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Das Phänomen im pyrrhonischen Skeptizismus

Title: Das Phänomen im pyrrhonischen Skeptizismus

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Carmen Radeck (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen im pyrrhonischen Skeptizismus wie er bei Sextus Empiricus in seinem „Grundriss der pyrrhonischen Skepsis“ dargestellt wird. Dabei geht es besonders um die Frage, was die antiken Skeptiker unter Erscheinungen verstehen, wie sie in ihrem alltäglichen Leben damit umgehen und welche Auswirkungen dieses Verständnis auf die skeptische Philosophie hat. Konkreter ausgedrückt, geht es um diese Fragen: Wie stellt sich der Pyrrhoneer ein Leben nach Erscheinungen vor und ist solch ein Leben in der Praxis überhaupt möglich? Die antiken Skeptiker wurden schon zu Lebzeiten mit dem Einwand konfrontiert, dass ein Leben nach Erscheinungen nicht möglich sei. Man warf ihnen vor, mit ihrer Philosophie der Urteilsenthaltung, sich durch das alltägliche Leben selbst zu widersprechen, da man dort ohne Meinungen oder Urteile gar nicht auskommen kann. Dieses Problem wurde bis ins 20. Jahrhundert diskutiert, zuletzt besonders von Michael Frede und Myles Burnyeat, die bezeichnender Weise zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kamen. Frede ist der Auffassung, dass ein Skeptiker sehr wohl Überzeugungen und Meinungen haben darf und er durchaus ein ganz „normales“ und zufriedenstellendes Leben führen kann, ohne seiner Philosophie zu widersprechen. Burnyeat hingegen hält es mit dem Einwand Humes, der besagt, ein Leben ohne Überzeugungen, nur nach Erscheinungen sei nicht möglich. Der Hauptunterschied liegt in der unterschiedlichen Auslegung der Begriffsdogma(Überzeugung,belief).Dies rührt daher, dass Sextus selbst einen weiteren von einem engeren Begriff von dogma unterscheidet. Es soll im folgenden mit Frede und Burnyeat untersucht werden, wie es sich mit Erscheinungen und Überzeugungen im pyrrhonischen Skeptizismus verhält. Im nachstehenden Kapitel wird zunächst der pyrrhonische Skeptizismus nach Sextus dargestellt. Es werden seine Strategien und Motive aufgezeigt und eine erste Annäherung an sein Verständnis von den Phänomenen unternommen. Dabei kommt auch der schon angesprochene Haupteinwand zur Sprache, der hier von Hume zitiert wird und auf den sich auch Frede und vor allem Burnyeat in ihren Texten beziehen. Der Einwand bildet den Einstieg in die Diskussion mit den Texten Fredes und Burnyeats, mit denen sich die nächsten Kapitel beschäftigen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der pyrrhonische Skeptizismus

2.1 Die Hoffung auf Seelenruhe

2.2 Das Kriterium der Skepsis – die Phänomene

3. Erscheinungen und Überzeugungen

4. Des Skeptikers Meinungen in der Kritik

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen im pyrrhonischen Skeptizismus, wie es bei Sextus Empiricus dargestellt wird. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie ein Leben nach Erscheinungen in der Praxis möglich ist und ob der pyrrhonische Skeptiker tatsächlich ohne Überzeugungen auskommen kann, ohne seiner eigenen Philosophie zu widersprechen.

  • Analyse des Begriffs der Erscheinung im pyrrhonischen Skeptizismus
  • Untersuchung der Rolle der Urteilsenthaltung (Epoché) im Alltag
  • Diskussion des Einwands von David Hume zur Unmöglichkeit eines Lebens ohne Überzeugungen
  • Gegenüberstellung der Interpretationen von Michael Frede und Myles Burnyeat
  • Kritische Reflexion der Vereinbarkeit von Lebenspraxis und skeptischer Theorie

Auszug aus dem Buch

2.2 Das Kriterium der Skepsis – die Phänomene

„Wir sagen nun, das Kriterium der skeptischen Schule sei das Erscheinende, wobei wir dem Sinne nach die Vorstellung so nennen; denn da sie in einem Erleiden und einem unwillkürlichen Erlebnis liegt, ist sie fraglos. Deshalb wird niemand vielleicht zweifeln, ob der zugrundeliegende Gegenstand so oder so erscheint. Ob er dagegen so ist, wie er erscheint, wird infrage gestellt.“ (PH I, 22)

Die Erscheinungen bilden das Kriterium nach dem die Skeptiker ihr Leben ausrichten. Denn dass auch der Skeptiker das alltägliche Leben zu bewältigen hat, gibt Sextus wohl zu. Dies sieht er in vier Teile aufgegliedert. Zunächst ist das alltägliche Leben durch die natürliche Beschaffenheit des Menschen bestimmt, also dass er beispielsweise mit Sinnesorganen ausgestattet ist. Hunger und Durst, für Sextus Beispiele des „Erlebniszwangs“, nötigen den Menschen dazu Nahrung aufzunehmen und stellen den zweiten Teil in Sextus Lebensschema dar. Den dritten und vierten Teil berühren den kulturellen Hintergrund des einzelnen, also in welcher Gesellschaft er aufgewachsen ist, welchen Gesetzen und Sitten er unterliegt und schließlich welchen Beruf er erlernt hat. Mit diesen Vorgaben, die der Skeptiker völlig undogmatisch übernimmt, das heißt ohne jegliche Wertung akzeptiert, lebt er sein Leben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des Phänomens im pyrrhonischen Skeptizismus ein und skizziert die wissenschaftliche Debatte zwischen Michael Frede und Myles Burnyeat hinsichtlich der Möglichkeit eines Lebens ohne Überzeugungen.

2. Der pyrrhonische Skeptizismus: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge und zentralen Motive des pyrrhonischen Skeptizismus sowie die Bedeutung der Seelenruhe (Ataraxia) und der Phänomene als praktisches Kriterium für das tägliche Leben.

2.1 Die Hoffung auf Seelenruhe: Hier wird das Ziel der Seelenruhe als treibendes Motiv für die skeptische Philosophie untersucht und der Weg über die Tropen zur Urteilsenthaltung beschrieben.

2.2 Das Kriterium der Skepsis – die Phänomene: Das Kapitel befasst sich mit der passiven Natur der Erscheinungen, die dem Skeptiker als Orientierung im Alltag dienen, ohne dass er dabei ein dogmatisches Urteil über die Realität fällt.

3. Erscheinungen und Überzeugungen: Dieses Kapitel diskutiert anhand der Dogma-Begriffe von Sextus Empiricus, welche Art von Überzeugungen ein Skeptiker mit seiner Philosophie vereinbaren kann und ob dies epistemisch zulässig ist.

4. Des Skeptikers Meinungen in der Kritik: Hier wird die kritische Auseinandersetzung von Myles Burnyeat mit dem skeptischen Lebensentwurf dargelegt, insbesondere die Frage, ob der Skeptiker bei seinen Handlungen unweigerlich den Wahrheitsbegriff und Überzeugungen involviert.

5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass das skeptische Ideal eines Lebens allein nach Erscheinungen angesichts der praktischen Notwendigkeiten fragwürdig bleibt und der Skeptiker in der Umsetzung seiner Strategie auf theoretische Inkohärenzen stößt.

Schlüsselwörter

Pyrrhonischer Skeptizismus, Sextus Empiricus, Phänomene, Erscheinung, Urteilsenthaltung, Epoché, Seelenruhe, Ataraxia, Dogma, Überzeugung, Michael Frede, Myles Burnyeat, David Hume, Alltagspraxis, Erkenntnistheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie antike Skeptiker im Pyrrhonismus ihr tägliches Leben nach sogenannten „Erscheinungen“ ausrichten, ohne dabei dogmatische Überzeugungen zu bilden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen das Verhältnis von Schein und Sein, der Begriff des Dogma bei Sextus Empiricus, die Bedeutung der Seelenruhe und die methodische Kritik an der skeptischen Lebensführung.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, ob ein Leben, das ausschließlich auf Erscheinungen basiert und auf jegliche dogmatische Urteile verzichtet, in der praktischen Lebenswelt überhaupt möglich ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Autorin nutzt eine textanalytische Methode, indem sie die Schriften von Sextus Empiricus (insbesondere den „Grundriss der pyrrhonischen Skepsis“) mit modernen wissenschaftlichen Diskursen von Forschern wie Michael Frede und Myles Burnyeat vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des pyrrhonischen Skeptizismus, die Analyse von Erscheinungen und Überzeugungen sowie eine kritische Debatte über die Vereinbarkeit von skeptischer Theorie und menschlicher Lebenspraxis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Begriffe sind Pyrrhonismus, Erscheinung, Urteilsenthaltung, Seelenruhe, dogmatische Überzeugungen und die philosophische Auseinandersetzung mit der Erkenntnismöglichkeit.

Wie unterscheidet Sextus Empiricus zwischen Erscheinungen und Überzeugungen?

Er unterscheidet zwischen einer unwillkürlichen Zustimmung zu einer wahrgenommenen Erfahrung (Erscheinung) und einer dogmatischen Zustimmung zu verborgenen, rational begründeten Wahrheiten (Überzeugung im engeren Sinn).

Warum hält Myles Burnyeat ein skeptisches Leben für problematisch?

Burnyeat argumentiert, dass man Überzeugungen nicht vom Wahrheitsbegriff trennen kann; handelt ein Mensch in der Welt, ist er laut Burnyeat immer auch im Sinne eines „Für-wahr-Haltens“ überzeugt, was dem skeptischen Ziel widerspricht.

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Details

Title
Das Phänomen im pyrrhonischen Skeptizismus
College
University of Duisburg-Essen  (Fachbereich 1 Philosophie)
Course
Seminar: Antiker Skeptizismus
Grade
1,7
Author
Carmen Radeck (Author)
Publication Year
2002
Pages
22
Catalog Number
V63468
ISBN (eBook)
9783638565219
ISBN (Book)
9783656486510
Language
German
Tags
Phänomen Skeptizismus Seminar Antiker Skeptizismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Carmen Radeck (Author), 2002, Das Phänomen im pyrrhonischen Skeptizismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63468
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