Die Leichenrede, die Perikles im Winter 431- 430 v. Chr. gehalten haben soll, eröffnet dem heutigen Leser eine Reihe wichtiger Interpretationsansätze. In dieser Arbeit wird zum einem aufgezeigt werden, wie eine Quelleninterpretation gestaltet werden kann, zum anderen wird dies an der Leichenrede des Perikles, unter einer gewählten Fragestellung geschehen. Die Quelleninterpretation soll die Frage verfolgen, welche Motive sowohl Thukydides hatte, Perikles diese Rede halten zu lassen, als auch die Frage untersuchen, welches Motiv Perikles hätte bewegen können, diese Rede, so wie sie uns heute bekannt ist, zu halten. Abschließend werden die Ergebnisse dieser Arbeit zusamenfassend dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Fragestellung
2. Das Problem der Authentizität der Leichenrede bei Thukydides
3. Quelleninterpretation
3.1 Die Gliederung der Quelle und deren Argumentationsstruktur
3.2 Sprachliche Gestaltung der Quelle
3.3 Die Einordnung der Quelle in das Werk des Thukydides
3.5 Äußere Quellenkritik
3.6 Innere Quellenkritik
3.7 Der Adressat der Quelle
4. Systematische Bearbeitung der Quelle unter der gewählten Fragestellung
4.1 Die Bedeutung der Leichenrede für Perikles
4.2 Die Bedeutung der Leichenrede für Thukydides
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Leichenrede des Perikles im Werk „Der Peloponnesische Krieg“ von Thukydides, um die spezifischen Motive des Historikers für die Gestaltung der Rede sowie die politisch-strategischen Beweggründe des Perikles für deren Vortrag vor dem athenischen Volk zu analysieren.
- Analyse der Authentizität der Leichenrede im Kontext der antiken Geschichtsschreibung.
- Untersuchung der rhetorischen Mittel und der Argumentationsstruktur der Rede.
- Quellenkritische Einordnung des Textes in das Gesamtwerk des Thukydides.
- Bewertung der politischen Intentionen des Perikles zur Stabilisierung Athens während des Krieges.
- Herausarbeitung der Sympathie und des Geschichtsbildes des Autors Thukydides.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Gliederung der Quelle und deren Argumentationsstruktur
Bei vorliegender Quelle handelt es sich um eine fiktive Gefallenenrede aus dem Winter 431/30 v. Chr. aus dem Geschichtswerk „Der Peloponnesische Krieg“ des Thukydides, die Perikles, der Staatmann Athens, so gehalten haben soll. Nach einer Einleitung der Quelle, in der Thukydides noch einmal den Brauch und die Abfolge einer solchen Leichenfeier erläutert, ist „nun Perikles, der Sohn des Xanthippos, gewählt zu reden.“ Perikles teilt seine Rede in vier Abschnitte ein. Im ersten Teil gibt er vor, diese Rede nach dem alten Brauch nicht halten zu wollen und lieber durch „die Tat […] Ehre zu bezeugen.“ „Gute oder schlechte Rede“, so sagt er, könne „die Tapferkeit so vieler […] gefährden.“ Perikles gibt an, es sei schwer „den rechten Ton der Rede zu treffen“, denn die von ihm erkannte Wahrheit werde beim Hörer kaum Glauben erwecken können und wer „die Zusammenhänge“ erkenne, werde die Darstellung als „mangelhaft“ empfinden.
Außerdem werde die Rede den Neid derer wecken, die nicht selbst daran glauben, was er ehren werde, weil sie sich selbiges selbst nicht zutrauen würden. Da es sich aber um einen Brauch der „Alten“ handele, müsse er nun diese Rede halten und versuchen, dem „Wunsch und (der) Ansicht“ zu entsprechen, die die Bürger Athens, Fremde und Frauen an ihn richten. Im zweiten Teil gibt Perikles an, die Vorfahren Athens ehren zu wollen. Diese hätten das Land „durch ihre Tüchtigkeit bis an den heutigen Tag in Freiheit vererbt.“ Die Generation vor der jetzigen, „unsere Väter“, hätten es „nicht ohne Mühe“ erworben, wohingegen die jetzt Lebenden „die Stadt in allem so gerüstet“ vorfinden würden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Fragestellung: Definition der Zielsetzung, die Motive des Thukydides und Perikles im Kontext der Leichenrede zu untersuchen.
2. Das Problem der Authentizität der Leichenrede bei Thukydides: Diskussion über den Wahrheitsgehalt der Reden in einem Geschichtswerk, das erst Jahre nach den Ereignissen verfasst wurde.
3. Quelleninterpretation: Detaillierte Analyse der Struktur, Sprache, Einordnung sowie der äußeren und inneren Kritik der Quelle.
4. Systematische Bearbeitung der Quelle unter der gewählten Fragestellung: Zusammenfassende Synthese der Motive des Perikles als politischer Akteur und des Thukydides als Historiker und Bewunderer.
Schlüsselwörter
Leichenrede, Perikles, Thukydides, Peloponnesischer Krieg, Quelleninterpretation, Authentizität, Quellenkritik, Rhetorik, athenische Demokratie, Idealisierung, Geschichtsschreibung, politische Legitimation, Polisgemeinschaft, Epitaphios, Machtanspruch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die berühmte Leichenrede des Perikles aus dem Werk „Der Peloponnesische Krieg“ des Historikers Thukydides hinsichtlich ihrer inhaltlichen Motive und ihrer Entstehungsgeschichte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die Authentizität antiker Reden, die rhetorische Strategie zur politischen Legitimation sowie das Verhältnis zwischen Historiker und porträtiertem Staatsmann.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Beweggründe zu identifizieren, die Perikles zum Halten der Rede bewogen haben könnten, und gleichzeitig die Intentionen des Historikers Thukydides bei der Wiedergabe dieser Rede zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine quellenkritische Interpretation angewandt, die sich auf den Text selbst, rhetorische Analysen und den Abgleich mit historischer Forschung stützt.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Quelleninterpretation der Struktur und Sprache sowie eine systematische Bearbeitung der Motive von Perikles und Thukydides.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Leichenrede, Authentizität, politische Macht, Rhetorik und die spezifische Darstellung des Perikles durch Thukydides.
Warum spielt die Person des Historikers Thukydides eine so zentrale Rolle bei der Analyse der Rede?
Weil die Rede ein Konstrukt innerhalb seines Geschichtswerkes ist; Thukydides wählt aus und gestaltet die Rede, um ein bestimmtes Bild des „großen Staatsmannes“ Perikles für die Nachwelt zu konservieren.
Inwiefern beeinflusste die politische Lage in Athen die Argumentation der Rede?
Die Rede diente als Instrument zur Beschwichtigung der durch den Krieg verunsicherten Bevölkerung und zur Rechtfertigung der militärischen Strategie des Perikles.
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- Natascha Weimar (Author), 2006, Die Leichenrede des Perikles, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63363