"Skolstrejk för klimatet". Eine kritische Auseinandersetzung von Greta Thunbergs Entwicklung und ihrer Ziele vom ersten Streik bis zu ihrer UN-Rede


Facharbeit (Schule), 2020

62 Seiten, Note: 1+


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Greta Thunberg
2.1. Steckbrief
2.2. Protestieren
2.2.1. Die ersten Proteste
2.2.3. Die Geburtsstunde von Fridays For Future
2.3. Schule schwänzen
2.4. UN-Rede

3. Klimawandel
3.1. Menschengemachter Klimawandel

4. Umfrage
4.1. Hypothese
4.2. Die gestellte Umfrage
4.3. Ergebnisse
4.4. Auswertung

5. Kritik
5.1. Die drei stärksten Gegenargumente / Kritikpunkte
5.1.1. Greta Thunberg als PR-Figur
5.1.2. Ökonomischer Selbstmord
5.1.3. Selbstironische Thunberg
5.2. Der Klimawandel ist doch nicht menschengemacht
5.3. Zusammenfassung der Kritik

6. Konklusion

7. klassisches Literaturverzeichnis

8. Verzeichnis der Internetquellen

9. Abbildungsverzeichnis

10. Anhang

1. Einleitung

Guten Tag.

Wie Sie wahrscheinlich bereits entnommen haben, ist dies meine Facharbeit mit dem Titel: „ "Skolstrejk för klimatet" - Eine kritische Auseinandersetzung von Thunbergs Entwicklung und ihrer Ziele: vom ersten Streik bis zu ihrer UN-Rede. “

Diese Facharbeit ist eine Pflichtaufgabe und somit nicht freiwillig. Verstehen Sie mich aber nicht falsch; ich empfand Greta Thunberg schon immer als interessante Person und wollte ohnehin etwas mehr über diese sagenumwobene Person herausfinden. Daher ist sie auch das Thema meiner Facharbeit. Diese ist spezialisiert auf ihren aktiven politischen Weg, vom ersten Protest bis hin zu ihrer UN-Rede und die von ihr genannten Ziele.

Wie bereits im Titel erwähnt wird kritisch gearbeitet, d.h. komplett objektiv oder zumindest so objektiv, wie es möglich ist. Das bedeutet, dass eine zweiseitige Betrachtung aller Ergebnisse fundamentaler Bestandteil dieser Arbeit ist. Jede Information und allein schon die Informationsbeschaffung muss neutral und sachlich erfolgen und erst dann kann sie argumentativ bearbeitet werden; sonst könnte dies auch ein Artikel für die Bild sein.

Das bereits genannte Interesse an Greta Thunberg lässt sich von mir leicht erklären: Meiner jetzigen persönlichen Meinung nach ist sie einer der mutigsten und wichtigsten Personen der Neuzeit und der „Retter der nächsten Generation“. Sie setzt sich für die Dinge ein, die meines aktuellen Wissens nach bereits wissenschaftlich bewiesen sind und das Bewahren der Menschheit fördern. Diese Euphorie zur Nachhaltigkeit wird aber von der Politik überhört und von der Gesellschaft kritisert.

Dies ist natürlich überspitzt dargestellt. Manche Politiker hören ihr zu und manche Bürger setzen sich mit ihr auseinander, aber dennoch ist mir immer noch unklar, wie es sein kann, dass Menschen eine objektive Wahrheit, und es ist egal, wie diese verpackt wird, einfach ignorieren und auf das zierliche Erscheinungsbild Thunbergs reduzieren.

Eine Antwort der Jugend ist FFF, Fridays for Future. Junge Menschen gehen auf die Straßen und setzen sich für ihre Zukunft ein. Jugendliche sind „endlich“ an Politik interessiert, doch trotzdem erleben sie Verachtung und „sie sollen endlich in die Schule gehen und nicht nur den ganzen Tag schwänzen!“.

Zusammenfassend merken Sie, dass es eine hitzige Stimmung um Thunberg und Co gibt. Die dazukommende Aktualität veranlasst mich zu dem Entschluss, ihr meine Facharbeit zu widmen und herauszufinden, woher die Kritik kommt und ob sie berechtigt ist oder nicht. Meiner Meinung nach ist sie größtenteils nicht berechtigt, aber das gilt es nun herauszufinden.

Ein weiterer, nicht vermeidbarer Aspekt, ist die Tatsache, dass das Thema Thunberg ein relativ neues Thema ist und somit die Literaturquelle (von Büchern) nur beschränkt bis gar nicht vorliegt. Teils muss ich mich ausschließlich auf journalistische Berichte beziehen, da andere Quellen nicht vorhanden sind. Um aber auch wissenschaftlich zu arbeiten, begründe ich die Hintergründe von Thunberg (Klimawandel und die Folgen) auf wissenschaftliche und bewiesene Arbeiten.

Randbemerkung: Greta Thunberg wird mit Absicht mit Thunberg und nicht mit Greta angesprochen. Sie hat diesen nötigen Respekt verdient hat und nur weil sie (zum Zeitpunkt der Verfassung) nicht erwachsen ist, muss sie nicht mit ihrem Vornamen angesprochen werden, da dies meist denunzierend wirken kann.

2. Greta Thunberg

Dieses Kapitel behandelt generelle Informationen über Greta Thunberg und ihrer Proteste, von der Geburt bis zum heutigen Tage. Dabei wird sich auf den Zeitraum vom ersten Schulstreik bis zur UN-Rede spezialisiert.

2.1. Steckbrief

Greta Tintin Eleonora Ernman Thunberg wurde am 03. Januar 2003 geboren und ist somit zum Zeitpunkt der Verfassung 17 Jahre alt. Sie ist die Tochter der Opernsängerin Malena Ernman und des Schauspielers Svante Thunberg. Mit acht Jahren kommt sie das erste Mal mit dem Thema Klimawandel in Kontakt und das Interesse intensivierte sich bis zum heutigen Tage.

Trotz des neu gewonnen Interesses erkrankt sie an einer Depression und mit 12 Jahren wird bei ihr eine abgeschwächte Form des Autismus, das Asperger-Syndrom, festgestellt. Sie entwickelt zudem Essstörungen, welche sie aber durch Hilfe ihres neu gewonnen Hobbys überwinden konnte. Um ihren neuen Ansichten gerecht zu werden, beginnt sie mit simplen Sachen wie Lichtmanagement im Haus oder selbst Einschränkungen vorzuziehen, wie der Verzicht auf Flüge oder Fleischkonsum. Sie versucht dadurch, ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern.

2.2. Protestieren

2.2.1. Die ersten Proteste

„Vor einem Jahr, am 20. August 2018, protestierte Greta Thunberg zum ersten Mal vor dem schwedischen Parlament für mehr Klimaschutz.1

Damit legt Thunberg einen ihrer ersten Meilensteine. Sie hat sich selbst überwunden und schwimmt von nun an gegen den schwedischen Strom. Dies tat sie allein, trotz ihres Asperger-Syndroms und ihres zum damaligen jungen Alters von 15 Jahren. Wie bereits erwähnt, hat sie sich früh schon mit dem Klimawandel beschäftigt und, was sich auch auf die mildere Autismus-Diagnose projizieren lassen kann, sich in diesem verankert.

Denn bei Autisten ist es nicht unüblich, dass sie sich ihre eigene Welt kreieren, in der sie nur die Informationen beschaffen und verarbeiten, welche sie für notwendig halten. So hat Thunberg ihre eigene kleine Welt wie die der realen, großen Erde aufgebaut und dem Klimawandel in dieser große Aufmerksamkeit gewidmet. Denn dieser droht ihre fiktive und die reale Welt zu zerstören. Dem stellt sie sich entgegen und versucht Beide zu retten.

Den zweiten Tag bezeichnet Thunberg als den schönsten Moment ihrer Streiks. Es setzt sich eine 14-jährige Schülerin zu ihr und sie erhält eine erste Resonanz: Anerkennung. Thunberg sagt, dieser Moment war der einer schönsten während ihrer Proteste.2

Auch ihre Eltern sind positiv überrascht von Greta; sie erwarteten, dass sie schon am ersten Tage aufgebe. Doch sie protestiert weiter, trotz der anfänglich geringen Partizipation anderer Menschen. Dieses Durchhaltevermögen sollte noch ein Markenzeichen ihres Auftretens werden und vielen Jugendliche eine Identifikationsmöglichkeit bieten. Denn Jugendliche, welche sich für die Politik interessieren, werden meist nicht ernst genommen oder auf ihr Alter reduziert.

Doch Greta stellt sich dem entgegen, fordert klare Ziele, wie zum Beispiel ein Ziel der Pariser Klimaschutzkonferenz, der Pariser Abkommen3, welche eine Begrenzung des Anstiegs der globalen Temperatur auf bis zu 1,5°C anvisieren.4

2.2.3. Die Geburtsstunde von Fridays For Future

„I will go on with school strike. Every Friday as from now I will sit outside the Swedish parliament until Sweden is in line with the Paris agreement.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf deutsch: Ich werde den Schulstreik fortsetzen. Von nun an werde ich jeden Freitag vor dem schwedischen Parlament sitzen, bis Schweden die Ziele des Pariser Abkommens aktiv anstrebt.

Dies schreibt Thunberg am 8. September in ihren Instagram Beitrag. Dort appelliert sie zur Teilnahme an Protesten und prägt eine Alliteration, welcher das Markenzeichen der Klimabewegung werden soll: Fridays For Future.

Diese Bewegung der Klimaprotestanten und die Leitfigur Thunberg animieren auch Andere (Jugendliche), für das Klima zu protestieren. Immer mehr Menschen erkennen die Problematik, auf die aufmerksam gemacht wird und schließen sich an. Dieser Anschluss nimmt internationalen Ausmaß an.

Auch in Deutschland entwickelt sich Interesse: Luisa Neubauer lernt Thunberg auf der UN-Klimakonferenz in Katowice kennen. Sie ist eine zum damaligen Zeitpunkt 22-jährige Studentin und soll später zu einem der Gesichter der deutschen Fridays-for-Future-Bewegung werden.5

2.3. Schule schwänzen

Wie bereits erwähnt, ist ein essentieller Aspekt der Proteste das Schwänzen der Schule. Dadurch wird auf provokanten Wege Aufmerksamkeit für ein Thema erregt, welches in den Augen der Protestanten momentan zu wenig bekommt.

Doch viele Kritiker sehen dies als Kritikpunkt: die Schule solle nicht geschwänzt werden, da sie zu wichtig sei. Beim Schwänzen oder auch Streiken ist es eben das Ziel, Institutionen oder gesellschaftliche Systeme zu meiden, obgleich eine gewisse Verantwortung für das jeweilige System gilt. Dennoch: jeder Aktivist trägt auch eine Verantwortung für Andere und sollte sich im Klaren sein, dass komplette Abstinenz nicht immer die beste Lösung ist.

Da die meisten Aktivisten zu der jüngsten Generation gehören, gehen die meisten von ihnen noch zur Schule (52,8 % sind zwischen 14 und 19 Jahre alt).6 Das Paradox, welches meistens nur die Protestanten erkennen, ist die Tatsache, dass schulische Bildung erstens zu langwierig gedacht (die Zeit ist zu knapp, um selbst aktiv zu forschen7 ) und zweitens nicht zielführend genug ist (Themen wie Klimawandel und Klimaschutz werden zu wenig bearbeitet8, obwohl es schon Pflicht ist, Klima als Thematik in Fächern wie Erdkunde, Physik oder Chemie aufzunehmen9 ).

2.4. UN-Rede

"My message is that we'll be watching you.“ 10

Das ist der erste Satz, den Greta Thunberg bei ihrer Rede auf dem UN-Klimagipfel am 23. September 2019 von sich gegeben hat (zudem muss man ihr anrechnen, dass sie die komplette Rede auf Englisch gehalten hat, was nicht ihre Muttersprache ist und sie dennoch eine gute Aussprache hatte). Das „you“ (auf deutsch: du) ist an die „Erwachsenen“ gerichtet; die Politiker, die sich nicht stark genug für den Klimaschutz eingesetzt haben. Zusammenfassend ein strategisch gut gewählter rhetorischer Anfang; es wird Aufmerksamkeit erregt und kontrovers auf die eigentliche Macht der Jugend hingedeutet.

Nach diesem Satz fingen einige Zuhörer aus dem Publikum an zu lachen. Wahrscheinlich fanden sie das lächerlich, kindisch oder übertrieben. Thunberg hat dies scheinbar schwer getroffen; sie wurde emotionaler und fing fast an zu weinen. Ob es emotionale Überforderung oder eine PR-Strategie war, wird später weiter geklärt (s. Kapitel 5.1.1.).

Doch sie bleibt am roten Faden und beginnt ihre Rede. Überspitzt stellt sie die aktuelle Situation dar: Sie warnt vor einem Massensterben und dem Zusammenbruch ganzer Ökosysteme. Die Erwachsenen seien Schuld an dieser Verwüstung und sie hätten metaphorisch Thunbergs Kindheit gestohlen, da sie sich nun „opfern“ muss, um die Welt zu retten.

Um diese Anschuldigungen zu untermauern, nennt sie einige Zahlen und Fakten. Sie erwähnt zuerst, dass die Wissenschaft hinter dem Klimawandel schon mehr als 30 Jahre klar sei, womit sie recht hat (tatsächlich ist man schon seit 1979 informiert und kannte bereits die Folgen des Klimawandels).11

Durch die Wiederholung einer ihrer provokanten Frage „How dare you“ (auf deutsch: Wie könnt ihr es wagen), gibt Thunberg ihrer Rede einen Charakter. Der Satz wurde zu einem markanten Zeichen für sie, vor allem in den sozialen Netzwerken.

Sie erklärt, dass die Politiker nicht wissen, wie wichtig die Lage doch sei und dass sie böse wären, wenn sie es wüssten und dennoch nichts unternehmen würden, was sie aber nicht glauben will. Dies ist zudem eine geschickte Patt-Situation, in die die Angesprochenen gesteckt werden: Sie sind immer schuldig. Entweder wissen sie es gar nicht und sind uninformiert, oder sie wissen es und sind böse.

Daraufhin folgt eine weitere faktische Untermauerung. Der Plan, Emissionen in den nächsten zehn Jahren zu halbieren (Stand: 2019), hat nur eine 50 % Chance, unter 1,5 °C Anstieg globaler Erderwärmung zu bleiben. Unter diesem Anstieg zu bleiben würde auch bedeuten, der Gefahr zu entgehen, mit Problemen konfrontiert zu werden, welche über die Macht der Menschheit stehen und irreversibel sind.

Diese 50 % decken nicht sogenannte „feedback loops“: Kettenreaktionen, welche manchmal nicht aufzuhalten sind und sich gegenseitig immer wieder verstärken können. Außerdem geht dieser prozentuale Anteil davon aus, dass ihre Generation (die jüngste Generation, im Alter von 0 bis 30) Technologien zur Verminderung des globalen CO²s benutzen, welche überhaupt erst gerade entwickelt wurden. Daraus fasst sie zusammen, dass diese Chance einfach zu niedrig ist, zumal ihre Generation mit den resultierenden Problemen umgehen muss.

Es erfolgt eine Verknüpfung der bereits genannten 50 % Chance mit einer höheren Wahrscheinlichkeit. Es gibt eine 67 % Chance unter der 1,5 °C Hürde zu bleiben, wenn die Welt es schafft, ihr verfügbares Emissionspaket nicht zu überschreiten. Bei dieser Information nennt sie zudem die Quelle, den12 IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, auf deutsch: Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen). Dieser wurde 1988 von dem United Nations Environment Programme (UN Environment, auch UNEP; auf deutsch: Umweltprogramm der Vereinten Nationen)13 und der World Meteorological Organization (WMO; auf deutsch: Weltorganisation für Meteorologie)14 gegründet. Am 1. Januar 2018 betrug diese Menge 420 Gigatonnen (eine Gigatonne entspricht einer Milliarde Tonnen), zur damaligen Rede (23.09.2019) betrug diese Summe 350 Gigatonnen. Dieses Problem könne nicht mit Routine gelöst werden und es bleibt (zum Stand der Rede) noch weniger als 8 ½ Jahre Zeit.

Diese Zahlen seien zu unangenehm, um auf eine direkte Antwort der Politiker zu hoffen. Sie sagt, die Politiker seien noch nicht reif genug für wahrheitsgetreue Politik. Das Publikum reagiert mit leichtem Gelächter, denn es klingt für sie ironisch, von einer Minderjährigen zu hören, sie seien nicht erwachsen genug. Damit stellt sie offensiv klar, dass die „Erwachsenen“ in diesem Falle versagt haben und die Jugend und sie, Greta Thunberg, die Rolle des Erwachsenen einnehmen müssen, um die Welt zu retten.

Sie fährt fort und fasst zusammen, dass die Politik versagt habe. Doch sie erwähnt auch, dass die „jungen Leute“ den Verrat an ihnen erkannt haben. Alle Augen zukünftiger Generationen lägen auf den Politikern und wenn sie versagen würden, legt sie klar fest, würde ihnen niemals verziehen werden.

Sie beendet ihre Rede mit kurzen aber ausdrucksstarken Sätzen: Die Politiker werden nicht davonkommen, die Grenze ist gesetzt. Die Welt wacht auf. Veränderungen kommen, ob sie es wollen, oder nicht. Dadurch schließt sie ihre Rede mit einer Aufforderung und einem Appell zugleich an die Hörerschaft und damit an die Politik ab: Die Jugend ist gekommen, um den legislativen Part des Klimaschutzes zu übernehmen. Doch ihre Forderungen sind klar: Die Politiker müssen die exekutive Rolle übernehmen und die Wissenschaft die Judikative, denn der Klimaschutzbewegung fehlt die Macht, etwas zu ändern, aber sie haben die Macht, zu urteilen und das Recht zu leben, und der Jugend fehlt per se das Wissen, welches durch die Wissenschaft bereit gestellt werden muss. Dieses Recht teilt sich nicht nur die jüngste Generation; auch die Folgenden werden mit den Konsequenzen leben müssen, ob diese nun gut oder schlecht sind. Es ist ein Generationsvertrag, mit einer Generation die es noch nicht gibt, entscheidend darüber, ob es überhaupt noch Generationen nach dieser geben wird.15

Diese war einer der größten Reden, die sie bis jetzt gehalten hat. Durch sie bekam sie ein großes Maß an medialer Aufmerksamkeit und auch an Kritik. Denn der emotionale Ausbruch am Anfang ihrer Rede, zusammen mit ihrer zierlichen Statur, ihres Geschlechts und ihrer Krankheit, ergaben viel Angriffsfläche und zeigten wohl möglich Verletzlichkeit. Ob es nun eine Stärke oder Schwäche ist, Emotionalität öffentlich zu zeigen, ist eine andere Frage.

Summa summarum ist ihr ihre Rede gelungen. Sie bekam viel journalistische und mediale Aufmerksamkeit, und das war auch eines ihrer Ziele. Doch ob die Politiker nun wirklich auf sie gehört haben und angefangen haben, nachhaltiger zu denken und zu handeln, ist noch nicht genau festzuhalten.

Eine Antwort bekam sie jedoch relativ schnell. Der US-Präsident Donald Trump veröffentlichte auf der sozialen Plattform Twitter eine etwas ironische und abwertende Antwort: “She seems like a very happy young girl looking forward to a bright and wonderful future. So nice to see!“16 (Auf deutsch: Sie wirkt wie ein sehr glückliches Mädchen, welches in eine warme und schöne Zukunft blickt. Sehr schön zu sehen!). Diese Antwort ist sehr offensiv und attackierend, da sie komplett mit Ironie versehen ist, denn Thunberg äußert ihre Sorgen und appelliert daran, den Problemen des Klimawandels Aufmerksamkeit und Priorität zu geben, das genaue Gegenteil von dem, was Trump über sie sagt.

Durch diese Antwort will er sie öffentlich demütigen und denunzieren. Sie sei viel zu naiv, um in der Politik eine tragende Rolle spielen zu dürfen, und habe kein Mitspracherecht. Außerdem könnte er damit meinen, dass sie wirklich gar keine Ahnung habe, und die Zukunft eine schöne Prognose hat. Denn Trump selbst, glaubt nicht an den Klimawandel (obwohl es faktisch keine Glaubensfrage ist, s. Kapitel 3.) und sieht ihn als Hoax, als Lüge, als erfundenes Konzept der Chinesen, um die US-amerikanische Herstellung weniger wettbewerbsfähig zu machen17. Doch da widerspricht er sich selbst, denn die Faktenlage ist klar (s. Kapitel 3) und um über wissenschaftliche Themen, wie den Klimawandel, sachlich zu reden und zu argumentieren, muss man auf der sachlichen und wissenschaftlichen Ebene bleiben. Doch diese Ebene hat er bei dem Kommentar an Thunberg verlassen, denn er ist auf die persönliche Ebene gesprungen und hat sie dort versucht zu provozieren.

Thunberg hat diesen Angriff gekontert: am 12. Dezember 2019 änderte sie ihre Twitter Biografie zu „A very happy young girl looking forward to a bright and wonderful future“ (auf deutsch: ein sehr glückliches junges Mädchen, welches in eine warme und schöne Zukunft sieht). Dies hat sie schon öfters gemacht, beispielsweise bei Putin („a kind but poorly informed teenager, auf deutsch: ein netter, aber uninformierter Teenager). Sie antwortet auf Ironie mit Ironie. Dadurch will sie zeigen, dass sie sich nicht provozieren lässt, und wenn ein Erwachsener auf die denunzierende und persönliche Ebene wechselt, so tut das Thunberg gleich. Wohl möglich ist das ihr ironischer Weg zu zeigen, dass sie genauso reif ist, wie die (auf nicht sachlicher Ebene) kritisierenden Erwachsenen.

Dennoch könnte dies auch ein strategisch kluger PR-Trick sein (mehr s. Kapitel 5.1.1.).

3. Klimawandel

Um Thunberg auf sachlicher Ebene kritisch bewerten zu können, fehlt noch die Beweislage zum Thema Klimawandel. Erst durch eine solche Evaluation kann Thunberg objektiv betrachtet und bewertet werden, da eine nicht fundierte Meinung keinen Wert besitzt. Thunberg hat zwar schon einige Fakten und Zahlen erwähnt, doch diese müssen noch überprüft und mit wissenschaftlicher Arbeit untermauert werden.

„Anlässlich des G20-Gipfels im Juli 2017 in Hamburg haben Klimaexpertinnen und -experten wichtige Forschungsergebnisse zum Klimawandel zusammengefasst“.18

Im Folgenden werden alle Überschriften der Daten und Fakten, der bereits bei Fußnote 18 verlinkten Seite, aufgelistet, ggf. mit Grafiken.

1. Die Luft an der Erdoberfläche hat sich bereits deutlich erwärmt.

Abbildung 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Anomalien der globalen Landes- und Ozeantemperatur, vom Januar bis Dezember. Unter Anomalie versteht man „Abweichungen der Temperatur von langjährigen Temperatur-Mittelwerten“19

2. Seit mehreren Jahrzehnten zeigt sich ein klarer Aufwärtstrend.
3. Die Häufung von Temperaturrekorden in den vergangenen Jahren ist höchst ungewöhnlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2:

4. Die Ozeane haben sich deutlich erwärmt.
5. Der größte Teil der globalen Erwärmung wird in den Meeren gespeichert
6. Der Meeresspiegel steigt.
7. Der Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre nimmt stetig zu.
8. Die Ozeane versauern.
9. Grönland verliert massiv Eis.
10. Gletscher und Schnee verschwinden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3:

„Masseverlust des Eises an 41 Gebirgsgletschern, die besonders intensiv von der Forschung beobachtet werden (sogenannte "Referenzgletscher". Die grauen Balken (und die linke Skala) zeigen den jährlichen Verlust, die rote Kurve (und die rechte Skala) den kummulierten Verlust seit 1980; Quelle: NOAA“20

11. Das Meereseis rund um den Nordpol wird stetig weniger.
12. Auch in Deutschland ist der Klimawandel bereits unübersehbar.

Abbildung 4:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das gleitende Mittel oder der gleitende Durchschnitt ist ein Glättungsverfahren einer Durchschnittsberechnung. Es wird regelmäßig eine Auswahl der Daten gebildet, um so den Durchschnitt zu normalisieren.21 Die Spannbreite der Klimaprojektionen (in diesem Fall nach dem A1B-Szenario), gibt eine Prognose vor.

„Auskunft über mögliche Entwicklungen des Klimas in der Zukunft. Sie bildet(n) eine wichtige Grundlage, um Informationen über Klimafolgen und mögliche Anpassungsoptionen zu gewinnen. Klimaprojektionen sind das Ergebnis der Anwendung von Klimamodellen, die auf Treibhausgasszenarien basieren.“22

13. Markante Zunahme von Hitzeereignissen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 (Titel nicht vorhanden):

14-tägige Hitzeperioden mit einem mittleren Tagesmaximum der Luft-temperatur von mindestens 30 °C in fünf deutschen Städten zwischen 1950 und 2015; Grafik: DWD

14. Das Risiko von Hochwassern nimmt zu.
15. Schwere Gewitter richten größere Schäden an.
16. Der Meeresspiegel an den deutschen Küsten steigt.
17. Pflanzen und Tiere reagieren auf die allgemeine Erwärmung.
18. Land- und Forstwirtschaft spüren bereits deutlich Folgen des Klimawandels.

Alle Quellen befinden sich im Anhang.

Nach dieser sehr großen Menge an Daten und Analyse ist klar: Der Klimawandel existiert und hat große Folgen. Damit kann man deutlich ausschließen, dass Thunbergs Arbeit nicht von Nöten oder irrelevant sei.

3.1. Menschengemachter Klimawandel

Oft appelliert Thunberg an das Volk, es solle umweltschonender handeln. Doch ist dies wirklich effektiv, oder ist der Klimawandel ein natürlicher Kreislauf, welcher von Menschen nicht aufgehalten oder verlangsamt werden kann?

Dies ist auch klar wissenschaftlich bewiesen und fundiert: Der Klimawandel ist hauptsächlich menschengemacht. "Beispielsweise stellte eine Umfrage unter 3146 Geowissenschaftlern folgende Frage: "Meinen Sie, dass menschliche Aktivitäten einen entscheidenden Einfluss auf die Veränderung der durchschnittlichen globalen Temperaturen haben?““23 24 Interessanterweise antworteten mehr Forscher mit ja, je aktiver sie sind und wie viele wissenschaftliche Arbeiten sie publiziert haben. Über 97 % der Forscher, die momentan zu dem Zeitpunkt der Umfrage am Forschen sind, beantworteten die Frage auch mit ja.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 (Titel nicht vorhanden):

„Zum Vergleich stellt der dunkelblaue Balken die Einschätzung der allgemeinen Öffentlichkeit dar“25 Eine weitere unabhängige Studie konnte dies bestätigen.26 Über 97 bis 98 % der befragten Wissenschaftler sind der Ansicht, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Zusätzlich wurde gezählt, wie viele Publikationen der Wissenschaftler jeweils veröffentlicht hat. Ein klarer Zusammenhang ist zu erkennen: je mehr Arbeiten veröffentlicht wurden, desto mehr die Bestätigung, dass der Mensch schuld ist. Eine weitere Studie bestätigte dies erneut.27

[...]


1 Schirmmer, Sophia; Kainz, Constanze; Blickle, Paul: AM ANFANG SASS EIN MÄDCHEN AUF DER STRASSE. 20.08.2019 https://www.zeit.de/campus/2019-08/greta-thunberg-klimaschutz-aktivistin-fridays-for-future [Stand 08.01.2020]

2 Schlüter, Nadja: Warum wurde Greta Thunberg zur Anführerin des Klima-Protests?. 16.01.2019 https://www.jetzt.de/politik/greta-thunbergs-schulstreik-fuer-klimaschutz-ein-besuch-in-stockholm [Stand: 27.01.2020]

3 o.V.: Pariser Übereinkommen. o.D. https://ec.europa.eu/clima/policies/international/negotiations/paris_de [27.01.2020]

4 Ders.

5 Schirmmer, Sophia; Kainz, Constanze; Blickle, Paul: AM ANFANG SASS EIN MÄDCHEN AUF DER STRASSE. 20.08.2019 https://www.zeit.de/campus/2019-08/greta-thunberg-klimaschutz-aktivistin-fridays-for-future [Stand 27.01.2020]

6 Zech, Tanja: Who is behind Fridays for Future?. 03.05.2019 https://www.deutschland.de/en/topic/environment/who-is-behind-fridays-for-future [08.02.2020]

7 Podbregar, Nadja: Menschheit dreht Klima-Uhr zurück. 11.12.2018 https://www.scinexx.de/news/geowissen/menschheit-dreht-klima-uhr-zurueck/ [Stand: 09.02.2020]

8 Cwienk, Jeanette: Zu wenig Klimaschutz im Unterricht?. 08.01.2020 https://www.dw.com/de/zu-wenig-klimaschutz-im-unterricht/a-51262965 [Stand: 09.02.2020]

9 o.V.: Das Klima. o.D. https://www.bne-portal.de/de/einstieg/themen/klima [Stand: 09.02.2020]

10 o.V.: Transcript: Greta Thunberg's Speech At The U.N. Climate Action Summit. 23.09.2019 https://www.npr.org/2019/09/23/763452863/transcript-greta-thunbergs-speech-at-the-u-n-climate-action-summit [Stand: 12.02.2020]

11 Leggewie, Claus: "Bis hierhin wird das Wasser steigen". 13.02.2019 https://www.zeit.de/2019/08/klimawandel-meteorologie-leugner-prognosen-wetterforscher-klimakonferenz/komplettansicht [Stand: 12.02.2020]

12 o.V.: The Intergovernmental Panel on Climate Change-Homepage. o.D. https://www.ipcc.ch/ [Stand: 13.02.2020]

13 o.V.: UN environment programme-Homepage. o.D. https://www.unenvironment.org/ [Stand: 13.02.2020]

14 o.V.: World Meteorological Organizazion-Homepage. 2020 https://public.wmo.int/en [Stand: 13.02.2020]

15 o.V.: Transcript: Greta Thunberg's Speech At The U.N. Climate Action Summit. 23.09.2019 https://www.npr.org/2019/09/23/763452863/transcript-greta-thunbergs-speech-at-the-u-n-climate-action-summit [Stand: 13.02.2020]

16 Donald J. Trump: Twitter-Beitrag. 24.09.2019 https://twitter.com/realDonaldTrump/status/1176339522113679360?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1176339522113679360&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.theguardian.com%2Fus-news%2F2019%2Fsep%2F24%2Fshe-seems-very-happy-trump-appears-to-mock-greta-thunbergs-emotional-speech [Stand: 13.02.2020]

17 Donald J. Trump: Twitter-Beitrag. 06.11.2012 https://twitter.com/realDonaldTrump/status/265895292191248385?ref_src=twsrc%5Etfw [Stand: 13.02.2020]

18 o.V.: Klimawandel - eine Faktenliste. o.D. https://www.klimafakten.de/meldung/klimawandel-eine-faktenliste [Stand: 14.02.2020]

19 Doran, Peter T.; Zimmermann, Maggie Kendall: Temperaturanomalie: o.D. https://www.climate-service-center.de/products_and_publications/publications/detail/063159/index.php.de [Stand: 09.02.2020]

20 o.V.: Klimawandel - eine Faktenliste. o.D. https://www.klimafakten.de/meldung/klimawandel-eine-faktenliste [14.02.2020]

21 o.V.: Gleitender Durchschnitt. o.D. https://welt-der-bwl.de/Gleitender-Durchschnitt [09.02.2020]

22 o.V.: Einführung in Klimaprojektionen. o.D. https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung/folgen-des-klimawandels/klimamodelle-szenarien/einfuehrung-in-klimaprojektionen [09.02.2020]

23 o.V.: Gibt es wirklich einen Klimawandel?. o.D. https://www.klimafakten.de/behauptungen/behauptung-es-gibt-noch-keinen-wissenschaftlichen-konsens-zum-klimawandel [Stand: 10.02.2020]

24 o.V.: Examining the Scientific Consensus on Climate Change. o.D. https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1029/2009EO030002 [Stand: 10.02.2020]

25 o.V.: Gibt es wirklich einen Klimawandel?. o.D. https://www.klimafakten.de/behauptungen/behauptung-es-gibt-noch-keinen-wissenschaftlichen-konsens-zum-klimawandel [Stand: 10.02.2020]

26 Anderegg, William R. L; Prall, James W.; Harold, Jacob; Schneider, Stephen H.. o.D. http://www.pnas.org/content/early/2010/06/04/1003187107.abstract [Stand 10.02.2020]

27 Verheggen, Bart; Strenger, Bart; Cook, John; van Dorland, Rob; Vringer, Kees; Peters, Jeroen; Visser, Hans; Meyer, Leo: Scientists' Views about Attribution of Global Warming. o.D. https://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/es501998e [Stand: 10.02.2020]

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Details

Titel
"Skolstrejk för klimatet". Eine kritische Auseinandersetzung von Greta Thunbergs Entwicklung und ihrer Ziele vom ersten Streik bis zu ihrer UN-Rede
Note
1+
Autor
Jahr
2020
Seiten
62
Katalognummer
V633364
ISBN (eBook)
9783346179838
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Greta Thunberg, Klimawandel, Fridays For Future, FFF, UN-Rede
Arbeit zitieren
Robin Luke Biersa (Autor:in), 2020, "Skolstrejk för klimatet". Eine kritische Auseinandersetzung von Greta Thunbergs Entwicklung und ihrer Ziele vom ersten Streik bis zu ihrer UN-Rede, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/633364

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