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Strafe und Exklusion: Über den Ausschluss des Anderen

Title: Strafe und Exklusion: Über den Ausschluss des Anderen

Term Paper , 2006 , 12 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Florian Karsch (Author)

Sociology - Law and Delinquency
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Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Sanktionierung straffällig Gewordener und deren daraus resultierendem gesellschaftlichen Ausschluss. Zunächst sollen der Zusammenhang von Moral und Recht sowie die Anfänge der modernen Strafjustiz erörtert werden. Darauf folgend werde ich auf den Sinn des Strafens eingehen und einige positive Funktionen des Strafens nennen. Anschließend werde ich auf die negativen Funktionen der Strafjustiz, die vor allem in ihrer aggressiven Haltung und der individuellen Zuschreibung von Schuld liegen. Danach gehe ich auf den Zusammenhang von Delinquenz und Sozialstruktur ein. Abschließend wende ich mich aktuellen Tendenzen im gegenwärtigen Strafrecht zu, die sich weg von einer verstehenden, hin zu einer härteren und repressiveren Form des Strafens bewegen und sozialstrukturelle Aspekte außen vor lassen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zum Verhältnis von Moral und Strafrecht und über die Anfänge der modernen Strafjustiz

3 Über den Sinn des Strafverfahrens

4 Positive Funktionen von Verbrechen

5 Problematik des derzeitigen Strafens

6 Delinquenz und Sozialstruktur

7 Moralisierung des Strafrechts

8 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der Sanktionierung straffälliger Personen und deren resultierendem gesellschaftlichen Ausschluss. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die negativen Auswirkungen einer rein repressiven Strafjustiz und die Notwendigkeit, sozialstrukturelle Hintergründe von Delinquenz stärker zu berücksichtigen, statt nur auf individuelle Schuldzuweisungen zu setzen.

  • Zusammenhang von Moral, Recht und Strafjustiz
  • Positive Funktionen von Verbrechen für die gesellschaftliche Normbildung
  • Kritik an der aktuellen aggressiven Haltung der Strafjustiz
  • Bedeutung sozialstruktureller Faktoren für die Kriminalitätsprävention
  • Wirkung medialer Konstruktionen auf das Täterbild

Auszug aus dem Buch

5 Problematik des derzeitigen Strafens

Eine so geschaffene Solidarität birgt jedoch auch enorme Probleme. Zwar werden Widersprüche zwischen den Mitgliedern einer Gesellschaft auf diese Weise in den Hintergrund gerückt, jedoch blendet eine darauf fußende Solidarität zwangsläufig jegliche Individualität der einzelnen Gesellschaftsmitglieder aus. Das Individuum definiert sich nicht mehr über sich selbst, sondern nur noch über das gemeinschaftliche Ganze.

Ein weiteres fundamentales Problem stellt die Aggressionshaltung gegenüber dem Straftäter dar. Wenn Strafjustiz mit dem Ziel der Reintegration des Delinquenten in das gesellschaftliche System betrieben werden soll, ist ein auf Feinseligkeit basierendes System rein logisch eine denkbar schlechte Option. Mead (1980: 271) stellt dazu fest: „Psychologisch ist es ziemlich unmöglich, die Sünde zu hassen und den Sünder zu lieben. Wir neigen sehr stark dazu, uns in dieser Hinsicht etwas vorzumachen. Wir gehen davon aus, dass wir einen Verbrecher aufspüren, festnehmen, anklagen, strafrechtlich verfolgen und verurteilen können und dass wir dabei doch zugleich der Auffassung bleiben, ihn in die Gemeinschaft zu reintegrieren, sobald er Anzeichen einer Veränderung seiner sozialen Haltung zeigt. Wir nehmen also an, dass wir gleichzeitig darauf lauern können, dass nach einem bestimmten Rechtsbruch der Übeltäter gefasst und überwältigt wird, und dass wir die Situation verstehen können, aus der heraus das Vergehen erfolgt ist.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung umreißt das Thema der Sanktionierung und den Ausschluss straffällig Gewordener und skizziert den Aufbau der Untersuchung von den Grundlagen bis zu aktuellen repressiven Tendenzen.

2 Zum Verhältnis von Moral und Strafrecht und über die Anfänge der modernen Strafjustiz: Dieses Kapitel erläutert die Kopplung von Rechtssystemen an moralische Normen und beschreibt die historischen Anfänge der modernen Strafjustiz im Kontext gesellschaftlicher Unsicherheiten.

3 Über den Sinn des Strafverfahrens: Es wird analysiert, wie der Strafprozess durch die Verletzung kollektiver Gefühle eine emotionale Solidarität erzeugt und welche theoretischen Ziele wie Vergeltung und Prävention dabei verfolgt werden.

4 Positive Funktionen von Verbrechen: Dieses Kapitel zeigt auf, dass Kriminalität nicht nur pathologisch ist, sondern als Impulsgeber für die Veränderung gesellschaftlicher Werte und Normen eine wichtige Rolle spielen kann.

5 Problematik des derzeitigen Strafens: Hier wird kritisch hinterfragt, wie eine auf Feindseligkeit basierende Justiz die Reintegration des Täters verhindert und zu einer negativen gesellschaftlichen Solidarität führt.

6 Delinquenz und Sozialstruktur: Dieses Kapitel plädiert dafür, anstelle von Repression die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern, um Kriminalität wirkungsvoll an den Ursachen zu bekämpfen.

7 Moralisierung des Strafrechts: Es wird dargelegt, wie die aktuelle Strafpraxis durch eine Überattribution individueller Schuld soziale Strukturen ausblendet und so zur Exklusion von Straftätern beiträgt.

8 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die derzeitige repressive Praxis weder die Gesellschaft nachhaltig stabilisiert noch Kriminalität verhindert und fordert eine Abkehr von der bloßen Bestrafung hin zur sozialen Prävention.

Schlüsselwörter

Strafe, Exklusion, Strafjustiz, Moral, Delinquenz, Sozialstruktur, Reintegration, Schuldzuweisung, Kriminalprävention, Solidarität, Normen, Gesellschaft, Repression, Straftäter, Strafrecht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser soziologischen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert den Umgang der Gesellschaft mit Straftätern und zeigt auf, dass die gegenwärtige Tendenz zu härteren Strafen und persönlicher Schuldzuweisung den gesellschaftlichen Ausschluss (Exklusion) fördert, anstatt soziale Probleme zu lösen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf dem Verhältnis von Moral und Recht, den Funktionen von Strafe, den positiven Aspekten von abweichendem Verhalten sowie der Kritik an der aktuellen Moralisierung des Strafrechts.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem Anspruch auf Reintegration von Straftätern und der tatsächlichen repressiven Praxis aufzuzeigen und die Notwendigkeit einer sozialstrukturellen Perspektive zu betonen.

Welche wissenschaftlichen Perspektiven bilden das Fundament?

Die Arbeit stützt sich maßgeblich auf soziologische Klassiker wie Émile Durkheim und George Herbert Mead sowie auf zeitgenössische Analysen von Klaus Günther und Robert Castel.

Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?

Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehung von Strafjustiz, der Problematik der "emotionalen Solidarität" durch Bestrafung und der Kritik an der medienwirksamen Konstruktion des "extrem Bösen" zur Erhöhung der Straflust.

Welche Schlüsselbegriffe sind für das Verständnis der Argumentation wichtig?

Wesentliche Begriffe sind die "Überattribution von Freiheit", die "negative Solidarität" der Mehrheit, der "moralische Ausschluss" und die "sozialstrukturelle Bedingtheit" von Delinquenz.

Warum sieht der Autor das Strafverfahren kritisch?

Der Autor argumentiert, dass ein auf Feindseligkeit und aggressiver Haltung basierendes Strafsystem logisch unvereinbar mit dem Ziel der gesellschaftlichen Wiedereingliederung eines Täters ist.

Welche Rolle spielen die Massenmedien bei der Bestrafung?

Laut der Arbeit konstruieren Boulevardmedien Täterbilder als "extrem böse" oder "extrem verrückt", um einfache Erklärungen zu liefern und die öffentliche Forderung nach repressiven Maßnahmen zu stützen, anstatt komplexe soziale Ursachen zu analysieren.

Kann man durch höhere Strafen Kriminalität effektiv verhindern?

Die Arbeit verweist auf empirische Studien, wie die von Heinz Schöch, die zeigen, dass die Androhung oder Höhe von Strafen keinen signifikanten Einfluss auf die Begehung von Straftaten hat; ausschlaggebend seien eher die soziale Verbindlichkeit von Normen und das nähere soziale Umfeld.

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Details

Title
Strafe und Exklusion: Über den Ausschluss des Anderen
College
University of Kassel
Course
Seminar Sanktion und Kommunikation
Grade
1,3
Author
Florian Karsch (Author)
Publication Year
2006
Pages
12
Catalog Number
V63718
ISBN (eBook)
9783638566988
ISBN (Book)
9783656812074
Language
German
Tags
Strafe Exklusion Ausschluss Anderen Seminar Sanktion Kommunikation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Florian Karsch (Author), 2006, Strafe und Exklusion: Über den Ausschluss des Anderen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63718
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