Die Schwalbe als Symbol und Leitmotiv in Derek Walcotts Omeros


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000

19 Seiten, Note: 2,75


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zoologische Merkmale der Seeschwalbe und die Tradition der Schwalbe in der Literatur

3. Die Schwalbe als Leitmotiv und ihr Erscheinen in Omeros
3.1. Die Schwalbe und Achille
3.2. Die Schwalbe und Maud
3.3. Die Schwalbe und Philoctete
3.4. Die Schwalbe und der Erzähler

4. Bedeutungsübergreifende Überlegungen über die Funktion der Schwalbe in Omeros

5. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Derek Walcotts Longpoem Omeros, welches vordergründig die Geschichte einer Gruppe zumeist farbiger Menschen erzählt und deren Leben auf der karibischen Insel St. Lucia beschreibt, wird von zahlreichen Symbolen getragen. So sind z.B. die Namen der Protagonisten aus der griechischen Mythologie entlehnt. Des weiteren sind das Meer, die Insel St. Lucia und auch Personen und Tiere symbolischer Natur. Im ersten Teil der Arbeit werde ich betrachten, welche zoologischen Merkmale der Schwalbe zugeschrieben werden, um ihre Eigenschaften im weiteren Verlauf der Arbeit auf die Symbolwelt beziehen zu können. Als weiteren Punkt werde ich die Tradition der Schwalbe in der Literatur behandeln und auch auf ihre Perspektivität eingehen. Das Augenmerk wird darauf gerichtet sein, ob es sich bei der Schwalbe um ein Leitmotiv handelt, und ferner, an welchen Stellen sie im Text eingebunden ist. Ich werde mich dabei darauf beschränken, ihr Erscheinen im Zusammenhang mit Achille, Maud, Philoctete und der Erzähler zu untersuchen, und herausarbeiten, welche Bedeutung sie für die einzelnen Personen hat.

Ansichten zu übergreifenden Deutungsansätzen für den Roman und die Aussage des Romans für die Gesellschaft werden die Hausarbeit abschließen.

2. Zoologische Merkmale der Seeschwalbe und die Tradition der Schwalbe in der Literatur.

Im Longpoem Omeros steht vor der Echse, dem Leguan und dem Fregattvogel die Schwalbe als Symbolträger aus der Tierwelt im Vordergrund. Um ihre Bedeutung für das Werk zu verdeutlichen ist es nötig, einige ihrer gattungsspezifischen Eigenschaften aus der Tierwelt zu kennen.

Für die vorliegende Betrachtung sind die folgenden Eigenschaften der Seeschwalbe wissenswert: Der Verbreitungsschwerpunkt der weltweit vorkommenden Arten liegt in den Tropen und Subtropen. Da es sich um Zugvögel handelt, ist die Schwalbe in der Lage, weite Strecken innerhalb kürzester Zeit zurückzulegen. Sie lebt in unmittelbarer Nähe zum Meer und verbringt fast ihr komplettes Leben in der Luft, lediglich zum Brüten kommt sie an Land. Seeschwalben sind ausgezeichnete Flieger und leben in Australien, dem südlichen Teil Europas, in der Karibik und in Afrika, wo fast alle Schwalbenarten überwintern. Das äußere Erscheinungsbild ist für die Einbindung in das Longpoem ebenfalls wichtig. Die meisten Seeschwalben haben unterseits ein weißes, oberseits ein graues Gefieder mit einer schwarzen Kopfhaube und sind zum Teil auffallend gefärbt an Beinen und Schnäbeln.[1]

Die Tradition der Schwalbe in der Literatur ist sehr vielfältig. Laut An illustrated Encyclopaedia of Traditional Symbols[2] symbolisiert sie im allgemeinen Hoffnung, den nahenden Frühling und Glück. In der chinesischen Vorstellung steht sie für Mut, Gefahr, Treue, nahenden Erfolg und Veränderung. Christen sehen in ihr die Wiedergeburt und neues Leben. Interessant ist auch ihre Bedeutung in der japanischen Tradition. Hier wird ihr im Gegensatz zur chinesischen Auffassung Treulosigkeit, aber auch häusliche und mütterliche Sorgfalt nachgesagt.

Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens beschreibt sehr detailliert, welche positiven und welche negativen Eigenschaften der Schwalbe im deutschen Volksmund zugesprochen wird. Dort heißt es unter anderem:

Die Schwalbe zeigt das Wetter an: Fliegen Schwalben am Boden, so regnet es bald und umgekehrt. Nistet eine Schwalbe unter dem Dach, so bleibt das Haus von Blitz und Donner verschont. Als ominöser Vogel kann die Schwalbe durch ihren Abzug Tod ansagen [...].[3]

Ebenfalls einen guten Überblick über die Symbolik der Schwalbe gibt Marie-Madeleine Davy in ihrem Buch Geschöpfe der Sehnsucht.[4] Sie sieht die Schwalbe als Mittler zwischen oben und unten, also zwischen Himmel und Erde an, der durch seine Flugfähigkeit die Schwere überwindet. Sie bewegt sich in vollkommener Freiheit und bestimmt selber ihren Weg, ohne daß ihr Flug auch nur die geringste Spur hinterläßt. Davy stellt den Vogel als Boten und Träger von Zeichen vor und nennt ihn Bruder des Engels, welcher gute Botschaften überbringt.

Dein Flug lehrt die Menschen, daß sie sich vom sinnlich Wahrnehmbaren

lösen müssen. Wie ein Engel, dessen kleiner irdischer Bruder du dank deiner Flügel bist, überbringst du gute Botschaften: In dir wird das Geheimnis der Vereinigung des Himmels mit dem Irdischen offenbar.[5]

Neben allgemeinen Äußerungen über Vögel macht Davy in ihrem Buch spezielle Aussagen über die Schwalbe. Sie führt aus, daß aus ihrem Flug Rückschlüsse auf bevorstehende Unwetter und Witterungsumschwünge gezogen werden können, und zitiert ein Gedicht von La Fontaine. Ein Teil des nun folgenden Zitats hat auch für Omeros eine hohe Bedeutung. Bei Davy heißt es nämlich: “Die Schwalbe hatt’ auf ihren großen Reisen/ gar viel gelernt, und wer viel hat gesehen, / wird manches gar besser auch verstehen.“[6]

Davy erläutert, daß Menschen, die alleine über das Meer segeln, aufmerksam die Vögel beobachten. Sie verfolgen ihren Flug und freuen sich, wenn sie sich für einen kurzen Augenblick auf ihrem Schiff niederlassen. Eine weiteres Bild , das wir von der Schwalbe haben, geht auf Leonardo da Vinci zurück und wird von Walcott in den Kapiteln 4 und 47 aufgenommen. Die Schwalbe soll heilende Fähigkeiten haben und unter anderem Blinde sehend machen. In Kapitel 4 beobachtet sie zunächst den kranken Philoctete, und im 47. Kapitel wird klar, daß der Samen des Heilkrautes, welches ihn heilen wird, durch den Vogel Jahrhunderte zuvor auf die Insel gebracht wurde.

[...]


[1] Vgl. Zwahr, Anette: Der Brockhaus in fünf Bänden, Band 4, Mannheim 1994, S.615 und S. 650

[2] Cooper, J.C.: An illustrated Encyclopeadia of Traditional Symbols, London 1978, S.164

[3] Hoffmann-Krayer, E.: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Berlin 1936, S.1392

[4] Davy, Marie-Madeleine: Geschöpfe der Sehnsucht, Düsseldorf 1994, S.7ff

[5] Ebd., S.9

[6] Ebd., S.74

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Schwalbe als Symbol und Leitmotiv in Derek Walcotts Omeros
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Englisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar: Derek Walcotts Omeros
Note
2,75
Autor
Jahr
2000
Seiten
19
Katalognummer
V6354
ISBN (eBook)
9783638139465
ISBN (Buch)
9783656561095
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schwalbe, Symbol, Leitmotiv, Derek, Walcotts, Omeros, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Katja Pabst (Autor), 2000, Die Schwalbe als Symbol und Leitmotiv in Derek Walcotts Omeros, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6354

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