Gedichtinterpretation von 'Sachliche Romanze' von Erich Kästner


Hausarbeit, 2003

16 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Gliederung

1. Begründung der Fragestellung und des Vorgehens

2. Historische und gesellschaftliche Zeitumstände der 20er Jahre,

3. Inhaltszusammenfassung des Gedichts

4. Sprachliche Besonderheiten des Textes, Gedichtform und Metrum, sowie stilistische Auffälligkeiten und formale Mittel des Gedichts

5. Interpretation des Gedichts „Sachliche Romanze“ unter Berücksichtigung individuelle Lebensumstände des Autors Erich Kästner

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Begründung der Fragestellung und des Vorgehens

In Erich Kästners Gedicht „Sachliche Romanze“ aus dem Jahre 1929, setzt sich das Textsubjekt sowohl mit den Auswirkungen der Neuen Sachlichkeit, wie mit den von Menschen empfundenen Gefühlen bei Liebe und Trennung, sowie jegliche Nuancen dazwischen auseinander.

In meiner Hausarbeit möchte ich mich mit diesem Gedicht aus der frühen Schaffenszeit des freien Schriftstellers E. Kästner auseinandersetzen. Ich möchte dabei insbesondere die Frage nach einer ausreichenden Interpretation zu klären versuchen. Um dieses Ziel zu erreichen scheint folgende Gliederung sinnvoll:

In einem ersten Schritt (Kapitel 2) scheint es geboten, die historischen, vor allem. die gesellschaftlichen Zeitumstände des Jahres 1929, aber auch die individuellen Lebensumstände des Autors Erich Kästner knapp zu rekonstruieren, soweit sie für die Entstehung und das Verständnis des Gedichts relevant scheinen. So muss etwa Kästners Rang als einer der anerkanntesten Dichter der deutschen Sprache bei der Interpretation des Gedichts ebenso berücksichtigt werden.

In einem zweiten Schritt (Kapitel 3) wird es darum gehen, auf die inhaltliche Ebene Kästners Darstellung einer unmerklichen Trennung und ihren auslösenden Emotionen zu ermitteln.

Im dritten Schritt (Kapitel 4) sollen die sprachlichen Besonderheiten des Textes analysiert werden. Es gilt, Gedichtform und Metrum ebenso zu bestimmen, wie einen Überblick über Stilhöhe und eingesetzte rhetorische Mittel zu gewinnen.

In einem letzten Kapitel (Kapitel 5) schließlich soll der Versuch unternommen werden, die Ausgangsfrage nach einer akzeptablen Interpretation des Gedichts zu beantworten.

2. Historische und gesellschaftliche Zeitumstände der 20er Jahre

Die Zeit der Weimarer Republik, die erste demokratische Republik in Deutschland,

hatte viele Probleme: zum einen den Versailler Vertag, denn Deutschland hatte die Hauptkriegsschuld, es musste Gebiete abtreten, Reparationszahlungen leisten.
Hinzu kam 1923 eine Inflation und die Weltwirtschaftskrise traf Deutschland weitaus schlimmer als andere Länder. Eine große Unzufriedenheit mit der Republik blieb nicht lange aus, denn die Politiker konnten die Probleme der Zeit nicht lösen. Der Ausdruck „Republik ohne Republikaner“ wurde prägend für dieses Land. Dadurch wurden radikale politische Parteien immer populärer, denn sie kämpften gegen die Republik, was viele als einen Fortschritt betrachteten.

1933 begann die NS-Diktatur, und somit eine strenge Kontrolle von Kunst und Literatur durch den Staat. Ebenso erschwerten technische Neuerungen, Massenmedien, wie Film und Rundfunk das Leben eines Schriftstellers immens.

Die Weimarer Republik zwang die Schriftsteller dazu, ideologisch und künstlerisch ihren Standpunkt zu bestimmen. Auch veränderten sich die Entstehungsbedingungen von Literatur. Kunst wurde immer mehr zur Ware und unter diesem Aspekt produziert und distribuiert.[1] Kunst wurde auch unter Verwertungsinteressen betrachtet, der Schriftsteller geriet in Abhängigkeit des Produktions- und Distributionsapparats. Selbst Autoren, die ihre Kunst als reinen literarischen Schöpfungsakt verstanden, konnten sich der Einsicht „Kunst = Ware“ nicht entziehen. Die Autoren waren in ihrer Selbstverwirklichung stark beschränkt,

sie mussten zunehmend das schreiben, was ihnen die Verleger vorschrieben.
Die Gesetze des Marktes hatten verschiedene Auswirkungen auf die Literatur:

Sie führten im Allgemeinen zu einer Nivellierung zwischen vermeintlich „hoher“ Literatur und Trivialliteratur. Dies beschleunigte das so genannte Bestsellerwesen. Zerstörerisch daran war, dass der Verleger auf Erfolg um jeden Preis angewiesen war.

Einfache Alltagssprache, welche für jeden verständlich und zugänglich ist wurde verwendet, Sprache, die dem Verstehen der dargestellten Wirklichkeit nicht im Wege steht.

Nach Hoffmann und Rösch war die Folge hiervon allerdings, dass die Werke meist auf Massenwirksamkeit abzielten und Menschen der Weimarer Republik Leitbilder für Leben in der modernen Massen- und Mediengesellschaft boten. Ein nüchterner Reportagestil, sowie die Hinwendung zu historischen Themen zum journalistischen Schreiben wurde Mode und häufig angewandt. Besonders das Suchen nach einer künstlerischen Perspektive in der Auseinandersetzung mit der alltäglichen Wirklichkeit der Weimarer Republik wurde für viele Schriftsteller zur Schaffensaufgabe und so erschuf beispielsweise Erich Kästner sachliche Typen, zwar mit Gefühlen, aber ohne diese wirklich artikulieren zu dürfen. Wirtschaftliche und soziale Probleme werden dargestellt, nicht mehr tabuisiert und die Befindlichkeit einer ganzen Generation spielt nun in vielen Texten dieser Zeit eine ernstzunehmende Rolle. Die Kritik an der deutschen Autoritätshörigkeit und Spießermoral wurde laut. Doch ob sie wirklich verstanden wurde ist zweifelhaft.

Erich Kästner, ein geistvoller Ironiker und rationaler Humorist[2] wurde bekannt durch einfache und volksnahe Sprache, sowie kritisch betrachtetes Bürgertum.

1942 unterlag der Schriftsteller einem Schreib- und Publikationsverbot und ging schon 1933 in die innere Emigration.

Kästners Lyrik fiel unter das Etikett »Neue Sachlichkeit«. Ein Begriff wie viele, die schon ein paar Jahre später ihren Sinn verloren haben. Denn so neu war diese Sachlichkeit nicht, es handelte sich um einen Grundton deutscher Dichtung seit jeher, und so sachlich war sie auch nicht. Denn das Entscheidende ihrer sprachlichen Manier ist Unsachlichkeit: wenn nämlich Dinge und Abstrakta fühlen und agieren, sich menschlich verhalten. Da gehen Laternen zu Besuch, da sind Häuser krank, da winken Astern, da schminken sich Gärten. Dies und unendlich mehr ist vollendet unsachlich. Gemeint mit dem Begriff ist, dass Poesie sich nicht poetisch gibt, sondern sich als selbstverständlich begreift.

Im Wort „Gebrauchslyrik“ stecken auch Aufforderung zu Haltung und Meinung, Ermutigung, Belehrung, verbale Vernichtung von Feindbildern, kurz: das Spektrum Satire.

Wie in den folgenden Kapitel noch eingehender erläutert wird, hatte das Privatleben Kästners ebenso Auswirkungen auf seine Werke, wie das Zeitgeschehen.

Am 14. November 1926 löste Erich Kästner die achtjährige Verbindung zu seiner Freundin Ilse Beeks. In einer sechsstündigen Aussprache warf er ihr vor, dass sie ihn schon lange nicht mehr liebe. Sie behauptete das Gegenteil. Grund dieses Missverständnisses war die unterschiedliche Auffassung über das, was Liebe sein sollte. Bei ihrer Trennung am Leipziger Bahnhof versprachen sie einander, den Kontakt nicht abbrechen zu lassen.[3]

Kästner hat das Scheitern dieser intensiven Beziehung, die nach dem erfolgreichen Abschluss seiner Promotion in eine Heirat münden sollte, lange Zeit nicht überwunden.

Besonders dieser neue Lebenswandel, sowie alle bisher erwähnten Umstände müssen im Hinterkopf bewahrt bleiben, wenn man sich um ein Verständnis oder auch um eine Interpretation von Erich Kästners Gedicht „Sachliche Romanze“ bemüht.

3. Zusammenfassung des Inhaltes der vier Strophen des Gedichts

Inhaltlich beschreibt dieses Gedicht ein Paar, dessen ,,Liebe plötzlich abhanden" kommt.

Die Partner können mit sich nichts mehr anfangen und sind unsicher, wie mit dieser Situation umzugehen ist. Die erste Strophe beschreibt den Verlust selber, in den folgenden werden die Reaktionen des Paares geschildert und schließlich, wenn auch recht verhalten, Ursachen für den Verlust der Liebe gesucht, den Kästner wohl in der Institutionalisierung der Liebe begründet sieht. Das Paar bemüht sich seine Beziehung zu retten, indem es versucht sich so wie immer zu verhalten, jedoch bleibt es bei diesen Versuchen, ein Gelingen ist nicht in Sicht. Als dies erkannt wird, bricht die weibliche Person in Tränen aus, während ihr Partner hilf- und tatenlos daneben steht. Sie halten an der alten Gewohnheit fest, am Nachmittag Kaffee zu trinken, doch wählen sie hierfür ein kleines intimes Café um miteinander reden zu können. Letztlich wird in der vierten Strophe beschrieben, wie das verzweifelte Paar bis zum Abend vor ihren Kaffeetassen sitzt und es dennoch nicht geschafft hat, miteinander zu kommunizieren. Die acht Jahre lang vereinten Menschen stehen nun fassungslos vor ihrer entzweiten Liebe.

4. Sprachliche Besonderheiten des Textes,

Gedichtform und Metrum, sowie stilistische Auffälligkeiten und formale Mittel des Gedichts

Das Wesen des von Kästner benützten Dichtertons sind Metrum und Melodie, Rhythmus und Reim. Die Vorwürfe gegen den Reim sind bekannt. Er führt zur Glätte, zwingt in Konventionen, lässt naturgesetzlich verschiedene Wortwerte nicht mehr zu.

[...]


[1] Lt. Hoffmann u. Rösch: Grundlagen Stile Gestalten der deutschen Literatur. Eine geschichtliche Darstellung. Cornelsen Berlin 1996.

[2] Hoffmann u. Rösch: Grundlagen Stile Gestalten der deutschen Literatur. Eine geschichtliche Darstellung. Cornelsen Berlin 1996. S. 397.

[3] Schneyder, W.: Erich Kästner. Ein brauchbarer Autor. Kindlers Literarische Portraits. Kindler, München: 1982 S.70-74.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Gedichtinterpretation von 'Sachliche Romanze' von Erich Kästner
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,5
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V63272
ISBN (eBook)
9783638563581
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gedichtinterpretation, Sachliche, Romanze, Erich, Kästner
Arbeit zitieren
Andrea Schlafke (Autor), 2003, Gedichtinterpretation von 'Sachliche Romanze' von Erich Kästner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63272

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