"Ganztagsschule" gilt mitunter als das Schlagwort in der Diskussion um die Probleme im Bildungssystem - vor allem auch nach dem "Pisa-Schock" in Deutschland. Ob ein Ganztagsschulsystem die richtige Antwort auf die bestehende Probleme sein kann, und dass Ganztagsschule nicht nur "den ganzen Tag Schule" heißt, wird in dieser Arbeit analysiert.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Ganztagsschulen: Ein Überblick
3.1 „Back to the roots“
3.2 Rahmenbedingungen
4. Die Pisa-Studie
5. Ganztagsschulen im „Post-Pisa-Prozess“
6. Folgerungen
7. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Ganztagsschule in Deutschland vor dem Hintergrund der durch die Pisa-Studien aufgezeigten Defizite im Bildungssystem. Ziel ist es zu analysieren, ob Ganztagsschulen eine wirksame Antwort auf diese Probleme darstellen können, welche Anforderungen an sie gestellt werden und inwieweit sie als „Problemlöser“ fungieren können.
- Strukturmerkmale und Konzepte von Ganztagsschulen
- Kernbefunde der Pisa-Studie und deren Einfluss auf die Bildungsdiskussion
- Der „Post-Pisa-Prozess“ und bildungspolitische Entwicklungen
- Unterscheidung zwischen pädagogischem Anspruch und infrastruktureller Realität
- Analyse der Chancen und Gefahren bei der Einführung von Ganztagsangeboten
Auszug aus dem Buch
3.2 Rahmenbedingungen
Im Folgenden sollen die wichtigsten Charakteristika einer heutigen GTS dargestellt werden. Was macht eine GTS zur GTS, auch und vor allem in Abgrenzung zu „herkömmlichen“ Halbtagsschulen. Dafür müssen einige Kriterien erfüllt sein, die sich in einem Gesamtkonzept widerspiegeln. Nicht alleine eine Ausweitung des Unterrichts in den Nachmittag hinein macht eine Schule zur GTS. Das Konzept einer GTS basiert wesentlich auf drei Säulen:
1. Ganztagsangebot aus einer Kombination aus Lern-, Förder- und Freizeitangeboten
2. Erweiterter Personalschlüssel (neben den Lehren auch sozialpädagogische und außerunterrichtliche Fachkräfte)
3. „Materielle“ Erweiterung [Räume (z.B. Bibliothek, Spielothek, Ruheräume für Schüler und Lehrer) , Sachmittel (z.B. Schließfächer), Mittagessen etc.]
Diese Säulen haben folglich Auswirkungen auf den gesamten Schulalltag, vor allem aber auf die Tagesgestaltung und die Lern- bzw. Unterrichtsformen. Durch den längeren Aufenthalt an der Schule besteht der Vorteil, den Schultag zu rhythmisieren. Hier spielen soziale und physiologische Aspekte eine Rolle. APPEL nennt es „Arrangement der Lebens- und Lernvorhaben“. Hier besteht eine Verknüpfung zur Gestaltung der Stundenpläne: „Die Aktivitäten der Schüler am Vormittag und am Nachmittag [müssen] in einem konzeptionellen Zusammenhang stehen.“ Durch ein ganztägiges Schulkonzept ergeben sich alternative Möglichkeiten an Lern- und Lehrformen, wie zum Beispiel Projektunterricht, fachübergreifender Unterricht, Freizeitpädagogik, soziales Lernen oder auch neue Unterrichtsfächer, die eine Art Modifikation der bestehenden Fächer darstellen (z.B. Ökologie).
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Die Einleitung führt in das Konzept der Ganztagsschule ein und formuliert die Leitfragen zur Eignung dieser Schulform als Problemlöser für das deutsche Bildungssystem.
3. Ganztagsschulen: Ein Überblick: Dieses Kapitel erläutert, dass das Konzept des ganztägigen Lernens kein Novum ist, und definiert die wesentlichen strukturellen Säulen sowie die verschiedenen Formen der Ganztagsschule.
4. Die Pisa-Studie: Hier werden die zentralen Ziele, Merkmale und Ergebnisse der Pisa-Studie skizziert, wobei insbesondere auf die Defizite im Bereich der Lesekompetenz und die Problematik bildungsferner Schichten eingegangen wird.
5. Ganztagsschulen im „Post-Pisa-Prozess“: Dieses Kapitel analysiert die politische Dynamik nach den Pisa-Ergebnissen, die Rolle der Bundesregierung durch das Investitionsprogramm sowie die verschiedenen Begründungsmuster für den Ausbau der Ganztagsschulen.
6. Folgerungen: Das Fazit stellt klar, dass Ganztagsschulen nur dann eine Antwort auf den Pisa-Schock sein können, wenn sie durch pädagogische Konzepte statt bloßer infrastruktureller Maßnahmen getragen werden.
7. Literatur: Das Verzeichnis listet die verwendeten Fachbücher, Aufsätze und Internetquellen zur Thematik auf.
Schlüsselwörter
Ganztagsschule, GTS, Pisa-Studie, Bildungsreform, Pisa-Schock, pädagogisches Konzept, Bildungssystem, Lesekompetenz, individuelle Förderung, soziale Herkunft, Bildungsferne, Lernformen, Ganztagsangebot, Schulqualität, Schulentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob Ganztagsschulen eine geeignete Antwort auf die durch Pisa aufgezeigten Probleme des deutschen Schulsystems sein können.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Konzept der Ganztagsschule, die Ergebnisse der Pisa-Studie und die bildungspolitischen Konsequenzen im sogenannten „Post-Pisa-Prozess“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, unter welchen Bedingungen die Ganztagsschule tatsächlich zu einer Verbesserung der Schülerkompetenzen beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf Fachliteratur, bildungspolitischen Diskursen und Daten der Pisa-Studie basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Ganztagsschule, die Darstellung der Pisa-Befunde und eine Diskussion über die politische Umsetzung der Ganztagsreform.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ganztagsschule, Pisa-Studie, Bildungsreform, individuelle Förderung und Schulentwicklung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die gebundene von der offenen Ganztagsschule?
Bei der gebundenen Form sind alle Schüler verpflichtet, das ganztägige Angebot zu nutzen, während bei der offenen Form die Nachmittagsangebote für die Schüler freiwillig sind.
Warum warnt der Autor vor einem „Automatismus“ bei der Einführung von Ganztagsschulen?
Der Autor warnt davor zu glauben, dass allein die Einführung längerer Schulzeiten automatisch zu besseren Pisa-Ergebnissen führt, wenn nicht gleichzeitig das pädagogische Konzept modernisiert wird.
- Citation du texte
- Till-Bastian Fehringer (Auteur), 2005, Ganztagsschule als Antwort auf PISA?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63657