Der frühkindliche Autismus. Schwerpunkt: Behandlungs- und Fördermethoden


Vordiplomarbeit, 2005

26 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung
2.1 Verhaltensauffälligkeiten
2.2 Entwicklungsstörungen
2.3 Psychische Störungen

3 Was unter Autismus verstanden wird

4 Symptomatik
4.1 Wahrnehmung
4.2 Sprache
4.3 Motorik und autonome Funktionen
4.4 Sekundäre Verhaltensprobleme
4.5 Spezielle Fertigkeiten

5 Formen, Diagnostik und Epidemiologie von Autismus

6 Behandlungs- und Fördermethoden
6.1 Allgemeine Prinzipien der Förderung
6.2 Frühförderung
6.3 Verhaltenstherapie
6.4 Körperbezogene Verfahren
6.5 Pädagogische Programme
6.6 Medikamentöse Therapie
6.7 Krisenintervention
6.8 Neuere Trends in der Behandlung

7 Verlauf und Prognose

8 Resümee

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Kaum eine andere Entwicklungsstörung hat weltweit Wissenschaftler so beschäftigt wie der frühkindliche Autismus. Und fragen wir jemanden, was er sich unter Autismus vorstellt, so erfahren wir in der Regel etwas über die gängigen Klischees: zwanghafte Rituale, bizarre Reaktionen, gestörter Blickkontakt und eigentümliche Verhaltensweisen. Des Weiteren erfährt man, dass diese Kinder zurückgezogen leben und kaum sprechen, jedoch seien sie hochintelligent und haben ein ausgezeichnetes Zahlenverständnis und können so, wie in vielen Filmen aus Hollywood zu sehen, die schwierigsten und geheimsten Computercodes knacken.

Im nachfolgenden Zitat beschreibt jedoch eine französische Schriftstellerin das Anders-Sein ihres Sohnes wie folgt: „Von deinem ersten Lebensjahr an, Julien-Hugo, und in den ersten Jahren danach hast du dich seltsam entwickelt, denn du weigerst dich zu sprechen, zu kauen, deine Notdurft zu verrichten. Stundenlang bliebst du reglos, mit abwesendem Blick sitzen. Deine Hauptbeschäftigung bestand darin, irgendwelche Gegenstände zu drehen, aber du schriest, wenn man etwas zu dir sagte oder wenn man dich in den Arm nehmen wollte. Du schriest, sobald man nur deinen Namen aussprach. Dabei habe ich versucht, ihn auf tausenderlei Arten zu modulieren. Doch das ändert nichts, es war unmöglich, dich zu rufen.“[1]

Was steckt nun hinter dieser für die meisten geheimnisvollen Krankheit? Diese Arbeit stellt das Krankheitsbild des frühkindlichen Autismus vor. Was für Behandlungsmöglichkeiten gibt es und was kann mit ihnen erreicht werden? Kann man Autismus vielleicht sogar heilen? Diese Fragen sollen Gegenstand des Kapitels 6 über Behandlungs- und Fördermethoden sein. Hierfür sind jedoch auch Kenntnisse über Symptome von Bedeutung.

2 Begriffsklärung

Um professionelle Hilfe leisten zu können, muss man einige Begriffe kennen und differenzieren können, denn wenn alle Problematiken unterschiedslos behandelt werden, wird es kaum möglich sein, den Klienten die Hilfe zur Verfügung zu stellen, die sie individuell benötigen.

2.1 Verhaltensauffälligkeiten

Dieser Begriff wird in der Pädagogik anders verstanden als in der Psychiatrie. In der Pädagogik handelt es sich um ein soziales und pädagogisches Problem, vornehmlich als Störung der Interaktion und Beziehung, wobei es in der Psychiatrie als eine individuelle und pathologische Störung gesehen wird.[2]

Diese unterschiedliche Definition ist wichtig für den Therapieansatz. In der Pädagogik sind umfeldbezogene oder pädagogische Hilfen und Interventionen sowie eine psychosoziale Begleitung von Bedeutung. In der Psychiatrie hingegen steht die psychiatrische bzw. psychopharmakologische Behandlung im Vordergrund.[3]

Probleme beim Umgang mit diesem Begriff zeigen sich unter anderem darin, dass diese Auffälligkeiten oft einseitig und als negative oder abweichende Störung und nicht als aktives und letztendlich sinnvolles Handeln der Person und als Störung der Person-Umwelt-Beziehung gesehen werden. Hinzu kommt die hohe und subjektiv bestimmte Definitionsmacht der Helfer.[4]

2.2 Entwicklungsstörungen

Über den Begriff der Entwicklungsstörung existieren verschiedene Definitionen:

„Sammelbezeichnung für psychische Erkrankung im Kleinkind- und Kindesalter mit Beeinträchtigung mehrer Entwicklungsbereiche (z.B. soziale Interaktion, Kommunikation, Stereotype); Vorkommen z.B. beim frühkindlichen Autismus“.[5]

Als Entwicklungsverzögerung wird die „gegenüber dem Lebensalter bestehende Verzögerung der körperlichen und/oder intellektuellen Entwicklung als Reifungsverzögerung, -hemmung“ bezeichnet.[6]

2.3 Psychische Störungen

Die Bezeichnung psychische Störung ist in vielen Punkten noch ungeklärt. Nach dem medizinischen Verständnis stellt eine psychische Krankheit eine behandlungsbedürftige Störung der psychischen und/oder kognitiven Funktionen dar, die nach dem Kategoriensystem der Psychopathologie klassifiziert wird. Dieses System ist jedoch sehr statisch und kategorial und bei einer näheren Betrachtung wird die Bestimmung von psychischer Krankheit komplizierter.[7]

3 Was unter Autismus verstanden wird

Der Begriff Autismus wurde 1911 vom Schweizer Psychiater Eugen Bleuler eingeführt, der damit ein Grundsymptom der Schizophrenie beschrieb. In den Vierziger Jahren wurde dieser Begriff von dem amerikanischen Kinderpsychiater Leo Kanner und dem österreichischen Pädiater Hans Asperger wieder aufgenommen. Sie beschrieben damit autistische Störungsbilder bei Kindern, die sich jedoch nicht aktiv in eine Phantasiewelt zurückziehen, wie es Bleuler in seiner Definition von Autismus beschreibt, sondern von Geburt an unfähig oder eingeschränkt fähig sind, soziale Kontakte zu entwickeln. Da der Begriff inzwischen weltweit gebräuchlich war, wurde er beibehalten.[8]

Der Autismus wird innerhalb der Internationalen Klassifikation der WHO (World Health Organization) in der ICD-10 klassifiziert. Zentrales Merkmal ist die Beeinträchtigung des Kontakts zur gesamten Umwelt, wobei in besonderer Weise der soziale Kontakt betroffen ist. Darüber hinaus ist in gleicher Weise die Auseinandersetzung mit der Dingwelt verändert.[9]

Besonders in populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen werden diese Kinder immer wieder mystifiziert. Sie werden als Kinder beschrieben, die nicht in dieser Welt leben und im eigenen Ich gefangen seien. Es handelt sich jedoch um ein Krankheitsbild, und diese Kinder haben eine andere, meist eigene Art, ihre Umwelt zu identifizieren und letztendlich mit ihr umzugehen.[10]

Zusammenfassend hat sich meist vor dem dritten Lebensjahr eine tief greifende Entwicklungsstörung[11] mit folgenden typischen Beeinträchtigungen manifestiert:[12]

qualitative Beeinträchtigung der zwischenmenschlichen Beziehung (Kontaktstörung)

qualitative Beeinträchtigung der verbalen und non-verbalen Kommunikation sowie der Fantasie (Kommunikationsstörung, aufgehobene oder verzögerte Sprachentwicklung)

deutlich beschränktes Repertoire von Aktivitäten und Interessen

Es sei erwähnt, dass nicht alle Lehrbücher dieses Krankheitsbild einheitlich beschreiben.

4 Symptomatik

Symptome sind wichtig für das Erkennen einer Krankheit. Des Weiteren lassen diese eine Differenzierung der Krankheit zu, denn selbst in einem Krankheitsbild gibt es feine Unterschiede, die ganz entscheidend für die Auswahl der richtigen Therapie sind.

4.1 Wahrnehmung

Ausgesuchte Beispiele für Störungen der Wahrnehmung:[13]

Aufhorchen bei speziellen, meist leisen Tönen; Nichtreagieren auf bestimmte, meist laute Geräusche; oft unerklärliche Angst bei unbekannten Geräuschen

Bevorzugung bestimmter Lichtreize, z.B. Glitzern, Spiegelungen usw.; Vorliebe für optisch-strukturelle Muster auf z.B. Teppichen, Puzzeln, Tapeten; Vorliebe für winzige Krümel, kleine Flusen, Falten der Kleidung usw.

Stereotypes Bewegen von Händen und Fingern vor den Augen; häufiges Belecken, Betasten, Befühlen, Beschnüffeln, Beklopfen von Personen und Gegenständen

Oft mangelnder Blickkontakt; Tendenz, nicht die Gesamtheit eines Gegenstandes oder einer Person wahrzunehmen

Ungewöhnliche Reaktionen auf Berührungen; Neigung, sich selbst Schmerzen zuzufügen; wenig Reaktionen auf Kälte, Hitze, Schmerz oder seltsamen Geschmack

Sonderbare Reaktionen auf bestimmte Sinneseindrücke, z.B. Augen bedecken bei Geräuschen oder Ohren zuhalten bei hellem Licht

[...]


[1] Slotta, Ina: Autismus. Der nicht gelungene Umgang mit Verschiedenheit. Dortmund 2002, S. 21

[2] Vgl. Theunissen, Georg: Krisen und Verhaltensauffälligkeiten bei geistiger Behinderung und Autismus. Stuttgart 2003, S. 6

[3] Ebd., S. 6

[4] Ebd., S. 6

[5] Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. Berlin 2002, S. 453

[6] Roche: Lexikon Medizin. 1999.

[7] Vgl. Theunissen 2003, S. 7

[8] Vgl. Remschmidt, Helmut: Autismus. München 2000, S. 9

[9] Vgl. Rollett, B./Kastner-Koller, U.: Praxisbuch Autismus. Stuttgart 1994, S. 232

[10] Vgl. Dzikowski, Stefan: Ursachen des Autismus. Weinheim 1993, S. 8 f.

[11] Vgl. Pschyrembel 2002, S. 158

[12] Vgl. Rollett/Kastner-Koller 1994, S. 232 f.

[13] Vgl. Dzikowski 1993, S. 9 f.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Der frühkindliche Autismus. Schwerpunkt: Behandlungs- und Fördermethoden
Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
1,7
Jahr
2005
Seiten
26
Katalognummer
V63606
ISBN (eBook)
9783638566131
ISBN (Buch)
9783638669382
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Autismus, Schwerpunkt, Behandlungs-, Fördermethoden
Arbeit zitieren
Anonym, 2005, Der frühkindliche Autismus. Schwerpunkt: Behandlungs- und Fördermethoden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63606

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