Römische Lager im rechtsrheinischen Germanien


Hausarbeit, 2004

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Römerlager im rechtsrheinischen Germanien zur Zeit der Feldzüge des Drusus von 12 v. Chr. – 9/8 v. Chr.
2.1 Römerlager an der Lippe in Westfalen
2.1.1 Das Legionslager in Oberaden
2.1.2 Das Uferkastell in Beckinghausen
2.2 Römerlager in Hessen
2.2.1 Das Nachschublager von Rödgen

3. Römerlager im rechtsrheinischen Germanien zur Zeit der Feldzüge des Tiberius bis zur Niederlage des Varus im Jahr 9 n. Chr.
3.1 Römerlager an der Lippe
3.1.1 Der Legionsstützpunkt von Haltern
3.1.2 Das Marschlager von Holsterhausen
3.1.3 Das Legionslager Anreppen
3.2 Das Römerlager von Marktbreit
3.3 Die augusteische Stadtgründung bei Lahnau-Waldgirmes

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit bewegt sich im historischen Rahmen der Germanienfeldzüge des Augustus bis zur Niederlage des Varus (ca.12 v. Chr.-9 n. Chr.). Aufgrund der geringen Truppenpräsenz an der römischen Reichsgrenze entlang des Rheins kam es wiederholt zu Überfällen germanischer Stämme auf römisches Territorium, was im Jahr 16 v. Chr. zu einer „mehr schmachvoll[en] als verlustreich[en]“[1] Niederlage des Legaten Lollius führte, die mit dem Verlust eines Legionsadlers einherging. Dies veranlasste den römischen Kaiser Augustus dazu, die Pläne zur Sicherung der am Rhein gelegenen Provinzen umzusetzen und erstmals offensive Maßnahmen gegen die auf der rechten Rheinseite siedelnden germanischen Stämme in Angriff zu nehmen.[2] Unter der Führung seiner Stiefsöhne, Drusus und Tiberius, wurden im Zuge der Kriegsvorbereitungen mehrer Militärstützpunkte am linken Rheinufer errichtet, die als Ausgangspunkte für spätere Operationen in Germanien dienten. Durch Truppenverlegungen waren zu Beginn der Feldzüge im Jahr 12 v. Chr. zwischen fünf und sechs römische Legionen und zusätzliche Auxiliareinheiten am linken Rheinufer stationiert, die in den folgenden Jahren für die römische Offensive in Germanien eingesetzt wurden.[3]

Die folgende Darstellung soll dem Leser einen Überblick über die archäologischen Funde von römischen Militäranlagen im rechtsrheinischen Gebiet zwischen Lippe und Main, dem damaligen Siedlungsgebiet der germanischen Stämme der Sugambrer, Tenkterer, Usipeter und Chatten verschaffen. Ziel der Arbeit ist es, die bisher erforschten Römerlager vorzustellen, sie den verschiedenen Phasen der Feldzüge zuzuordnen und die jeweilige Funktion der Militärlager aufzuzeigen. Der räumliche Schwerpunkt der Untersuchung liegt hierbei im Gebiet der militärischen Vormarschwege entlang der Lippe in Westfalen, der Wetterau und der hessischen Senke. Auf das augusteische Legionslager bei Dangstetten wird im folgenden Text nicht näher eingegangen, jedoch werden das Römerlager bei Marktbreit am Main und die Entdeckung einer augusteischen Stadtgründung bei Lahnau-Waldgirmes ausreichend behandelt werden.

Ich beziehe mich in meiner Arbeit auf mehrere wissenschaftliche Beiträge verschiedener Historiker, wobei vor allem die Forschungsergebnisse von Johann-Sebastian Kühlborn als Grundlage dienen, um eine aktuelle Darstellung der Ausgrabungsfunde zu gewährleisten. Die Aussagen zur Architektur der Römerlager stützen sich unter anderem auf die Monographie „Die Innenbauten römischer Legionslager während der Prinzipatszeit“ von Harald von Petrikovits und Anne Johnsons Werk „Römische Kastelle des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr. in Britannien und den germanischen Provinzen des Römerreiches“.

2. Römerlager im rechtsrheinischen Germanien zur Zeit der Feldzüge des Drusus von 12 v. Chr. – 9 v. Chr.

Im Sommer des Jahres 12 v. Chr. begann unter der Führung des Drusus der Einmarsch römischer Truppen ins rechtsrheinische Germanien. Ausgehend von dem Legionsstützpunkt Vetera bei Xanten bekämpfte er zunächst die Usipeter, um dann entlang der Lippe in das Siedlungsgebiet der Sugambrer vorzudringen.[4] Da die Legionen auf Grund der fortgeschrittenen Jahreszeit gezwungen waren in die Winterlager zurückzukehren, ohne die militärischen Ziele erreicht zu haben, wurde der Feldzug im folgenden Jahr fortgesetzt, wobei hierfür auch römische Truppen aus dem Legionslager bei Mainz in Marsch gesetzt wurden.[5] Dieser zweite Einfallsweg „folgte ein Stück dem Untermain, wendete sich im Frankfurter Raum nach Norden, durchquerte die Wetterau und zog längs der hessischen Senke nach Mitteldeutschland.“[6]

Auf beiden Vormarschwegen wurden seit dem späten 19. Jahrhundert bei archäologischen Ausgrabungen verschiedene römische Militäranlagen entdeckt, die im folgenden Abschnitt dargestellt werden sollen.

2.1 Römerlager an der Lippe in Westfalen

2.1.1 Das Legionslager in Oberaden

Das älteste bekannte Römerlager im rechtsrheinischen Germanien konnte bereits bei ersten Grabungen in Bergkamen-Oberaden in den Jahren von 1906 bis 1914 teilweise aufgedeckt werden. Festgestellt wurde eine für augusteische Militäranlagen charakteristische Holz-Erde-Mauer (B ca. 3m) mit vorgelagertem Spitzgraben (B ca. 5m, T ca. 3m), die als Umwehrung eines siebeneckigen Legionslagers diente, dass ein Gebiet von ca. 56 ha umfasste.[7] Trotz der standortbedingt unregelmäßigen Außenanlage ließ sich im Inneren des Lagers ein „rechtwinklige[s] Grundschema“[8] erkennen, das für ein funktionierendes Lagerleben unverzichtbar war[9]. Eine nähere Bestimmung der in Fachwerkbauweise errichteten Gebäude und eine gesicherte Datierung des Lagers waren zu diesem Grabungszeitpunkt nicht möglich, doch brachten weitere archäologische Maßnahmen bis heute eine Reihe neuer Erkenntnisse.

So gilt der Gründungszeitpunkt des Oberadener Legionslagers im Spätsommer 11 v. Chr. seit einer dendrochronologischen Untersuchung von gut erhaltenen Eichenhölzern aus dem Bereich der Holz-Erde-Mauer und der Brunnenverschalung im Jahr 1977 als gesichert.[10] Da bereits die historischen Quellen davon berichten, dass Drusus auf dem Rückzug in die Winterlager zum selben Zeitpunkt, „dort, wo die Lippe und der Elison sich vereinigen, ein Kastell gegen sie [die Sugambrer] errichtete“[11], kann man davon ausgehen, dass das Römerlager von Oberaden identisch mit der bei Cassius Dio genannten Militäranlage an der Lippe ist.[12]

Weiterhin „sind neben den Mannschaftsunterkünften an der westlichen Lagerfront inzwischen auch das praetorium, die principia, zwei Legatenhäuser und weitere Gebäude in der Umgebung der Principia bekannt geworden.“[13] Die exponierte Lage des Kommandeursgebäudes (praetorium) im Mittelpunkt der Anlage und die ungewöhnliche Architektur des Bauwerks, die an römische Stadtvillen erinnert, veranlassten Johann-Sebastian Kühlborn zu der Vermutung, dass der Feldherr Drusus selbst das Lager von Oberaden als Winterlager nutzte[14], bevor er im Jahr 10 v. Chr. bis an die Elbe vorzustoßen konnte. Die beträchtlichen Ausmaße des Stabsgebäudes (principia) von 94x103 m und die enorme Fläche der Anlage von 56 ha – nach Anne Johnson benötigt eine Legion ca. 20 ha Lagerplatz[15] - führten zu der allgemeinen Forschungsmeinung, dass das Oberadener Römerlager zeitweise von mindestens zwei Legionen belegt war. Verschiedene Waffenfunde belegen auch die Anwesenheit von Auxiliarverbänden mit „wohl thrakischer und kleinasiatischer Herkunft“[16], wohingegen die Identifizierung der Legionstruppen bisher nicht möglich war.[17]

Das Enddatum des Römerlagers von Oberaden lässt sich sowohl durch numismatische und historische Erkenntnisse, als auch durch dendrochronologische Ergebnisse auf die Zeit um 8/7 v. Chr. taxieren. Die Zwangsumsiedelung der Sugambrer in linksrheinisches Gebiet durch Tiberius, der, nach dem Tod seines Bruders Drusus im Jahr 9 v. Chr., das Amt des Oberbefehlshabers übernommen hatte, bedeutete gleichzeitig das Ende der Offensive gegen die am rechten Rheinufer siedelnden germanischen Stämme. Das Römerlager Oberaden verlor damit seine Funktion als militärischer Stützpunkt für die römischen Legionen im feindlichen Gebiet und wurde planmäßig geräumt.[18] So wurden nicht nur die Holzgebäude des Lagers von den römischen Truppen niedergebrannt, wie zahlreich Brandspuren an Holzfunden belegen, sondern auch „viele Brunnen durch Tierkadaver, Fäkalien und Küchenabfälle regelrecht vergiftet“[19].

[...]


[1] Suet. Aug. 23.

[2] Kunow, Militärgeschichte Niedergermaniens, 1987, 34.

[3] Kühlborn, Militärlager Westfalen, 1995, 16.

[4] Cass. Dio 54, 32, 2.

[5] Kühlborn, Militärlager Westfalen, 1995, 17.

[6] Johnson, Römische Kastelle, 1987, 254.

[7] Horn, Römer in N.-Westfalen, 1987, 356.

[8] Kühlborn, Römerlager Oberaden, 1995, 105.

[9] Johnson, Römische Kastelle, 1987, 41.

[10] Hollstein, Dendrochron. Daten, 1979, 313/314.

[11] Cass. Dio 54, 33, 4.

[12] Horn, Römer in N.-Westfalen, 1987, 358/359.

[13] Kühlborn, Germanienpolitik, 2000, 29.

[14] Kühlborn, Römerlager Oberaden, 1995, 110.

[15] Johnson, Römische Kastelle, 1987, 42.

[16] Horn, Römer in N.-Westfalen, 1987, 359.

[17] Vgl. Kühlborn, Römerlager Oberaden, 1995, 113 u. 121; Horn, Römer in N.-Westfalen, 1987, 359.

[18] Kühlborn, Römerlager Oberaden, 1995, 122 u. 124.

[19] Kühlborn, Römerlager Oberaden, 1995, 123.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Römische Lager im rechtsrheinischen Germanien
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Proseminar: Einführung in die Alte Geschichte: Die Germanienpolitik des Augustus
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V63785
ISBN (eBook)
9783638567442
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Römische, Lager, Germanien, Proseminar, Einführung, Alte, Geschichte, Germanienpolitik, Augustus
Arbeit zitieren
Andreas Geißler (Autor), 2004, Römische Lager im rechtsrheinischen Germanien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63785

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