In dieser Arbeit soll untersucht werden, wie in der Zeit der Hochindustrialisierung im Kaiserreich versucht wurde, Herrschaft durch die Steuerung von wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen zu legitimieren und welche weiteren Funktionen und Erscheinungsformen der aufstrebende organisierte Kapitalismus bzw. die industrielle Wachstumsgesellschaft und der Interventionsstaat hatten. Parallel hierzu soll die Debatte um die historische Aussagekraft des Begriffs „Organisierter Kapitalismus“ analysiert werden, um diese Aspekte in der wissenschaftlichen Diskussion einordnen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Hochindustrialisierung im Kaiserreich - Herrschaftslegitimation durch „Organisierten Kapitalismus“?
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht, inwieweit die wirtschaftliche Steuerung und der aufkommende "organisierte Kapitalismus" während der Hochindustrialisierung im deutschen Kaiserreich zur Legitimierung staatlicher Herrschaft beitrugen und analysiert kritisch die historische Aussagekraft dieses Begriffs innerhalb der wissenschaftlichen Debatte.
- Konzentrationsprozesse in der Industriewirtschaft
- Die Rolle des Staates als Interventionsmacht
- Wechselspiel zwischen Interessensverbänden und Staatsbürokratie
- Legitimation von Herrschaft durch wirtschaftliches Wachstum
- Kritische Analyse des Begriffs "organisierter Kapitalismus"
- Alternative Ansätze wie der Korporativismus
Auszug aus dem Buch
Die Hochindustrialisierung im Kaiserreich -Herrschaftslegitimation durch „Organisierten Kapitalismus“?
Der Begriff des „organisierten Kapitalismus“, den Rudolf Hilferding 1915 in einem Aufsatz in der sozialistischen Zeitschrift „Der Kampf“ gebrauchte und der die „Ablösung einer von Einzelunternehmern getragenen [...] Wettbewerbswirtschaft durch eine hochgradig konzentrierte, innerlich bürokratisierte und verbandsmäßig organisierte Wirtschaftsordnung“ meint, wurde von Historikern kontrovers diskutiert. Selbst Hans-Ulrich Wehler, der sich zu Beginn der Diskussion um den Begriff des „organisierten Kapitalismus“ und seine Anwendbarkeit auf die Zeit des Kaiserreichs als Verfechter dieser Theorie hervortat, bezeichnete ihn in späteren Werken als „vielfach unbefriedigend“.
Im Folgenden soll untersucht werden, wie in der Zeit der Hochindustrialisierung im Kaiserreich versucht wurde, Herrschaft durch die Steuerung von wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen zu legitimieren und welche weiteren Funktionen und Erscheinungsformen der aufstrebende organisierte Kapitalismus bzw. die industrielle Wachstumsgesellschaft und der Interventionsstaat hatten. Parallel hierzu soll die Debatte um die historische Aussagekraft des Begriffs „Organisierter Kapitalismus“ analysiert werden, um diese Aspekte in der wissenschaftlichen Diskussion einordnen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Hochindustrialisierung im Kaiserreich - Herrschaftslegitimation durch „Organisierten Kapitalismus“?: Das Kapitel führt in den Begriff des organisierten Kapitalismus ein, beleuchtet die Rolle staatlicher Interventionen und der Interessenverbände zur Herrschaftssicherung sowie die wissenschaftliche Debatte um die Validität des Begriffs und seiner Alternativen.
Schlüsselwörter
Organisierter Kapitalismus, Hochindustrialisierung, Kaiserreich, Herrschaftslegitimation, Korporativismus, Interventionsstaat, Konzentrationsprozess, Wirtschaftsverbände, Wehler, Industrielle Wachstumsgesellschaft, Kartelle, Systemerhaltung, Strukturwandel, Interessensverbände.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung des organisierten Kapitalismus im deutschen Kaiserreich und den Bemühungen des Staates, seine Herrschaft durch wirtschaftliche Steuerung zu legitimieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Konzentrationsprozess der Industrie, die Zunahme staatlicher Interventionen, die Rolle von Verbänden und Kartellen sowie die historiographische Einordnung des Begriffs "organisierter Kapitalismus".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu klären, inwiefern wirtschaftliche Stabilität und das Agieren in Verbänden dazu dienten, das politische System im Kaiserreich zu stützen, und wie historisch präzise der Begriff "organisierter Kapitalismus" hierfür ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung zentraler wissenschaftlicher Fachliteratur (insbesondere von Hans-Ulrich Wehler, Jürgen Kocka und Heinrich August Winkler) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Definitionen des organisierten Kapitalismus, die Ursachen für den Strukturwandel des Industriesystems und das Interaktionsverhältnis zwischen Staat, Wirtschaft und Arbeiterschaft analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe organisierter Kapitalismus, Interventionsstaat, Herrschaftslegitimation, Systemerhaltung und Korporativismus geprägt.
Warum wird der Begriff "organisierter Kapitalismus" von Wehler kritisiert?
Wehler kritisiert den Begriff später als zu statisch und ungenau in Bezug auf die Periodisierung, da er die Eigendynamik der politischen Entwicklung und die Rolle der Gegenmacht der Arbeiterschaft nicht ausreichend würdige.
Welche Alternative schlägt Wehler vor?
Wehler schlägt den politikwissenschaftlichen Begriff des "Korporativismus" vor, da dieser eine elastischere Interpretation der Beteiligung gesellschaftlicher Gruppen an politischen Entscheidungsprozessen zulasse.
- Quote paper
- Till Döring (Author), 2002, Die Hochindustrialisierung im Kaiserreich - Herrschaftslegitimation durch Organisierten Kapitalismus ?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6340