Die Leichenrede des Perikles


Seminararbeit, 2006

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Fragestellung

2. Das Problem der Authentizität der Leichenrede bei Thukydides

3. Quelleninterpretation
3.1 Die Gliederung der Quelle und deren Argumentationsstruktur
3.2 Sprachliche Gestaltung der Quelle
3.3 Die Einordnung der Quelle in das Werk des Thukydides
3.4 Thukydides – sein Leben und Werk
3.5 Äußere Quellenkritik
3.6 Innere Quellenkritik
3.7 Der Adressat der Quelle

4. Systematische Bearbeitung der Quelle unter der gewählten Fragestellung
4.1 Die Bedeutung der Leichenrede für Perikles
4.2 Die Bedeutung der Leichenrede für Thukydides

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

Erklärung

1. Einleitende Fragestellung

Die Leichenrede, die Perikles im Winter 431- 430 v. Chr. gehalten haben soll, eröffnet dem heutigen Leser eine Reihe wichtiger Interpretationsansätze. In dieser Arbeit soll zum einen aufgezeigt werden, wie eine Quelleninterpretation gestaltet werden kann, zum anderen soll dies an der Leichenrede des Perikles, unter einer gewählten Fragestellung geschehen. Die Quelleninterpretation soll die Frage verfolgen, welche Motive sowohl Thukydides hatte, Perikles diese Rede halten zu lassen, als auch die Frage untersuchen, welches Motiv Perikles hätte bewegen können, diese Rede, so wie sie uns heute bekannt ist, zu halten. Vor dem Hintergrund des Peloponnesischen Krieges und der innerstaatlichen Situation in Athen, hat Perikles wohl allen Grund gehabt, die Bürger Athens zu beschwichtigen und ihnen hochachtungsvoll in seiner Rede entgegenzutreten und sich so viel Gehör wie möglich zu beschaffen. Dies wird vor allem schon in der von Thukydides gewählten Einleitung in die Leichenrede deutlich:

„Zur gegebenen Zeit trat er vom Grab weg auf eine hohe Rednerbühne, errichtet, damit er möglichst weithin von der Menge gehört werden könne, und sprach so:“[i]

Desweiteren zeigt sich in der o.g. Einleitung auch schon ein mögliches Motiv des Thukydides:

„Wenn sie (das Grab) mit Erde bedeckt haben, hält ein von der Stadt gewählter, als klug bekannter und hochangesehener Mann, die ihnen gebührende Lobrede.“[ii]

Die Sympathie des Thukydides für Perikles scheint offenkundig. Somit müssen wir in unsere Überlegungen auch mit einbeziehen, dass es Thukydides auch, wenn nicht sogar als einziges, darum ging, ein Bild des Perikles für die Nachwelt zu erhalten, welches ihn besonders positiv darstellt.

2. Das Problem der Authentizität der Leichenrede bei Thukydides

Thukydides erwähnt Perikles in seinem Geschichtswerk „Der Peloponnesische Krieg“ nur dreimal. Dies geschieht jedes Mal im Zusammenhang mit militärischen Aktionen im Zeitraum vom Winter 432/31 v. Chr. bis zum Sommer 430 v.Chr.. Das letzte Lebensjahr des Perikles wird von Thukydides in einem Satz abgehandelt. Einzig und allein die vier Reden, die er Perikles in diesem Zeitraum halten lässt, geben Auskunft über ihn als Staats- und Kriegsmann und auch über Thukydides` Einschätzung, Meinung und Wertschätzung des selbigen. Über die Authentizität der Reden ist in der Althistorie eine starke Diskussion entbrannt, so dass man immernoch nicht sagen kann, ob die Leichenrede vom Winter 431/30 dem Wahrheitsgehalt entspricht. Thukydides schreibt zu Beginn der Reden:

„Wie aber meiner Meinung nach jeder einzelne über den jeweils vorliegenden Fall am ehesten sprechen musste, so sind die Reden wiedergegeben und unter möglichst engem Anschluß an den Gesamtsinn des wirklich Gesagten.“[iii]

Ob hier seine eigene Absicht auch zum Gelingen geführt hat, ist strittig. Die Leichenrede erhebt mehr Anspruch auf Authentizität als die übrigen, da diese traditionelle Form der Gefallenenrede, wie bei Demosthenes 338 v. Chr. und Hypereides 323 v. Chr. geschehen, oft in Abschriften vorhanden war. Gegen diese Meinung allerdings spricht Plutarch, der behauptet dass Perikles nur Volksbeschlüsse, aber keine Reden hinterlassen habe. Somit besteht nun weiterhin das Problem der Authentizität dieser Leichenrede. Im Folgenden soll diese als authentisch betrachtet werden, um sie interpretieren und den Motiven des Perikles zuordnen zu können.

3. Quelleninterpretation

3.1 Die Gliederung der Quelle und deren Argumentationsstruktur

Bei vorliegender Quelle handelt es sich um eine fiktive Gefallenenrede aus dem Winter 431/30 v. Chr. aus dem Geschichtswerk „Der Peloponnesische Krieg“ des Thukydides, die Perikles, der Staatmann Athens, so gehalten haben soll. Nach einer Einleitung der Quelle, in der Thukydides noch einmal den Brauch und die Abfolge einer solchen Leichenfeier erläutert, ist „nun Perikles, der Sohn des Xanthippos, gewählt zu reden.“[iv] Perikles teilt seine Rede in vier Abschnitte ein. Im ersten Teil gibt er vor, diese Rede nach dem alten Brauch nicht halten zu wollen und lieber durch „die Tat [] Ehre zu bezeugen.“[v] „Gute oder schlechte Rede“[vi], so sagt er, könne „die Tapferkeit so vieler [] gefährden.“[vii] Perikles gibt an, es sei schwer „den rechten Ton der Rede zu treffen“[viii], denn die von ihm erkannte Wahrheit werde beim Hörer kaum Glauben erwecken können und wer „die Zusammenhänge“[ix] erkenne, werde die Darstellung als „mangelhaft“ empfinden. Außerdem werde die Rede den Neid derer wecken, die nicht selbst daran glauben, was er ehren werde, weil sie sich selbiges selbst nicht zutrauen würden. Da es sich aber um einen Brauch der „Alten“[x] handele, müsse er nun diese Rede halten und versuchen, dem „Wunsch und (der) Ansicht“[xi] zu entsprechen, die die Bürger Athens, Fremde und Frauen an ihn richten. Im zweiten Teil gibt Perikles an, die Vorfahren Athens ehren zu wollen. Diese hätten das Land „durch ihre Tüchtigkeit bis an den heutigen Tag in Freiheit vererbt.“[xii] Die Generation vor der jetzigen, „unsere Väter“[xiii], hätten es „nicht ohne Mühe“[xiv] erworben, wohingegen die jetzt Lebenden „die Stadt in allem so gerüstet“[xv] vorfinden würden. Perikles sagt weiter, dass die Stadt durch ihre Kriegstaten Stück um Stück gewachsen sei, er aber über den Krieg selbst nicht sprechen wolle, da die Zuhörer diese Worte schon kennen würden. Perikles wolle der Ehrung der Toten eine Erklärung voranstellen, die er für „nicht unpassend (und) nützlich“[xvi] halte. Er geht auf die Verfassung Athens ein, welche ein „Vorbild“ für andere sei, und „Demokratie“ heiße, weil sie auf die „Mehrheit ausgerichtet “[xvii] sei. Desweiteren könnten die Bürger „das gleiche Recht“[xviii] genießen. Ebenso würde niemand wegen seiner Armut daran gehindert, die Ämter zu bekleiden. Die Bürger würden „frei“[xix] leben und es gäbe Gesetze, an die man sich halten müsse und deren Übertretung „Schande“[xx] bringen würde. Desweiteren geht Perikles auf die vielen kulturellen Feste , Wettkämpfe und Opferfeiern ein, die nach der Arbeit der Erholung dienen sollten. Auch sei in Athen ein Markt vorhanden, in dem In- und Export betrieben würde. Athen sei außerdem durch seine Kriegsphilosophie hervorzuheben, denn es würde weder Fremdenaustreibungen noch Verschleierung militärischer Aktionen geben. Der Erfolg Athens sei abhängig von „entschlossenem Mut“[xxi] und nicht von der Rüstung der Stadt. Er kritisiert die Kriegskunst der Spartaner, die sich Verluste und Niederlagen nicht eingestehen könnten und den kleinsten Sieg über wenige hochjubeln würden. Hieraus sehe Perikles den Vorteil, dass die athenischen Bürger die kommende Not des Krieges mit Wagemut begrüßen. Außerdem würde man in Athen auch die Kunst und den „Geist“[xxii] vorfinden und niemand würde mit seinem Reichtum prunken, sondern „der rechten Tat“[xxiii] dienen. In Athen sei es schmählicher Arbeit zu entrinnen, jedoch keineswegs „schmählich“[xxiv], sich die Armut einzugestehen. Perikles geht ferner auf das Staatswesen ein und äußert hierzu seine Vorstellung von den Bürgern Athens. Diese sollten „im staatlichen Leben ein gesundes Urteil“[xxv] fällen können und die Teilnahme an den staatlichen Geschäften sei oberste Pflicht. Athen vereine „kühnen Mut und kluge Überlegung bei allem“[xxvi], was es anfasse. Diese, die keiner Gefahr ausweichen, wird die „größte Seelenstärke“[xxvii] zugesprochen. Durch Wohltaten erhalte Athen Freunde und nicht aus Berechnung, sondern im sicheren Vertrauen auf seine Freiheit, hülfe es anderen. Zusammenfassend stellt Perikles, in diesem zweiten Teil seiner Rede, Athen als „die Schule von Hellas“[xxviii] dar, welche durch ihre Macht den Anspruch auf Einzigartigkeit erhebe. Diese Machtstellung sei bezeugt und müsse nicht durch verherrlichende Werke Homers in Szene gesetzt werden. Nach diesen Ausführungen spricht Perikles erstmals wieder von den Gefallen. Hier begründet er den Aufbau seiner Rede, denn er habe zuerst von der Größe Athens gesprochen, um zu zeigen, „dass für uns (Athen) der Kampf etwas anderem gilt, als für die, die nichts Ähnliches besitzen“ Im dritten Teil seiner Rede sagt Perikles etwas über das Heldentum Athens aus. Der „Wert eines Mannes offenbart ein erster Hinweis oder letzte Bestätigung ein Ende wie ihres.“[xxix] Sie nützten so dem Gemeinwesen im Krieg um ihr Vaterland. Niemand habe den „Aufschub des Furchtbaren“[xxx] gesucht und sich für die Gefahr entschlossen. Die Gefallenen seien „auf dem Höhepunkt“ [xxxi] gestorben und gewannen somit „unsterbliches Lob und ein weithin berühmtes Grab“[xxxii]. Zugleich stellt Perikles einen Aufruf an die Bürger Athens:

„Ihnen eifert jetzt nach, erkennt das wahre Glück in der Freiheit, die Freiheit aber in kühnem Mut und schaut nicht ängstlich auf die Gefahren des Krieges.“[xxxiii]

[...]


[i] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 160. II – 34 (8).

[ii] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 160. II – 34 (6).

[iii] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 56. I – 22 (1).

[iv] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 160. II – 34 (8).

[v] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 161. II – 35 (1).

[vi] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 161. II – 35 (1).

[vii] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 161. II – 35 (1).

[viii] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 161. II – 35 (2).

[ix] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 161. II – 35 (2).

[x] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 161. II – 35 (3).

[xi] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 161. II – 35 (3).

[xii] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 161. II – 36 (1).

[xiii] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 161. II – 36 (2).

[xiv] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 161. II – 36 (2).

[xv] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 161. II – 36 (3).

[xvi] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 161. II – 36 (3).

[xvii] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 162. II – 37 (1).

[xviii] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 162. II – 37 (1).

[xix] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 162. II – 37 (2).

[xx] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 162. II – 37 (3).

[xxi] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 163. II – 39 (1).

[xxii] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 164. II – 40 (1).

[xxiii] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 164. II – 40 (1).

[xxiv] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 164. II – 40 (1).

[xxv] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 164. II – 40 (2).

[xxvi] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 164. II – 40 (3).

[xxvii] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 164. II – 40 (3).

[xxviii] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 164. II – 41 (1).

[xxix] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 166. II – 42 (2).

[xxx] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 166. II – 42 (4).

[xxxi] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 166. II – 42 (4).

[xxxii] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 167. II – 43 (2).

[xxxiii] vgl. Thukydides: Der Peloponnesische Krieg. Stuttgart 1966. S. 167. II – 43 (4).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Leichenrede des Perikles
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Proseminar Alte Geschichte
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V63363
ISBN (eBook)
9783638564274
ISBN (Buch)
9783638752770
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leichenrede, Perikles, Proseminar, Alte, Geschichte
Arbeit zitieren
Natascha Weimar (Autor), 2006, Die Leichenrede des Perikles, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63363

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