Kaum eine andere Entwicklungsstörung hat weltweit Wissenschaftler so beschäftigt wie der frühkindliche Autismus. Und fragen wir jemanden, was er sich unter Autismus vorstellt, so erfahren wir in der Regel etwas über die gängigen Klischees: zwanghafte Rituale, bizarre Reaktionen, gestörter Blickkontakt und eigentümliche Verhaltensweisen. Des Weiteren erfährt man, dass diese Kinder zurückgezogen leben und kaum sprechen, jedoch seien sie hochintelligent und haben ein ausgezeichnetes Zahlenverständnis und können so, wie in vielen Filmen aus Hollywood zu sehen, die schwierigsten und geheimsten Computercodes knacken.
Im nachfolgenden Zitat beschreibt jedoch eine französische Schriftstellerin das Anders-Sein ihres Sohnes wie folgt: „Von deinem ersten Lebensjahr an, Julien-Hugo, und in den ersten Jahren danach hast du dich seltsam entwickelt, denn du weigerst dich zu sprechen, zu kauen, deine Notdurft zu verrichten. Stundenlang bliebst du reglos, mit abwesendem Blick sitzen. Deine Hauptbeschäftigung bestand darin, irgendwelche Gegenstände zu drehen, aber du schriest, wenn man etwas zu dir sagte oder wenn man dich in den Arm nehmen wollte. Du schriest, sobald man nur deinen Namen aussprach. Dabei habe ich versucht, ihn auf tausenderlei Arten zu modulieren. Doch das ändert nichts, es war unmöglich, dich zu rufen.“
Was steckt nun hinter dieser für die meisten geheimnisvollen Krankheit? Diese Arbeit stellt das Krankheitsbild des frühkindlichen Autismus vor. Was für Behandlungsmöglichkeiten gibt es und was kann mit ihnen erreicht werden? Kann man Autismus vielleicht sogar heilen? Diese Fragen sollen Gegenstand des Kapitels 7 über Behandlungs- und Fördermethoden sein. Hierfür sind jedoch auch Kenntnisse über Symptome und Ursachen von großer Bedeutung, da diese immer auch Gegenstand einer Therapie sein sollten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung
2.1 Verhaltensauffälligkeiten
2.2 Entwicklungsstörungen
2.3 Psychische Störungen
3 Was unter Autismus verstanden wird
4 Symptomatik
4.1 Wahrnehmung
4.2 Sprache
4.3 Motorik und autonome Funktionen
4.4 Sekundäre Verhaltensprobleme
4.5 Spezielle Fertigkeiten
5 Formen, Diagnostik und Epidemiologie von Autismus
6 Behandlungs- und Fördermethoden
6.1 Allgemeine Prinzipien der Förderung
6.2 Frühförderung
6.3 Verhaltenstherapie
6.4 Körperbezogene Verfahren
6.5 Pädagogische Programme
6.6 Medikamentöse Therapie
6.7 Krisenintervention
6.8 Neuere Trends in der Behandlung
7 Verlauf und Prognose
8 Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, das Krankheitsbild des frühkindlichen Autismus zu erläutern und verschiedene Behandlungs- sowie Fördermethoden vorzustellen, um deren Möglichkeiten und Grenzen bei der Unterstützung betroffener Kinder zu analysieren.
- Krankheitsbild und Symptomatik des frühkindlichen Autismus
- Differenzierung von Behandlungs- und Fördermethoden
- Rolle der Frühförderung und verhaltenstherapeutischer Ansätze
- Kriterien für Kriseninterventionen bei autistischen Menschen
- Langzeitverlauf, Prognose und Lebensperspektiven
Auszug aus dem Buch
6.3 Verhaltenstherapie
Das Vorgehen der Verhaltenstherapie ist nicht grundsätzlich anders als bei anderen Störungsbildern, jedoch sind die Methoden auf die Besonderheiten autistischer Kinder zu modifizieren und anzupassen. Bei der Anwendung von verhaltenstherapeutischen Methoden wird laut Lovass, der als einer der ersten (1974) verhaltenstherapeutische Praktiken bei autistischen Störungen angewandt hat, von drei Grundannahmen ausgegangen:
1) Autismus wird primär nicht als Beziehungsstörung, sondern als Störung der sinnlichen Wahrnehmung (Perzeption) und der Wahrnehmungsverarbeitung (Kognition) angesehen. Beim Asperger-Syndrom dominiert jedoch die Beziehungsstörung, die eher als Charaktereigenschaft betrachtet wird.
2) Die Ursachen der Störung werden nicht in die Behandlung einbezogen, da Ätiologie und Genese noch nicht vollständig bekannt bzw. geklärt sind. Jedoch kann Verhalten auch unabhängig von einer genauen Ursachenkenntnis modifiziert bzw. verändert werden und zwar im Aufbau erwünschten und im Abbau unerwünschten Verhaltens.
3) Verhaltenstherapeutische Behandlungsmaßnahmen können auch von Eltern und anderen wichtigen Bezugspersonen durchgeführt werden, sofern sie diese erlernt und ihre Prinzipien verstanden haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des frühkindlichen Autismus ein, beleuchtet gängige Klischees und formuliert die zentralen Fragestellungen zur Behandlung und Heilbarkeit.
2 Begriffsklärung: Dieses Kapitel differenziert zentrale Begriffe wie Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsstörungen und psychische Störungen, um eine fundierte Grundlage für therapeutische Ansätze zu schaffen.
3 Was unter Autismus verstanden wird: Hier wird die historische Entwicklung des Begriffs Autismus sowie die heutige Klassifizierung nach ICD-10 dargelegt.
4 Symptomatik: Das Kapitel beschreibt detailliert die verschiedenen Symptome in den Bereichen Wahrnehmung, Sprache, Motorik, sekundäre Verhaltensprobleme und spezielle Fertigkeiten.
5 Formen, Diagnostik und Epidemiologie von Autismus: Dieses Kapitel beleuchtet die Unterscheidung verschiedener Autismusformen sowie Häufigkeiten und diagnostische Kriterien.
6 Behandlungs- und Fördermethoden: Der Hauptteil analysiert verschiedene Ansätze wie Frühförderung, Verhaltenstherapie, körperbezogene Verfahren, medikamentöse Therapie und Kriseninterventionen.
7 Verlauf und Prognose: Hier werden Langzeitverläufe, Einflussfaktoren auf die Prognose und Möglichkeiten der sozialen Integration thematisiert.
8 Resümee: Das Resümee fasst den aktuellen Erkenntnisstand zusammen und betont, dass trotz Fortschritten eine Heilung nach heutigem Wissen nicht möglich ist und der Fokus auf der bestmöglichen Förderung liegen sollte.
Schlüsselwörter
Frühkindlicher Autismus, Behandlungs- und Fördermethoden, Verhaltenstherapie, Frühförderung, Symptomatik, Entwicklungsstörung, Diagnostik, Krisenintervention, Soziale Integration, Prognose, TEACCH, Medikation, Wahrnehmungsstörung, Elternarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Krankheitsbild des frühkindlichen Autismus, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Vorstellung und kritischen Betrachtung verschiedener Behandlungs- und Fördermethoden liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Symptomatologie, die verschiedenen therapeutischen Ansätze von der Frühförderung bis zur medikamentösen Therapie sowie die langfristige Prognose und Lebenssituation autistischer Menschen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie autistische Kinder individuell gefördert werden können und welche Methoden sich zur Verbesserung ihrer Lebenssituation in der Praxis bewährt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse und Dokumentation bestehender Forschungsergebnisse zu Autismus und den entsprechenden Förderansätzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Darstellung der Symptome sowie eine umfangreiche Untersuchung der Behandlungsmethoden, darunter verhaltenstherapeutische Ansätze, pädagogische Programme und Krisenintervention.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind frühkindlicher Autismus, Verhaltenstherapie, Frühförderung, Symptomatik, Krisenintervention und Förderkonzepte.
Welche Rolle spielt die Familie bei den Fördermethoden?
Die Familie wird in vielen Ansätzen, wie der Frühförderung oder familienbezogenen Krisenintervention, als gleichberechtigter Partner und essenzieller Bestandteil des Behandlungserfolgs in den multimodalen Förderplan einbezogen.
Kann Autismus durch die genannten Methoden geheilt werden?
Nein, das Fazit der Arbeit verdeutlicht, dass eine Heilung des autistischen Syndroms nach heutigem wissenschaftlichen Stand nicht möglich ist; die Methoden dienen vielmehr der Verbesserung der Lebenssituation und der Förderung individueller Kompetenzen.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2005, Der frühkindliche Autismus. Schwerpunkt: Behandlungs- und Fördermethoden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63606