Sophokles Elektra vor dem Hintergrund der griechischen Dramaturgie


Hausarbeit, 2006

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Erkenntnisinteresse

2. Geschichte und Entstehung des griechischen Dramas

3. Aristoteles Poetik: wesentliche Elemente eines Dramas

4. Griechische Dramaturgie am Beispiel von Sophokles Elektra

5. Literatur

1. Einleitung und Erkenntnisinteresse

In der vorliegenden Arbeit soll ein Überblick über die wichtigsten Elemente eines Dramas nach der Poetik des Aristoteles gegeben werden. Die allgemeine Entstehungsgeschichte des griechischen Dramas soll beleuchtet werden und anhand der Elektra des Sophokles werden die gattungsspezifischen Merkmale eines Dramas überprüft.

2. Geschichte und Entstehung des griechischen Dramas

Die Entstehung des griechischen Dramas wird zurückgeführt auf die Dionysos-Feste im alten Athen. Der Dionysoskult wurde zunächst zelebriert durch die temporäre Abkehr vom normalen Alltag, bis hin zur Ekstase. „Das Ziel der Ekstase wird erreicht durch Mittel der Berauschung, d.h. der Rationalitätsverdunkelung, hin bis zur Rationalitätsausschaltung. Diese Mittel sind Rhythmus, Melodie, Tanz, Wein, Sexualität“ (Latacz, 1993, S.33). Die totale Rationalitätsausschaltung des eigenen Ichs ging häufig einher mit dem Wunsch, sich in eine andere Person zu verwandeln, was sich dann im Verkleiden mit Masken und Kostümen zeigte.

Jährlich fanden zwei Feste zu Ehren des Gottes Dionysos statt. Die Lenäen wurden ca. Januar/ Februar gefeiert, die Dionysien ca. März/April. Die Ausrichtung dieser Feste übernahm der Staat, daher sind umfangreiche Aufzeichnungen erhalten geblieben (vgl. Newiger, 1996, S. 15). Als Initiator der antiken Tragödie galt Thepis, der dem schon vorhandenen Chor, einen Schauspieler gegenüberstellte.

Die Dionysos-Feste veränderten sich von der reinen Verehrung des Gottes später zum Wettstreit zwischen den Dichtern einer Gattung. Sowohl Tragödien als auch Komödien wurden institutionalisiert. Eine Besonderheit der damaligen Darbietung eines Dramas war ihre Einmaligkeit. Jedes Stück wurde tatsächlich in der Regel für diesen Wettkampf geschrieben und auch nur dort aufgeführt (vgl. Newiger, 1996, S. 23).

Ein unabdingbarer Bestandteil des griechischen Dramas war das Wechselspiel zwischen Chor und Schauspielern. Die enorme Bedeutung des Chores zeigt sich unter anderem darin, dass die Dramen zum Teil sogar nach dem Chor benannt wurden, z.B. Perser, Trachinierinnen (vgl. Newiger, 1996, S.17).

Die Handlungen der antiken Stücke erstrecken sich über einen einzigen Tag und finden ausschließlich an einem Ort statt. Um die Einheit der Zeit zu verdeutlichen, war es üblich, das Drama von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dauern zu lassen. Um der Einheit des Ortes gerecht zu werden, wurden Geschehnisse an anderen Orten durch Botenbericht oder Mauserschau dem Publikum vorgetragen. Die Themen entspringen in der Regel der griechischen Mythologie.

Die ausschließlich männlichen Schauspieler und der Chor des griechischen Theaters waren auffällig verkleidet mit Masken und Kostümen. „Die starke Verkleidung der Bühnenfiguren stammt aus dem Kult und bedeutet, daß diese Menschen sich nun in andere, teils niedere, teils höhere Wesen verwandeln, im Dienste des Gottes ihr Selbst aufgeben“ (Newiger, 1996, S.47/48). Aber auch aus theatertechnischen Gründen waren Maske und Kostüm von enormer Bedeutung. Da es nur sehr wenige Schauspieler gab und diese mehrere, sehr unterschiedliche Rollen - Männer und Frauen - zu spielen hatten, wurde eine vollständige Verkleidung notwendig.

Die drei bedeutendsten Vertreter der Tragödie waren ihrer Zeit: Aischylos, Sophokles und Euripides. Sie alle setzten neue Akzente im griechischen Theaterspiel. Entgegen dem damaligen Usus dem Chor nur einen Schauspieler entgegenzusetzen, ließ Aischylos einen weiteren Akteur in Erscheinung treten und arrangierte so die Auseinandersetzung zweier Schauspieler vor dem Chor. Sophokles ermöglichte weitere konfliktgeladene Kombinationen vor dem Chor, indem er noch einen dritten Schauspieler einführte. Euripides führte diese Idee weiter, ließ jedoch dem Chor eine tragendere Rolle zukommen, indem er ihm eine deutende Funktion zukommen ließ.

3. Aristoteles Poetik: wesentliche Elemente eines Dramas

Nach Aristoteles wird in der Dichtung nichts anderes getan, als die Wirklichkeit nachgeahmt (= Mimesis). Die nachahmenden Schauspieler imitieren entweder Menschen mit gutem oder Menschen mit schlechtem Charakter. In einer Komödie werden schlechte Personen dargestellt, in der Tragödie die besseren.

Aristoteles bestimmte sechs wesentliche Elemente einer Tragödie, die aber auch für die Komödie gelten können (vgl. Asmuth, 1997, S.3). Diese Elemente sind: Mythos (Handlung), Charaktere, Sprache, Erkenntnisfähigkeit (Gedanke, Absicht), Inszenierung und Melodik.

Der wichtigste Bestandteil eines Dramas ist nach Aristoteles die Handlung – der Mythos. „Denn die Tragödie ist nicht Nachahmung von Menschen, sondern von Handlung und von Lebenswirklichkeit“ (Aristoteles, 1982, S.21). Die Handlungen seien es, die letztlich zum Glück oder Unglück eines Menschen führen und ohne die kein Drama möglich sei.

Erst an zweiter Stelle nannte er den Charakter, der für ihn das war, „…was die Neigungen und deren Beschaffenheit zeigt“ (Aristoteles, 1982, S.23). Nur um eine bestimmte Handlung zu erreichen, so Aristoteles, würden die Charaktere mit einbezogen.

Unter Erkenntnisfähigkeit verstand er die Fähigkeit, Gedanken bzw. Absichten so zu formulieren, dass „etwas sei oder nicht sei“ (Aristoteles, S. 23) oder allgemeine Feststellungen getroffen werden.

Mit Sprache bezeichnete Aristoteles die verbale Verständigung. „Die Melodik“ trug für ihn „am meisten zur anziehenden Formung bei“ (Aristoteles, S. 25), während die Inszenierung das Publikum erschaudern oder entzücken lassen sollte.

4. Griechische Dramaturgie am Beispiel von Sophokles Elektra

Grundsätzlich werden nach Volker Klotz zwei Grundtypen des Dramas unterschieden – das offene und das geschlossene Drama. Das geschlossene Drama ist gekennzeichnet durch wenige Figuren, durch eine Kontinuität in Raum und Zeit, durch feste Gesellschaftsstrukturen, durch eine Handlung, die sich geradlinig dem festen Schluss nähert. Die geschlossene Form ist „definiert mit der Formel ‚Ausschnitt als Ganzes’“ (Gutzen, Petersen, Wagner-Egelhaaf, 2006, S.77). Das offene Drama zeigt nur Teilstücke vom Ganzen. Das Ganze ist jedoch auch in der offenen Form immer präsent (vgl. Gutzen, Petersen, Wagner-Egelhaaf, 2006, S.77).

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Details

Titel
Sophokles Elektra vor dem Hintergrund der griechischen Dramaturgie
Hochschule
Universität Paderborn  (Fakultät für Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Seminar: Europäische Dramen und Entwicklungslinien
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V63545
ISBN (eBook)
9783638565714
ISBN (Buch)
9783638799492
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sophokles, Elektra, Hintergrund, Dramaturgie, Seminar, Europäische, Dramen, Entwicklungslinien
Arbeit zitieren
Vera Pohlmann (Autor), 2006, Sophokles Elektra vor dem Hintergrund der griechischen Dramaturgie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63545

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