Die Seminararbeit beleuchtet die Rolle der Judikativen oder auch Dritten Gewalt innerhalb des amerikanischen politischen Systems und erläutert die darin enthaltenen staatsphilosophischen Hintergründe. Dazu wird als Basis auf die Primärliteratur der Artikel 78-84 der Federalist Papers zurückgegriffen, welche sich explizit der Judikativen widmen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Historischer Zusammenhang
2. Die Stellung der Judikative in den Federalist Papers
3. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die spezifische Rolle der Judikative innerhalb des Gewaltenteilungsmodells der Federalist Papers. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die Autoren – Alexander Hamilton, James Madison und John Jay – die dritte Gewalt konzipierten, um sie im Rahmen der checks and balances vor einer Dominanz durch die Legislative zu schützen und ihre Stabilität zu gewährleisten.
- Historischer Kontext der Federalist Papers und US-Verfassung
- Die anthropologischen und ideengeschichtlichen Prämissen der Autoren
- Das Konzept der Judikative im System der checks and balances
- Die Funktion der judicial review (Normenkontrolle)
- Das Verhältnis von Grundrechten zur Rolle der dritten Gewalt
Auszug aus dem Buch
Die Stellung der Judikative in den Federalist Papers
Wie die Autoren der Papers selbst erläutern, ist das Prinzip der Gewaltenteilung von ihnen nicht erfunden, sondern in unterschiedlichster Form im Rahmen der politischen Ideengeschichte vorgefunden worden (Dabei ließen sich die von ihnen genannten neuzeitlichen Autoren u.a. durch Platons Gesetzesherrschaft in den Nomoi sowie die Aristotelische Politik ergänzen). Neu ist allerdings die Art, wie das oben beschriebene, pessimistische Menschenbild in das Gewaltenteilungsmodell der Federalist Papers integriert wird. Denn während es bis dahin vor allem darum ging, den von seiner Leidenschaft getriebenen menschlichen Hang zum Machtmissbrauch durch vernunftgeleitete Elemente abzuschwächen, zieht sich die Vernunft nunmehr sozusagen auf eine höhere Ebene zurück und lässt dem – für die Autoren ohnehin unbändigen – Hang zur Macht freien Lauf.
Allerdings soll dies in so angelegten organisatorischen Kanälen geschehen, dass sich die verschiedenen Einzelegoismen gegenseitig kontrollieren und neutralisieren und so im Kollektiv letztlich doch eine vernünftige Ordnung hervorbringen. Genau derjenige Grundzug des Menschen, der als größte Gefahr für die Stabilität der politischen Ordnung gesehen werden muss, soll nun also mittels der Maxime, „daß [sic] Ehrgeiz dem Ehrgeiz entgegenwirkt“ (Art. 51, 320), dafür eingesetzt werden, diese Ordnung zu stabilisieren. Das Gewaltenteilungsmodell der Federalist Papers kulminiert folglich in der Idee, „dem Mangel an besseren Motiven durch entgegengesetzte [sic] und miteinander rivalisierende Interessen entgegenzuwirken“ (Art. 51, 320).
Das bedeutet für das Modell der Gewaltenteilung zunächst, dass diese nicht dahingehend verstanden werden darf, dass die drei Machtblöcke vollständig voneinander getrennt wären und sich weder in Bezug auf ihre Legitimierung noch den politischen Prozess Berührungspunkte ergeben würden. Im Gegenteil: Der gesamte 47. und große Teile des 48. Artikels sind dem Nachweis gewidmet, dass weder im Rahmen der politischen Theorie noch der bisherigen Verfassungspraxis eine Isolierung der Gewalten als wünschenswert erscheint.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Federalist Papers ein und definiert den Fokus der Arbeit auf die Rolle der Judikative innerhalb des dort entwickelten Gewaltenteilungsmodells.
1. Historischer Zusammenhang: Dieses Kapitel erläutert den politischen Entstehungskontext der Federalist Papers, insbesondere den Übergang vom losen Staatenbund zu einem organisierten Bundesstaat.
2. Die Stellung der Judikative in den Federalist Papers: Dieser Hauptteil analysiert die Konzeption der Judikative als "schwächste Gewalt" und ihre Einbettung in das System der checks and balances inklusive des Konzepts der judicial review.
3. Fazit: Das Fazit bewertet den Erfolg der konzipierten Judikative und reflektiert über die Transformation der US-Verfassung von der Theorie der Federalist Papers zur tatsächlichen Anwendung.
Schlüsselwörter
Federalist Papers, Judikative, Gewaltenteilung, checks and balances, US-Verfassung, Alexander Hamilton, James Madison, John Jay, judicial review, Normenkontrolle, Menschenbild, Rechtsstaat, politische Theorie, Verfassungsentwurf, Unabhängigkeit der Gerichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretische Rolle der Judikative innerhalb des Modells der Gewaltenteilung, wie sie in den Federalist Papers im Kontext der Ratifizierung der US-Verfassung entworfen wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die historische Entstehung der Papers, die politische Philosophie der Autoren (insb. das skeptische Menschenbild), die Ausgestaltung des Kontrollsystems (checks and balances) und die Funktion der richterlichen Normenkontrolle.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Federalist Papers eine notwendige Stärkung der anfangs als schwach konzipierten Judikative begründeten, um diese gegen den politischen Einfluss der Legislative zu schützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse der Originaltexte der Federalist Papers im Kontext ihrer Entstehungsgeschichte und unter Berücksichtigung ideengeschichtlicher Referenzwerke.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Einbettung der Judikative in den Staatsaufbau, die Begründung der Lebenszeit-Richterämter und die Notwendigkeit des judicial review zur Wahrung der Verfassungskonformität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Federalist Papers, Gewaltenteilung, judicial review, checks and balances und die Rolle des Obersten Gerichtshofs.
Wie bewertet der Autor die Rolle des judicial review?
Der Autor stellt dar, dass das Konzept der judicial review als notwendiges Gegengewicht zu den "Usurpationen der Legislative" entworfen wurde, um die Verfassung als oberste Instanz gegenüber politischen Gesetzen zu schützen.
Warum wird die Judikative als "schwächste Gewalt" bezeichnet?
Basierend auf den Federalist Papers wird die Judikative als schwächste Gewalt eingestuft, da sie weder über ein eigenes Budget (Haushaltsrecht) noch über das Gewaltmonopol (Exekutive) verfügt und auf die Wirksamkeit ihrer Urteile angewiesen ist.
Welche Bedeutung hatte das Menschenbild für die Argumentation?
Die Autoren gingen von einem skeptischen Menschenbild aus, das Machtmissbrauch voraussetzt; daher mussten die Regierungsinstanzen so organisiert werden, dass sie sich durch rivalisierende Interessen gegenseitig kontrollieren.
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- Felix Kau (Author), 2005, Die Rolle der Judikative innerhalb der Gewaltenteilung der Federalist Papers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63770