Normen und Dimensionen eines pädagogischen Leistungsbegriffs


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

18 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Was versteht man unter Leistung? Das Problem eines allgemein gültigen Leistungsbegriffes

3 Leistung als Prozess oder Resultat. Zum statischen und dynamischen Leistungsbegriff, sowie der Revisionsbedürftigkeit des bisherigen schulischen Leistungsprinzips

4 Der pädagogische Leistungsbegriff: Zum „grundsätzlichen“ pädagogischen Leistungsverständnis und den Leitgedanken eines neuen pädagogischen Leistungsbegriffes

5 Der pädagogische Leistungsbegriff und die Rolle normierter Leistungsanforderungen

6 Die Grundprinzipien (Dimensionen) eines pädagogischen Leistungsbegriffes
6.1 Leistung ist produkt- und prozessorientiertes Lernen
6.2 Leistung ist individuelles und soziales Lernen
6.3 Leistung ist problemmotiviertes und vielfältiges Lernen
6.4 Leistung ist anlage- und umweltbedingtes Lernen

7 Zusammenfassung

8 Bibliographie

1 Einleitung

Das Leistungsproblem wurde im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts zu einem zentralen Faktor des Schulwesens. Der Nachweis bestimmter Leistungen in der Schule, der Abschluss bestimmter Schul-Laufbahnen, wurde dabei immer bedeutsamer für das Einschlagen von bestimmten Berufswegen oder um bestimmte gesellschaftliche Positionen einzunehmen. Der durch das Bürgertum zuerst neu gewonnene Handlungsspielraum, welchen sich dieses gegenüber dem Adel erkämpft hatte, wurde zugleich gegenüber der Arbeiterschaft, als zweite nach Emanzipation strebende gesellschaftliche Klasse, abgegrenzt. Das während dieser Phase neu entstehende Leistungsprinzip etablierte sich als Auswahlinstrument, um den bürgerlichen Teil der Gesellschaft gegenüber dem der Arbeiterklasse abzugrenzen. Bis in die heutige Zeit blieb dieses Prinzip bestehen, was besonders an dem Umstand erkennbar ist, dass die familiären Sozialisations- und Erziehungsbedingungen in der überwiegenden Zahl der Fälle entscheidende Vorbedingung für gute Schulleistungen blieben.[1] Auch in der jüngsten öffentlichen Diskussion tauchte der Vorwurf auf, dass das deutsche Schulsystem sozialständisch gegliedert sei und durch das herkömmliche Leistungsprinzip die Möglichkeit verhindert würde, trotz entsprechender Fähigkeiten und einer durchaus vorhanden Leistungsbereitschaft des Einzelnen, in diesem System aus den unteren sozialen Schichten in den Bereich der wohlhabenden „Bildungselite“ oder des Bildungsbürgertums aufzusteigen. Um es auf eine Formel zu bringen: Wer aus einem einkommensschwachen Elternhaus kommt, hat keine Chance einen qualitativ hohen Schulabschluss zu erwerben. Die Debatte um dieses Problem ist nicht neu. In der Bundesrepublik tobt die Diskussion um ein Für und Wieder des Leistungsprinzips und Leistungsschule seit den ausgehenden sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Diese Arbeit will sich nun mit dem schulischen oder auch pädagogischen Leistungsbegriff beschäftigen. Dazu wird im ersten Kapitel der Versuch unternommen Leistung zu definieren. Im zweiten Kapitel wird Leistung nochmals einer Definition unterzogen, jedoch hier eine Unterscheidung von dynamischer und statischer Leistung vorgenommen, und diese beiden Prinzipien erläutert. Im sich anschließenden Teil wird es um den pädagogischen Leistungsbegriff gehen, wie sich dieser vom allgemeinen Leistungsbegriff abgrenzt und in wieweit dieser Begriff als Verwirklichung des gesellschaftlichen Leistungsprinzips in der Schule bisher umgesetzt wurde und welche Veränderungen eintreten müssen, um einen neuen pädagogischen Prinzip gerecht zu werden. Außerdem werden hier die zentralen inhaltlichen Zielstellungen dieses neuen pädagogischen Leistungsprinzips aufgezeigt, danach auf, die den pädagogischen Leistungsbegriff betreffenden, Normen oder normierten Leistungsforderungen eingegangen und schließlich die vier grundlegenden Prinzipien ausführlich vorgestellt, welche den Kern eines neu konzipierten pädagogischen Leistungsbegriffes und eines neuen schulischen Leistungsprinzips bilden.

2 Was versteht man unter Leistung?
Das Problem eines allgemein gültigen Leistungsbegriffes

Der Begriff der Leistung ist spätestens mit der in den 60iger Jahren des vorigen Jahrhunderts aufkommenden erziehungswissenschaftlichen Debatte, aber auch mit zahlreichen öffentlichen, bildungspolitischen Diskussionen umstritten.[2] Besonders im Zusammenhang mit Schlagworten wie Leistungsgesellschaft, Leistungsdruck und Leistungsangst erhielt das schulische Leistungsprinzip einen negativen Habitus und ließ zahlreiche kontrovers gestaltete Debatten über Sinn und Unsinn dieses Prinzips aufblühen.

Die Bedeutungszuweisung des Leistungsbegriffes im Allgemeinen ist mannigfaltig. Wenn man auf den physikalischen Leistungsbegriff zurückgreifen möchte, so kann Leistung als das Produkt von Kraft und Weg vermindert um die dafür benötigte Zeit verstanden werden. Das Problem, diesen Begriff auf Schule und Erziehung anzuwenden, ist jedoch, dass diese nüchternde, ja rationale Definition sich im Bereich der Bewertung von menschlicher Leistung als wenig brauchbar herausstellt. Der Grund dafür ist, dass er sich nur auf das rein Messbare beschränkt und die prozessuale Dimension, also den Handlungsprozess, welcher zum messbaren Ergebnis führt, vernachlässigt.

Versucht man hingegen Leistung unter Berücksichtigung eben dieses wichtigen Elements auf ihren tatsächlichen Wesensgehalt zu beschränken, so kann diese definiert werden “als Vollzug oder Ergebnis einer Arbeit in Relationen zu einem Gütemaßstab.“[3] Der Gütemaßstab auf das leistungsbezogene Verhalten muss jedoch von dem Individuum als verbindlich erachtet und eingeschätzt werden. Wenn dies nicht der Fall ist, hat dieser Gütemaßstab für das Individuum keinerlei Bedeutung und entfällt dementsprechend. Als Folge einer notwendigen Akzeptanz des Gütemaßstabes durch das Individuum lässt sich feststellen, dass dieser von Kulturkreis zu Kulturkreis oder von Gesellschaft zu Gesellschaft variiert. In den modernen Industriegesellschaften ist dieser Gütemaßstab meistens mit der profitablen Verwertbarkeit von Arbeitsleistung unter Berücksichtigung von Konkurrenzorientierung und Produktbezogenheit unter Selektionsvorbehalt am besten umschrieben. Dass dieser Gütemaßstab in Bezug auf das Leistungsverständnis in der Schule nach neueren Untersuchungen nicht vollständig zu übernehmen ist, wird hier noch aufzuzeigen sein.

[...]


[1] Klafki, Wolfgang: Leistung, in: Lenzen, Dieter (Hrsg.): Enzyklopädie der Erziehungswissenschaft, Bnd. 1., Stuttgart 1983, S. 493.

[2] Vgl. Klafki, Wolfgang: Aspekte kritisch-konstruktiver Erziehungswissenschaft. Gesammelte Beiträge zur Theorie-Praxis- Diskussion, Basel 1976, S. 141.

[3] Vgl. Schröder, Hartwig: Grundbegriffe der Schulpädagogik und Allgemeinen Didaktik, München 1990, S. 145.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Normen und Dimensionen eines pädagogischen Leistungsbegriffs
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Fakultät für Erziehungswissenschaften– Professur für Schulpädagogik)
Veranstaltung
Seminar: Leistung und Leistungsbeurteilung in der Schule
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V63784
ISBN (eBook)
9783638567435
ISBN (Buch)
9783638775830
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Normen, Dimensionen, Leistungsbegriffs, Seminar, Leistung, Leistungsbeurteilung, Schule
Arbeit zitieren
Daniel Böhme (Autor), 2006, Normen und Dimensionen eines pädagogischen Leistungsbegriffs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63784

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