Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Situation der "Weißen" in Südafrika als eine Minorität, welche aufgrund ihrer Rolle in der Geschichte des Landes heute mehr bedroht sind den je. Noch vor 20 Jahren waren ihre Rechte durch die "weiße" Minderheitsregierung abgesichert. Jetzt, nach dem Ende der Apartheid, sind sie eine Minderheit, die jedoch nach wie vor den größten Teil der Reichtümer des Landes kontrolliert. Ihr gegenüber steht eine heterogene "schwarze" Bevölkerungsmehrheit. Die meisten verfügen weder über Land, Eigentum und Arbeit, noch über eine Schulbildung oder sogar Hochschulbildung, sodass es für sie um das nackte Überleben geht. Anderen geht es nach dem Ende der Apartheid etwas besser, da sie nun Arbeit haben oder sogar in den Staatsdienst getreten sind. Einige wenige haben sich innerhalb der letzten Jahre hochgearbeitet und gehören nun der Oberschicht an. Die Fragen die sich stellen sind:
Wie entwickeln sich die verschiedenen Bevölkerungsgruppen und in welchem Verhältnis stehen sie zueinander? Was ist die heutige Situation der "Weißen" und welche Rolle werden sie in der Zukunft in Südafrika spielen oder gibt es für sie dort keine Zukunft?
Neben diverser Literatur zu diesem Thema wurde auch ein Interview mit Stefanie Müller, einer Deutschen die in Sambia geboren und in Südafrika zur Schule gegangen ist, berücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis
"Weiße" als Minorität in Südafrika
Einleitung
1 Überblick zur Geschichte der "Weißen" in Südafrika
1.1 Apartheid - Motivation und Umsetzung
1.2 Demografische Entwicklung bis Anfang der 1990er Jahre und Wanderungsbewegung
2 1990 bis 1994 - Die Transformationsphase
2.1 Gründe für das Ende der Apartheid
2.2. African National Congress (ANC)
3 Sozioökonomische Disparitäten
4 Die aktuelle Situation der "Weißen"
4.1 Demografie und Wanderungsbewegung in Südafrika
4.2 Wohnungskrise
4.3 Kriminalität
4.3.1 Vertrauensverlust in Regierung und Exekutive
4.3.2 "Lager - Mentalität"
4.4 "Weiße" Farmer
5 Zukünftige Entwicklungen
Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die soziologische Lage der "weißen" Bevölkerung in Südafrika nach dem Ende der Apartheid. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie sich die verschiedenen Bevölkerungsgruppen entwickeln, in welchem Verhältnis sie zueinander stehen und ob für die "weiße" Minderheit unter den gegebenen Umständen eine Zukunft im Land existiert.
- Historische Einordnung der "weißen" Minderheit in Südafrika
- Transformationsprozesse nach dem Ende der Apartheid
- Analyse sozioökonomischer Disparitäten zwischen den Bevölkerungsgruppen
- Aktuelle Bedrohungsszenarien wie Kriminalität und Wohnungskrise
- Zukunftsperspektiven für ein friedliches Zusammenleben
Auszug aus dem Buch
4.3.2 "Lager - Mentalität"
Diese oben genannte Entwicklung hin zu einem Vertrauensverlust in die staatlichen Institutionen, führt zu einer so genannten "Lager - Mentalität" innerhalb der Bevölkerungsschichten, die sich eine private Absicherung ihres Hab und Gutes sowie ihres Lebens leisten können. Die Republik Südafrika verzeichnet seit 1980 durchschnittlich 18 % Wachstum auf dem Sektor der privaten Sicherheit und ein Ende dessen ist nicht abzusehen. Im Jahr 2001 waren 163 000 Menschen bei einem von 5 586 privaten Sicherheitsunternehmen beschäftigt. Ihr Gehalt liegt wesentlich höher als das eines Polizeibeamtens. Vier mal so viele private Sicherheitskräfte sind im Außendienst tätig als Polizeibeamte.
Hinzu kommen Bürgerwehren, Neighbourhood- und Businesswatches, welche sich über die letzten knapp 15 Jahre mit dem Motiv des Selbstschutzes formiert haben. Die Sicherung des Eigentums durch mit Glassscherben bespickten Mauern, Stacheldraht, Meter hohen Metallgittern und Elektrozäunen gehört besonders in den Wohngebieten der "Weißen" zum Alltag. Zudem kommt es in den letzten Jahren verstärkt zum Bau so genannter "Security Villages". Darunter versteht man eine Wohnsiedlung von Hochhäusern, aber auch Ein- und Mehrfamilienhäusern, die hermetisch abgeriegelt ist. Um in einem solchen Security Village Zufahrt zu erlangen, muss man eine Durchfahrtskontrolle passieren. Nur Anwohnern und angekündigten Gästen wird der Zutritt gewährt.
Das Phänomen der "Lager-Mentalität" ist besonders in den Ballungszentren Südafrikas stark verbreitet. Neben dem eigentlichen Ziel des Schutzes vor Kriminalität bewirkt es jedoch eine Fortsetzung der Abgrenzung der "Reichen Weißen" von den "Armen Schwarzen" und stellt somit eine Gefahr für die Entwicklung hin zur Koexistenz der verschiedenen Bevölkerungsgruppen dar.
"Wenn man so hört was gerade in Johannesburg abläuft, dass jeder sich einzäunt und Alarmanlagen hat...das da schon eine gewissen Spannung und Angst herrscht, weil es so viel Kriminalität gibt."
Zusammenfassung der Kapitel
1 Überblick zur Geschichte der "Weißen" in Südafrika: Beschreibt die Besiedlung durch europäische Siedler und die spätere Institutionalisierung der Apartheid als Mittel der Minderheitsherrschaft.
2 1990 bis 1994 - Die Transformationsphase: Analysiert den politischen Übergangsprozess, der zur Abschaffung der Apartheidsgesetze und zur ersten demokratischen Wahl unter Nelson Mandela führte.
3 Sozioökonomische Disparitäten: Untersucht die ungleiche Verteilung von Wohlstand und Lebensqualität anhand von Indikatoren wie dem Gini-Index und dem Human Development Index.
4 Die aktuelle Situation der "Weißen": Beleuchtet die Unsicherheit der Minderheit angesichts von Kriminalität, Landkonflikten und der Angst vor einer Entwicklung wie in Simbabwe.
5 Zukünftige Entwicklungen: Diskutiert die Notwendigkeit von Bildung und sozialem Ausgleich, um eine friedliche Koexistenz und das Erstarken radikaler Panafrikanisten zu verhindern.
Schlüsselwörter
Südafrika, Apartheid, Minorität, Weiße Bevölkerung, Transformation, ANC, Nelson Mandela, Sozioökonomische Disparitäten, Kriminalität, Lager-Mentalität, Landreform, Sicherheitsunternehmen, Bildung, Demografie, Panafrikanismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die soziopolitische Situation der "weißen" Minderheit in Südafrika nach dem offiziellen Ende der Apartheid.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Aufarbeitung, den sozioökonomischen Unterschieden zwischen den Ethnien, dem Transformationsprozess zur Demokratie und den aktuellen Sicherheitsbedenken der weißen Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage ist, wie sich die Bevölkerungsgruppen entwickeln und ob für die "weißen" Südafrikaner eine langfristige Zukunftsperspektive in einem gemeinsamen Staat besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine soziologische Analyse, die auf Literaturrecherche und empirischen Daten (Statistiken zum HDI, Gini-Index, demografische Angaben) sowie einem Experteninterview basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die politische Transformation, die Analyse von Armut und Ungleichheit, die Kriminalitätsproblematik und die spezielle Situation der Farmer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Apartheid, Transformation, Minderheitenschutz, soziale Ungleichheit, Kriminalität und Zukunftsperspektiven.
Was ist die "Lager-Mentalität" in diesem Kontext?
Sie beschreibt den Trend zur privaten Sicherheitsabschottung, bei der sich wohlhabende Gruppen durch bewachte Wohnanlagen und Alarmanlagen von der restlichen Bevölkerung physisch abgrenzen.
Warum wird das Beispiel der Farm "Coromandel" angeführt?
Das Beispiel verdeutlicht das Problem, dass die bloße Landumverteilung ohne begleitendes Know-how und Fachwissen die wirtschaftliche Produktivität gefährden kann.
Welche Rolle spielt die Bildung für die Zukunft Südafrikas?
Laut der Arbeit ist Bildung der entscheidende Faktor, um die wirtschaftlichen Disparitäten abzubauen und den gesellschaftlichen Frieden nachhaltig zu sichern.
- Quote paper
- Amadeus Müller-Daubermann (Author), 2005, "Weiße" als Minorität in Südafrika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63455