„Hildesheimer Schüler gequält: Polizei führt Klasse ab.“ So lautete die Überschrift zu einem Bericht über Vorfälle and der Werner-von-Siemensschule der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung am 03.02.2004.
Das Konfliktpotential an deutschen Schulen ist groß/hoch.
Während Vorfälle wie dieser fürchterliche Einzelfälle darstellen, sind alltägliche Konflikte wie Beschimpfungen, Prügeleien oder Lästereien im Schulleben an der Tagesordnung.
In den letzten Jahren hat an vielen deutschen Schulen ein Verfahren Einzug gehalten, mit dem berechtigte Hoffnungen auf Möglichkeiten einer konstruktiven Konfliktbewältigung an Schulen verbunden sind:
Die Peer-Mediation.
So sind an Schulen im gesamten Bundesgebiet sogenannte „Streitschlichter-Programme“ entstanden.
Der Einsatz von Peer-Mediation an Schulen ist eine Thematik, die mich schon während meines gesamten Studiums begleitet und interessiert.
Bereits in meinen Schulpraktischen Studien an der Orientierungsstufe Himmelsthür habe ich im Rahmen von Hospitationen bei einer Streitschlichterausbildung erste Eindrücke und Erfahrungen in diesem Bereich sammeln können.
Im Wintersemester 2003/2004 besuchte ich ein Seminar zur „Mediation“ bei Christiane Temme und Karen Gragert, die Lehrerinnen an der Robert-Bosch-Gesamtschule sind und dort Schüler zu Streitschlichtern ausbilden. Im Rahmen dieses Seminars habe ich das Konzept der Mediation kennengelernt und in Rollenspielen eigene Erfahrungen zur Rolle des Mediator machen können.
Mein Interesse an der Mediation wuchs zunehmend, so dass im darauffolgenden Sommersemester ein Referat zur „Konfliktlösung und Mediation“ in einem Seminar zum „Fordern und Fördern“ übernommen habe.
Inhaltsverzeichnis
1. Konflikte
1.1 Konflikte - Definitionen und Typologien
1.2 Das Eisberg-Modell
1.3 Stufen der Eskalation von Konflikten
1.4 Umgang mit Konflikten
2. Mediation als Verfahren zur konstruktiven Konfliktlösung
2.1 Definition, Idee und Ziele der Mediation
2.2.1 Historische und kulturelle Wurzeln des Mediationsgedankens
2.2.2 Verbreitung aus den USA nach Deutschland
3. Methodik der Mediation
3.1 Zentrale Techniken
3.2 Die Phasen der Mediation
3.2.1 Einteilung der Phasen
3.2.2 Ablauf der Phasen
Verschiedene Lösungsmöglichkeiten
3.3 Kommunikationsrichtungen während eines Mediationsgesprächs
3.4 Die Rolle des Mediators
4. Einsatz von Peer-Mediation an Schulen
4.1 Konflikte in der Schule
4.1.1 Traditioneller Umgang mit schulischen Konflikten
4.2 Peer-Education
4.3 Peer-Mediation
4.3.1 Idee und Ziele der Peer-Mediation
4.3.2 Ursprung und Verbreitung von Peer-Mediation an Schulen
4.3.3 Ausbildung von Schülern zu Streitschlichtern
4.4 Notwendige Rahmenbedingungen
4.5 Peer-Mediation an Förderschulen
5. Chancen und Grenzen der Peer-Mediation an Schulen
5. 1 Chancen der Peer-Mediation
5.2 Grenzen der Peer-Mediation
6. Streitschlichtung an der Anne-Frank-Schule in Hildesheim
6.1 Pilotprojekt „Streitschlichtung durch SchülerInnen“
6.2 Ausbildung der Streitschlichter 2002/2003
6.3 Ausbildung der Streitschlichter 2004/2005
6.4 Durchführung von Streitschlichtungen
6.5 Hospitation bei einer Schlichtung
6.6 Interview mit den Streitschlichtern Alexander und Manal
7. Streitschlichtung an der Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim
7.1 Gesamtkonzept zur Förderung des sozialen Lernens
7.2 Von der Idee zur Vorbereitung eines Streitschlichterprogrammes an der RBG
7.3 Durchführung der Streitschlichter-AG der 7. Jahrgangsstufe
7. 4 Durchführung der Streitschlichtungen
7.4.1 Rahmenbedingungen
7.4.2 Ergebnisse der Streitschlichtungen: Interview mit zwei Streitschlichterinnen
7.5 Seminar „Streitschlichtung an der RBG“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Peer-Mediation als effektives Verfahren zur konstruktiven Konfliktlösung in schulischen Kontexten, wobei ein besonderer Fokus auf die praktische Umsetzung an einer Förderschule und einer Gesamtschule gelegt wird.
- Theoretische Fundierung des Konfliktbegriffs und des Mediationsansatzes.
- Methodische Gestaltung der Streitschlichter-Ausbildung für Schüler.
- Vergleichende Analyse der Implementierung an zwei spezifischen Schulen.
- Identifikation notwendiger Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Etablierung.
- Reflexion von Chancen, Grenzen und Erfolgskriterien der Peer-Mediation.
Auszug aus dem Buch
1.2 Das Eisberg-Modell
Das Eisberg-Modell basiert auf der Erkenntnis, dass nur ein Achtel eines Eisberges über der Wasseroberfläche zu sehen ist. Die restlichen sieben Achtel befinden sich unter Wasser, so dass sie nicht (oder zumindest nicht auf den ersten Blick) zu erkennen sind.
Ebenso verhält es sich laut Besemer auch mit einem Konflikt: Der nach außen hin sichtbare Teil – der Sachkonflikt – zeigt nur einen kleinen Teil der Aspekte, die für das Analysieren und Lösen des Konfliktes wichtig sind. (vgl. Besemer 2003, S. 28).
Unter der Oberfläche hingegen befindet sich der viel größere und wichtigere Teil: Die Hintergründe eines Konflikts, die in den meisten Fällen die eigentlichen Ursachen liefern.
Zu diesem Hintergrund können gehören: Unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse der streitenden Parteien, verletzte Gefühle und Normen, Beziehungsprobleme, persönliche Probleme und Vorerfahrungen, differierende Werteansichten, Missverständnisse und Kommunikationsprobleme, verschiedene Sichtweisen oder strukturelle Bedingungen.
Erst bei Beachtung dieser im Verborgenen liegenden Gesichtspunkte, kann es zu einer zufrieden stellenden Lösung für beide Beteiligten kommen. Zur Veranschaulichung möchte ich an dieser Stelle ein Beispiel geben:
In einem Mediationsgespräch beklagt sich ein Vater darüber, dass seine 16-jährige Tochter am Wochenende regelmäßig zu spät nach Hause kommt. Sie kann seine Einwände nicht nachvollziehen und sieht es gar nicht ein, früher zu kommen. Im weiteren Verlauf des Gesprächs stellt sich heraus, dass unterschiedliche Hintergründe die Ursache für den Konflikt liefern:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Konflikte: Es werden verschiedene Definitionen, Typologien und das Eisberg-Modell zur Analyse von Konflikten erörtert, um den destruktiven und konstruktiven Umgang mit Auseinandersetzungen zu unterscheiden.
2. Mediation als Verfahren zur konstruktiven Konfliktlösung: Das Kapitel definiert den Mediationsansatz, seine geschichtlichen Wurzeln und die Verbreitung der Methode von den USA nach Deutschland.
3. Methodik der Mediation: Hier werden die zentralen Kommunikationstechniken (wie Ich-Botschaften oder Spiegeln) und die strukturierten Phasen des Mediationsprozesses detailliert beschrieben.
4. Einsatz von Peer-Mediation an Schulen: Dieser Teil beleuchtet den traditionellen schulischen Umgang mit Konflikten und führt das Konzept der Peer-Mediation sowie notwendige Rahmenbedingungen für deren Anwendung ein.
5. Chancen und Grenzen der Peer-Mediation an Schulen: Es werden die Potenziale zur Verbesserung des Schulklimas sowie die Herausforderungen wie fehlende Akzeptanz oder Zeitknappheit kritisch diskutiert.
6. Streitschlichtung an der Anne-Frank-Schule in Hildesheim: Darstellung der schulspezifischen Implementierung, des Pilotprojekts sowie die Erfahrungen aus der Ausbildung und Schlichtungspraxis an einer Förderschule.
7. Streitschlichtung an der Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim: Beschreibung des Gesamtkonzepts für soziales Lernen an der Gesamtschule sowie Analyse des Ausbildungsprogramms und der gesammelten Praxiserfahrungen.
Schlüsselwörter
Peer-Mediation, Streitschlichtung, Konfliktlösung, Schule, Mediation, Soziale Kompetenz, Gewaltprävention, Eisberg-Modell, Kommunikation, Schulklima, Förderschule, Gesamtschule, Konfliktmanagement, Schülermediatoren, Konflikteskalation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht, inwieweit Peer-Mediation ein effektives Verfahren zur konstruktiven Konfliktlösung an Schulen darstellt, unter besonderer Berücksichtigung der Praxis an einer Förderschule und einer Gesamtschule.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen von Konflikten und Mediation, die Methodik des Schlichtens, die Implementierung von Peer-Mediation in Schulen sowie spezifische Rahmenbedingungen für Erfolg und Scheitern dieses Modells.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, wie Peer-Mediation als Baustein in ein schulisches Gesamtkonzept eingebettet werden kann, um Konfliktkulturen nachhaltig zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse theoretischer Konzepte sowie empirisch orientierten Praxiserfahrungen, gewonnen durch Hospitationen und Experteninterviews an den ausgewählten Schulen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Aspekte der Konflikttheorie und Mediation sowie die detaillierte Darstellung und Reflexion der Streitschlichtungsprogramme an der Anne-Frank-Schule und der Robert-Bosch-Gesamtschule.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Peer-Mediation, Streitschlichtung, soziale Kompetenzentwicklung, Gewaltprävention und das Eisberg-Modell charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Mediation an einer Förderschule von einer Regelschule?
An Förderschulen ist oft ein spezielles, handlungsorientierteres Ausbildungsprogramm nötig, da Schüler hier häufiger eine engere Begleitung durch Lehrkräfte benötigen und die Vermittlung sozialer Kompetenzen kleinschrittiger erfolgen muss.
Warum ist laut der Autorin ein "Gesamtkonzept" für den Erfolg entscheidend?
Peer-Mediation darf nicht als isolierte Maßnahme betrachtet werden. Nur wenn sie in ein präventives Gesamtkonzept eingebettet ist, findet eine breite Verankerung in der Schulkultur statt, wodurch Akzeptanz auf allen Ebenen der Schule gesichert wird.
- Quote paper
- Anna-Paula Kellner (Author), 2005, Peer-Mediation „Streitschlichter-Programme“ an einer Förderschule und einer Gesamtschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63565