Merkmale

5. Fazit: Gibt es ein Französisch Benins?

6. Bibliographie
6.1 Literatur
6.2 Im Internet veröffentlichte Literatur
6.3 Internetseiten

1. Einführung

La maîtrise avec laquelle de nombreux écrivains négro-africains manient la langue française, la perfection formelle de leurs œuvres, sont la preuve que les Africains se sont définitivement approprié la langue française; elle fait désormais partie de leurs patrimoines culturels; ils peuvent, eux aussi, la considérer comme ‘leur chose’.[1]

Der Beninische Literaturwissenschaftler Adrien Huannou fordert, die französische Sprache auch als Sache der schwarzafrikanischen Autoren anzuerkennen. Er begründet dies mit deren ausgezeichneter Beherrschung der Sprache, die die Kolonialmächte einst auf den Kontinent gebracht haben, und die heute für die Afrikaner zu ihrem eigenen kulturellen Erbe gehört. Französisch ist nicht einzig die Sprache Frankreichs, sondern auch wichtigstes Mittel zur sprachlichen Kommunikation in den Medien und der Literatur in 18 Ländern des subsaharischen Afrika.[2]

Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen eines Seminars zu Französisch im subsaharischen Afrika, in dem es Aufgabe aller Studierenden war, jeweils ein Land mit seinen sprachlichen Gegebenheiten vorzustellen. Immer wieder kam in den Diskussionen unter den Studierenden die Kritik zum Ausdruck, dass dem Französisch des subsaharischen Afrika in der Universität zu wenig Beachtung geschenkt wird. In unserem Studium der französischen Sprache wurden afrikanische Länder zumeist unter dem Aspekt der Frankophonie und dem mit ihr verbundenen Kampf gegen die Vormachtstellung des Englischen allenfalls gestreift. Eine tiefer gehende Beschäftigung mit der dortigen Situation der französischen Sprache bzw. frankophonen Kulturen, wie etwa mit Texten französisch schreibender afrikanischer Autoren, fand jedoch nicht statt. Und so war das Thema für die meisten von uns totales Neuland. Sehr bereichert wurde die Veranstaltung durch die Beiträge und Kommentare der Studierenden aus verschiedenen Ländern Afrikas, die durch ihre kritischen Überlegungen, z. B. zu einer mitunter stark eurozentrischen Wortwahl seitens der deutschen Studierenden, dem Seminar besondere Authentizität verliehen.

Vielen Vorträgen schickten die Referenten voraus, dass die Literaturrecherche zu ihrem Thema sehr schwierig war. Einige führten deshalb eigene Studien in Gesprächen und Interviews mit in Berlin lebenden Muttersprachlern des jeweiligen Landes durch.

Die Vorbereitung meines Themas ‚Französisch in Benin’ gestaltete sich ebenfalls nicht unproblematisch. Obschon eine relativ umfangreiche Literatur zu Französisch in Afrika vorhanden ist, sind diese Studien in den Berliner Bibliotheken nicht unbedingt zu finden. Publikationen speziell zum gesprochenen Französisch in Benin gibt es kaum. Die von der Universität Nizza herausgegebene Fachzeitschrift Le français en Afrique. Revue des observatoires du français contemporain en Afrique noire[3] hat zum Französisch einzelner Staaten eine Bibliographie erstellt. Dabei differiert die Anzahl der Arbeiten von Land zu Land erheblich. Findet man zu Burkina Faso 138 Einträge, figurieren auf der Literaturliste zu Französisch in Benin von 1997 nicht mehr als insgesamt 18 Titel von zehn internationalen Forschern aus den Jahren 1971[4] bis 1996.[5] Drei davon sind Magister- oder Doktorarbeiten aus Frankreich, Nigeria und Quebec, die nicht publiziert wurden. Neun von ihnen sind kürzere Aufsätze zwischen zwei und 33 Seiten, die in Fachzeitschriften oder Übersichtswerken publiziert wurden. Sechs der Titel haben neben Benin die Länder Togo und Elfenbeinküste zum Thema. Nach meinen Recherchen können dieser Bibliographie noch zwei Aufsätze hinzugefügt werden, die nach deren Erstellung erschienen sind.

Meine Versuche, in Berlin mit Menschen aus Benin zwecks Interviewgesprächen zusammenzutreffen, scheiterten. Glücklicherweise existieren von einigen Fachzeitschriften und auch ganzen Büchern zum Thema Französisch in Afrika bereits Online-Versionen, auf welche per Internet zurückgegriffen werden konnte. Auch ein großer Teil der landesspezifischen Informationen wurden vertrauenswürdigen Webseiten entnommen, wie z.B. derer des Auswärtigen Amtes oder der UNESCO.

In dieser Arbeit möchte ich die Frage untersuchen, ob es eine spezielle Varietät der französischen Sprache gibt, die in Benin gesprochen wird und wenn ja, wie man dieses Französisch Benins charakterisieren kann. Was unterscheidet das Französisch Benins von dem in Frankreich gesprochenen? Oder kann man solch ein ‚Französisch Benins’ gar nicht erkennen?

In einem ersten allgemeinen Teil werde ich in das Thema Variation des Französischen im subsaharischen Afrika einführen und mögliche Fragestellungen aufzeigen. Um die Situation der französischen Sprache in Benin zu verstehen, sind die landeskundlichen Daten von Interesse, die im zweiten Teil der Arbeit beschrieben werden. Wie hat man sich die Republik von Benin mit ihrem geschichtlichen, politischen und kulturellen Hintergrund vorzustellen? Wie sieht die Sprachpolitik aus? Im Anschluss werde ich die Eigenheiten des in Benin gesprochenen Französisch darstellen. Welche Eigenschaften sind der Literatur auf phonetischer, morphosyntaktischer und lexikalisch-semantischer Ebene bekannt?

2. Variation des Französischen im subsaharischen Afrika

2.1 Geschichte der französischen Sprache im subsaharischen Afrika

Die französische Sprache gelangte durch die Kolonisierung im 19. und 20. Jahrhundert durch Frankreich und Belgien nach Afrika.[6] Bei der Eroberung von Gebieten und der damit einhergehenden Unterwerfung der Kulturen, spielte immer die Sprache – neben anderen identitätsstiftenden Faktoren wie der Religion – eine wichtige Rolle.[7] Im Prinzip gibt es dabei zwei Möglichkeiten: Entweder der Eroberer erlernt die Sprache des Eroberten oder aber der Eroberte die des Eroberers. Im Idealfall würden beide Seiten die Sprache des anderen lernen. Die Soldaten, die in Afrika die Völker kolonialisierten, hatten meist nicht die Geduld und Ausdauer – und auch nicht das Interesse –, die Sprachen der Urbevölkerung zu erlernen. Was jene von den Eingeborenen verlangten, mussten diese unter der ständigen Präsenz der Waffengewalt auch so verstehen. Für weiterreichende Kommunikation benutzten die Eroberer einheimische Dolmetscher. Der Unterlegene musste sich mit dem Sieger arrangieren. Wollte er sich Gehör verschaffen, musste er sich die Sprache des Eroberers aneignen. Für die Verbreitung der Sprache – und damit für die Monopolisierung der kolonialen Gewalt – war die Schule ein wichtiges Instrument. Hier wurden die Kinder der Eingeborenen in der neuen Sprache und den Dingen der ‚zivilisierten’ Welt unterrichtet und im gleichen Zuge von ihrer afrikanischen Kultur entfernt und teilweise entfremdet.[8] Bis heute ist die Schulbildung Voraussetzung für das Erlernen der französischen Sprache und somit für den sozialen Aufstieg. Nur einem kleinen Teil der Menschen kommt eine Schulbildung zu, und so wird Französisch noch immer nicht von allen Menschen gesprochen.

2.2 Aktuelle Situation des Französischen im subsaharischen Afrika

Französisch dient als vereinigendes Mittel sowohl für die frankophonen afrikanischen Länder unter einander als auch als ‚Nabelschnur’ zu Frankreich. Es war und ist die Sprache der Bildung, Verwaltung und Regierung ebenso wie die der bildenden Künste. Von zeitgenössischen afrikanischen Autoren wird die französische Sprache gegenüber den afrikanischen Landessprachen – denen zudem oft Transkriptionssysteme fehlen – bevorzugt, weil sie ihnen ermöglicht, über die geographischen Grenzen regionaler afrikanischer Sprachen hinaus ein breites Publikum anzusprechen und auf ihre Situation aufmerksam zu machen.[9] Der Gebrauch des Französischen hat sich seit Jahrzehnten zu von den Kolonialmächten ungeahnten Horizonten ausgedehnt.

2.3 Was ist Variation?

Man kann drei Arten der Variation unterscheiden: die sprachliche, geschichtliche und individuelle. Die sprachliche Variation kann phonetisch und phonologisch sein, morphosyntaktisch und lexikalisch. Sie impliziert die Pluralität der Sprachen und die Variation innerhalb einer Sprache. Da Menschen als Konsumenten der Sprache in Raum und Zeit leben, hat sie zwei hauptsächliche Dimensionen: die zeitliche und die geografische. Die geografische Variation, die in dieser Arbeit von Interesse ist, erklärt sich durch die unterschiedlichen Lebensweisen, Kulturen und sozialen Schichten. Dass eine Sprache Muttersprache, Fremdsprache, „imposée“, „surimposée“, „superposée“ oder Zweitsprache ist, ändert nichts daran, dass jede natürliche Sprache ihre Varietäten und Varianten hat – trotz einer ihr zugrunde liegenden Einheitlichkeit.

2.4 Wie entstanden die Varietäten des Französischen in Afrika?

Wenn eine Sprache in eine andere Umgebung verpflanzt wird und sich dort weiter entwickeln kann, nimmt die Bandbreite ihrer Varietäten unumgänglich zu. Je mehr das Französische zu einer in Afrika gesprochenen Sprache wird, umso mehr wird die Variation in allen sprachlichen Bereichen zunehmen: Aussprache, Prosodie, Morphologie, Syntax, Wortschatz und Semantik. Bei den Varietäten des Französischen in Afrika sind sowohl nationale als auch ethnische Eigenheiten zu erkennen. Darüber hinaus existieren supralokale, sogar panafrikanische Besonderheiten, die man auf lexikalischer, phonischer und grammatikalischer Ebene beobachten kann.[10]

Das Ergebnis der Variation ist die Varietät. Die Varietäten im subsaharischen Afrika sind heute zahlreich. Ob es auch eine spezielle Varietät des Französischen in Benin gibt und wenn ja, welche ihre Eigenschaften sind, soll im dritten Teil der Arbeit erörtert werden.

2.5 Französisch in Afrika als soziolinguistisches Arbeitsfeld

Der französischen Sprache in Afrika als soziolinguistisches Arbeitsfeld haben sich seit den Achtziger Jahren vor allem Forscher aus Frankreich angenommen. Die afrikanischen frankophonen Linguisten legten ihre Priorität indes auf die Erforschung der afrikanischen Landessprachen und allenfalls deren Beeinflussung durch das Französische als Amtssprache.[11] In den letzten Jahren wurde das Interesse für die französischen Varietäten im subsaharischen Afrika und die Tragweite dieses Themas mehr und mehr erkannt und auch von afrikanischen Linguisten vorangetrieben. Möglicherweise hängt das auch damit zusammen, dass sich diese Arten der Sprache jüngst verstärkt verbreitet haben. Verschiedene Fragen stehen dabei noch unbeantwortet im Raum. Da an der Entwicklung einer Sprache die verschiedenen sozialen Schichten auf unterschiedliche Weise beteiligt sind, wäre es interessant, welche Motive die Variation des Französischen in Afrika beeinflussen. Entstehen die Varietäten durch den Kontakt zu den afrikanischen Sprachen? Oder sind die Ursachen der Variation die gleichen, wie jene, die für die Veränderung der Sprache innerhalb Frankreichs zuständig sind, zum Beispiel in den banlieues ?

Zukünftigen Forschern sei es überlassen, Antworten auf diese Fragen zu finden. In dieser Arbeit steht ein Land und dessen Französisch-Varietäten im Vordergrund: Benin.

[...]


[1] Adrien Huannou (1989): La question des littératures nationales en Afrique noire. Abidjan, S. 145f.

[2] Unter die Bezeichnung frankophones subsaharisches Afrika bzw. Afrique subsaharienne oder auch Afrique noire francophone fallen die 18 Staaten: Benin, Burkina Faso, Burundi, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Kongo, Elfenbeinküste, Djibuti, Gabun, Guinea, Mali, Mauretanien, Niger, Ruanda, Senegal, Tschad, Togo und die Demokratische Republik Kongo (ehemals Zaire).

[3] Es konnte nur die elektronische Version konsultiert werden: Le français en Afrique. Revue des observatoires du français contemporain en Afrique noire 11 <http://www.unice.fr/ILF-CNRS/ofcaf/11/Pays/benin.html>, Stand: März 2006.

[4] Es handelt sich um den Aufsatz von G. Ajaji (1971): "Analyse contrastive des systèmes vocaliques français/yorouba", in: FN 6 (2), S. 18-20.

[5] Es handelt sich um den Aufsatz von Akanni Mahmoud Igué (1996): "La situation du français au Bénin", in: D. Robillard, M. Beniamino, M. (Hrsg.), Le Français dans l'espace francophone, Bd. 2, S. 577-586.

[6] Die Verbreitung des Französischen im subsaharischen Afrika geschah durch Superposition, vereinzelt auch durch Importation. Diese Begrifflichkeiten gehen auf den Linguisten Willy Bal zurück, der sie 1977 zur geografisch-historischen Typologisierung der französischsprachigen Welt vorschlug. Er unterscheidet vier Arten, auf welche sich Französisch zur wichtigsten Sprache in einer Region entwickelt haben kann: Superposition liegt vor, wenn das Französische, normalerweise aus politischen Gründen, in einem alloglotten Gebiet teilweise oder exklusiv die obersten Domänen besetzt, wie beispielsweise die Verwaltung, Bildung oder internationale Politik. Die Schule spielt beim Erlernen der Sprache eine primäre Rolle. Importation ist an die Umsiedlung von Teilen der Bevölkerung gebunden. Auf das rayonnement culturel ist es zurückzuführen, wenn das Französische von Alloglotten als Fremdsprache erlernt und praktiziert wird. Implantation liegt vor, wenn die Fremdsprache zur Muttersprache eines großen Teils der Bewohner eines bestimmten Gebietes wird. Vgl. Willy Bal (1988): Mélanges Willy Bal. Africana Romanica. Préparés par Dieter Kremer. Hamburg, S. 165.

[7] Vgl. János Riesz (1998): Französisch in Afrika – Herrschaft durch Sprache. Frankfurt, S. 3-23.

[8] Vlg. ebenda.

[9] Vgl. Anne-Barbara Ischinger (1979): „Strömungen in der Literaturgeschichte des frankophonen Schwarzafrika“, in: Eckhard Breitinger (Hrsg.): Black Literature. München, S. 193-213.

[10] Emmanuel N. Kwofie (2004): La diversité du français et l’enseignement de la langue en Afrique. Paris.

[11] Vgl. Marc-Laurent Hazoumé (1990): «Les langues face aux variations lexicales du français», in: André Clas (Hrsg.) : Visages du français. Variétés lexicales de l’espace francophone, Paris, S. 47-49.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Französisch in Benin
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Institut für Sprache und Kommunikation)
Veranstaltung
Französisch in den subsaharischen Ländern Afrikas
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
28
Katalognummer
V63227
ISBN (eBook)
9783638563260
ISBN (Buch)
9783656559139
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser Arbeit untersuche ich die Frage, ob es eine spezielle Varietät der französischen Sprache gibt, die in Benin gesprochen wird und wenn ja, wie man dieses Französisch Benins charakterisieren kann. Welche Eigenschaften sind der Literatur auf phonetischer, morphosyntaktischer und lexikalisch-semantischer Ebene bekannt? Weitere Fragen sind: Wie hat man sich die Republik von Benin mit ihrem geschichtlichen, politischen und kulturellen Hintergrund vorzustellen? Wie sieht die Sprachpolitik aus?
Schlagworte
Französisch, Benin, Francophonie, Subsahara, Afrika, Linguistik, Varietätenlinguistik, Romanistik, Sparchpolitik
Arbeit zitieren
Monika Braun (Autor), 2006, Französisch in Benin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63227

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