Kritischer Rationalismus


Hausarbeit, 2003

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

(1.) Einleitung
(1.1.) Seminarkontext
(1.2.) Themenerläuterung

(2.) Der kritische Rationalismus

(3.) Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Darstellung von
Erziehungswissenschaft auf der Grundlage des Kritischen
Rationalismus
(3.1.) Textaufbau
(3.2.) Rückgriff auf die Begründer und historische Entwicklung
(3.3.) Hauptthesen
(3.4.) Begrifflichkeiten
(3.5.) Kritik
(3.6.) Akzentsetzung und Tiefgründigkeit der Darstellung
(3.7.) Transformation

(4.) Vermutungen bezüglich der Ursachen der Unterschiede

(5.) Literaturverzeichnis

(1.) Einleitung

(1.1.) Seminarkontext

Das Seminar „Wissenschaftstheoretischer Richtungsstreit“ beschäftigte sich mit wissenschaftstheoretischen Problemen in der Pädagogik. Zu Beginn des Seminars wurde der Sinn und Zweck von Wissenschaftstheorien erläutert, in dem zunächst die drei großen Arbeitsgebiete der Wissenschaftstheorie herausgearbeitet wurden. Der erste Bereich beschäftigt sich mit der Frage „Was ist Wissenschaft?“ und versucht so eine Definition von Selbiger zu finden. Hier stellten wir fest, dass es unterschiedlichste Begriffsbestimmungen gibt. Wir legten uns auf die Bestimmung der Wissenschaft als Tätigkeit fest. Diese Tätigkeit ist durch den Erwerb von Erfahrungswissen gekennzeichnet, welches wir im Laufe des Seminars von Alltagserfahrungen und wissenschaftlichen Erfahrungen abgrenzten. Alltagserfahrungen bestimmten wir als unreflektierte, routinegemäße Erfahrungen. Für die Wissenschaftstheorie ist aber die wissenschaftliche Erfahrung bedeutender, welche sich auf methodische Erfahrung bezieht und Erfahrung reduziert, um eine Überprüfbarkeit und Unabhängigkeit der Erfahrung zu gewährleisten.

Das zweite große Gebiet der Wissenschaftstheorie beschäftigt sich mit Sprache und Logik, da ein Großteil der Tätigkeiten von Wissenschaft sprachliche Tätigkeiten sind. Dabei unterschieden wir während des Seminars Alltags- und Umgangssprache von Wissenschaftssprache. Des Weiteren stellten wir fest, dass eine Differenzierung zwischen analytischen Sätzen und synthetischen Sätzen zur Unterscheidung für die Wahrheitsfindung und Aussagenlogik zentral ist. Analytische Sätze sind syntaktisch korrekte und logische Sätze. Synthetische Sätze, sind Sätze in denen Eigenschaften unlogisch miteinander verbunden sind. Die Wahrheitsfähigkeit von Sätzen wird mittels des Syllogismus als „Wahrheitsmaschine“ für logische Schlussfolgerungen genutzt.

Der dritte wichtige Bereich geht genauer auf die Methodenlehre der Wissenschaftstheorie ein. Als Methoden sind die Beobachtung, die Erklärung und das Verstehen zu nennen.

Die Beobachtung gilt als eine zentrale Operation der Erfahrungsgewinnung und eine gezielte Wahrnehmung. Auch hier differenzierten wir die Beobachtung in naive, systematische und wissenschaftliche Beobachtung. Die naive Beobachtung ist durch zufällige Augenblickwahrnehmungen gekennzeichnet, die interpretiert und mit Alltagswissen beurteilt werden. Die systematische Beobachtung schützt vor einer naiven Beobachtung in dem z.B. der Zeitraum und die Indikatoren der Beobachtung festgelegt werden. Eine wissenschaftliche Beobachtung ist erst dann gewährleistet, wenn das zu Beobachtende nur als Träger von Eigenschaften interessant ist. Mit wissenschaftlichen Arbeiten will man Gesetzmäßigkeiten formulieren und Objektivität hinsichtlich der Zuschreibung der Eigenschaften erreichen. Auch Erklärungen unterteilten wir innerhalb des Seminars in Alltagserklärungen und wissenschaftliche Erklärungen. Alltagserklärungen sind durch eine alltagssprachliche Vagheit des Ausdrucks gekennzeichnet und im Gegensatz zu wissenschaftlichen Erklärungen können sie keine Aussagen über Ursache – Wirkung – Beziehungen machen. Erklärungen in wissenschaftlicher Hinsicht bestehen aus dem Explanandum (das zu Erklärende) und dem Explanans (Erklärung des Explanandum). Nach dem Hempel – Oppenheim – Schema (H – O – Schema) besteht das Explanans aus den generellen Gesetzesaussagen, den singulären Randbedingungen und den singulären Aussagen. Als dritten Punkt der Methodenlehre der Wissenschaftstheorie haben wir uns mit dem Verstehen beschäftigt. Auch hier besteht die Gefahr der Zweideutigkeit, begründet durch den objektiv und subjektiv gemeinten Sinn. Darum differenzierten wir hier ebenfalls „elementares“ Verstehen als Alltagsverstehen und „höheres“ Verstehen als wissenschaftliches Verstehen. Wissenschaftliches Verstehen unterschieden wir in diesem Zusammenhang noch einmal zwischen interpretierendem und nachempfindendem Verstehen.

Auf diesen Grundlagen haben wir in unserem Seminar zwei pädagogisch wichtige, wissenschaftliche Richtungen kennen gelernt. Zum einen die Hermeneutik, zum anderen den Kritischen Rationalismus. Unter Hermeneutik versteht Stimmer die „Kunst und Lehre der Auslegung von Texten und anderen Kulturäußerungen…. als Aufgaben der H. werden genannt: die interpretative Erklärung von Grundbegriffen; Verstehen eines Textes unter Berücksichtigung der Situation, Motivation, Intention und des historischen Kontextes seines Verfassers; Erfassung einer überhistorischen Wahrheit eines Textes; Ermittlung des Textsinnes für den Interpreten und seine Zeit; Berücksichtigung der Subjekt – Objekt – Dialektik.“[1]

Ich werde mich in meiner Hausarbeit näher mit der Erziehungswissenschaft im Kritischen Rationalismus beschäftigen.

(1.2.) Themenerläuterung

Ich habe mich für das Hausarbeitsthema „Stellen Sie zentrale Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung von Erziehungswissenschaft auf der Grundlage des Kritischen Rationalismus in der nachfolgend genannten Einführungsliteratur dar und versuchen Sie, die Unterschiede zu begründen!“ entschieden.

Diese Aufgabenstellung bezieht sich primär auf die Darstellung des Wirklichkeits – und Erziehungsverständnis der verschiedenen Autoren auf der Grundlage des Kritischen Rationalismus. Dabei liegt der Schwerpunkt bei den Unterschieden und Gemeinsamkeiten in der Darbietung, Erklärung und Erläuterung der Erziehungswissenschaft vor dem Hintergrund des Kritischen Rationalismus. Interessant ist demnach, wie die Autoren sich mit diesem Thema auseinandersetzen, wie intensiv sie sich mit dem Kritischen Rationalismus beschäftigen und wo ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Illustration liegen. Weniger interessant ist folglich, was über den Kritischen Rationalismus im Detail gesagt wird. Dennoch kann man eine Darstellung nicht losgelöst vom Inhalt sehen. Um Differenzen und Berührungspunkte darlegen und begründen zu können, ist ein Blick in das, was gesagt wird, notwendig. Aus diesen Gründen werde ich zunächst in Zweitens erläutern, was man unter dem Kritischen Rationalismus versteht. Ausgehend davon, werde ich mich intensiv in Drittens mit den Gemeinsamkeiten und den Unterschieden der Darstellung der Aussagen der verschiedenen Autoren befassen. Dazu werde ich jeweils Kategorien bilden, nach denen ich einzelne, wichtige Aspekte differenziert betrachte. So möchte ich mich besonders mit den Kategorien: Textaufbau, Rückgriff auf die Begründer und historische Entwicklung, Hauptthesen, Begrifflichkeiten, Kritik, Akzentsetzung und Tiefgründigkeit der Darstellung und Transformation beschäftigen. Diese Kategorien habe ich gewählt, weil mir die Darstellung dieser Themen beim ersten und zweiten Lesen aufgefallen ist. Auf die Kategorie Inhalt habe ich an dieser Stelle verzichtet, denn in jeder der genannten Kategorie werde ich gleichzeitig auf inhaltliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten eingehen. Eine weitere mögliche Kategorie könnte das methodische Vorgehen betreffen. Diese habe ich von meiner Darstellung ausgeklammert, auf Grund des begrenzten Umfangs meiner Hausarbeit. Abschließend möchte ich Vermutungen über die erarbeiteten Unterschiede aufstellen, z.B. wieso es unterschiedliche Aussagen über den Kritischen Rationalismus gibt, aus welchem Grund sich die Autoren unterschiedlich intensiv mit dem Thema beschäftigen und wo ihre Schwerpunkte in der Darstellung liegen und wieso.

(2.) Der Kritische Rationalismus

Nach Stimmer ist der Kritische Rationalismus eine „von K. Popper begründete wissenschaftstheoretische Position der Gegenwartsphilosophie, die absolut behaupteten Wahrheiten grundsätzlich skeptisch gegenübersteht, da eine endgültige Verifikation von Feststellungen nicht möglich sei.“[2] König/Zedler meinen, dass der Ausgangspunkt für den kritischen Rationalismus das Induktionsproblem ist. Damit meint man, aus einzelnen Beobachtungen auf allgemeine Gesetzesaussagen schließen zu können.[3] König/Zedler zeigen auf, dass Popper den Induktivismus kritisiert. „Nun ist es aber nichts weniger als selbstverständlich, dass wir logisch berechtigt sein sollen, von besonderen Sätzen, und seien es noch so viele, auf allgemeine Sätze zu schließen. Ein solcher Schluss kann sich ja immer als falsch erweisen: bekanntlich berechtigen uns noch so viele Beobachtungen von weißen Schwänen nicht zu dem Satz, dass alle Schwäne weiß sind.“[4] Ausgehend von dieser Illustration führen König/Zedler auf, dass für Popper generelle Gesetzesaussagen nicht verifizierbar sind, d.h. „durch Überprüfen, die Richtigkeit von etwas bestätigen“[5]. Allgemeine Aussagen sind für Popper aber falsifizierbar, d.h. „eine Hypothese durch empirische Beobachtung widerlegen“[6]. Herber zeigt, dass nach Popper eine Theorie falsifiziert ist, sobald eine Fehlprognose aus ihr abgeleitete werden kann. Deshalb gibt es keine universalistische Theorie, keine universelle Wahrheit, sondern nur verschiedene Grade der Annäherung an ein wissenschaftliches Wahrheitsideal.[7] Somit genügt eine einzelne Beobachtung eines schwarzen Schwans, um die generelle Aussage: „Alle Schwäne sind weiß“ zu falsifizieren.[8] Hieraus entwickelt Popper, laut König/Zedler, das Prinzip der kritischen Prüfung. Dabei werden Hypothesen möglichst strengen Prüfungen ausgesetzt. Können sie trotz dessen nicht falsifiziert werden, gelten sie nicht automatisch als wahr, sondern, im Sinne des Kritischen Rationalismus, als für einen bestimmten Zeitraum bewährt. Für Popper ist, laut Herber, der vorläufige Bewährungsgrad einer Theorie umso höher, je mehr kritische Prüfungen eine Theorie überstanden hat.[9] Entscheidend für die Überprüfbarkeit von Hypothesen ist die Realität. Diese Prüfungsinstanz gewährleistet, dass Theorien und Hypothesen prinzipiell immer an der Wirklichkeit scheitern können. Dafür müssen Hypothesen und Theorien so formuliert werden, dass das Scheitern möglich ist. Eine Hypothese, die viel zulässt und wenig verbietet, ist nicht im Sinne einer Wissenschaft und fördert auch nicht den Erkenntnisstand. Um die Überprüfbarkeit von Hypothesen zu sichern, werden Basissätze gebildet, d.h. Tatsachen bilden die Basis wissenschaftlicher Aussagen.[10] Doch Tatsachen sind für Popper „keineswegs objektiv gegeben, sondern immer nur auf dem Hintergrund von begrifflichen Unterscheidungen und damit letztlich auf dem Hintergrund von Theorien“[11]. König/Zedler schreiben, dass gemäß Popper, die Lösung dieses Problems ebenfalls in dem Prinzip der kritischen Prüfung liegt, da auch Basissätze nicht verifiziert, wohl aber einer kritischen Prüfung unterzogen werden können.[12] Dabei werden Basissätze durch andere Basissätze geprüft, welche wieder durch andere Basissätze überprüft werden. Da dieser Vorgang kein natürliches Ende nimmt, wird der Wissenschaftler den Prozess an einer Stelle beliebig abbrechen und sich an einem Punkt als vorläufig befriedigt geben müssen.[13] Aus diesem Grund ist die Wissenschaft „keine genaue Abbildung der Wirklichkeit, sondern ein begriffliches Netz, das uns hilft, Probleme zu lösen, dessen Bewährung immer wieder kritisch zu prüfen ist.“[14] König/Zedler äußern, dass der Kritische Rationalismus eine theoretische Disziplin und ihr Ziel die „Kenntnisse über die Welt zu vermehren“[15] ist. Zu gleich hat der Kritische Rationalismus eine praktische Aufgabe. Diese liegt nach König/Zedler darin, „dem Praktiker Erklärungen, Prognosen und Technologien zur Verfügung zu stellen“[16]. Dem Kritischen Rationalismus nach, verlaufen jene immer nach dem Hempel – Oppenheim – Schema.

[...]


[1] Stimmer, F.: Lexikon der Sozialpädagogik und der Sozialarbeit; Oldenbourg Verlag München Wien 2000; S. 309

[2] vgl. ebd., S. 402

[3] König, E., Zedler, P.: Theorien der Erziehungswissenschaft. Einführung in Grundlagen, Methoden und praktische Konsequenzen. Weinheim 1998, S. 46

[4] ebd., S. 46

[5] Duden Band 5: Fremdwörterbuch. 7., neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Dudenverlag Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich; S. 1031

[6] ebd., S. 302

[7] Herber, H.- J.: Kritisch- rationale Erziehungswissenschaft. In: Hierdeis, H., Hug, Th, (Hrsg.): Taschenbuch der Pädagogik. Bd.2: Erziehungswissenschaft/ Pädagogik: Begriffe- Friedenspädagogik. Hohengehren 1996, S. 418

[8] vgl. König/Zedler, a.a.O., S. 46

[9] vgl. Herber, H.-J., a.a.O., S. 421

[10] vgl. König/Zedler, a.a.O., S. 47

[11] ebd.

[12] vgl. ebd.

[13] vgl. ebd.

[14] ebd.

[15] vgl. ebd., S. 48

[16] ebd.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Kritischer Rationalismus
Hochschule
Universität Lüneburg
Veranstaltung
Sozialpädagogik
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
28
Katalognummer
V63751
ISBN (eBook)
9783638567213
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kritischer, Rationalismus, Sozialpädagogik
Arbeit zitieren
Fanny Reimann (Autor), 2003, Kritischer Rationalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63751

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