Der Index of Economic Freedom der Heritage Foundation


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
19 Seiten, Note: 13,8

Leseprobe

Gliederung

1. Beschreibung der Institution
1.1 Gründung und Ziele der Heritage Foundation
1.2 Arbeitsweise
1.3 Öffentlichkeitsarbeit und Einfluss
1.4 Mitarbeiter
1.5 Arbeitsfelder
1.6 Finanzierung

2. Aufbau und Darstellung des Indikatorenkatalogs
2.1 Der Aufbau
2.1.1 Die Einzelindikatoren
2.1.2 Die Bewertungsskala
2.1.3 Zeitraum der Untersuchung
2.1.4 Quellen
2.1.5 Konkrete Beispiele der Bewertung eines Faktors
2.2 Das aktuelle Länderranking
2.3 Zusammenhang zwischen Grad der wirtschaftlichen Freiheit und der Höhe des durchschnittlichen Prokopfeinkommens

3. Stärken des Indikatorenkatalogs

4. Schwächen des Indikatorenkatalogs

5. Formale Einstiegsvoraussetzungen für Arbeitnehmer / Berufseinsteiger in die Heritage Foundation
5.1 Aktuelle Stellenausschreibungen
5.2 Young Leaders Programs

Quellen

1. Beschreibung der Organisation

Die Heritage Foundation ist ein Politikforschungsinstitut mit Sitz in Washington, das

sich selbst als „think tank“ bezeichnet[1]. Nach einer in der politikwissenschaftlichen Diskussion üblichen Definition handelt es sich also um eines der inzwischen zahlreichen Institute, besonders in den USA, die „Wissen akkumulieren, es in den politischen Betriebe hinein vermitteln und dies zum Wohle der Allgemeinheit tun“[2].

1.1 Gründung und Ziele der Heritage Foundation

1973 wurde die Foundation von einer Gruppe konservativer Kongressabgeordneter und Publizisten ins Leben gerufen, unter ihnen Paul Weyrich und Edwin J. Feulner, der ihr seit 1977 als Präsident vorsteht.

Den entscheidenden Auslöser für die Gründung eines solchen konservativen Projekts gab eine Abstimmungsniederlage der Konservativen in einer Kongressdebatte über den Bau von Überschall-Transportflugzeugen 1971.[3] Die von dem American Enterprise Institute (AEI)[4] erarbeitete Studie mit den benötigten Argumenten für die Befürworter des Baus erreichte die Abgeordneten zu spät.

Laut Edwin Feulner war dies der Moment, als er und Weyrich entschieden, dass die Konservativen ein unabhängiges Forschungsinstitut bräuchten, um die politische Debatte und das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten vor den endgültigen Entscheidungen zu beeinflussen.[5]

Zudem verstand sich die Foundation von Beginn an als Gegengewicht zu der politischen Linken mit ihrer „finely tuned policy-machine“, der ein Gleichgewicht aus dem anderen Lager des politischen Spektrums entgegengesetzt werden sollte.[6]

„We are not afraid to begin our sentences with the words ´We believe´, because we do believe: in individual liberty, free enterprise, limited government, a strong national defense, and traditional American values.”

“We want an America that is safe and secure, where choices (in education, health care and retirement) abound; where taxes are fair, flat, and comprehensible; where everybody has the opportunity to go as far as their talents will take them; where government concentrates in its core functions, recognizes its limits and shows favour to none. And the policies we propose would accomplish these things.”[7]

1.2 Arbeitsweise

Obgleich die entscheidende Motivation bei der Gründung der Heritage Foundation die Beeinflussung von Meinungsfindungsprozessen bei Entscheidungsträgern war, gehört es jedoch von Beginn an zu den Prinzipien der Foundation, keine bezahlten Auftragsarbeiten für die Regierung oder den Kongress anzunehmen.[8]

Vielmehr bestand und besteht ein Großteil ihrer Tätigkeit darin, Kongressmitglieder und ihre Mitarbeiter, mithin möglichst alle im politischen Betrieb Washingtons Arbeitende, kostenlos mit sog. Backgrounders, Commitee Briefs, Executive Memorandums oder Heritage Lectures zu versorgen.[9]

Zu den von dem Büro für Öffentlichkeitsarbeit erstellten Publikationen gehören außerdem die täglichen Issue Bulletins: Meinungsbeiträge, die u.a. auch an Zeitungsredakteure verschickt werden.

We believe that ideas have consequences, but that those ideas must be promoted aggressively. So, we constantly try to innovative ways to market our ideas.”[10]

Der Think Tank arbeitet also mit einer zuvor unbekannten Mischung aus bewusst aggressiven Vermarktungstechniken und akademischer Expertise.[11]

Neben der Öffentlichkeitsarbeit ist ein wesentlicher Faktor für die Durchsetzung der Ziele der Heritage Foundation der Aufbau eines konservativen Netzwerks, der so genannten „Conservative Community“.

1.3 Öffentlichkeitsarbeit und Einfluss

Entsprechend seiner starken Konzentration auf den publizistischen Bereich sind 14 der insgesamt etwa 200 Mitarbeiter Spezialisten für Öffentlichkeitsarbeit und ein erheblich größerer Teil des Jahresbudgets als bei anderen Think Tanks wird in diesen Bereich und die Werbung investiert.

Dass sich dies auch auszahlt, zeigt eine Umfrage unter Journalisten und Kongressmitarbeitern, die auf die Frage nach den einflussreichsten drei Think Tanks zu 80 % die Heritage Foundation nannten.[12]

Der Durchbruch in der breiten Öffentlichkeit gelang dem Institut 1980, nach der Wahl Ronald Reagans, als es ein Werk mit dem Titel Mandate for Leadership – auch als Taschenbuch – veröffentlichte, das zum Bestseller avancierte, als „the bible of the Reagan Revolution“[13] bekannt wurde und diesem Namen auch insofern Ehre machte, als weite Teile der in dem Text enthaltenen Empfehlungen zu allen politischen Feldern durch die Reagan- Administration umgesetzt wurden.

1.4 Mitarbeiter

Das politische Personal der Stiftung besteht zu einem großen Teil aus jüngeren Hochschulabsolventen, die sich spezialisieren auf „quick-response public policy research and in marketing the academic works for public policy consumption.[14]

Momentan arbeiten 57 Politikanalysten für die Foundation, es gibt zudem viele Gastkommentatoren.

1.5 Arbeitsfelder

40 verschiedene Politikbereiche werden analysiert, u.a. Gesundheitspolitik, Arbeitsmarkt, Außenpolitik und Internationale Organisationen. Neben den regelmäßigen Meinungsbeiträgen und der Analyse aktueller Politikfelder werden auch Datenbanken erstellt.[15]

In Zusammenarbeit mit dem Wall Street Journal veröffentlicht die Heritage Foundation außerdem jährlich den Index of Economic Freedom, der in den nachfolgenden Kapiteln behandelt wird.

1.6 Finanzierung

Finanziert wird sie neben Großspenden aus Stiftungen und Unternehmen durch eine sehr hohe Anzahl von Kleinspenden konservativer Bürger, die 40 bis 50 Prozent des Jahresetats ausmachen.

Sie war auch der erste Think Tank, der eine direkte Spendenkampagne per Briefwerbung organisierte (1977) - und auch heute noch jährlich durchführt -, die ihr den Status als Politikforschungsinstitut mit dem höchsten Anteil von privaten Kleinspendern sichert und zum höchsten Budget aller Think Tanks beiträgt.

Dieses betrug 1999 43,6 Millionen Dollar, was eine Verdopplung des Spendenaufkommens während der Regierung Clinton (1993-1998) bedeutete[16], 2004 29,7 Millionen Dollar.[17] Als gemeinnützige Stiftung, die keine offizielle Lobbyarbeit betreibt, ist die Foundation steuerbefreit.

2. Aufbau und Darstellung des Indikatorenkatalogs

Seit 1995 veröffentlichen die Heritage Foundation und das Wall Street Journal jährlich den Index of Economic Freedom[18], der den Grad der wirtschaftlichen Freiheit in den untersuchten Ländern feststellt.[19]

Economic Freedom wird dabei von der Foundation definiert als

“the absence of government coercion or constraint on the production, distribution, or consumption of goods and services beyond the extent necessary for citizens to protect and maintain liberty itself”[20].

Bereits 1980 wurde die Idee eines benutzerfreundlichen Index als „tool for policymakers and investors“ in dem Institut diskutiert, die inzwischen zum 12. Mal verwirklicht wurde.[21]

Ziel des Berichts über die Entwicklung der wirtschaftlichen Freiheit weltweit ist die Erfassung der Faktoren, die das Wirtschaftswachstum am meisten beeinflussen und der Nachweis eines Zusammenhangs zwischen größerer wirtschaftlicher Freiheit und einem höheren Lebensstandard der Länder. Es wurde versucht, eine Methode zu entwickeln, die die Vergleichbarkeit von so unterschiedlichen Ländern wie beispielsweise Hongkong und North Korea ermöglicht.[22]

Die Untersuchungsergebnisse werden zu Beginn jedes Jahres unter anderem auf der Homepage der Heritage Foundation veröffentlicht und können von dort herunter geladen oder als Buch über das Institut erworben werden.

Der Bericht ist in verschiedene Kapitel eingeteilt, in denen nach einer Einführung der verantwortlichen Autoren und des Präsidenten der Heritage Foundation, Edwin J. Feulner, die Vorgehensweise bei der Einstufung der bewerteten Länder dargestellt wird, einzelne Länder und ihre Entwicklung genauer analysiert werden und eine zusammenfassende Analyse der Entwicklung im globalen Zusammenhang erfolgt.

2.1 Der Aufbau des Index of Economic Freedom

2.1.1 Die Einzelindikatoren

Der Index wird auf der Grundlage von 50 Einzelindikatoren ( variables), die in 10 „Faktoren für wirtschaftliche Freiheit“ zusammengefasst sind, erstellt.

Jeder dieser 10 Faktoren wird dabei für die Untersuchung als gleichbedeutend für die wirtschaftliche Freiheit eines Landes angesehen[23].

[...]


[1] S. die offizielle Homepage der Foundation: www.heritage.org.

[2] Zit. nach Gehlen, Martin: Politikberatung in den USA. Der Einfluss von Think Tanks auf die amerikanische Sozialpolitik, S. 21.

[3] Vgl. ebd., S. 149.

[4] Das AEI wurde 1943 von Lewis H. Brown und anderen Unternehmern gegründet, um der Konversion der Kriegswirtschaft und staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft entgegenzuwirken. Vgl. Gellner, Winand: Ideenagenturen für Politik und Wirtschaft: Think Tanks in den USA und Deutschland, S. 88.

[5] Vgl. Edwards, Lee: The power of Ideas. The Heritage Foundation at 25 Years. Ottawa 1997, S. 5.

[6] Vgl. ebd., S. 3.

[7] Zit. aus der Präsentation der Heritage Foundation auf ihrer Hompage.

[8] Vgl. Gehlen, S. 150.

[9] Bis 2001 publizierte die Heritage Foundation auch die vielbeachtete Policy Review, die dann vom Hoover Institute übernommen wurde.

[10] Zit. aus der Präsentation der Heritage Foundation auf ihrer Homepage.

[11] Vgl. Weaver, Kent: The changing World of Think Tanks, S. 567.

[12] Vgl. Cassel, Susanne: Wissenschaftliche Beratung in der Wirtschaftspolitik – zur Rolle von Think Tanks in der US-amerikanischen Politikberatung, S. 222.

[13] Vgl. Gehlen, S. 151.

[14] Zit. Edwin Feulner in: Gehlen, S. 150.

[15] S. z.B. die Family &Society Database auf www.heritage.org.

[16] Zu der Einnahmensstatistik vgl. Gehlen, S. 152. Das Institut machte während des Präsidentschaftswahlkampfes 1996 aktiv Werbung für Clintons Gegenkandidaten Bob Dole, der von der Foundation ihre Spenderkartei für seine Wahlkampfspendenkampagne bekam. Vgl. Gehlen, S. 155.

[17] Vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Heritage_foundation.

[18] Nachfolgend IEF abgekürzt. Die unten angeführten Seitenangaben des IEF beziehen sich auf die der PDF-Dateien.

[19] Inzwischen gibt es auch andere Versuche, die wirtschaftliche Freiheit weltweit zu messen und in einem Länderranking darzustellen: den Economic Freedom of the World Annual Report des Fraser Institute und den World Survey of Economic Freedom: 1995-1996 von Richard E. Messick, Transaction Publishers 1996.

[20] Zit. nach IEF, S. 56.

[21] Vgl. IEF, S.1.

[22] Vgl. IEF, S. 55.

[23] Die Autoren erwähnen zwar jüngste Untersuchungen, die einigen Faktoren einen größeren Einfluss auf die wirtschaftliche Freiheit zuwiesen als den anderen, behalten aber dennoch eine gleiche Gewichtung aller 10 Faktoren bei, da unstreitig sei, dass jedenfalls ein gutes Abschneiden in allen Kategorien notwendig sei, um langfristiges Wachstum und wirtschaftlichen Wohlstand zu begründen.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Index of Economic Freedom der Heritage Foundation
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
13,8
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V63605
ISBN (eBook)
9783638566124
Dateigröße
706 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die grobe Gliederung der Seminararbeit wurde vom Dozenten vorgegeben.
Schlagworte
Index, Economic, Freedom, Heritage, Foundation
Arbeit zitieren
Melanie Hohmann (Autor), 2006, Der Index of Economic Freedom der Heritage Foundation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63605

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