1 Einleitung
Wahlen und ihnen vorausgehende Wahlkämpfe sind integraler Bestandteil einer jeden Demokratie. Daran hat sich seit der Entwicklung der neuzeitlichen Demokratien nichts geändert. Wohl aber der Charakter der Wahlkämpfe unterliegt dem Wandel der Zeit, der Inhalte, der Methoden und der technischen Möglichkeiten.
Seit einigen Jahren untersuchen Politikwissenschaftler verstärkt die Einflüsse, die auf einen Wahlkampf einwirken und wie dieser sich methodisch, stilistisch und organisatorisch verändert hat. Dabei stellte sich heraus, daß amerikanische Wahlkämpfe eine prägende Funktion für Wahlkämpfe in anderen Demokratien übernahmen. Die Frage einer Amerikanisierung soll hier nun hinsichtlich der deutschen Wahlkämpfe erörtert werden .
Es empfiehlt sich daher, zuerst die Methoden, Strategien und Techniken, dann die eventuellen Unterschiede der amerikanischen und der deutschen Wahlkampfbedingungen und später die in der Fachliteratur zu findende Kritik darzustellen. Eine adäquate Annäherung an die Frage ob, und inwieweit eine Amerikanisierung in der BRD bereits stattgefunden hat oder erst stattfinden wird, ist auf diese Weise erbracht.
Es soll hier also nicht besprochen werden, inwieweit der Wahlkampf die Wählerentscheidung beeinflußt, noch inwieweit die Inhalte der Politik in einzelnen Wahlkämpfen thematisiert werden, sondern lediglich, inwieweit der Wahlkampf in der BRD dem amerikanischen Stil entspricht, was dies im einzelnen bedeutet und welche Konsequenzen sich aus der vermuteten Entwicklung ergeben.
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Allgemeiner Trend politischer Partizipation und Situation der Parteien und Medien
3 Strategien, Methoden und Merkmale des modernen Medienwahlkampfs
4 Wahlkampfrelevante Unterschiede USA-BRD
5 Amerikanischer Walhkampfstil: Kritische Stimmen
6 Schlußbetrachtungen und Ausblicke
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die These einer zunehmenden Amerikanisierung deutscher Wahlkämpfe. Dabei wird analysiert, inwieweit sich methodische, stilistische und organisatorische Veränderungen in der Bundesrepublik Deutschland an amerikanische Vorbilder angleichen und welche Konsequenzen sich daraus für die politische Kultur ergeben.
- Analyse der veränderten Rolle von Parteien und Massenmedien.
- Untersuchung von Strategien und Methoden des modernen Medienwahlkampfs.
- Gegenüberstellung der Wahlkampfbedingungen in den USA und der BRD.
- Kritische Reflexion der Symbolischen Politik und Professionalisierung.
- Beurteilung der Zukunftsfähigkeit des deutschen Wahlkampfmodells.
Auszug aus dem Buch
3 Strategien, Methoden und Merkmale des modernen Medienwahlkampfs
Jedem Wahlkampf liegt eine der drei klassischen Strategien zugrunde: Leistungs-, Angriffs- oder Vergleichsstrategie. Entscheidender aber ist, daß, egal welche nun als die zur Darstellung eigener Politik idealste angesehen wird, diese Strategie konsequent durchgehalten wird, ohne darauf zu verzichten, auf aktuelle Ereignisse und Veränderung zu reagieren. „Medienkampagne, Werbekampagne und direkte Wähleransprache müssen als konzeptionelle Einheit begriffen und aufeinander abgestimmt sein (...)“. Darüber hinaus muß versucht werden, die Themenagenda des Wahlkampfs unter die eigene Kontrolle zu bringen („framing“), um so zu gewährleisten, daß der Gegner seine Strategie nicht voll umsetzen kann.
Da die Mittel des klassischen Wahlkampfs dies heutzutage nur noch minimal leisten können und daher eine sekundäre Rolle spielen, favorisieren die Parteien das Fernsehen als Werbemittel und unterteilen die Sendemöglichkeiten in „free media und paid media“. Als „free media“ wird die alltägliche Berichterstattung über Politik in den Nachrichtenmagazinen bezeichnet, da diese den Zuschauer nicht nur informiert, sondern gleichzeitig auch Werbemöglichkeit für die Politik der Parteien ist. Zur „paid media“ gehören alle Arten bezahlter Werbung, wie Werbespots etc. Größeren Wert legen die Strategen allerdings auf die „free media“, da zum einen die Nachrichtenmagazine häufig konsumiert werden, und zusätzlich angenommen wird, daß das Publikum nicht erkennt, daß die „free media“ durchaus ein Bestandteil einer Werbestrategie sein kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Wahlkampfveränderungen und Darlegung der Fragestellung bezüglich einer möglichen Amerikanisierung deutscher Wahlkämpfe.
2 Allgemeiner Trend politischer Partizipation und Situation der Parteien und Medien: Analyse des Rückgangs der Parteiidentifikation (Dealignment) und der wachsenden Bedeutung der Massenmedien als neue Wahlkampfplattformen.
3 Strategien, Methoden und Merkmale des modernen Medienwahlkampfs: Erörterung der zentralen Kampagnenstrategien, der Differenzierung in Free- und Paid-Media sowie des Phänomens der symbolischen Politik.
4 Wahlkampfrelevante Unterschiede USA-BRD: Identifikation der strukturellen Divergenzen zwischen den Systemen, insbesondere im Hinblick auf das duale Mediensystem und die Art der Fernsehdebatten.
5 Amerikanischer Walhkampfstil: Kritische Stimmen: Zusammenstellung wissenschaftlicher Kritik an der Professionalisierung, Personalisierung und der Gefahr der Entpolitisierung durch symbolische Politik.
6 Schlußbetrachtungen und Ausblicke: Fazit zur impulsgebenden Rolle der USA und Einschätzung des aktuellen Stands der Amerikanisierung in der BRD.
Schlüsselwörter
Amerikanisierung, Wahlkampf, Politische Werbung, Politisches Marketing, Massenmedien, Symbolische Politik, Personalisierung, Professionalisierung, Dealignment, Medienwahlkampf, Free Media, Paid Media, Parteien, Wahlstrategie, Politikverdrossenheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und inwieweit moderne Wahlkämpfe in der Bundesrepublik Deutschland zunehmend amerikanischen Vorbildern folgen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Entwicklung des Medienwahlkampfs, die Rolle der Massenmedien sowie die Strategien der Professionalisierung und Personalisierung von Politik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine kritische Annäherung an die Frage, ob eine "Amerikanisierung" bereits stattgefunden hat oder als künftiger Trend zu erwarten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, die verschiedene politikwissenschaftliche Konzepte und Forschungsergebnisse zu einem Gesamtbild zusammenfügt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Strategien des modernen Medienwahlkampfs, vergleicht das US-amerikanische mit dem deutschen System und erörtert kritische Einwände aus der Fachliteratur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Amerikanisierung, Symbolische Politik, Medienwahlkampf, Professionalisierung, Personalisierung und Politikverdrossenheit.
Wie unterscheidet sich die Berichterstattung in den USA von der in der BRD?
Ein wesentlicher Unterschied liegt im dualen Mediensystem der BRD, das als Selektionsfilter wirkt, während in den USA weniger Restriktionen für die Ausstrahlung von Wahlwerbung existieren.
Was ist mit dem Begriff "symbolische Politik" gemeint?
Dieser Begriff beschreibt die Reduktion komplexer politischer Inhalte auf Slogans, Schlagworte und die Emotionalisierung, um eine medienwirksame Darstellung zu erreichen.
- Quote paper
- Magister Artium Michael Barthels (Author), 1997, Amerikanisierung von Wahlkämpfen in der BRD?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/636