Personengestaltung und Aufbau von Friedrich Schillers "Fiesco zu Genua. Ein republikanisches Trauerspiel"


Hausarbeit, 2005
24 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhalt

A) Einleitung

B) Hauptteil
1. Aufbau des Dramas
1.1 Erster Aufzug
1.2 Zweiter Aufzug
1.3 Dritter Aufzug
1.4 Vierter Aufzug
1.5 Fünfter Aufzug
1.6 Zum Aufbau
2. Personengestaltung
2.1 Die Hauptpersonen
2.1.1 Fiesco von Lavagna
2.1.2 Verrina
2.1.3 Gianettino Doria
2.2 Nebenfiguren
2.2.1 Andreas Doria
2.2.2 Leonore
2.2.3 Julia, Gräfin Witwe Imperali
2.2.4 Der Mohr
2.2.5 Calcagno und Sacco
2.2.6 Berta
2.2.7 Bourgognino

C) Fazit
Literaturverzeichnis
Rechtsverbindliche Erklärung

A) Einleitung

Mit dieser Hausarbeit möchte ich mich anlässlich des Hauptseminars "Schillers frühe Dramen" mit Friedrich Schillers Drama "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua" beschäftigen. Besonderes Interesse soll hierbei dem Aufbau des Dramas und speziell der Personengestaltung beigemessen werden.

Zu diesem Zweck soll zuerst die Handlung der Tragödie kurz skizziert werden, anhand derer die kompositorische Zusammensetzung wie der Verlauf des Spannungsbogens erörtert werden soll.

Das Hauptaugenmerk der Hausarbeit soll jedoch auf der Gestaltung der Figuren des Stückes durch Schiller liegen:

Bezüglich der Personengestaltung sollen die Hauptcharaktere des Trauerspiels einzeln hinsichtlich ihrer wesentlichen Charaktereigenschaften und der Funktion innerhalb des Dramas beschrieben, analysiert und untereinander in Bezug gesetzt werden. Um den Rahmen der Hausarbeit nicht zu sprengen, werden in aller Kürze nur die fundamentalen Eigenschaften und dramenimmanente Aufgaben der Nebenfiguren angeführt.

Bei der Analyse des Stückes soll vor allem auf die Buchfassung von 1783 eingegangen werden, die von Schiller später entworfenen Schlussteile der Mannheimer und Leipzig-Dresdener Bühnenfassung sollen jedoch ebenfalls berücksichtigt werden, da sie unter Umständen ein anderes Licht auf die von Schiller konstruierten Figuren werfen können.

B) Hauptteil

1. Aufbau des Dramas

Schillers Drama "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua. Ein republikanisches Trauerspiel" handelt - wie der Titel bereits impliziert - von der Verschwörung der Republikaner Genuas unter der Führung des Grafen Fiesco von Lavagna. Gemeinsam soll die Tyrannenherrschaft der Doria beenden werden. Der Konflikt "zwischen Republik und Monarchie, zwischen Gesetz und absolutistischer Willkür"[1] sowie "Macht und Moral"[2] einerseits, Fiescos Selbststilisierung, sein Schwanken zwischen Herrschsucht und Machtverzicht andererseits bilden das Hauptproblem des Trauerspiels.

Schiller ließ sich von der historisch überlieferten Geschichte des Grafen von Lavagna inspirieren, der durch eine geschickt verborgene Verschwörung den Tyrannen besiegen konnte und daraufhin selbst die Herrscherwürde erhielt, kurz darauf jedoch tödlich verunglückte. Beruhend auf den geschichtlichen Begebenheiten spielt das Stück im Italien des 16. Jahrhunderts.

Das geschlossene Drama gliedert sich in fünf Aufzüge, die erzählte Zeit umfasst in etwa vier Tage. Linder weist darauf hin, dass Schiller zur Zeit der Entstehung des “Fiesco“ besonders nach kompositorischer Perfektion strebte,[3] was sich im Aufbau des Dramas niederschlägt:

Während er in den "Räubern" unübliche Zeit- und Ortsprünge verwendete, findet die Handlung des "Fiesco" in kurzer Zeit und an wenigen Orten statt.

1.1 Erster Aufzug

Als verdichtete Vorausschau hinsichtlich Fiescos Intrigenspiel beginnt das Drama mit der Exposition bei einem rauschenden Kostümfest in dessen Palais: Der Protagonist wird als leichtlebiger Hedonist eingeführt, der seine Vaterlandsliebe und seinen Tyrannenhass vergessen zu haben scheint und Julia - die Schwester seines Erzfeines Gianettino – anbetet (I, 4/6). Die verschworenen Republikaner und Fiescos Gemahlin Leonore sind angesichts dieses Wandels verzweifelt (I, 1/7). Tatsächlich jedoch bereitet Fiesco im Stillen die Verschwörung vor, durch die Genua befreit werden soll, und will seine Feinde mit der Rolle des Epikuräers in Sicherheit wiegen; dies erfährt der Leser allerdings erst nach und nach durch Andeutungen. Der gewalttätige Gianettino Doria, der nach dem Tod seines Onkels die Staatsgeschäfte übernehmen soll, plant einen Mordanschlag auf Fiesco mit Hilfe des Mohren (I, 2). Doch Fiesco kann den Mord abwenden und nutzt dies aus, um sich die außerordentlichen Fähigkeiten des Mohres zu sichern (I, 9). Verrina, der größte Verfechter der republikanischen Idee, findet seine Tochter Berta nach dem Kostümfest durch Gianettino entehrt. Durch die Verbannung seiner Tochter, die andauern soll, bis der Tyrann getötet wird und Genua die Freiheit erlangt, treibt er die Verschworenen hinsichtlich des Staatsstreichs zur Eile (I, 10 – 13).

1.2 Zweiter Aufzug

Julia ist sich Fiescos Liebe sicher und triumphiert über Leonore (II, 2). Diese weist ihren Verehrer Calcagno zurück, der in Leonores Eifersucht eine geeignete Möglichkeit sah, ihre Liebe zu gewinnen (II, 3). Als erregendes Moment löst Gianettino mit der öffentlichen Sabotage der Wahl des Prokurators einen Aufstand aus, welcher Fiesco durch den Mohren verkündet wird (II, 4). Fiesco sondiert die Stimmung von Bürgern und Adeligen und beschließt, Gianettinos Pläne für seinen Mord öffentlich zu verkünden, um Sympathien zu erwerben (II, 5 – 10). Die Handlung steigert sich erheblich durch die Darlegung von Gianettinos Plänen, durch Unterstützung Kaiser Karls die Herrschaft über Genua an sich zu reißen (II, 14). Schließlich offenbart Fiesco den Verschworenen triumphierend sein Intrigenspiel und eröffnet, dass er durch Verbindungen mit Rom, Frankreich und Parma Verbündete für den Staatsstreich gefunden habe. Zuletzt wird die Spannung mit einem Aufschub der Unterredung auf den nächsten Tag gesteigert (II, 17 – 18).

1.3 Dritter Aufzug

Der dritte Aufzug bildet die Peripetie, den Höhe- und Wendepunkt des Geschehens:

Verrina beschließt, dass Fiesco nach der Befreiung Genuas sterben müsse, da er fürchtet, dieser könne selbst zum Tyrannen werden (III, 1). Indes entscheidet sich Fiesco tatsächlich dafür, die Herrscherwürde anzustreben und begeht damit das Delikt der Hybris (III, 2).

Durch den Mohren erfährt Fiesco von Gianettinos Umsturzplänen sowie einem von Julia geplanten Mordanschlag gegen seine Gemahlin (III, 4). Er berät mit den Verschworenen die Durchführung des Staatsstreiches und verlangt als Souverän des Komplotts die Subordination der Mitstreiter (III, 5). In der Folge entlässt er den Mohren aus seinen Diensten, welcher daraufhin auf Vergeltung für diese verächtliche Behandlung sinnt (III, 6 – 7). Durch geschickte Täuschung führt Fiesco Gianettino weiterhin in die Irre, so dass dieser die Vorzeichen der Verschwörung übersieht (III, 10 - 11). Mit Schmeicheleien lockt er Julia in sein Palais (III, 11).

1.4 Vierter Aufzug

Fiesco überzeugt die ins Palais bestellten Adligen durch eine schlagkräftige Rede von dem sofortigen Beginn des Umsturzes (IV, 6). Als retardierendes Moment wird der Verrat der Verschwörung des Mohren an Andreas ersichtlich, indem der Mohr in einer Geste der Großmut an Fiesco zurückgesandt wird. Um sich mit Andreas’ Größe messen zu können, will der Protagonist das Komplott abbrechen und lässt den Mohren fliehen. Die Empörung der Verschworenen spornt ihn allerdings wieder zur Tat an (IV, 7 – 9). Um seiner Gemahlin zu zeigen, dass er sie noch immer liebt, um Julias geplanten Mord zu rächen und seine Maskerade schließlich gänzlich zu beenden, stellt Fiesco Julia in dem Moment bloß, als sie ihm ihre Liebe beichtet (IV, 12). Es folgt eine weitere Retardation, als Leonore ihren Gemahl durch Bekunden ihrer Sorge vergeblich von seinem Streben nach der Herrschaft zurückhalten will (IV, 14).

1.5 Fünfter Aufzug

Fiesco lässt Andreas aus dessen Palast fliehen (V, 1); währenddessen wird Gianettino durch einen Verschworenen in der Schlacht getötet (V, 3). Leonore kleidet sich mit dem Mantel des Toten und stürzt sich in den Kampf, um Fiesco beizustehen (V, 5). Der Mohr brandschatzt mit seiner Räuberbande die Stadt, wird allerdings von Fiescos Mitstreitern gefangen und gehängt (V, 8/10). In der Schlacht wird Leonore von ihrem Gemahl erstochen, da er sie aufgrund ihrer Verkleidung für Gianettino hält. Fiesco trauert nur kurz und missversteht dieses Warnsignal, indem er ihren Tod als Bestätigung seines Strebens nach der Herrschaft deutet (V, 11 – 14). Verrina fleht Fiesco nach dem Sieg an, Bürger zu bleiben und mit dem Purpur die Herrscherwürde abzulehnen (V, 16).

Das Drama in der Buchfassung von 1783 endet in der Katastrophe, als Fiesco nicht auf die Herrscherwürde verzichten will. Verrina bestraft ihn daraufhin für dessen Hybris, indem er Fiesco von einer Planke ins Wasser stürzt und ertränkt. Anschließend wendet er sich wieder Andreas zu.

In der Lösung der Mannheimer Bühnenfassung von 1784 bleibt nicht nur Leonore am Leben, auch Fiesco entgeht der Nemesis, indem er den Purpur und damit auch die Macht ablehnt und Genua auf diese Weise befreit, so dass Verrina beglückt von einem Mord absieht.

In der Leipzig-Dresdener Bühnenbearbeitung von 1785 endet das Drama erneut in der Katastrophe: Fiesco weicht nicht von seinem Plan ab und will Herrscher bleiben, so dass Verrina sich gezwungen sieht, den Protagonisten zu erdolchen, um sich anschließend der Gerichtsbarkeit zu stellen.

1.6 Zum Aufbau

Der Aufbau, vor allem die unterschiedlichen Handlungsstränge Fiesco betreffend, macht deutlich, dass die politische Verschwörung nicht allein im Mittelpunkt des Dramas steht. Der Handlungsablauf ist nicht eigentlich von dem Gegensatz des Republikaners gegen den Tyrannen bestimmt, da kein polarer Aufbau entsteht, wie wenn sich etwa Fiesco und Gianettino gegenübertreten würden.[4] Der Protagonist wird stattdessen in den Mittelpunkt gerückt. Somit wird "das Drama scheinbar ganz von der Größe des Helden her entwickelt."[5]

Das Vorhandensein von insgesamt drei unterschiedlichen Enden des Dramas beweist, dass der Untergang des Helden nach der Logik des Stückes nicht aus dramatischer Notwendigkeit erfolgt.[6]

[...]


[1] Rolf-Peter Janz: Die Verschwörung des Fiesco zu Genua. In: Interpretationen. Schillers Dramen. Hrsg. Von Walter Hinderer, Stuttgart 1992, S. 68

[2] Ebd. S. 78

[3] Linder, Jutta: Schillers Dramen. Bauprinzip und Wirkungsstrategie. Bonn 1989, S. 128

[4] Vgl. Paul Böckmann: Die innere Form in Schillers Jugenddramen. In: Schiller. Zur Theorie und Praxis der Dramen; hrsg. von Berghahn, Klaus/Grimm, Reinhold. S. 27

[5] Ebd.

[6] Vgl. Janz, Rolf-Peter: Die Verschwörung des Fiesco zu Genua. S. 89

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Personengestaltung und Aufbau von Friedrich Schillers "Fiesco zu Genua. Ein republikanisches Trauerspiel"
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für deutsche Sprache und Literatur I)
Veranstaltung
Schillers frühe Dramen
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V63301
ISBN (eBook)
9783638563772
ISBN (Buch)
9783638669221
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Personengestaltung, Aufbau, Friedrich, Schillers, Fiesco, Genua, Trauerspiel, Dramen
Arbeit zitieren
M A. Florian Fix (Autor), 2005, Personengestaltung und Aufbau von Friedrich Schillers "Fiesco zu Genua. Ein republikanisches Trauerspiel", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63301

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