HIV-Quoten Südafrikas im Vergleich


Seminararbeit, 2004
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Der Untersuchungsgegenstand

3. Art der Untersuchung

4. Die Reihenuntersuchung an schwangeren Frauen
4.1. Testmethode
4.2. Darstellung

5. Kritik
5.1. Die Testmethode
5.2. Die Interpretation/Verwendung der Resultate

6. Landesweite Stichprobenuntersuchung – Die Mandela Studie
6.1. Methode

7. Vergleichbarkeit der Studien
7.1. Gründe für Abweichungen

8. Das ASSA-Modell
8.1. Ergebnisse
8.2. Vergleich der Quoten

9. Bewertung

10. Zusammenfassung

Abkürzungen:

Abbildung in ieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung:

In dieser Arbeit werden die Begriffe HIV und AIDS synonym gebraucht. In medizinischer Sicht kommt es erst nach dem Befall des HI-Virus zur HIV Infektion, die sich später (oft erst nach Jahren) zur AIDS Erkrankung entwickelt[1].

Die verwendeten Datensätze entstammen den jeweiligen Forschungsberichten der Organisationen.

1. Einleitung

Südafrika ist eines der von HIV/AIDS am stärksten betroffenen Länder der Erde. Laut UNAIDS starben 2002 allein in Südafrika schätzungsweise 360.000 Menschen (über 980 täglich!) an den Folgen von HIV/AIDS[2].

Hauptgrund für die rasante Verbreitung sind Experten zufolge ausgedehnte Arbeitsmigration, häufiger Kontakt mit Prostituierten, mangelnde Benutzung von Kondomen und die extreme Armut[3]. Im Gegensatz zu anderen Kontinenten ist der Hauptübertragungsweg von HIV im gesamten Afrika der heterosexuelle Verkehr. Hinzu kommt, dass der vorherrschende Subtypus C eine extreme Resistenz gegenüber neusten Impfversuchen aufweist.

Längst ist AIDS zur Todesursache Nummer eins in den nationalen Statistiken aufgestiegen und Südafrika besitzt weltweit die höchste Zahl an jährlichen Neuinfektionen. Die Aids-Pandemie bedeutet für Südafrika ein soziales, ökonomisches und demographisches Problem mit derzeit unüberschaubaren Folgen.

So die schockierenden Zahlen und Aussichten. Bei näherem Hinsehen stellt sich die Frage, worauf solche Zahlen und Hochrechnungen eigentlich beruhen. Anders gefragt: Wie wird eine nationale HIV-Quote, in diesem Fall für Südafrika, berechnet?

Bei der Suche nach einer einheitlichen (geschätzten) nationalen HIV-Quote wird man schnell mit einer Vielzahl höchst streuender Zahlen konfrontiert. Die WHO geht davon aus, dass nur ungefähr 5-10 % der HIV-Infektionen erfasst sind[4]. Die Spannbreite der nationalen Infektionsquote für das Jahr 2002 reicht, je nach Untersuchung, von 11,4%[5] bis 26,5%[6].

Basis dieser Arbeit ist die Vorstellung und der Vergleich dreier Forschungsarbeiten verschiedener Organisationen. Es soll untersucht werden, ob die methodische Vorgehensweise (Auswahl, Testmethode etc.) der Untersuchungen die festgestellten Prävalenzen beeinflussen oder ob vielleicht unterschiedliche Indikatoren, wie z.B. die genaue Anzahl der Bevölkerung die HIV-Quote verzerrt. Des Weiteren liegt ein Schwerpunkt auf der Frage, ob die Resultate aufgrund ihrer Ausrichtung überhaupt miteinander vergleichbar sind.

Dabei ist es nicht die Absicht dieser, die umstrittene Aids-Politik der südafrikanischen Regierung zu bewerten. Auch ein Resultat (z.B. eine einheitliche Infiziertenquote), soviel sei vorweggenommen, scheint angesichts der Vielzahl von konkurrierenden Zahlen eher unrealistisch.

2. Der Untersuchungsgegenstand

In der HIV/AIDS Forschung hat sich in den letzten Jahren besonders in der englischsprachigen Literatur die Unterscheidung in zwei Systeme (Generationen) von Untersuchungen herausgebildet. Aufgrund der verschiedenen Ausrichtungen unterscheidet man die Arbeiten in Typen:

1.Generation: Schätzung reiner HIV-Infiziertenzahlen bzw. Quoten (national, regional)

Bestimmung des vorherrschenden HIV-Typus

Trendschätzungen über das Maß weiter Verbreitung von HIV/Aids

2.Generation: Untersuchung der Infiziertenquote nach Alter, Geschlecht, Risikogruppen etc.

Erforschung bestimmter Trendindikatoren wie begleitende Geschlechtskrankheiten (STI – Sexually Transmitted Infektions) oder sexuelles Verhalten (BBS- Behaviour surveillance surveys)

Auswirkungen/Probleme durch HIV/Aids in Bezug auf soziale und ökonomische Rahmenbedingungen des Landes.

Diese Arbeit konzentriert sich auf Untersuchungen der ersten Generation, obwohl sich Forschungsergebnisse beider Generationen gegenseitig beeinflussen bzw. ergänzen können.

Die Schätzungen verschiedener nationaler und internationaler Organisationen über die weitere Verbreitung von HIV/Aids greifen oft auf Untersuchungen zweiter Generation zurück, um z.B. durch bestätigte Ergebnisse geänderten sexuellen Verhaltens ihre Prognosen korrigieren oder bestätigen zu können. Zudem sind Untersuchungen zweiter Generation durch standardisierte Fragebögen und Auswertungsprogramme besser international vergleichbar. Dies ist, wie im folgendem erläutert wird, bei Untersuchungen erster Generation oft nicht der Fall.

3. Art der Untersuchung

Bei der Suche nach der nationalen HIV-Infiziertenquote stößt man in der Literatur auf verschiedene Untersuchungsgruppen. Die wichtigsten drei sind:

1. Die anonyme Reihenuntersuchung an schwangeren Frauen (ANC - Antenatal clinic survey)
2. Landesweite Stichprobenuntersuchung (population based surveys)[7]
3. Risikogruppenuntersuchung (z.B. Truckfahrer, Minenarbeiter, Prostituierte[8] etc.)

4. Die Reihenuntersuchung an schwangeren Frauen

Besonders die anonyme Reihenuntersuchung an Blutspenden von schwangeren Frauen (Nr.1) wird in den meisten Untersuchungen als Grundlage über die Verbreitung von HIV/AIDS in der Bevölkerung beschrieben. Neben internationalen (WHO/UNAIDS) und staatlichen Forschungsprojekten beziehen sich auch die meisten Hilfsorganisationen auf diese Datengrundlagen. 29 von 46 Staaten aus der WHO-African Region nutzen diese Untersuchungsmethode. Sie wird oft als „Rückrad“[9] der Aidsforschung oder Ausgangspunkt neuer Untersuchungen genutzt. Neben dem Fehlen von anderen Untersuchungsergebnissen besonders vor dem Jahr 1996 werden von staatlicher Seite folgende Vorteile angeführt[10]:

- Gruppe ist leicht zu definieren (diskreter Merkmalsträger)
- Betroffene sind/waren sexuell aktiv
- Merkmalsträger sind leicht zugänglich (9 von 10 Frauen in SA entbinden in so genannten Schwangerschaftskliniken[11] )
- Gruppe ist zahlenmäßig stabil
- Entwicklung der Gesamtbevölkerung korreliert mit Zahl der Schwangeren
- Alle Bevölkerungsgruppen werden erfasst (soziale/ethische Unterschiede entfallen)

In Südafrika handelt sich hierbei um eine jährliche seit 1990 im Namen des Gesundheits- ministerium durchgeführte Untersuchung. Hierbei wird allen schwangeren Frauen, die zur Untersuchung in eine der über 400 ausgewählten Schwangerschaftskliniken kommen, beim ersten Besuch eine Blutprobe entnommen. Die Proben werden dezentral in den einzelnen Niederlassungen der SAMIR (South African Institute of Medical Research) untersucht. Die qualitative Überwachung, und damit auch die Auswahl der angewandten Testmethoden, und die anschließende Auswertung übernimmt das National Institute of Virology (NIV).

Um möglichst eine repräsentative Stichprobe zu erhalten, wurden verschiedene Verfahren zur Auswahl der Kliniken getroffen. Sie umfassen laut eigener Aussage[12] eine möglichst gleich bleibende flächendeckende Auswahl, eine gleichmäßige Aufteilung von Kliniken in Städten mit gleicher Einwohnerzahl und in den ländlichen Gebieten.

Im internationalen Vergleich stellt die WHO/UNAIDS heraus, dass das südafrikanische System der serologischen Reihenuntersuchung an Schwangeren sich auf eine erheblich breitere

Datenlage stützt als vergleichbare Untersuchungen in anderen afrikanischen Ländern. Die folgende Ansicht zeigt die Anzahl der für die Schwangerschaftsuntersuchung ausgewählter Kliniken im südlichen Afrika für das Jahr 2000:

Abbildung in ieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: World Health Organisation- Reginal Office for Africa (Hrg.) (2003): HIV/AIDS Epidemiological Surrveillance Update for the WHO African Region 2002, Harare, S.9

Aus den Zahlen geht auf einen Blick hervor, dass Südafrika allein der quantitativen Ausrichtung dieser Untersuchungsmethode einen hohen Stellenwert einräumt.

Die südafrikanische Regierung schreibt vor, dass aus den nach bestimmten Kriterien ausgewählten ca. 400 Kliniken mindestens 40 Blutplasma Proben pro Klinik auf HIV getestet werden sollen. So beträgt der quantitative Umfang der jährlichen ANC Untersuchungen mindestens 16.000 Proben. Im Jahr 2002 wurde aus 396 Kliniken 16.587 Proben getestet.[13]

4.1. Testmethode:

Getestet werden die Proben nach den geltenden WHO-Richtlinien, d.h. in acht Provinzen reicht ein einziger ELISA-Test (bei festgestellten Infiziertenquoten der letzten Untersuchung von regional über 10%). Ein zweifacher ELISA-Test wird in den Regionen mit Quoten unter 10% verlangt[14].

4.2. Darstellung

Rechnerisches Mittel der meisten Darstellungen ist der Median, also der Zentralwert, der eine der Größe nach geordnete Reihe von Merkmalsträgern halbiert[15]. In Studien zweiter Generation trifft man auch oft auf Angaben zu Minimum- und Maximumwerten. Die folgende Tabelle zeigt die festgestellten Prozentsätze ab dem Jahr 1990:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Department of Health Republic of South Africa (Hrg)(2002): Table of Contens, Cape Town, S.6.

[...]


[1] aus Fakten-Lexikon Medizin (2000), Seehaner-Verlag, 3.Auflage, S.178.

[2] UNAIDS,UNICEF,WHO (Hrg) (2002): South-Africa Epidemiological Fact Sheets on HIV/AIDS and Sexually Transmitted Infektions,S.2.

[3] SAMP Migration Policy, No.24 (2002): Spaces of Vulnerabbility: Migration and HIV/Aids in South Africa, S.18.

[4] World Health Organisation- Reginal Office for Africa (Hrg.) (2001): HIV Surveillance Report for Africa 2000, Harare, S.2.

[5] Nelson Mandela Foudation, Human Science research Counsil (Hrg) (2002): South African National HIV Prevalence, Behavioural Risks and Mass Media, Cape Town, S.5.

[6] World Health Organisation- Reginal Office for Africa (Hrg.) (2003): HIV/AIDS Epidemiological Surrveillance Update for the WHO African Region 2002, Harare, S.9.

[7] Nelson Mandela Foudation, Human Science research Counsil (Hrg) (2002): South African National HIV Prevalence, Behavioural Risks and Mass Media, Capetown.

[8] vgl.SAMP Migration Policy,No.24:Spaces of Vulnerabbility: Migration and HIV/Aids in South Africa, 2002.

[9] „Anental care clinic-based surveillance ist he backbone of the HIV epidemic tracking system.” In: World Health Organisation- Reginal Office for Africa (Hrg.) (2003): HIV/AIDS Epidemiological Surrveillance Update for the WHO African Region 2002, Harare, S.35.

[10] Deparment of social Development (Hrg.) (2002): HIV/AIDS Case Studies in South Africa, Volume 1, S.67.

[11] World Health Organisation- Reginal Office for Africa (Hrg.) (2003): HIV/AIDS Epidemiological Surrveillance Update for the WHO African Region 2002, Harare, S.35.

[12] World Health Organisation- Reginal Office for Africa (Hrg.) (2003): HIV/AIDS Epidemiological Surrveillance Update for the WHO African Region 2002, Harare, S.35.

[13] World Health Organisation- Reginal Office for Africa (Hrg.) (2003): HIV/AIDS Epidemiological Surrveillance Update for the WHO African Region 2002, Harare, S.9.

[14] World Health Organisation- Reginal Office for Africa (Hrg.) (2001): HIV Surrveillance Report for Africa 2000, Harare, S.129.

[15] Monka, Michael, Voß, Werner (1999 ): Statistik am PC, Hanser Verlag, 2.Aufl. S.86.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
HIV-Quoten Südafrikas im Vergleich
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Sozialwissenschaft)
Veranstaltung
Entwicklungspolitische Aspekte der Migrationsforschung
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V63713
ISBN (eBook)
9783638566940
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Seminararbeit beschäftigt sich mit den unterschiedlichen HIV Quoten für Südafrika. Es werden aktuelle Studien verschiedener Institute und Organisationen aufgrund ihrer angewandten statistischen Methoden miteinander verglichen. Schwerpunktmäßig wird auch die sogenannte ELISA-Methode behandelt und die Gültigkeit vergleichender Schätzmethoden im Vergleich mit anderen afrikanischen Ländern erörtert. Einzeiliger Zeilenabstand
Schlagworte
HIV-Quoten, Südafrikas, Vergleich, Entwicklungspolitische, Aspekte, Migrationsforschung
Arbeit zitieren
Massimo Meurer (Autor), 2004, HIV-Quoten Südafrikas im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63713

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