Der demographische Veränderungsprozess der Gesellschaft beschäftigt seit wenigen Jahren nicht mehr nur das Statistische Bundesamt, sondern wurde Gegenstand zahl-reicher wissenschaftlicher Studien, Analysen von Investmenthäusern und anderer Veröffentlichungen. In den Medien wird es „die demographische Heraus-forderung“ genannt, oder „dem alten Kontinent fehlen die Jungen“ – es geht um die Tatsache, dass die deutsche Bevölkerung altert – „im Jahr 2050 wird in Deutschland jeder Dritte 60 Jahre oder älter sein.“ Hinzu kommt, dass derzeit ein europaweiter Bevölkerungsrückgang stattfindet, insbesondere aufgrund der zu niedrigen Geburten-ziffer. Nicht nur die deutsche Gesellschaft steht somit vor bemerkenswerten demo-graphischen Veränderungen. Frank Schirrmacher verglich die Tragweite dieser Heraus-forderung in seinem Buch „Das Methusalem-Komplott“ sogar mit den viel beachteten Thesen von Samuel Huntington zum Krieg der Kulturen in „Clash of Civilisations“.
Aus den demographischen Veränderungen, insbesondere der gestiegenen Lebenserwar-tung, leitet sich ein Problem für die Immobilienwirtschaft ab: Die Nachfrage nach Immobilien, v.a. Wohnimmobilien, wird sich stärker als bisher angenommen verändern.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Demographie als strukturelle Ursache dieser Veränderungen zu untersuchen. Hierbei sollen insbesondere der Einfluss der Demographie auf Immobilienzyklen, sowie die daraus resultierenden Auswirkungen untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung und Abgrenzung
2. Theoretische und konzeptionelle Grundlagen
2.1. Begriffsabgrenzung
2.1.1.Zyklus
2.1.2. Immobilienzyklus
2.1.3. Demographie
2.2. Vier Phasen des Immobilienzyklus
3. Ursachen von Zyklen in Immobilienmärkten
3.1. Repräsentatives Beispiel
3.2. Endogene Ursachen
3.3. Exogene Ursachen
3.4. Demographie als strukturelle Ursache von Immobilienzyklen
3.5. Bevölkerungsentwicklung in Deutschland
3.5.1. Geburtenentwicklung
3.5.2. Alterung der deutschen Gesellschaft
3.5.3. Migration
3.6. Analyse der drei Faktoren
3.7. Prognosesicherheit
3.8. Auswirkungen demographischer Trends auf Immobilienzyklen
3.8.1. Quantitative und strukturelle Veränderung der Haushalte
3.8.2. Lokale Disparitäten sorgen für uneinheitliches Bild
3.9. Konsequenzen
4. Chancen und Risiken
5. Schlussfolgerungen und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die Demographie als strukturelle Ursache für den Wandel in der Immobiliennachfrage zu untersuchen. Im Fokus steht dabei die Analyse des Einflusses demographischer Faktoren auf Immobilienzyklen und die Ableitung der daraus resultierenden Folgen für den Immobilienmarkt.
- Theoretische Grundlagen von Immobilienzyklen und Demographie
- Ursachenanalyse von Zyklen in Immobilienmärkten
- Bevölkerungsentwicklung in Deutschland: Geburten, Alterung und Migration
- Auswirkungen demographischer Trends auf Haushaltsstrukturen und Immobilien
- Chancen und Risiken für den Immobilienmarkt durch demographischen Wandel
Auszug aus dem Buch
Vier Phasen des Immobilienzyklus
Zeitverzögerungen in den Angebots-Anpassungsprozessen und Übertreibungen in der Erwartungshaltung der Akteure am Immobilienmarkt führen zu zyklischen Über- und Unterreaktionen der Märkte. Ein Immobilienzyklus lässt sich zunächst in zwei Phasen unterteilen. Der "up-cycle“ (Aufschwung) und der "down-cycle“ (Abschwung). Innerhalb des „up-cycle“ unterscheidet man die Phasen der Projektentwicklung und Überbauung, innerhalb des "down-cycle" gibt es die Phasen der Marktbereinigung und der Marktstabilisierung. 9 Immobilienzyklische Abschwünge („down-cycle“) sind die Folge von stark ansteigendem Flächenzuwachs (steigendes Angebot) und zurückgehender Flächennachfrage. Innerhalb des Abschwungs unterscheidet man zwischen den Phasen der Marktbereinigung und Marktstabilisierung. In der Marktbereinigungsphase herrscht ein Überangebot an Immobilienfläche. Gleichzeitig sinkt konjunkturbedingt die Flächennachfrage, was fallende Neuvertragsmieten und steigende Leerstände impliziert. Die darauf folgende Phase der Marktstabilisierung setzt ein, wenn sich die Mieten auf einem relativ niedrigen Niveau befinden und sich der Markt, z.B. durch Konkurswellen, konsolidiert hat.
In dieser Phase steigen die Mietpreise bereits wieder an, da der Leerstand aufgrund niedriger Absorptionsraten sinkt. Aufgrund der anziehenden Konjunktur steigt die Flächennachfrage immer stärker. Dies hat in der dritten Phase, der Projektentwicklungstätigkeit, zur Folge, dass Leerstände bis zum natürlichen Minimum oder noch weiter absinken. Durch die Verknappung des Flächenangebots steigt die Initiierung von Neubauvorhaben. Durch Verzögerungen, auch timelags10 genannt, entstehen Wartezeiten bis zur Fertigstellung von Neubauten. Von der Planung bis zur Fertigstellung eines Neubauvorhabens vergehen mehrere Jahre. Dadurch ist für eine gewisse Zeit die Nachfrage höher als das Angebot. Als Reaktion hierauf vergeben Banken vermehrt Baudarlehen, was zu einer Euphorie führt ("Lemminge Effekt"11). In dieser Phase agieren viele Marktteilnehmer prozyklisch und wollen noch auf den Zug aufspringen, was zu einem Angebotsüberschuss führen kann. Die letzte Phase eines vollständigen Immobilienzyklus ist die Überbauungsphase, in der sowohl die Flächennachfrage, als auch die Flächenabsorption sinken. Durch den Neubauboom in der Projektentwicklungsphase kommen nun viele Neubauten gleichzeitig auf den Markt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der demographischen Herausforderung und der Zielsetzung, den Einfluss dieser Entwicklung auf Immobilienzyklen zu analysieren.
2. Theoretische und konzeptionelle Grundlagen: Definition der zentralen Fachbegriffe und Einführung in das Vier-Phasen-Modell des Immobilienzyklus.
3. Ursachen von Zyklen in Immobilienmärkten: Detaillierte Analyse von endogenen und exogenen Einflussfaktoren auf Immobilienmärkte mit Fokus auf die demographische Struktur als Langzeitfaktor.
4. Chancen und Risiken: Untersuchung der wirtschaftlichen Auswirkungen des demographischen Wandels, insbesondere in Bezug auf Investitionen in Großstädte versus ländliche Regionen.
5. Schlussfolgerungen und Ausblick: Zusammenfassung der Erkenntnisse und Einschätzung zur zukünftigen Bedeutung von Standortfragen und altersgerechtem Wohnraum.
Schlüsselwörter
Immobilienzyklus, Demographie, Bevölkerungsentwicklung, Wohnimmobilien, Büroimmobilien, Haushaltsstruktur, Migration, Geburtenrate, Lebenszyklus, Marktbereinigung, Projektentwicklung, Überbauung, Immobilienwirtschaft, Standortfrage, Altersgerechtes Wohnen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Wechselwirkungen zwischen dem demographischen Wandel in Deutschland und den zyklischen Schwankungen am Immobilienmarkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Immobilienzyklen, deren Ursachen, die demographische Entwicklung Deutschlands und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Immobiliennachfrage und -preise.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, zu untersuchen, inwieweit die Demographie als strukturelle Ursache den Verlauf von Immobilienzyklen beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Literaturanalyse und der Untersuchung aktueller demographischer sowie immobilienwirtschaftlicher Daten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen für Immobilienzyklen, die demographischen Faktoren in Deutschland sowie deren Auswirkungen auf unterschiedliche Immobilienteilmärkte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Immobilienzyklen, Demographie, Geburtenrate, Migration, Haushaltsgröße und Standortdisparitäten.
Warum wird im Dokument auf den "Lemminge-Effekt" verwiesen?
Dieser Effekt beschreibt das prozyklische Verhalten von Marktteilnehmern in der Euphoriephase, was häufig zu einem gefährlichen Angebotsüberschuss führt.
Welche Rolle spielt die Migration bei der Bevölkerungsentwicklung?
Die Migration fungiert aktuell als verlangsamender Faktor beim Bevölkerungsrückgang, verliert jedoch laut Autor durch abnehmende Migrationsfluktuation an Einfluss.
Wie bewertet der Autor die Zukunft von Immobilien in ländlichen Gebieten?
Aufgrund des demographischen Wandels und der Metropolisierung prognostiziert der Autor für ländliche Gegenden, insbesondere in Ostdeutschland, fallende Preise und Leerstände.
- Quote paper
- Benjamin Schmitt (Author), 2006, Immobilienzyklen und Demographie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63611