Welche Geldpolitik ist die richtige? Auf diese Frage hatte John B. Taylor 1993 scheinbar eine ganz einfache Antwort in Form einer Gleichung, die später nach ihm benannt wurde, gefunden. Doch ist diese sogenannte Taylor-Regel überhaupt mit der europäischen Geldpolitik in Einklang zu bringen, so wie er es vorgeschlagen hat und ist diese Antwort wirklich so einfach, wie sie im ersten Moment scheint?
Dazu soll dem Leser zunächst kurz die geldpolitische Konzeption der EZB dargestellt werden und welche Kritikpunkte sich hieraus ableiten lassen. Im Hauptteil der Arbeit werden dann eine ursprüngliche, aber auch eine modifizierte Taylor-Regel erläutert und worin ihre Vor-und Nachteile liegen. Darauf aufbauend wird dann gezeigt, ob sich die Taylor-Regel in der europäischen Geldpolitik überhaupt umsetzen lässt. Abschließend wird die Taylor-Regel noch kurz von einer geldpolitischen Alternative, dem Inflation Targeting, abgegrenzt, sowie ein Blick auf die USA geworfen und in wieweit die Taylor-Regel sich für die Fed anbieten würde.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die EZB -Träger der europäischen Geldpolitik
II.1. Die Zwei-Säulen-Strategie der EZB
II.2. Kritikpunkte an der Zwei-Säulen-Strategie
III. Die Taylor-Regel
III.1. Eigenschaften der Taylor-Regel
III.2. Modifizierte Taylor-Regel
III.3. Kritikpunkte an der Taylor-Regel
IV. Die EZB und die Taylor-Regel
IV.1. Die Taylor-Regel in der europäischen Geldpolitik
IV.2. Zukünftige Anwendung in der europäischen Geldpolitik
V. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die von John B. Taylor entwickelte Taylor-Regel eine geeignete geldpolitische Richtlinie für die Europäische Zentralbank (EZB) darstellt. Dabei wird geprüft, inwieweit die mathematische Regel mit der bestehenden Zwei-Säulen-Strategie der EZB vereinbar ist und welche konzeptionellen Stärken und Schwächen sich bei einer praktischen Anwendung ergeben.
- Analyse der geldpolitischen Konzeption der Europäischen Zentralbank
- Methodische Darstellung der ursprünglichen und modifizierten Taylor-Regel
- Kritische Diskussion der Anwendbarkeit bei Inflations- und Produktionslücken
- Vergleich zwischen regelgebundener Geldpolitik und diskretionären Ansätzen
- Betrachtung von Angebotsschocks und deren Auswirkung auf die Zinssteuerung
Auszug aus dem Buch
III.1. Eigenschaften der Taylor-Regel
John B. Taylor hat 1993 eine einfache Instrumentenregel auf Basis des Geldmarktzinses vorgeschlagen, die er dann auch dem Federal Reserve System zur Steuerung der Federal Funds Rate vorschlug. In ihrer allgemeinen Form lautet die Taylor-Regel:
rt = π + gy + h(π - π*) + rf . (2)
In Gleichung (2) bezeichnet rt den sogenannten Taylor-Zins, welcher zugleich den kurzfristigen nominalen Zinssatz der Notenbank darstellt, π die aktuelle Inflationsrate, π* die langfristige Zielinflationsrate und rf den realen Gleichgewichtszins. Die Differenz (π - π*) wird als Inflations-, y als Produktions-, beziehungsweise Outputlücke bezeichnet. Diese wird berechnet durch:
y = 100(Y - Y*) / Y* , (3)
wobei Y das aktuelle Bruttoinlandsprodukt kennzeichnet, Y* das potentielle Trend Bruttoinlandsprodukt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Hinführung zur Fragestellung, ob die Taylor-Regel eine sinnvolle Alternative zur geldpolitischen Strategie der EZB darstellen könnte.
II. Die EZB -Träger der europäischen Geldpolitik: Erläuterung der Zwei-Säulen-Strategie der EZB sowie kritische Betrachtung der monetären Analyse.
III. Die Taylor-Regel: Herleitung der mathematischen Taylor-Regel, Vorstellung modifizierter Varianten und Diskussion ihrer Anwendungsprobleme.
IV. Die EZB und die Taylor-Regel: Analyse der tatsächlichen geldpolitischen Praxis der EZB im Vergleich zur Taylor-Regel sowie zukünftige Anwendungsoptionen.
V. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einschätzung zur Eignung der Taylor-Regel für die EZB und Vergleich mit dem Konzept des Inflation Targetings.
Schlüsselwörter
Taylor-Regel, Europäische Zentralbank, Geldpolitik, Zwei-Säulen-Strategie, Inflationsrate, Produktionslücke, Zinssatz, Preisstabilität, Geldmengenwachstum, Inflation Targeting, Notenbank, Euro-Währungsgebiet, Angebotsschock, Realzins, Wirtschaftssteuerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anwendbarkeit der Taylor-Regel auf die europäische Geldpolitik und deren Verhältnis zur offiziellen Strategie der EZB.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die geldpolitische Konzeption der EZB, die mathematische Funktionsweise der Taylor-Regel und die Diskussion über regelgebundene versus diskretionäre Geldpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Prüfung, ob die Taylor-Regel als effektive Handlungsanweisung für die Zinsgestaltung im Euro-Raum dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse makroökonomischer Modelle sowie der Auswertung bestehender Simulationsstudien und geldpolitischer Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der EZB-Strategie, die Erläuterung der Taylor-Regel (inkl. Modifikationen) und die praktische Gegenüberstellung beider Konzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Taylor-Regel, EZB, Preisstabilität, Geldmengenstrategie und Zinssteuerung.
Wie unterscheidet sich die modifizierte Taylor-Regel vom Original?
Die modifizierte Form führt einen Erwartungsoperator ein, um die Prognose künftiger Inflationsraten statt nur der aktuellen Werte in die Zinsentscheidung einzubeziehen.
Warum ist die Taylor-Regel für die EZB laut Autor unzweckmäßig?
Der Autor argumentiert, dass die strukturellen Schwächen, die Schwierigkeit der Datenaggregation im Euro-Raum und der Verlust an geldpolitischem Spielraum eine offizielle Bindung an die Regel nicht sinnvoll machen.
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- Marcel Engels (Author), 2006, Die Taylor-Regel in der europäischen Geldpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63262