Die Taylor-Regel in der europäischen Geldpolitik


Seminararbeit, 2006

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die EZB -Träger der europäischen Geldpolitik
II.1. Die Zwei-Säulen-Strategie der EZB
II.2. Kritikpunkte an der Zwei-Säulen-Strategie

III. Die Taylor-Regel
III.1. Eigenschaften der Taylor-Regel
III.2. Modifizierte Taylor-Regel
III.3. Kritikpunkte an der Taylor-Regel

IV. Die EZB und die Taylor-Regel
IV.1. Die Taylor-Regel in der europäischen Geldpolitik
IV.2. Zukünftige Anwendung in der europäischen Geldpolitik

V. Schlussbetrachtung

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Welche Geldpolitik ist die richtige? Auf diese Frage hatte John B. Taylor 1993 scheinbar eine ganz einfache Antwort in Form einer Gleichung, die später nach ihm benannt wurde, gefunden. Doch ist diese sogenannte Taylor-Regel überhaupt mit der europäischen Geldpolitik in Einklang zu bringen, so wie er es vorgeschlagen hat und ist diese Antwort wirklich so einfach, wie sie im ersten Moment scheint?

Dazu soll dem Leser zunächst kurz die geldpolitische Konzeption der EZB dargestellt werden und welche Kritikpunkte sich hieraus ableiten lassen. Im Hauptteil der Arbeit werden dann eine ursprüngliche, aber auch eine modifizierte Taylor-Regel erläutert und worin ihre Vor- und Nachteile liegen. Darauf aufbauend wird dann gezeigt, ob sich die Taylor-Regel in der europäischen Geldpolitik überhaupt umsetzen lässt. Abschließend wird die Taylor-Regel noch kurz von einer geldpolitischen Alternative, dem Inflation Targeting, abgegrenzt, sowie ein Blick auf die USA geworfen und in wieweit die Taylor-Regel sich für die Fed anbieten würde.

II. Die EZB – Träger der europäischen Geldpolitik

II.1. Die Zwei-Säulen-Strategie der EZB

Im Maastrichter Vertrag von 1993 wurden die rechtlichen Grundlagen für die europäische Geldpolitik geschaffen. Demnach ist die Preisstabilität das vorrangige Ziel der EZB[1]. Sie hält dieses Ziel für erreicht, wenn eine Inflationsrate unter, aber nahe zwei Prozent angestrebt wird[2]. In diesem Fall sind nach Einschätzung des EZB-Rates die Risiken einer Deflation ausreichend berücksichtigt und die auftretenden Inflationskosten noch vertretbar. Durch die Vorgabe eines solchen Inflationsziels erhalten die Marktteilnehmer eine Angabe über die zu erwartende Preisentwicklung. Für die Berechnung der Inflationsrate dient der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI).

Um dieses Ziel zu erreichen verfolgt die EZB eine sogenannte Zwei-Säulen-Strategie[3].

Die erste Säule stellt dabei eine wirtschaftliche Analyse dar, in der es letztlich um eine mittelfristige Inflationsprognose geht. Dabei orientiert sich die EZB an einer breiten Auswahl von Konjunkturindikatoren, wie zum Beispiel Arbeitsmarktbedingungen, Wechselkurse, oder Bildung und Kosten von Kapital.

Die zweite Säule, eine Analyse monetärer Trends, beruht auf einer Beurteilung der Liquiditätslage entsprechend der Geldmengenaggregate, ihrer Komponenten und Bilanzgegenposten. Ausgehend von der Quantitätsgleichung stellt sie einen Zusammenhang zwischen dem Geldmengenwachstum und der Inflation her[4]. Demnach lässt sich aus der Zielinflationsrate [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]p, der erwarteten Veränderungsrate des realen Sozialprodukts [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]y und der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]v die Rate des Geldmengenwachstums Dm ableiten. Die Kleinbuchstaben stehen hier für logarithmierte Größen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Seit 2003 gilt ein Referenzwert von 4,5% für das Wachstum der Geldmenge M3. Abweichungen vom Referenzwert ziehen nicht automatisch geldpolitische Änderungen nach sich, sondern fließen mittelbar in die geldpolitischen Entscheidungen mit ein.

Die wirtschaftliche und monetäre Analyse sind somit komplementäre Methoden, um eine Beurteilung für die künftige Inflationsentwicklung abgeben zu können.

II.2. Kritikpunkte an der Zwei-Säulen-Strategie

Wie bereits gezeigt, besteht nach der Quantitätsgleichung ein Zusammenhang zwischen Inflation und Geldmengenwachstum. In der Realität ist dieser Zusammenhang jedoch nicht so eng, wie folgende Abbildung am Beispiel des Euroraums verdeutlichen soll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Blanchard/ Illing, Makroökonmie, S. 750

So erkennt man beispielsweise, dass die Inflationsrate in den 80ern stärker sinkt als M3, Mitte der 90er Jahre war es genau umgekehrt. Darüber hinaus gelingt es der EZB fast nie, den von ihr angepeilten Referenzwert zu erreichen. In den letzten Jahren lag er sogar relativ weit über den anvisierten 4,5%[5].

Somit drängt sich die Frage auf, ob es nicht sinnvoller wäre, an Stelle des aufwendigen Zwei-Säulen-Konzepts der EZB und der aufgezeigten Schwäche im Bereich der monetären Analyse, eine einfachere Geldpolitik im Sinne der Taylor-Regel zu betreiben, welche zudem um ein vielfaches transparenter ist.

III. Die Taylor-Regel

III.1. Eigenschaften der Taylor-Regel

John B. Taylor hat 1993 eine einfache Instrumentenregel auf Basis des Geldmarktzinses vorgeschlagen, die er dann auch dem Federal Reserve System zur Steuerung der Federal Funds Rate vorschlug[6]. In ihrer allgemeinen Form lautet die Taylor-Regel[7]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Gleichung (2) bezeichnet rt den sogenannten Taylor-Zins, welcher zugleich den kurzfristigen nominalen Zinssatz der Notenbank darstellt, [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] die aktuelle Inflationsrate, [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] die langfristige Zielinflationsrate und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] den realen Gleichgewichtszins. Die Differenz [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] wird als Inflations-, y als Produktions-, beziehungsweise Outputlücke bezeichnet. Diese wird berechnet durch:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Vgl.: Konsolidierte Fassung des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, 10. Nov. 1997, http://europa.eu.int/eur-lex/lex/de/treaties/dat/11997D/htm/11997D.html#0145010077 , 18. Apr. 2006

[2] Vgl.: Europäische Zentralbank: Die Geldpolitik der EZB, Frankfurt a.M. 2004, S. 52

[3] Vgl.: Europäische Zentralbank: Monatsbericht Januar 1999, Frankfurt a.M. Januar 1999, S. 43 ff.

[4] Vgl.: Gischer, Horst; Herz, Bernhard; Menkhoff, Lukas: Geld, Kredit und Banken. Eine Einführung, Berlin 2005, S. 341

[5] Vgl.: Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard: Makroökonomie, München 2004, S. 752

[6] Vgl.: Taylor, John B.: Discretion versus Policy Rules in Practice. In: Carnegie-Rochester Conference Series on Public Policy, Vol. 39, North-Holland 1993, S. 200

[7] Vgl.: Taylor, John B.: A Historical Analysis of Monetary Policy Rules. In: John B. Taylor (Hrsg.): Monetary Policy Rules, Chicago 2001, S. 323

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Taylor-Regel in der europäischen Geldpolitik
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Seminar "Ausgewählte Fragen der Makroökonomie"
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V63262
ISBN (eBook)
9783638563499
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Taylor-Regel, Geldpolitik, Seminar, Ausgewählte, Fragen, Makroökonomie
Arbeit zitieren
Marcel Engels (Autor), 2006, Die Taylor-Regel in der europäischen Geldpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63262

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