In vielen Ländern, vornehmlich lateinamerikanischen sowie spanisch- und portugiesischsprachigen, nehmen Telenovelas seit langem eine herausragende Position im Fernsehprogramm ein. Besonders hervorgehoben wird in diesem Zusammenhang immer wieder der immense Einfluss, den die Sendungen in diesen Ländern auf das private und auch auf das öffentliche Leben haben. In den privaten Haushalten bilden die Telenovelas mittlerweile einen festen Bezugspunkt, nach dem die Zuschauer ihren Alltag organisieren und an dem sie ihre Aktivitäten ausrichten. Einen ähnlichen Einfluss üben die Telenovelas aber in einigen Ländern auch in öffentlichen Institutionen aus. In Portugal wird beispielsweise eine Parlamentssitzung verschoben, weil sie zeitgleich zur Ausstrahlung einer dort sehr berühmten Telenovela stattfinden soll.
In Deutschland weiß bis vor ungefähr anderthalb Jahren noch fast niemand etwas mit dem Begriff der „Telenovela“ und damit diesem neuen romantischen Format anzufangen. Zwar werden auch hierzulande in den 80er und 90er Jahren einige lateinamerikanische Telenovelas ausgestrahlt, doch dies eher in den Randstunden des Fernsehprogramms und demzufolge auch wenig erfolgreich. Die einzige Telenovela, die im deutschen Fernsehen erfolgreich angenommen wird, ist im Jahr 1986 Die Sklavin Isaura in der ARD. Seit dem 01.11.04, dem Sendestart von Bianca - Wege zum Glück im ZDF, ist der Begriff der Telenovela in aller Munde und wird in den Medien sowie unter den Zuschauern wie selbstverständlich immer wieder verwendet. Mittlerweile existieren sechs verschiedene deutsche Telenovelas, weitere sind bereits in Planung. Dass die erste deutsche Telenovela ausgerechnet im ZDF startet, ist darüberhinaus kein Zufall. Der öffentlich-rechtliche Sender ist ohnehin für sein „Gefühlsfernsehen“ bekannt und bestätigt diesen Ruf auch immer wieder, wie zum Beispiel mit dem Traumschiff oder dem ZDF-Sonntagsfilm, in dem Stoffe aus Romanen von Rosamunde Pilcher, Barbara Wood und anderen Autoren verfilmt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Fragestellungen
1.3 Gliederung der Arbeit
2. Die Telenovela
2.1 Definition der Telenovela
2.2 Geschichte der Telenovela in Lateinamerika
2.2.1 Mexiko
2.2.2 Brasilien
3. Themen, Figuren und Aufbau
3.1 Themen in einer Telenovela
3.2 Die Figuren
3.2.1 Die Heldin
3.2.2 Der Held
3.2.3 Der oder die Böse
3.2.4 Die Nebenfiguren
3.3 Der Aufbau
3.3.1 Beispiel Bianca – Wege zum Glück
4. Einordnung und Abgrenzung zu anderen Formaten
4.1 Das Feuilleton
4.2 Das Märchen
4.3 Das Melodrama
4.4 Die Soap Opera
4.5 Zuordnung zu einem Format
4.6 Genreeinordnung
5. Telenovelas im deutschen Fernsehen
5.1 Exporte aus Lateinamerika
5.2 Die deutschen Telenovelas
5.2.1 Bianca – Wege zum Glück
5.2.1.1 Handlung
5.2.1.2 Charaktere
5.2.1.3 Darstellung und Besonderheiten
5.2.2 Verliebt in Berlin
5.2.2.1 Handlung
5.2.2.2 Charaktere
5.2.2.3 Darstellung und Besonderheiten
5.2.3 Sturm der Liebe
5.2.3.1 Handlung
5.2.3.2 Charaktere
5.2.3.3 Darstellung und Besonderheiten
5.2.4 Julia – Wege zum Glück
5.2.4.1 Handlung
5.2.4.2 Charaktere
5.2.4.3 Darstellung und Besonderheiten
5.2.5 Sophie – Braut wider Willen
5.2.5.1 Handlung
5.2.5.2 Charaktere
5.2.5.3 Darstellung und Besonderheiten
5.2.6 Leben für die Liebe
5.2.6.1 Handlung
5.2.6.2 Charaktere
5.2.6.3 Darstellung und Besonderheiten
6. Die Produktionsseite
6.1 Der deutsche Fernsehmarkt
6.1.1 Konkurrenzsituation
6.1.2 Eigenproduktion vs. Kaufproduktion
6.2 Die Telenovela-Produktion
6.2.1 Die Produktion der Telenovelas in Lateinamerika
6.2.2 Die Produktion der deutschen Telenovelas
6.2.2.1 Bianca – Wege zum Glück
6.2.2.2 Verliebt in Berlin
6.2.2.3 Sturm der Liebe
6.2.2.4 Julia – Wege zum Glück
6.2.2.5 Sophie – Braut wider Willen
6.2.2.6 Leben für die Liebe
6.3 Telenovelas im öffentlich-rechtlichen und im privaten Fernsehprogramm
6.3.1 Programmplanung
6.3.2 Die deutschen Telenovelas im Fernsehprogramm
6.3.2.1 Bianca – Wege zum Glück und Julia – Wege zum Glück
6.3.2.2 Verliebt in Berlin
6.3.2.3 Sturm der Liebe
6.3.2.4 Sophie – Braut wider Willen
6.3.2.5 Leben für die Liebe
7. Die Rezeptionsseite
7.1 Marktanteile und Einschaltquoten der deutschen Telenovelas
7.1.1 Bianca – Wege zum Glück
7.1.2 Verliebt in Berlin
7.1.3 Sturm der Liebe
7.1.4 Julia – Wege zum Glück
7.1.5 Sophie – Braut wider Willen
7.2 Das Telenovela-Publikum
7.2.1 Bianca – Wege zum Glück
7.2.2 Sturm der Liebe
7.2.3 Verliebt in Berlin
7.3 Faszination Telenovela
7.3.1 Themen und Aufbau
7.3.2 Ausstrahlungsrhythmus
7.3.3 Frauen in handlungsbestimmenden Rollen
7.3.4 Göttinnenperspektive
7.3.5 Interpersonale Kommunikation
7.3.6 Folgekommunikation
7.3.7 Emotionale Intensität und parasoziale Funktionen
7.3.8 Unterhaltung
7.3.9 Identifikation
7.3.10 Eskapismus
7.3.11 Lebensbedingungen
8. Fazit und Diskussion
8.1 Zielsetzungen der öffentlich-rechtlichen und der privaten Fernsehsender
8.2 Vergleich der deutschen Telenovelas nach Inhalt, Darstellung und Charakteren
8.2.1 Hauptperson
8.2.2 Handlungsort und Zeit
8.2.3 Darstellung und Anmutung
8.2.4 Außenaufnahmen
8.2.5 Aufbau und Ausstrahlungsrhythmus
8.2.6 Titelsong
8.2.7 Fazit
8.3 Vergleich der deutschen Telenovelas auf der Produktionsseite
8.3.1 Produktionsfirma und Herstellungsort
8.3.2 Besondere Drehbedingungen
8.3.3 Konkurrenzsituation
8.3.4 Planungsstrategien der Sender
8.3.5 Rolle der Werbung
8.3.6 Fazit
8.4 Vergleich der deutschen Telenovelas auf der Rezeptionsseite
8.4.1 Einschaltquoten zu Beginn und im weiteren Verlauf
8.4.2 Zusammensetzung der Zuschauer nach Alter und Geschlecht
8.4.3 Demografische Merkmale der Zuschauer
8.4.4 Fazit
8.5 Deutsche Telenovelas als Unterhaltungsformat im öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehen
8.6 Die Zukunft der deutschen Telenovelas
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den plötzlichen Erfolg des Telenovela-Formats in Deutschland und analysiert dabei die Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten zwischen den Produktionen öffentlich-rechtlicher und privater Fernsehsender. Zentral ist die Frage, woraus sich die hohe Publikumsakzeptanz speist und inwiefern sich die Telenovelas als neues Format im deutschen Fernsehen etablieren können.
- Struktureller und inhaltlicher Aufbau von Telenovelas
- Produktionsbedingungen in Deutschland im Vergleich zu Lateinamerika
- Programmplanungsstrategien der Fernsehsender
- Marktanteile und Rezeptionsverhalten
- Demografische Merkmale des Telenovela-Publikums
Auszug aus dem Buch
3.1 Themen in einer Telenovela
Eine erste thematische Besonderheit der Telenovelas besteht darin, dass die Autoren nur sehr selten eigene Geschichten erfinden. Meist greifen sie auf bereits bewährte und erfolgreiche Geschichten zurück, deren Ursprung vor allem im Feuilletonroman und im Melodrama sowie auch im Märchen liegt. Dennoch lässt sich das Format Telenovela nicht ausschließlich auf etablierte und traditionelle Erzählformen reduzieren. Wichtige Merkmale für Telenovelas, v.a. auch im deutschen Fernsehen, sind Aktualität und Alltäglichkeit. Die Geschichten stehen stets in Bezug zu den Alltagserfahrungen und zeichnen sich durch die Verwendung aktueller Sprache sowie die Darstellung aktueller Themen und Lebenswelten aus.
In Bezug auf den thematischen Rahmen legt Marta Maria Klagsbrunn die sogenannten „Goldenen Regeln des Genres“ fest: Es ist die Geschichte von einem Mann und einer Frau, die sich ineinander verlieben. Um diese Liebe zu verwirklichen, müssen viele Hindernisse überwunden werden. Die Hauptpersonen gehören meist zwei ökonomisch und sozial grundsätzlich verschiedenen Familien an: die eine ist reich, die andere arm. Die Familien bilden den Kern von entsprechenden sozialen Kreisen, mit Verwandten, Freunden, Nachbarn, Hausangestellten usw. Eine der Hauptfiguren kämpft darum, ein Geheimnis aufzudecken, fast immer eine Enträtselung um die eigenen Eltern oder z.B. auch darum, den Schuldigen für den Ruin der Familie zu entlarven. Zwei Männer konkurrieren um die Liebe einer Frau oder zwei Frauen um die eines Mannes. Das Ganze entwickelt sich in einer Fülle von Missverständnissen, unerwarteten Geschehnissen, Intrigen und Machenschaften.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Ausgangssituation des Telenovela-Booms in Deutschland und definiert die zentralen Fragestellungen der wissenschaftlichen Hausarbeit.
2. Die Telenovela: Das Kapitel liefert eine Definition des Formats und beleuchtet die historische Entwicklung in den lateinamerikanischen Herkunftsländern Mexiko und Brasilien.
3. Themen, Figuren und Aufbau: Hier werden die charakteristischen inhaltlichen Vorgaben, die Rollenkonstellationen sowie die dramaturgische Drei-Akt-Struktur einer Telenovela beschrieben.
4. Einordnung und Abgrenzung zu anderen Formaten: Dieses Kapitel vergleicht die Telenovela mit verwandten Formaten wie dem Feuilleton, dem Märchen, dem Melodrama und insbesondere der Soap Opera.
5. Telenovelas im deutschen Fernsehen: Es folgt eine Bestandsaufnahme der Telenovela-Exporte aus Lateinamerika und eine detaillierte Vorstellung der deutschen Produktionen von Bianca bis hin zu Leben für die Liebe.
6. Die Produktionsseite: Das Kapitel untersucht die Bedingungen auf dem deutschen Fernsehmarkt, die Produktionsroutinen der verschiedenen Anstalten sowie deren Programmplanungsstrategien.
7. Die Rezeptionsseite: Hier steht die Analyse der Einschaltquoten, die Untersuchung des Publikums nach demografischen Merkmalen sowie eine Reflexion über die Faszination am Genre im Fokus.
8. Fazit und Diskussion: Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengeführt, Senderstrategien verglichen und ein Ausblick auf die Zukunft des Genres in Deutschland gegeben.
Schlüsselwörter
Telenovela, deutsche Telenovelas, Fernsehformat, Zuschauerzahlen, Einschaltquoten, Programmplanung, Produktionsseite, Rezeptionsseite, Genre, Familienserie, Bianca – Wege zum Glück, Verliebt in Berlin, Sturm der Liebe, Julia – Wege zum Glück, Sophie – Braut wider Willen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen der deutschen Telenovela als neues Unterhaltungsformat, das sich nach dem Erfolg des Vorreiters Bianca – Wege zum Glück rasant im deutschen Fernsehprogramm entwickelt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Untersuchung umfasst die inhaltlichen und strukturellen Grundlagen des Formats, die Produktionsbedingungen in Deutschland im Vergleich zu Lateinamerika, die Programmplatzierung durch die Sender sowie die Rezeption beim deutschen Publikum.
Was ist die primäre Zielsetzung bzw. Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Ursachen für den plötzlichen Telenovela-Boom in Deutschland zu ergründen und aufzuzeigen, wie öffentlich-rechtliche und private Sender das Format strategisch nutzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Kombination aus bestehender Literatur zu lateinamerikanischen Vorbildern, Fachpublikationen, Zeitungsartikeln sowie eigenen Beobachtungen und Analysen von Sendeplänen und Einschaltquoten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung, eine Bestandsaufnahme deutscher Produktionen, eine Analyse der Produktionsroutinen sowie eine detaillierte Untersuchung der Rezeptionsseite und der Programmplanungsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Telenovela, Einschaltquoten, Programmplanung, Produktionsbedingungen, Senderstrategien und Faszination am Genre.
Warum gibt es Unterschiede bei den Einschaltquoten der einzelnen Telenovelas?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die Erfolgsunterschiede maßgeblich auf die Sendezeit, die damit verbundene Zielgruppenansprache, die Konkurrenzsituation im Programm sowie auf das jeweilige Senderprofil (öffentlich-rechtlich vs. privat) zurückzuführen sind.
Welchen Einfluss hat die Sendezeit auf das Telenovela-Publikum?
Die Platzierung am Nachmittag spricht primär Hausfrauen und ältere Zielgruppen an, während eine Platzierung in der Vorabend-Prime-Time, wie bei Verliebt in Berlin, eine deutlich jüngere und werberelevantere Zielgruppe erreicht.
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- Simone Spaniol (Author), 2006, Deutsche Telenovelas - Ein Unterhaltungsformat im öffentlich-rechtlichen und im privaten Fernsehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63781