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Normen und Dimensionen eines pädagogischen Leistungsbegriffs

Title: Normen und Dimensionen eines pädagogischen Leistungsbegriffs

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 18 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Daniel Böhme (Author)

Didactics - Common Didactics, Educational Objectives, Methods
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Das Leistungsproblem wurde im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts zu einem zentralen Faktor des Schulwesens. Der Nachweis bestimmter Leistungen in der Schule, der Abschluss bestimmter Schul-Laufbahnen, wurde dabei immer bedeutsamer für das Einschlagen von bestimmten Berufswegen oder um bestimmte gesellschaftliche Positionen einzunehmen. Der durch das Bürgertum zuerst neu gewonnene Handlungsspielraum, welchen sich dieses gegenüber dem Adel erkämpft hatte, wurde zugleich gegenüber der Arbeiterschaft, als zweite nach Emanzipation strebende gesellschaftliche Klasse, abgegrenzt. Das während dieser Phase neu entstehende Leistungsprinzip etablierte sich als Auswahlinstrument, um den bürgerlichen Teil der Gesellschaft gegenüber dem der Arbeiterklasse abzugrenzen. Bis in die heutige Zeit blieb dieses Prinzip bestehen, was besonders an dem Umstand erkennbar ist, dass die familiären Sozialisations- und Erziehungsbedingungen in der überwiegenden Zahl der Fälle entscheidende Vorbedingung für gute Schulleistungen blieben.1 Um es auf eine Formel zu bringen: Wer aus einem einkommensschwachen Elternhaus kommt, hat keine Chance einen qualitativ hohen Schulabschluss zu erwerben. Die Debatte um dieses Problem ist nicht neu. Diese Arbeit will sich nun mit dem schulischen oder auch pädagogischen Leistungsbegriff beschäftigen. Dazu wird im ersten Kapitel der Versuch unternommen Leistung zu definieren. Im zweiten Kapitel wird Leistung nochmals einer Definition unterzogen, jedoch hier eine Unterscheidung von dynamischer und statischer Leistung vorgenommen, und diese beiden Prinzipien erläutert. Im sich anschließenden Teil wird es um den pädagogischen Leistungsbegriff gehen, wie sich dieser vom allgemeinen Leistungsbegriff abgrenzt und in wieweit dieser Begriff als Verwirklichung des gesellschaftlichen Leistungsprinzips in der Schule bisher umgesetzt wurde und welche Veränderungen eintreten müssen, um einen neuen pädagogischen Prinzip gerecht zu werden. Außerdem werden hier die zentralen inhaltlichen Zielstellungen dieses neuen pädagogischen Leistungsprinzips aufgezeigt, danach auf, die den pädagogischen Leistungsbegriff betreffenden, Normen oder normierten Leistungsforderungen eingegangen und schließlich die vier grundlegenden Prinzipien ausführlich vorgestellt, welche den Kern eines neu konzipierten pädagogischen Leistungsbegriffes und eines neuen schulischen Leistungsprinzips bilden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was versteht man unter Leistung? Das Problem eines allgemein gültigen Leistungsbegriffes

3 Leistung als Prozess oder Resultat. Zum statischen und dynamischen Leistungsbegriff, sowie der Revisionsbedürftigkeit des bisherigen schulischen Leistungsprinzips

4 Der pädagogische Leistungsbegriff: Zum „grundsätzlichen“ pädagogischen Leistungsverständnis und den Leitgedanken eines neuen pädagogischen Leistungsbegriffes

5 5. Der pädagogische Leistungsbegriff und die Rolle normierter Leistungsanforderungen

6 6. Die Grundprinzipien (Dimensionen) eines pädagogischen Leistungsbegriffes

6.1 Leistung ist produkt- und prozessorientiertes Lernen

6.2 Leistung ist individuelles und soziales Lernen

6.3 Leistung ist problemmotiviertes und vielfältiges Lernen

6.4 Leistung ist anlage- und umweltbedingtes Lernen

7 Zusammenfassung

8 Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den schulischen Leistungsbegriff und setzt sich kritisch mit dessen historischer Entwicklung sowie der dominanten Fokussierung auf statische, ergebnisorientierte Messungen auseinander. Ziel ist es, ein Plädoyer für einen erweiterten, pädagogischen Leistungsbegriff zu formulieren, der stärker auf Mündigkeit, Prozessorientierung und ganzheitliche Förderung abzielt.

  • Historische Herleitung und Kritik des traditionellen Leistungsprinzips
  • Abgrenzung von statischen und dynamischen Leistungsverständnissen
  • Entwicklung normativer Anforderungen an einen modernen pädagogischen Leistungsbegriff
  • Bedeutung von kooperativem, problemorientiertem und ganzheitlichem Lernen
  • Wechselwirkung zwischen individuellen Begabungen und Umweltfaktoren

Auszug aus dem Buch

6.2 Leistung ist individuelles und soziales Lernen

Im herkömmlichen auf die Schule bezogenen Leistungsverständnis ist es das Ziel, individuelle Charaktereigenschaften zu fördern und zu entwickeln. Leistung wird hierbei „verengt als Ausdruck einer Fähigkeit des Schülers/ Schülerin verstanden, welche unabhängig vom sozialen Kontext in überwiegend konkurrenzorientierten Situationen erbracht wird.“ Dies fördert einerseits die vorwiegend auf gute Zensuren und Zeugnisse abzielende extrinsische Motivation und verhindert zum anderen den Aufbau sachbezogener Lern- und Leistungsmotive. Der Schüler/in wird somit angehalten, sich nicht tatsächlich aus Interesse mit dem Lerngegenstand zu befassen, sondern weil als Belohnung für die Leistung eine gute Note in Aussicht gestellt wird. Dies widerspricht im Grunde dem Ziel jeglichen Lernprozesses, da eine auf den Lerngegenstand bezogene Motivation ausschlaggebend bei diesen sein sollte. Wenn sich nun Schule als Ort versteht, im welchen in erster Linie Lern- und Leistungsbereitschaft erzeugt werden soll, muss neben dem Nachweis von Wissen und Können vor allem die Fähigkeit herangebildet werden, „dieses Wissen und Können selbständig und eigenverantwortlich in sozialen, emotionalen und kognitiven Handlungs- und Lernvollzügen anzuwenden und weiterzuentwickeln.“ Das heißt also, neben der Förderungsnotwendigkeit und der Entwicklungsmöglichkeit des Einzelnen gibt es eine Reihe von Leistungen, die im sozialen Kontext erbracht werden sollen und für die der einzelne selbstständig und aus eigenem Antrieb heraus Verantwortung übernehmen will.

Neben der Herausbildung eines Verantwortungsbewusstseins des Einzelnen ist es von Bedeutung, die Schüler/innen zu solidarischen Handeln, zur Hilfe gegenüber anderen im Allgemeinen und sozial Schwächeren, Benachteiligten usw. zu erziehen. Das herkömmliche dominierende Leistungskonkurrenzprinzip verhinderte bisher die Herausbildung dieser Kompetenz. Ein pädagogischer verantwortbarer Leistungsbegriff in einer demokratischen Schule, mit dem Anspruch das Individuum zur Mündigkeit zu erziehen, muss neben der Förderung individueller Leistungen auch die gemeinsam und in Kooperation erbrachten Leistungen fördern.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Darstellung des geschichtlichen Wandels des Leistungsprinzips und Einordnung der Relevanz für das aktuelle deutsche Schulsystem.

2 Was versteht man unter Leistung? Das Problem eines allgemein gültigen Leistungsbegriffes: Erörterung der Problematik, Leistung über rein physikalische oder rein ergebnisorientierte Definitionen für pädagogische Zwecke zu erfassen.

3 Leistung als Prozess oder Resultat. Zum statischen und dynamischen Leistungsbegriff, sowie der Revisionsbedürftigkeit des bisherigen schulischen Leistungsprinzips: Unterscheidung zwischen statischem Ergebnisdenken und einem dynamischen, prozessorientierten Ansatz der Leistungsbewertung.

4 Der pädagogische Leistungsbegriff: Zum „grundsätzlichen“ pädagogischen Leistungsverständnis und den Leitgedanken eines neuen pädagogischen Leistungsbegriffes: Herleitung der Forderung nach einem Leistungsbegriff, der Persönlichkeitsentfaltung und gesellschaftliche Mündigkeit in einer Demokratie in den Mittelpunkt stellt.

5 5. Der pädagogische Leistungsbegriff und die Rolle normierter Leistungsanforderungen: Analyse der Notwendigkeit von Normen bei gleichzeitiger Wahrung des Rechts auf individuelle pädagogische Förderung.

6 6. Die Grundprinzipien (Dimensionen) eines pädagogischen Leistungsbegriffes: Detaillierte Vorstellung der vier Kernelemente: Produkt-/Prozessorientierung, individuelles/soziales Lernen, problemorientiertes/vielfältiges Lernen sowie anlage-/umweltbedingtes Lernen.

6.1 Leistung ist produkt- und prozessorientiertes Lernen: Plädoyer für die Einbeziehung des Lernwegs und geistiger Prozesse in die Leistungsbewertung statt rein kognitiver Endergebnisse.

6.2 Leistung ist individuelles und soziales Lernen: Forderung nach einem Kooperations- und Solidaritätsprinzip, um einseitige Konkurrenz und Ausgrenzung im Schulalltag zu vermeiden.

6.3 Leistung ist problemmotiviertes und vielfältiges Lernen: Betonung handlungsorientierter Lernformen und der Bedeutung von Eigentätigkeit für eine nachhaltige Wissensaneignung.

6.4 Leistung ist anlage- und umweltbedingtes Lernen: Reflexion über den Einfluss externer Faktoren auf den Schulerfolg und die Forderung nach einem dynamischen Begabungsbegriff.

7 Zusammenfassung: Synthese der Argumente für eine Reform des Leistungsbegriffs zur Stärkung der kritischen Erziehung und Mündigkeit.

8 Bibliographie: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen Literatur und Quellen.

Schlüsselwörter

Pädagogischer Leistungsbegriff, Leistungsprinzip, Schulpädagogik, Prozessorientierung, Bildungsziele, Mündigkeit, Konkurrenz, Kooperation, Handlungsorientierung, Demokratische Bildung, Leistungsbewertung, Lernkompetenz, Ganzheitliches Lernen, Begabung, Schulerfolg

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Herleitung und der notwendigen Reform des pädagogischen Leistungsbegriffs in der Schule, weg von einer rein ergebnisorientierten Selektion hin zu einer bildungsorientierten, ganzheitlichen Förderung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die historische Genese des Leistungsprinzips, die Abgrenzung von statischer und dynamischer Leistung sowie die Verknüpfung von Leistungsforderungen mit demokratischen Erziehungszielen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie ein neuer pädagogischer Leistungsbegriff gestaltet sein muss, um Schüler zu einer selbstständigen, kritischen Mündigkeit zu erziehen, anstatt sie lediglich auf Wettbewerb zu trimmen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, basierend auf der Auswertung erziehungswissenschaftlicher Fachliteratur, insbesondere in Anlehnung an Theoretiker wie Wolfgang Klafki.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden vier Grundprinzipien (Dimensionen) erläutert: die Produkt- und Prozessorientierung, die Balance zwischen Individuum und Sozialem, die Einbindung von Problemorientierung sowie die Anerkennung anlage- und umweltbedingter Faktoren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie pädagogischer Leistungsbegriff, Mündigkeit, Prozessorientierung, Kooperation und Demokratische Bildung charakterisiert.

Warum wird das traditionelle Leistungsprinzip kritisiert?

Das traditionelle Prinzip wird kritisiert, weil es durch seine einseitige Ergebnisorientierung und den starken Fokus auf Konkurrenz soziale Ausgrenzung fördern kann und das eigentliche Potenzial von Lernprozessen vernachlässigt.

Was versteht der Autor unter einem "dynamischen Leistungsbegriff"?

Dynamisch bedeutet hierbei, dass nicht nur das messbare Endergebnis (z.B. Zensuren) zählt, sondern auch der Lernweg, die Anstrengungsbereitschaft und die erworbenen methodischen Kompetenzen als Teil der Leistung gewürdigt werden.

Wie spielt das Kooperationsprinzip in den neuen Leistungsbegriff hinein?

Kooperation ist essenziell, um das Abstellgleis für schwächere Schüler zu verhindern und die Schule als Ort solidarischen Handelns zu etablieren, was für eine demokratische Gesellschaft unerlässlich ist.

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Details

Title
Normen und Dimensionen eines pädagogischen Leistungsbegriffs
College
Dresden Technical University  (Fakultät für Erziehungswissenschaften– Professur für Schulpädagogik)
Course
Seminar: Leistung und Leistungsbeurteilung in der Schule
Grade
1,5
Author
Daniel Böhme (Author)
Publication Year
2006
Pages
18
Catalog Number
V63784
ISBN (eBook)
9783638567435
ISBN (Book)
9783638775830
Language
German
Tags
Normen Dimensionen Leistungsbegriffs Seminar Leistung Leistungsbeurteilung Schule
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Böhme (Author), 2006, Normen und Dimensionen eines pädagogischen Leistungsbegriffs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63784
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